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(...) 1985 war der angeschwärmte Rockcharmeur endgültig etabliert. Nach einem kurzen Gastspiel bei der Duran Duran-Abspaltung The Power Station erschien im Herbst ´85 Riptide, Palmers bis dato erfolgreichstes Album. Die achteinhalb Songs trafen den musikalischen Zeitgeist haargenau; mit dem Video zu Addicted to Love setzte Palmer neue künstlerische Akzente für das angebrochene MTV-Zeitalter. Wieder einmal bestach der bestgekleidetste Rockmusiker der 80er Jahre durch enorme Stilvielfalt. Trotzdem wirkt Riptide wie aus einem Guß. Der Sänger und Komponist schwamm auf der damals erfolgreichen New Jazz-Welle und coverte als Titelsong eine 1935 entstandene Crooner-Ballade in zeitgemäßem Gewand, um kurz darauf bei Hyperactive mitten im knalligen US-Rock der 80er zu landen. (...) |
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Robert Palmer Secrets (Wiederveröffentlichung), Riptide (Wiederveröffentlichung) |
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von Holger Stürenburg Am 26. September 2003 verstarb Robert Palmer plötzlich und unerwartet an einem Herzinfarkt. Der britische Stiljongleur mit der fast schwarzen Soulstimme wurde nur 54 Jahre alt. Nach seinem Tod versuchen natürlich alle Plattenfirmen, mit denen Palmer im Laufe seiner rund 30jährigen Karriere zusammengearbeitet hat, seinen vielen Fans auf der ganzen Welt Material ihres Idols zugänglich zu machen, das lange vergriffen war. So bringt Island/Universal dieser Tage zwei erfolgreiche Alben des sympathischen Musikers auf den Markt, die nun nach vielen Jahren in allen gutsortierten Plattenläden als US-Import wieder auf CD erhältlich sind. Den Anfang macht Secrets, Palmers sechstes Soloalbum, im Original erschienen 1979. Ein Jahr zuvor hatte sich der intellektuelle Lebemann mit der LP Double Fun und dem daraus ausgekoppelten lockeren Popreggae Best of Both Worlds besonders in den USA und Kanada die Herzen der Rockfans ersungen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an das Folgealbum. Die Wünsche und Träume seiner Anhänger wurden wahrlich nicht enttäuscht: Zwar klingt Secrets phasenweise noch etwas dünn, vor allem in punkto Instrumentierung und Arrangements, trotzdem hatte Palmer in den elf Songs die Zeichen der Zeit erkannt und präsentierte auf dem Album eine bunte Reise durch die angesagtesten Stilrichtungen der ausgehenden 70er Jahre. Seien es der eingängige, von Moon Martin komponierte Pub Rock Bad Case of Loving you (Doctor, Doctor) inkl. der nur allzu zutreffenden Textzeile A pretty Face dont make no pretty Heart (nicht wahr, Laura?), mit dem Palmer erstmals die US-Top 10 stürmen konnte, der reggae-infizierte Intellektuellenpop In walks Love again oder die lupenreinen New Wave-Nummern Too good to be true (eher soft) und Jealous (eher treibend), die viel von dem vorwegnahmen, was Bands wie The Police oder Fischer-Z ein, zwei Jahre später so beliebt machen sollte. Palmer balancierte mit nur allen erdenklichen Stilmitteln, ohne seine eigene Persönlichkeit jemals hintanzustellen. An den Blue Eyed Soul von Hall & Oats erinnern die typisch amerikanischen Großstadtballaden Can we still be Friends? oder Mean old World. Der musikalische Autodidakt versuchte sich an wiegendem Bluesrock mit Souleinflüssen (Love Stop, Under Suspicion), dunklem Synthirock (Remember to Remember) und läßt seinen Reggae-Stompern des Vorjahres