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pingreen.gif 1 KB Drogen: eine strategische Waffe gegen die freie Welt

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Zeit-Fragen im Gespräch mit Dr. Joseph Douglass

Drogen gehörten im kalten Krieg zur kommunistischen Langzeitstrategie - und heute?


von Dr. Joseph D. Douglass

Dr. Joseph D. Douglass befasst als Analytiker verschiedener amerikanischer Nachrichtendienste seit langem mit den Hintergründen der Drogenverseuchung Amerikas. Erkenntnis: Die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten setzten Drogen gezielt als subversive Waffe ein. Douglass verfasste dazu das Sachbuch "Red Cocaine", wozu ein ehemaliger Vizedirektor der CIA das Vorwort schrieb. Douglass` Ausführungen lassen auch die angeblich "neue" Schweizer Drogenpolitik unter einem zusätzlichen Gesichtspunkt erscheinen, so dass sich dazu manchem Leser neue Fragen aufdrängen werden. Cui bono?

Zeit-Fragen: Herr Douglass, Sie haben in Ihrem Buch "Red Cocaine" Ihre Forschungen zum Drogenhandel als einer strategischen Waffe dargestellt. Könnten Sie kurz Ihre wichtigsten Schlussfolgerungen zusammenfassen?

Dr. Joseph D. Douglass: Seit Jahren erzählt man vage, dass Drogen nur aus Profitstreben verkauft werden und die Nachfrage das Angebot erzeugt. Bei meinen Nachforschungen stiess ich jedoch darauf, dass es sich dabei um Propagandabehauptungen handelt, die von Grund auf falsch sind. Der wahre Grund für die grossen Drogenmengen im Westen und der Auslöser für die Drogenplage in den USA liegt darin, dass der Westen in den siebziger und achtziger Jahren absichtlich und gezielt mit Drogen vollgepumpt wurde - und zwar infolge einer sehr erfolgreichen strategischen Geheimdienstoperation östlicher Dienste und deren Ableger in Kuba und Südamerika.

Das Ziel war, die Jugend zu demoralisieren, verschiedene Bereiche der Gesellschaft zu schwächen sowie Leute in Politik und Finanzwelt zu korrumpieren, wodurch diese auch später erpressbar blieben. Das war ein bestens koordinierter Plan, der ab 1949 von China entwickelt wurde. Die Sowjetunion hat sich in den späten 50er Jahren eingeklinkt und diese Operation übernommen. Sie setzte all ihre eigenen nachrichtendienstlichen Mittel und auch die der osteuropäischen Länder ein, um den "kapitalistischen Westen" zu schwächen. Die moralische Zersetzung sollte der physischen "Eroberung" durch die sozialistischen Nationen den Weg bereiten.

Kommunistische Beteiligung am Drogenhandel

Dies klingt unglaublich, fast wie in einem Agentenroman. Wie kamen Sie zu der Erkenntnis, dass das Drogenproblem nicht "gesellschaftlich" bedingt ist, sondern das Ergebnis einer Operation kommunistischer Geheimdienste darstellt? Aus welchen Quellen bezogen Sie Ihre Informationen?

Ich denke, es ist zunächst wichtig zu wissen, dass ich diese Forschungsarbeit weder für die US-Regierung noch für irgend eine Organisation gemacht habe. Ich wollte sowohl als Vater als auch aus meinem beruflichen Interesse für Probleme der nationalen Sicherheit mehr über das Drogenproblem erfahren. In den frühen 80er Jahren fing ich an, mich mit den öffentlich zugänglichen Quellen zum Drogenproblem zu befassen, mit Zeitungen, Kongress-Anhörungen, Büchern. Je mehr ich darüber las, desto sicherer wurde ich in meiner Einschätzung: Was dort berichtet wurde, war nur ein kleiner Teil der ganzen Wahrheit.

In jenen Jahren wurden eine Menge Informationen über die Aktivitäten verschiedener kommunistischer Länder im Drogenbereich bekannt - zum Beispiel über Kuba, Nicaragua und Bulgarien. In jedem einzelnen Fall waren die Nachrichtendienste dieser kommunistischen Länder in grossem Umfang beteiligt - was ohne die massgebliche Mitwirkung der Sowjetunion nicht möglich gewesen wäre. Doch über die Rolle der Sowjetunion war in den Zeitungen oder Kongress-Anhörungen absolut nichts zu finden.

