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(...) 16 Wochen hielt sich die Debüt-LP in den britischen Hitlisten und erzielte als beste Notierung Rang Sechs. Es folgten weitere Singles, eine zweite LP und ausverkaufte Tourneen. Doch 1968, als sich die Troggs mit „Love is all around“ in die Flower-Power-Ecke bewegten und im Text der Hippiebewegung gedachten, war die Erfolgsstory zu Ende. Es kam zu ersten Zwistigkeiten, woraufhin die Band genauso schnell in die zweite Reihe verschwand, wie sie nur zwei Jahre zuvor an die Spitze gesegelt war. (...)

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Holger
Stürenburg

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The Troggs „From Nowhere“ (Wiederveröffentlichung)

von Holger Stürenburg

Eigentlich unendlich schade, daß die 60er-Beatband The Troggs stets auf ihren Welterfolg „Wild Thing“ reduziert wird. Natürlich war die frühe Punknummer mit ihrem stampfenden Rhythmus, dem bizarren Flötensolo über den harten Riffs und dem leicht schlüpfrigen Text (der in manchen Radiostationen zu einem umgehenden Sendeverbot führen sollte!) für damalige Verhältnisse – man schrieb April 1966 – ganz schön ungewöhnlich und einmalig. Trotzdem hatte das aus dem britischen Kaff Andover/Grafschaft Hampshire stammende Quartett um Frontmann Reg Presley und Leadgitarrist Chris Britton weitaus mehr zu bieten, als diese eine – zugegebenermaßen bemerkenswerte – Hitsingle.

Dies konnte man besonders an ihrem Debütalbum „From Nowhere“ erkennen, das Ende 1966 international bei Fontana, in Deutschland bei Hansa Berlin erschien und nun erstmals auf Silberscheibe vorliegt. Das auf interessante Wiederveröffentlichungen spezialisierte Hamburger Label Repertoire Records hat vor kurzem, aus Anlaß des 60. Geburtstags von Troggs-Gründer Reg Presley, das Album „digital remastered“, mit Originalcover und einer Menge Bonusliedern versehen, auf den Markt gebracht. Die zwölf Songs der einstigen deutschen Pressung von „From Nowhere“ sowie drei damals nur in England erschienene LP-Tracks und zusätzlich fünf Single-A- und –B-Seiten geben Zeugnis über das Potential, das Presley und Co. einst besaßen und weit über den „Höhlenrock“-Sound ihres Welthits hinausreichte.

The Troggs waren 1965 aus der nur lokal bekannten Beatband The Troglodytes hervorgegangen und hatten sich mit einer kraftvollen Neueinspielung des Kinks-Hits „You really got me“ bei deren Manager Larry Page vorgestellt, der die Nachwuchsrocker umgehend unter seine Fittiche nahm und dafür sorgte, daß die vier aufstrebenden Musiker zwischen 1966 und 1968 nicht aus den internationalen Hitlisten wegzudenken waren.

Nach der ersten, obskurer Weise nur in Holland erfolgreichen Single „Lost Girl“, die sich, wie auch deren B-Seite „The Yella in me“, ebenfalls auf „From Nowhere befindet, gelang im April 1966 mit „Wild Thing“ der Durchbruch. Das noch heute Gänsehaut erzeugende Stück mit der unvergessenen (und damals sehr umstrittenen) Textzeile „Wild Thing – I think you move me“ schlug ein wie eine Bombe: Nummer Eins in den USA, Nummer Zwei in Großbritannien, Top 10 fast überall in Europa. Eine Single folgte auf die andere, bis Ende 1966 das langersehnte LP-Debüt „From Nowhere“ erschien, das die damalige Teenagergeneration weltweit begeistern sollte.