mit Whats it takes Gleichwertiges folgen. Wer einen Überblick über das Rockgefühl des Jahres 1979 bekommen möchte, muß nicht auf einen Hitsampler der Sorte Best of 1979 zurückgreifen Palmer komprimiert auf Secrets das Beste des Musikjahres, ohne abzukupfern oder billig zu kopieren, sondern stets mit einer großen Portion Eigenständigkeit und viel Liebe zum Detail eingespielt. Kein Wunder, daß ihm nur zwölf Monate später, mit dem Album Clues und der genialen Single Johnny and Mary, auch hierzulande der Durchbruch gelingen sollte! (Gesamtnote: 2) 1985 war der angeschwärmte Rockcharmeur endgültig etabliert. Nach einem kurzen Gastspiel bei der Duran Duran-Abspaltung The Power Station erschien im Herbst ´85 Riptide, Palmers bis dato erfolgreichstes Album. Die achteinhalb Songs trafen den musikalischen Zeitgeist haargenau; mit dem Video zu Addicted to Love setzte Palmer neue künstlerische Akzente für das angebrochene MTV-Zeitalter. Wieder einmal bestach der bestgekleidetste Rockmusiker der 80er Jahre durch enorme Stilvielfalt. Trotzdem wirkt Riptide wie aus einem Guß. Der Sänger und Komponist schwamm auf der damals erfolgreichen New Jazz-Welle und coverte als Titelsong eine 1935 entstandene Crooner-Ballade in zeitgemäßem Gewand, um kurz darauf bei Hyperactive mitten im knalligen US-Rock der 80er zu landen. Als dritter Songs von Riptide folgt sogleich eine der Über-Rocknummern der gesamten Dekade: Das Schlagzeug drischt los, plötzlich setzen bedrohlich sägende Gitarrenriffs ein, gekonnte, aufreibende Synthiakkorde folgen, bevor des Meisters Stimme heiß wie selten ertönt... Addicted to Love mit seiner Yuppieattitüde zwischen beißender Coolness und emotionaler Hitzköpfigkeit erreichte in den USA den Spitzenplatz und in des rockenden Beaus Heimat Platz Vier kurzum ein Welthit, und bis heute ein immer blühendes Zeitzeugnis des gehobenen 80er-Rock. Nach sechs Minuten Liebessüchten springt Palmer in die vertrackte Earl-King-Komposition Trick Bag, meistert famos alle noch so obskuren Rhythmus- und Tempowechsel, um sich daran anschließend zu dunklen Synthikaskaden mit der Eigenkomposition Get it trough your Heart endgültig als Nat King Cole des Synthizeitalters vorzustellen! Während wir früher, zu seligen Vinyl-Zeiten, Riptide nun umdrehen mußten, bleibt uns dies in der CD-Version erspart und die nächtlich/romantische Stimmung der elektronisch arrangierten Jazzballade wird ohne lange Pause durch den knochentrockenen Funkrocker I didnt mean to turn you on konterkariert ebenfalls ein Diskothekenrenner und Tophit in GB und USA. Es scheint, als hätte sich Palmer erst jetzt so richtig warmgesungen - es folgen zwei konstruktiv hysterische Rockhämmer auf rabenschwarzer Funkbasis: Flesh Wound und Discipline of Love bestechen durch einen in sich geschlossenen, man möchte sagen, fetten Sound, der beide Songs sowohl auf klassische Rockfans als auch auf tanzwütige Nachtlebenfreaks prächtig wirken läßt. Eine kurze Reprise-Version von Riptide beschließt eines der explosivsten wie ambitioniertesten Alben in der Karriere Roberts Palmers, das auch seinen künstlerischen wie kommerziellen Höhepunkt darstellte. Schon ab seinem nächsten LP-Werk Heavy Nova (1988) schien sich Palmer mit seiner Stilvielfalt immer mehr zu verzetteln. Ihm gelangen zwar weiterhin ein paar durchaus passable Songs, aber eine einheitliche Linie war nur noch selten erkennbar. (Gesamtnote: 1 bis 2) |