Beruflich hatte ich mehrere Jahre mit ranghohen Überläufern aus kommunistischen Staaten gearbeitet, vor allem mit dem tschechischen General Jan Sejna. Dieser war, bevor er sich 1968 in die Vereinigten Staaten absetzte, seit 1956 in hohen Positionen der Führungshierarchie der Tschecheslowakei tätig gewesen: Er war Mitglied des Zentralkomitees und des Parlaments, Stabschef des Verteidigungsministeriums und ausserdem Sekretär des tschechischen Verteidigungsrates. Er war der ranghöchste Überläufer, der je in den Westen kam.

Kampfstrategie für die Weltrevolution

Ich fragte General Sejna einmal ganz nebenbei, ob er etwas über eine sowjetische Beteiligung am Drogenhandel wüsste. Er sagte: "Um Himmels Willen, allerdings!" Dann gab er mir eine halbe Stunde lang eine Information nach der anderen, und zwar über alles: von der Langzeitstrategie über einzelne Geheimdienstoperationen und die beteiligten Leute bis hin zu den Entscheidungen und Dokumenten.

Diese einmalige Quelle wäre auch für mich nicht zugänglich gewesen, hätte ich nicht schon vorher mehrere Jahre mit General Sejna gearbeitet: Ich kannte seine Position genau und konnte den Wert seiner Information beurteilen. Das war ein glücklicher Zufall.

Kann man wirklich von einer grossangelegten strategischen Operation gegen den Westen sprechen, und warum wurde dies nicht schon früher bekannt?

Während vier Jahren habe ich General Sejna ausführlich über die Details dieser kommunistischen Operationen befragt. Diese Einzelheiten betrafen die chinesischen Strategien und Operationen, von denen die sowjetischen Geheimdienste wussten. Er berichtete, wie der sowjetische Geheimdienst die chinesischen Operationen studierte, auswertete und ungefähr 1956 die Entscheidung traf, den Drogenhandel zusammen mit dem organisierten Verbrechen und dem internationalen Terrorismus als neue Waffe in die eigene revidierte - und indirektere - Kampfstrategie für die Weltrevolution aufzunehmen. Dann die Einzelheiten der Durchführung: Wie die Sowjets Kuba ins Spiel brachten, wie sie Kuba und die osteuropäischen Geheimdienste benutzten, um eine Vielzahl von Operationen in ganz Lateinamerika, Indonesien, Burma, Indien, Australien und auch Europa durchzuführen.

General Sejna war ausserordentlich gut informiert, denn er hatte im Zentrum dieser geheimen Drogenoperationen gestanden: Er hatte die Papiere gelesen, er hatte sie geschrieben, er war dabei gewesen, als die Entscheidungen getroffen wurden. Er war sogar daran beteiligt, die Pläne zu entwickeln und deren Durchführung zu überwachen.

Weshalb wurde Sejnas Wissen nicht auch offiziell, politisch und geheimdienstlich genutzt? Zweifelte man an seiner Glaubwürdigkeit?

Gegen General Sejna wurden - und werden immer noch - starke Widerstände aufgebaut. Aus einer ganzen Reihe von Gründen, von denen jedoch keiner etwas mit seiner Bedeutung als zuverlässige Informationsquelle oder der Glaubwürdigkeit seiner Informationen zu tun hatte. Doch was er zu sagen hatte, widersprach damaligen Positionen. Es war besonders der "friedlichen Koexistenz" und der Entspannungspolitik - die es als strategische Täuschung charakterisierte - vollkommen entgegengesetzt.*

Die Drogenplage - strategisch geplant und aufgebaut

Seit wann wurde der Einsatz von Drogen als strategische Waffe gegen die westlichen Länder, insbesondere gegen die USA, geplant?

Die Entscheidung der Sowjetunion, den Drogenhandel als strategische Geheimdienstoperation zu betreiben, wurde 1956 gefällt. Es folgte eine Zeit der Vorbereitung. Die Operation begann um 1960. Im Jahre 1962 wurden die osteuropäischen Länder, die Teil des Rauschgiftplanes waren - Ostdeutschland, die Tschechoslowakei, Ungarn und Polen -, während eines Geheimtreffens in Moskau darüber informiert, dass dies eine Hauptoperation darstelle. Jedes Land entwickelte daraufhin unter den wachsamen Augen sowjetischer Berater seinen eigenen strategischen Plan. Ab 1963 wurden diese Pläne umgesetzt. Jedes Land hatte zwar seinen eigenen Plan, aber sie wurden selbstverständlich von der Sowjetunion koordiniert.

Und wie wurden die Pläne umgesetzt?

Die Abfolge der Ereignisse in den lateinamerikanischen Ländern ist besonders interessant. Im Herbst 1960 starteten die Tschechen in Kuba eine Geheimdienstoperation und halfen beim Aufbau des kubanischen Geheimdienstes. Gemäss den Anweisungen der Sowjets war ihre erste Aufgabe, die Drogen in Kuba zu starten und deren Verteilung in den Vereinigten Staaten zu organisieren.

