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Nadel, grün

Dr. Peter Gauweiler

Vorsitzender des CSU Bezirksverbandes München

Liebe Münchnerinnen und Münchner,
liebe Freunde Münchens in der Region,

sicher haben Sie in den letzten Wochen von der Auseinandersetzung über die sogenannte Wehrmachtsausstellung gelesen oder gehört. Ich möchte Ihnen darstellen, worum es aus meiner Sicht bei dieser Debatte geht:

  1. Die Ausstellung wird nicht nur von der CSU und in München wegen ihrer polemischen Einseitigkeit angegriffen, sondern von zahlreichen Persönlichkeiten übeall in Deutschland. Der frühere Bundeskanzler Schmidt aus Hamburg hat sich von dieser Veranstaltung genauso deutlich distanziert wie Bundespräsident a.D. Dr. Richard von Weizsäcker in Berlin. Der renommierte Historiker und Ordinarius der Freiburger Universität, Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard Kaiser, schreibt sogar von "demagogischer Inszenierung von Quellenmaterial". Niemand bestreitet ernsthaft, daß es unter der Wehrmachtsverantwortung auch schwere Kriegsverbrechen gegeben hat. Maßgebend für die Kritik ist, daß "mit dieser Ausstellung ein Pauschalurteil gefällt wird, das politisch, moralisch und historisch nicht gerechtfertigt ist."

  2. Den Ausstellern wird vorgeworfen, daß sie deutsche Soldaten - die Gefallenen, die Überlebenden, die Kriegsversehrten und die langjährig Gefangenen - generell herabwürdigen und faktisch auf eine Stufe mit Kriegsverbrechern stellen. In ihrem "Ausstellungs-Katalog" ereifern sie sich, daß "Millionen deutsche und österreichische Soldaten" zu Unrecht von der Geschichtswissenschaft bisher "freigesprochen" worden seien. Dieses Urteil wollen die Ausstellungsmacher jetzt auf ihre Weise nachholen. Sie widersprechen mit dieser kollektiven Entehrung Urteilen aller ehemaligen Kriegsgegner Deutschlands, die der Haltung deutscher Soldaten auch nach dem Krieg immer wieder höchste Anerkennung zollten. Der französische Staatspräsident Mitterand faßte diese Einstellung zum 50. Gedenktag des Weltkriegs-Endes am 8. Mai 1995 in Berlin in die Worte:

    "Bei den deutschen Soldaten, die in so
    großer Zahl starben, kommt es mir kaum
    auf die Uniform an und noch nicht einmal
    auf die Ideen, die ihren Geist bestimmten.
    Sie hatten Mut." Und weiter: "Sie liebten
    ihr Vaterland - dessen muß man sich
    gewahr werden."

  3. Auch persönlich sind die Ausstellungsmacher für ihr "Richteramt", daß sie sich über eine ganze Generation anmaßen, nicht qualifiziert . Der "Autor" der Ausstellung, Hannes Heer ist bisher u.a. als aktiver Kommunist, zeitweiliges DKP-Mitglied und Agitator gegen den demokratischen Rechtsstaat in Erscheinung getreten. Er ist verurteilt u.a. wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Sachbeschädigung und anderer Delikte. Sein Verteidiger war der Ostberliner Staranwalt Kaul. Daß im Konzept dieses profilierten Linksextremisten die Völkerrechtsverbrechen der Roten Armee und der Hitler-Stalin-Pakt nicht den geringsten Platz haben, versteht sich von selbst. Der Finanzier der Ausstellung, Jan Reemtsma, hat sich als Geldgeber der berüchtigten Hamburger Hafenstraße einen Namen gemacht, jenem Zentrum "autonomer" Militanz in der Bundesrepublik, von dem zahllose Angriffe gegen den demokratischen Rechtsstaat in Deutschland ausgegangen sind. In seinem sogenannten Institut, das die Ausstellung veranstaltet in Wahrheit ein privater Verein, der mit den Instituten einer Universität nichts zu tun hat - war unter anderem der Baader-Meinhof-Terrorist Dellwo beschäftigt, beteiligt an der Ermordung des deutschen Botschafters in Stockholm.

  4. In anderen Städten in Bayern, in Nürnberg und in Regensburg, haben sich die Oberbürgermeister wegen der Einseitigkeit der Ausstellung geweigert, für diese Veranstaltung auch noch ihre Rathäuser zur Verfügung stellen zu müssen. Zur Debatte in München schreibt die angesehene "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrem Leitartikel auf der ersten Seite:

    "Bilder, einseitig ausgewählt, sind
    geeignet, nicht einmal ein halbes Bild
    der Wirklichkeit zu vermitteln, also
    zu indoktrinieren. In unserem Staat
    haben die Veranstalter das Recht dazu.
    Aber die staatlichen Organe sollten
    sich mit einem solchen Versuch nicht
    identifizieren, wie es in München, wo
    die Ausstellung im Rathaus gezeigt
    wird, geschehen ist. Das ist der Grund
    für den dort aufgeflammten Streit.''

    Es war im Gegensatz zu anderen Städten der rot-grünen Rathauskoalition in München vorbehalten, diese Veranstaltung in den Rang eines kommunalen Staatsaktes zu erheben. Wir halten dies für einen politischen und moralischen Mißgriff und wiederholen diese Kritik.

  5. Daß Sie viele dieser Informationen bisher kaum oder überhaupt nicht haben lesen können, hängt damit zusammen, daß sich bestimmte Zeitungen - in München die "Süddeutsche" und die "AZ" - nicht als Berichterstatter, sondern als Agitatoren der Aussteller und ihrer rot-grünen Bundesgenossen begreifen. Kritische Einwände werden in dieser Presse immer wieder nur entstellt gebracht oder mittels der Zensur des Verschweigens gleich ganz unterdrückt, während Heer, Reemtsma, Ude sich in seitenlangen Artikeln verbreiten dürfen. Meinungsfreiheit im Sinne eines Pro und Contra fand in dieser immer tiefer sinkenden Presse nicht statt. Daß die außer Rand und Band geratene Abendzeitung neuerdings "leitende Redakteure" von der ultra-linken Westberliner Zeitung "taz'' für ihre Kampagnen "einkauft", rundet dieses trübe Bild nur noch ab. Bitte verstehen Sie, daß wir uns von solchen Gegnern nicht zum Verstummen bringen lassen wollen und werden.

  6. Meine Freunde und ich glauben, daß auch die deutsche Geschichtsschreibung der Aufklärung verpflichtet ist und nicht dem Pamphlet. Und daß die Verbreitung von bestenfalls nur Halbwahrheiten wie bei der Wehrmachtsausstellung immer auch die Verbreitung der halben Unwahrheit bedeutet. Eine pauschale Verurteilung ist ein Schlag ins Gesicht von Millionen Familien, die im Krieg ihren Vater, Bruder, Sohn oder Ehemann verloren haben und eine späte absichtsvolle Demütigung zahlloser Männer, die ehrenhaft gekämpft hatten. Zu einem freien Land gehört auch nicht die Bevormundung durch eine ideologische oder journalistische Gedankenpolizei, sondern das furchtlose Nachdenken über Zukunft und Vergangenheit des eigenen Volkes. Dafür setzen wir uns ein.

Wir bitten Sie, uns in dieser Bemühung zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Peter Gauweiler


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