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(...) Obwohl UKW niemals die Klasse von Fehlfarben, Joachim Witt, Trio, gar D.A.F. oder Palais Schaumburg erreichten, freut sich der Freund des einheimischen 80er-Jahre-Pop über die Wiederveröffentlichung der beiden lange verschollenen UKW-Alben, die noch niemals auf CD erschienen waren und jahrelang auf Plattenbörsen zu horrenden Preisen gehandelt wurden. UKW erwiesen sich zwar niemals als Meister der musikalischen Innovation mehr als billige Teeniepopper zum einmaligen Anschwärmen und danach Wegwerfen waren sie auf jeden Fall! (...) |
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UKW Ultrakurzwelle & Alles Klar (2 CD) |
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von Holger Stürenburg Ich bin ja so verschossen / in Deine Sommersprossen als die ersten Sonnenstrahlen den legendären Sommer 1982 ins Leben riefen, existierte in diesem unserem Lande kein Radio, aus dem diese Zeilen nicht ertönten, kein Schulhof, auf dem man sie nicht schmetterte, keine Diskothek, in der man nicht danach tanzte. Die Berliner Popband UKW hatte mit dem melodiösen Synthipopsong Sommersprossen den Nerv des bundesrepublikanischen Zeitgeistes kurz vor Ende der sozialliberalen Ära getroffen. Der vordergründig an ein typisch Berliner Chanson der 20er/30er Jahre erinnernde Ohrwurm avancierte zu einem der bedeutsamsten Sommerhits des Jahres. Fröhlichkeit und leichte Rhythmen überspielten die immensen wirtschaftlichen Probleme und die starken außenpolitischen Ängste vieler Menschen. Neben Hubert Kah, Markus, Frl. Menke und anderen Ein-Hit-Wundern zählte die fünfköpfige Truppe um Sänger Peter Hubert zu den Kurzzeit-Stars der kommerziellen Neuen Deutschen Welle. Die Teenies liebten sie; die Kritiker konnten ihre Häme kaum verbergen. Obwohl die fünf hübschen Jungspunde aus Berlin-Zehlendorf in jenen Monaten nahezu in jeder BRAVO-Ausgabe in epischer Breite gefeiert wurden, ihre Konzerte in Schreiorgien zahnbespangter, frühreifer Schönheiten endeten und die anspruchsvolle Musikpresse die Songs von UKW höchstens als puren Durchschnitt (Tip Magazin) durchgehen ließ, kann sich der inzwischen gesetzte 80er-Freak 20 Jahre danach davon überzeugen, daß UKW durchaus besser waren als ihr Ruf zumindest über weite Strecken. DA Music veröffentlicht am 24. November d.J. eine preisgünstige Doppel-CD mit den beiden UKW-Alben Ultrakurzwelle (1982) und Alles klar (1983) zwar ohne jegliche Bonustracks (wo ist die Originalversion der zweiten UKW-Hitsingle Ich will abgeblieben???), Textabdrucke oder Hinweise auf die Bandgeschichte, zwei Mal rund 40 Minuten biedere deutsche Popmusik mit Wave-Anklängen, die, im Vergleich zu heutigem Teenager-Pop, oft geradezu intellektuell und hochanspruchsvoll klingt. Die meisten Kids des Jahres 2003 wären nach PISA-Schock und einem Vierteljahrhundert übelster Schulreformspielereien gar nicht mehr in der Lage, manche UKW-Texte die zwar öfters recht einfältig, aber auch nicht selten quergedacht, kritisch daherkommen und in manchen Momenten gar nicht mal so leise an Randy Newmansche Situationskomik erinnern geistig nachzuvollziehen! Als New Wave und Punk Ende der 70er nach Deutschland eingereist waren, gründeten Peter Hubert (voc), Andreas Schwarz-Ruszczynski (git) und Andreas Koch (key), allesamt um die 20 Jahre alt, ihre Band UKW und entwickelten ein zackiges musikalisches Konzept. Mit den ersten eigenen Songs traten sie im Frühjahr 1981 beim legendären Berliner Senatsrockwettbewerb auf. Die 280 anderen Teilnehmer spielte die um wechselnde Schlagzeuger und Bassisten erweiterte Band locker an die Wand und erhielt daraufhin als einer von neun Siegern die Möglichkeit zu ersten Plattenaufnahmen. Bleib doch bei mir (in einer professionellen Fassung Eröffnungssong ihres Debütalbums Ultrakurzwelle) erschien im Dezember 1981 beim staatlich geförderten Minilabel Berlin Rock News und war innerhalb nur weniger Wochen vergriffen. Inzwischen hatten Joachim Witt, Rheingold oder die Spider Murphy Gang die ersten neuartigen Popsongs in deutscher Sprache, die alle ob zurecht oder nicht schnell mit dem Prädikat NDW versehen wurden, in die offiziellen Singlecharts eingeführt. Plattenfirmen und Zeitgeistexperten wußten: 1982 wird das Jahr deutscher Pop- und Rockmusik. Somit stürzten sich die Companys auf alles, was in unserer Muttersprache sang und irgendwie wellig klang. Ergo erhielten auch UKW umgehend einen Vertrag bei Telefunken/TelDec und spielten Anfang 1982 die elf Songs von Ultrakurzwelle ein. Die LP, die ironisch mit dem bewährten Slogan Millionen hören