1961 erhielten die Kubaner Instruktionen, alle bereits existierenden Drogenhändlerringe in Lateinamerika zu infiltrieren, um verstehen zu lernen, wie dieser Handel arbeitete, um Erpressungs-Informationen zur politischen Korruption zu sammeln und die Kontrolle zu übernehmen. 1962 wurden sie angewiesen, eine eigene Drogenhandelsorganisation aufzubauen, was sie auch taten: zuerst in Mexiko, dann in Kolumbien, Panama, Chile und Argentinien.

Im darauffolgenden Jahr, 1963, starteten die osteuropäischen Geheimdienste ihre eigenen unabhängigen Operationen in Lateinamerika. Dabei nutzten sie einige der kubanischen Einrichtungen. Einer der Führer der kubanischen Operation in Kolumbien zum Beispiel wurde zu den Tschechen abkommandiert, um ihnen beim Aufbau ihrer Aktivitäten in Kolumbien zu helfen.

In der Folge gab es Mitte der 60er Jahre in beinahe jedem lateinamerikanischen Land viele verschiedene Operationen. Dasselbe passierte auch in anderen Teilen der Welt.

Die Planung war umfassend, koordiniert und sehr gründlich: Sie umfasste die Erforschung neuer Drogen, die Entwicklung wirksamerer Drogen, welche bessere «Kicks» hervorriefen, effektiver waren und länger anhaltende - sprich schädlichere - Nebenwirkungen hatten. Neue und effizientere Methoden der Drogenproduktion wurden entwickelt, man kümmerte sich um Drogenpropaganda, Korruption, Täuschung und bessere Verkaufswege und war ständig auf der Suche nach neuen Zielgruppen.

Sie begannen zum Beispiel mit dem US-Militär [in Korea und Vietnam, d. Red.], konzentrierten sich schon bald auf die Jugend als Hauptzielgruppe, auf Universitäten und Hochschulen, dann auf die innerstädtischen Minoritäten, die technische Elite, auf Bankleute und Politiker. Für jede Gruppe gab es eine spezielle Strategie.

In der Sowjetunion und der Tschechoslowakei, in Ungarn, Ostdeutschland, Nordkorea, Nordvietnam, Kuba und anderen Ländern wurden Trainingszentren aufgebaut, um Drogenhändler zu schulen.

Hauptziel der Drogenoperation: Zerstörung westlicher Kultur

Ging es dabei nicht auch um die Erschliessung einer gigantischen Devisenquelle?

Geld war damals nicht das Hauptmotiv, eher ein nützliches Nebenprodukt. Das Hauptziel war die Zerstörung der Kultur; man wollte die Jugend schwächen, Politiker, Geschäftsleute und Personen aus der Wirtschaft korrumpieren. Natürlich brachte der Drogenhandel auch eine Menge Geld ein. 1967 zum Beispiel deckten die tschechischen Drogengewinne die gesamten Kosten für die tschechischen Geheimdienstoperationen im Ausland. Ich würde sagen, dass in den späten 70er und mittleren 80er Jahren die Operationen der kommunistischen Geheimdienste insgesamt zu ungefähr 80% aus Drogengeldern und Einnahmen aus der organisierten Kriminalität finanziert wurden.

Sind die kolumbianischen Drogenkartelle ebenfalls von kommunistischen Geheimdiensten aufgebaut oder infiltriert worden?

Die meisten Terrororganisationen in Kolumbien wurden eindeutig von den Kommunisten gesponsert. 1967 liefen in Kolumbien eine tschechische und zwei kubanische Operationen möglicherweise noch weitere Operationen anderer kommunistischer Regimes.

Bis 1967 waren 90% aller lateinamerikanischen Drogenhändlerringe unterwandert. Zu jener Zeit wurde beschlossen, dass diejenigen Drogenkartelle, die der kommunistischen widerstanden hatten bzw. sich nicht benutzen ließen, zerstört werden sollten. Die Zerstörung ist relativ einfach. Man gibt Informationen über die Organisationen, die man gerne zerstören möchte, an die Behörden weiter und eröffnet ihnen damit die Möglichkeit, gegen diese Organisationen vorzugehen. Die Regierung kann damit der Bevölkerung zeigen, dass sie ihre Aufgabe bei der Beseitigung von Drogenhändlerringen erfüllt. In Wirklichkeit handelt sie nur als Agent - oder «nützlicher Idiot» - für die sowjetischen Operationen.