Darauf huldigen die vier Frühpunks traditionellem britischen Beat („I just sing“), romantischen Balladen („When I’m with you“), leicht psychedelischen Anklängen mit Cembalo („Jingle, Jangle“) oder fröhlichem Pop („Hi, Hi Hazel“ – 1967 ein weiterer Hiterfolg in der Bandheimat). Trotz ihrer Baßlastigkeit und der Brutalität ihrer Rhythmen, wurden die Troggs letztendlich beeinflußt vom Rock’n’Roll der 50er und vom Rhythm’n’Blues der 60er. Dies zeigt sich z.B. in dem damals nur auf der britischen Ausgabe der LP erschienenen klassischen Blues „Evil“, dem Beinahe-Hardrocker „Lost Girl“ oder dem von Manager Page verfaßten (und an seine Helden The Kinks angelehnten) Rocksong „Your Love“. In „The Yella in me“ orientierte sich Presley kompositorisch eindeutig an Vorbild Chuck Berry, dessen weitgehend unbekanntes Werk „The Jaguar and the Thunderbird“ die Troggs zusätzlich als treibenden, hochspannenden Talking Blues inszenierten. Romantisch/schöngeistig wird es in „Our Love will still be there“, ebenfalls von Presley geschrieben, der für die meisten Songs seiner Band verantwortlich war. Den von Hunderten Bands aufgenommenen Rockstandard „Louie, Louie“ spielten die Troggs für „From Nowhere“ im Stile ihres Hits „Wild Thing“ ein.

Nach dem „wilden Stück“ – interessanterweise nicht aus der Feder Presleys, sondern von dem ansonsten nicht weiter aufgefallenen Chip Taylor komponiert, dem Bruder des amerikanischen Filmschauspielers John Voight – folgte schon im Juli 1966 Hit Nummer 2: „With a Girl like you“ fand sich zwar nicht auf der „From Nowhere“-LP, verband aber die britische Leichtigkeit der „Swinging Sixties“ mit vertrackteren Arrangementideen der Beach Boys: Der lyrisch wiederum süffisante klassische Popsong war der einzige Spitzenreiter für die Troggs in Großbritannien und gilt ebenfalls bis heute als Evergreen, wenn er sich auch musikalisch vollkommen anders geartet präsentierte als „Wild Thing“. „I can’t control myself“, bekannt geworden durch Reg Presleys Urschrei und die erneut für manche Kreise boykottwürdige Lyrik, folgte als dritte Hitsingle des Jahres 1966 und war ebenfalls nicht „From Nowhere“ entnommen.

16 Wochen hielt sich die Debüt-LP in den britischen Hitlisten und erzielte als beste Notierung Rang Sechs. Es folgten weitere Singles, eine zweite LP und ausverkaufte Tourneen. Doch 1968, als sich die Troggs mit „Love is all around“ in die Flower-Power-Ecke bewegten und im Text der Hippiebewegung gedachten, war die Erfolgsstory zu Ende. Es kam zu ersten Zwistigkeiten, woraufhin die Band genauso schnell in die zweite Reihe verschwand, wie sie nur zwei Jahre zuvor an die Spitze gesegelt war. Bis heute touren The Troggs – Presley und Britton halten als Mitglieder der Originalbesetzung die Bandflagge hoch – durch die Lande, konzertieren auf großen Oldiefestivals wie auch in kleinen Clubs und haben sich im Laufe der Jahre nichts von ihrer Spielfreude nehmen lassen. Zwar gelang es den Troggs niemals, in einem Atemzug mit 60er-Legenden a’la Kinks, Who oder Stones genannt zu werden. Trotzdem bleibt natürlich besonders „Wild Thing“ ein Klassiker für die Ewigkeit. Gecovert von Jimi Hendrix über Jürgen Zeltinger bis BAP und Tone-Loc, immer wieder eingesetzt in Filmen und Werbespots überall auf der Welt. Für Fans der Klänge der 60er, die die Anfänge der Troggs selbst als Teenager miterlebt und -verfolgt haben, stellt die Wiederveröffentlichung von „From Nowhere“ sicherlich eine kleine Offenbarung dar, zumal legendäre Pressebilder und Singlecover den Weg ins Beiheft gefunden haben und sich darin auch eine detailliert ausgearbeitete Geschichte der Band befindet. Andere Wohlgesonnene können die 52minütige CD mit ihren insgesamt 20 mitreißenden Songs getrost auf ihrer nächsten Oldieparty einsetzen. Es wird garantiert keiner auf seinem Stuhl sitzen bleiben.

Wertung – Musik: 2
Wertung – Aufmachung: 1
Wertung – Klang: 1


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