UKW beworben wurde, beinhaltete freche, jugendliche, aber nicht immer ausgereifte Popmusik mit Funk-, Reggae-, und Schlagerzitaten, stets auf der Basis von Synthis, abgehackten New-Wave-Gitarren und tanzbaren Rhythmen gehalten. Für fast alle Songs war der vielfach angeschwärmte Frontmann Peter Hubert kompositorisch und lyrisch verantwortlich. Mit seiner oft exaltierten, beißenden (manchmal aber auch etwas pubertär wirkenden) Stimme erzählt der Teenieschwarm von psychologischen Phänomenen (Verklemmt) oder bizarren Obsessionen (Wenn sie nicht so groß wär). Manche Songs erinnern an Talking Blues (Peter pack den Koffer ein), andere hingegen bedienen nur Klischees (Einmal Reich, Kalt) Friedensbewegt singt Hubert im bitterbösen Reggae Maßstab von Krieg im Spielzeugland und Atompilz überm Spielplatz. Der Hit Sommersprossen (Mai 1982: Rang 5 in Deutschland) sticht mit seinem luftig-leichten Popappeal aus dem übrigen Material von Ultrakurzwelle heraus: die meisten anderen Songs des Debüts übertreffen die bis heute beliebte Single an musikalischer und (zumeist auch) lyrischer Tiefe (Gesamtnote: 2 bis 3). Nach diversen TV-Auftritten in ZDF-Hitparade, Bios Bahnhof oder Rock-Pop in Concert zählten UKW zu den Überfliegern der NDW-Szene 1982: Die Bay City Rollers waren vergessen, die Teens soeben gestorben; die Früh-80er-Teeniequeen hatte in jenen Tagen nur ein einziges Idol und dies waren UKW. Zeitgleich mit einer neuen Bundesregierung gab es Anfang Oktober 1982 eine aktuelle Single von UKW: Ich will eine Art Do anything you wanna do auf Deutsch rockte punkig los und fand sich bald darauf nahe der hiesigen Top 10 wieder. Leider jedoch hielten es die Verantwortlichen bei DA Music offenbar nicht für nötig, den damals nicht auf LP erschienenen Hymnus auf die Freiheit der Jugend bei der CD-Neuauflage in seiner Originalfassung zu berücksichtigen. Im Mai 1983 die NDW war inzwischen am tödlichen Virus der Überkommerzialisierung erkrankt veröffentlichten UKW ihr zweites und letztes Album Alles klar. Der enorme Erfolg des Debüts hatte dafür Rechnung getragen, daß bei Album Nummer Zwei umfangreiche Budgets für Bläsersektionen, Streicher und bessere Produktionstechniken vorhanden waren. Alles klar zeigte die Band als Fehlfarben für Zehntklässlerinnen. Bläserbetonter Funkrock mit pumpenden Bässen und vertracktere Kompositionen mit (zu)viel Reggae-Anklängen boten zwar mehr musikalischen Spielraum; oft aber scheiterte Peter Hubert an seinem eigenen Vorhaben, anspruchsvollere, tiefgründigere Songs zu schreiben als auf dem Debüt. Den Text von Wie zwanzig Jahre verstand er wahrscheinlich selbst nicht, Das Medium versprühte eine nicht sehr glaubhafte politische Attitüde und deutete verworren in Richtung Orwell-Jahr 1984. Nicht übel hingegen: Die schnelle Punkfassung des Brühne/Balz-Klassikers Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen. Die gnadenlos eingängige, lyrisch zum Falklandkrieg jener Tage passende Rockhymne Hey Matrosen (einer der besten Songs des Albums) wurde als erste (und einzige) Single ausgekoppelt, erreichte aber nur einen unbefriedigenden Platz 67 in den deutschen Hitparaden! Die düstere, zukunftsängstliche Grundstimmung des Albums kam beim Hörer nicht an und wirkte aufgesetzt und gezwungen; Joachim Witts Lyrik war einfach treffender und ätzender, Geier Sturzflug klangen schlicht (selbst)ironischer und näher am Volk. All dies fehlt Songs wie Du hältst mich fest oder Na Sowas. Wie die Talking Heads wollte man vielleicht klingen; wie eine anpolitisierte Schülerband, deren reiche Pappis ein teures Studio finanziert haben, wirkte das meiste. (Gesamtnote: 3 bis 4) Eine einmonatige Deutschlandtournee im Mai/Juni 1983 verhallte im Sande; die Teenager hatten längst Depeche Mode oder Duran Duran für sich entdeckt. Die deutsche Sprache im Pop verlor im weiteren Verlauf des Jahres 1983 allgemein an Bedeutung. Gemeinsam mit ihren NDW-KollegInnen von Kah bis Menke gingen UKW unter. Nach einem letzten TV-Auftritt auf der Berliner Funkausstellung erklärte die Band ihre Auflösung. Obwohl UKW niemals die Klasse von Fehlfarben, Joachim Witt, Trio, gar D.A.F. oder Palais Schaumburg erreichten, freut sich der Freund des einheimischen 80er-Jahre-Pop über die Wiederveröffentlichung der beiden lange verschollenen UKW-Alben, die noch niemals auf CD erschienen waren und jahrelang auf Plattenbörsen zu horrenden Preisen gehandelt wurden. UKW erwiesen sich zwar niemals als Meister der musikalischen Innovation mehr als billige Teeniepopper zum einmaligen Anschwärmen und danach Wegwerfen waren sie auf jeden Fall! |