Interessenpolitik und Drogenlobby im Westen

Was Sie in diesem Interview und in «Red Cocaine» beschreiben, ist der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geblieben. Warum haben die westlichen Länder diese subtile kommunistische Strategie nie aufgedeckt und angeprangert?

Das Drogenproblem steht immer hinter wirtschaftlichen und politischen Interessen zurück. Um die neue Annäherung an China nicht zu gefährden, wurden nachrichtendienstliche Erkenntnisse über den chinesischen Drogenhandel vom Weissen Haus in vielen Fällen nicht besonders hochgespielt. Das US-Aussenministerium weigerte sich in einem anderen Fall, die Rolle Bulgariens im Drogenhandel zuzugeben - trotz einer ganzen Reihe von Beweisen. Auch weigerte es sich, Fidel und Raoul Castro als Haupt-Drogenhändler zu brandmarken. 1988, als es eine Liste von 24 Ländern veröffentlichte, die in die Produktion und Verteilung von Drogen verwickelt waren oder diese förderten, stand nur ein einziges kommunistisches Land auf dieser Liste: Laos. Das war natürlich ein Witz.

Vertreter der US-Regierung bemühten sich, kommunistische Länder unter allen Umständen zu schützen. Heute setzt sich dieser Trend fort, wenn es um die ehemals kommunistischen Staaten geht.

William van Raab, unter Präsident Reagan Chef der US-Zollbehörde und ein ausgezeichneter Kenner des weltweiten Drogenhandels, bezeichnete zum Beispiel die Vorgehensweise der Regierung Bush in dieser Frage vermutlich treffend als «kriecherischen Pazifismus».

Hat man in den entscheidenden Behörden nichts über diese Zusammenhänge gewusst oder nichts wissen wollen?

1970 war bekannt, dass Bulgarien stark in den Drogenhandel involviert war. Die CIA besass darüber eine Untersuchung, es gab Berichte der DEA (Drug Enforcement Agency), die Zollbehörden hatten Kenntnis davon. Es gab sogar einen Überläufer des bulgarischen Geheimdienstes, der Dokumente mitbrachte und beschrieb, inwieweit sein Land darin verwickelt war.

Gab es in den westlichen Ländern selbst Kräfte oder Gruppen, die diese Drogenverbreitungsstrategie aktiv unterstützten oder deckten?

Oh ja, eine Reihe. Da Waren zum einen die radikalen Linken in den 60ern - die Gegenkultur -, die damit Karriere machten, dass sie die Legalisierung der Drogen vorantrieben. Ich glaube jedoch, dass der wahrscheinlich grösste Feind in den Vereinigten Staaten die Intellektuellen und die Sozialwissenschaftler waren sowie ihre Schutzpatrone, die grossen steuerfreien «kulturellen» Stiftungen wie die Ford Foundation, die Rockefeller Foundation oder die Carnegie Foundation. Diese grossen Foundations unterstützten das Bestreben, den Drogenkonsum zu einer sozial akzeptierten Praxis zu machen. Das begann in den 60er Jahren und nahm an Intensität zu, nachdem Präsident Nixon den «Krieg gegen die Drogen» ausgerufen hatte.

Sehen Sie noch gesellschaftliche Kräfte oder Gruppen, die fähig wären, das Drogenproblem anzugehen?

Meine Erfahrungen der letzten Jahre haben mich zu der schmerzhaften und schwierigen Einsicht kommen lassen, dass eine Lösung in einzelnen Ländern nicht von seiten der Regierungen kommen wird. Die Menschen, die dort Regierungsverantwortung haben, sind ein Teil des Problems. Sie haben nicht im Sinn, sich zu ändern oder zuzugeben, dass sie Fehler gemacht haben oder machen.

Die Menschen müssen aktiv werden und ...

Die Menschen müssen aufwachen und realisieren, dass es sich um ihre Kultur handelt, die zerstört wird, dass es ihr Leben ist, das ihnen genommen wird, dass es ihre Kinder sind, die ins Drogenelend gezogen werden. Die Menschen müssen anfangen, aktiv zu werden. Sie werden entscheiden müssen, in was für einer Welt sie leben wollen.

Die Regierungen sind schon zu sehr auf ihren Pfad eingespurt, zu korrumpiert, zu sehr damit beschäftigt, ihre eigenen Interessen wahrzunehmen, als dass sie noch das Volk oder das Gemeinwohl repräsentieren würden.

Die Drogenkriminalität untergräbt und korrumpiert auch die legale Wirtschaft.

Handelsfirmen zum Beispiel sind besonders anfällig dafür, als Kanäle benutzt zu werden, durch die Drogen von einem Land zum anderen verschoben werden. Was wollen Sie machen, wenn Sie entdecken, dass eine Ihrer Abteilungen im Drogenhandel aktiv ist? Wenn man Sie vor die Alternative stellt, dies entweder zu tolerieren oder umgebracht zu werden, was werden Sie dann tun?

Die Verantwortlichen in der Wirtschaft müssten sich doch gegen die Investierung der gewaltigen Mengen Drogengelder wehren, wenn sie nicht ihre Handlungsfreiheit verlieren möchten?

Früher oder später werden die Geschäftsleute realisieren, dass die Korruption und das Vorgehen der organisierten Kriminalität Verhältnisse schaffen, in denen sie nicht mehr konkurrieren und wirtschaften können.

... selbst bestimmen, in welcher Kultur sie leben wollen

Denn «konkurrieren» in einer derart korrumpierten Wirtschaft bedeutet, dass man Experte werden müsste auf dem Gebiet der Bestechung: Wen muss man bestechen, wie muss man bestechen und wie kann man Konkurrenten überbieten? Man müsste sehr berechnend und kaltblütig Morde planen und ausführen. Wenn man es mit bestimmten Teilen des organisierten Verbrechens oder mit der Welt des Drogenhandels zu tun hat, dann gäbe es nur eine Art, sich um Personen zu kümmern, die ernsthaft Schwierigkeiten machen: man bringt sie um.

Wer nicht bereit wäre, auf diese Art vorzugehen, hätte keine Chance, gegenüber anderen zu bestehen, denn so brutal arbeitet das organisierte Verbrechen in Russland, und so arbeitet es in Lateinamerika. Dem kann niemand entkommen - alle Wirtschaftsbereiche werden davon betroffen sein.

Beispiele für diesen Prozess kann man heute in Mexiko, Kolumbien und Russland sehen. Wer meint, man könne in diesen Ländern normal Geschäfte machen, der sollte für eine Weile dorthin ziehen und es versuchen. Vielleicht kehrt er dann zurück und sieht schliesslich ein, dass er mit Geldwäscherei nichts zu tun haben möchte; vielleicht fängt er sogar an, sich dafür zu interessieren, was da eigentlich vor sich geht, und beginnt, zusammen mit den Eltern und dem Rest der Gesellschaft selbst zu bestimmen, in welcher Art von Kultur er leben möchte.

Herr Douglass, herzlichen Dank für das Gespräch. Sie geben uns Anlass, Ihre Angaben zu überprüfen, Ihr Buch zu lesen und die Situation im eigenen Land im Spiegel Ihrer Ausführungen zu überdenken.

Dr. Joseph D. Douglass

Berater für nationale Sicherheit der USA; 25jährige Erfahrung in Verteidigungspolitik, Technologie und Nachrichtendiensten; war Berater mehrerer Regierungsagenturen und Non-Profit-Unternehmen. Doktorat an der Cornell Universität, Lehrtätigkeit an der Naval Postgraduate School und der John Hopkins Schule für internationale Beziehungen. Autor und Co-Autor von Büchern wie Soviet Strategy for Nuclear and Biological Warfare, America the Vulnerable: The Threat of Chemical and Biological Warfare, Communist Decision-Making: An Inside View. Zum Thema des Interviews besonders interessant: Red Cocaine. The Drugging of America. Clarion House, Atlanta 1990 (2. Auflage 1997).

Vergessen oder verdrängt?

Joseph D. Douglass legt in diesem Interview - und wesentlich ausführlicher und faktenreich in seinem Buch «Red Cocaine» - Zusammenhänge dar, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz heute weitgehend unbekannt sind. Auch in unseren Breiten wusste man aber davon. Auf diese schockierenden und folgenschweren Zusammenhänge wurde schon vor Jahren aufmerksam gemacht. Sie wurden aber in der öffentlichen Diskussion nicht aufgegriffen und sind wieder in Vergessenheit geraten. Zeit-Fragen wird demnächst darauf zurückkommen. «Red Cocaine» (2. Aufl. 1997, engl.) kann über den Zeit-Fragen-Bücherdienst bezogen werden.

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Recherchen von Zeit-Fragen zeigen, dass in den USA, in Deutschland und in Österreich, gestützt auf Sejnas Angaben, Gegenmassnahmen ausgelöst wurden, die erfolgreich waren. Auch bei schweizerischen Experten waren seine Aussagen bekannt und hatten sich nie als falsch erwiesen.

(Quelle: Zeit-Fragen / Zürich Nr. 10 Oktober 1997, S. 1+2)

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