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(...) Nach dem Megaerfolg von Clues verzettelte sich Palmer 1982 mit dem unausgegorenen Album Maybe it's live, das neben einigen, weniger aufregenden Konzertmitschnitten, den Singleknaller Some Guys have all the Luck enthielt. Die kühle Coverversion des Persuaders-Klassikers zeigte Palmer erneut als coolen Synthihelden und avancierte zu einem weltweiten Diskothekenhit. Plötzlich entdeckte Palmer nigerianische Juju-Klänge für sich, verhalf der afrikanischen Folktruppe King Sunny Ade & his African Beats zu einem Plattenvertrag und brillierte 1983 auf dem Album Pride mit einer eleganten Mischung aus tanzbarem Discopop und allen nur möglichen afrikanischen Einflüssen. So wie Palmer dem Synthipop Tür und Tor geöffnet hatte, bevor sich dieser allgemein etablierte, präsentierte er mit Pride World-Music und Ethnopop zu einem Zeitpunkt, als noch kaum einer davon sprach. (...) |
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Nachruf Robert Palmer (1949 2003) |
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von Holger Stürenburg Stilvielfalt hieß das Zauberwort. Ob Reggae, Hardrock, Synthipop oder Big Band Jazz: Robert Palmer beherrschte die wichtigsten Musikrichtungen des 20. Jahrhunderts wie aus dem ff, vermischte sie gekonnt, legte sich niemals fest und zählte mit dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise zu den erfolgreichsten Rockmusikern der 80er Jahre! Am 19. Januar 1949 in Batley, Grafschaft Yorkshire, geboren, entdeckte der junge Robert Palmer bereits mit 15 Jahren die schwarze Musik eines Nat King Cole oder Otis Redding. Er brachte sich im Selbststudium mehrere Instrumente bei, zog mit Jazzrockprojekten und experimentellen Big Bands durch die Lande und gründete zusammen mit der britischen Folksängerin Elkie Brooks die Rockband Vingar Joe. Doch erst als Solokünstler konnte der betont bürgerlich, manchmal auch plakativ arrogant auftretende Sänger und Komponist, der nur selten durch Affären und Skandale auffiel und somit als eine Art Saubermann des Rock galt, all seine musikalischen Träume erfüllen. Nach ersten Anfängen Mitte der 70er Jahre, erzielte Palmer 1978 mit dem Album Double Fun und den Singles Every Kinda People und Best of Both Worlds erste Erfolge in den Hitparaden. Softer Reggae, gemischt mit weißem Pop und einer Prise Funk, lautete die Devise auf Palmers ersten solistischen Versuchen. Die LP Secrets folgte ein Jahr später und beinhaltete feinen, südamerikanisch angehauchten Pop (What it takes) neben dröhnendem, aber stets gediegenem Bluesrock (Bad Case of Loving you). Als Anfang der 80er Jahre kühler Synthipop und romantische Computerklänge die Musikszene durcheinanderwirbelten, präsentierte Palmer von heute auf morgen einen Klassiker des neuen Popzeitalters. Das Album Clues, erschienen im Herbst 1980, war ein Beleg dafür, daß Palmer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war, und sorgte mit Looking for Clues und besonders der melancholisch/abgeklärten Synthiballade Johnny and Mary für erste Meriten in Deutschland. Palmer arbeitete mit Technopop-Pionier Gary Numan zusammen und wurde daraufhin als Prophet des 80er-Jahre-Pop gefeiert. Von nun an konnte sich niemand mehr sicher sein, mit welchen musikalischen Überraschungen der charmante Sänger, dessen nobles, stilvolles Auftreten ihn vor allem bei der Damenwelt zum neuen Idol avancieren ließ, auf seinem nächsten Album aufwarten würde. Nach dem Megaerfolg von Clues verzettelte sich Palmer 1982 mit dem unausgegorenen Album Maybe it's live, das neben einigen, weniger aufregenden Konzertmitschnitten, den Singleknaller Some Guys have all the Luck enthielt. Die kühle Coverversion des Persuaders-Klassikers zeigte Palmer erneut als coolen Synthihelden und avancierte zu einem weltweiten Diskothekenhit. Plötzlich entdeckte Palmer nigerianische Juju-Klänge für sich, verhalf der afrikanischen Folktruppe King Sunny Ade & his African Beats zu einem Plattenvertrag und brillierte 1983 auf dem Album Pride mit einer eleganten Mischung aus tanzbarem Discopop und allen nur möglichen afrikanischen Einflüssen. So wie Palmer dem Synthipop Tür und Tor geöffnet hatte, bevor sich dieser allgemein etablierte, präsentierte er mit Pride World-Music und Ethnopop zu einem Zeitpunkt, als noch kaum einer davon sprach. Zur Hochphase von Yuppietum und Neokonservativismus veröffentlichte der inzwischen in der Schweiz lebende Rockcharmeur seine kreative Höchstleistung: Riptide, ein feudales, vielfältiges Album zwischen New Jazz, trockenem Funk und gitarrenlastigem Großstadtrock. Addicted to Love betörte durch ein Arrangement, das so klang, als wäre Bryan Ferry mit Bon Jovi ins Studio gegangen und hätte das Ergebnis von Gary Numan produzieren lassen. Unterkühlt erotische Videoclips in bester künstlerischer Manier trugen dazu bei, daß Palmer auch zu Beginn des Zeitalters von MTV und Co. ein vielbeachtetes Thema blieb. Das 88er-Werk Heavy Nova zeigte den bestbekleidetsten männlichen Rockstar (Rolling Stone) wiederum als Wanderer zwischen den musikalischen Welten. Heavy Metal und Bossa Nova verschmolzen zu einer Einheit; die Singlehits erstreckten sich von Hochglanz-Hardrock (Simply Irresistible) über afrikanisch beeinflußte Jodeleinlagen (Change his Ways) bis zum opulenten klassischen Torch Song (She makes my Day). Längst war dieser Stilmix bei Palmer Programm geworden doch er übertrieb dieses Markenzeichen zunehmend. Das wuchtige Doppelalbum Dont explain (1990) begann mit üppigem Hardrock und endete bei schmusigem Swing ala Billie Holiday. Dies war des Guten zuviel. Trotzdem gerieten, besonders in Deutschland, die eher matten Reggaenümmerchen Ill be your Baby tonight und Mercy, Mercy zu veritablen Hits. Zu Beginn der 90er Jahre befand sich Palmers Stern im Sinken. Sein fast schon puristisches Big Band-Jazz-Album Riding High verschreckte 1992 die Popfans, öffnete Palmer aber nicht den Weg zu Sinatra-Genießern und Jazzfreaks. Scheidung und übermäßiger Alkoholkonsum waren zusätzlich dafür verantwortlich, daß sich der große Stilbildner der 80er Jahre weitgehend der Lächerlichkeit preisgab. Auch wenn sich der musikalische Kosmopolit 1994 mit Honey wiederum gefangen hatte, so fand sich das klassische Robert-Palmer-Album mit seiner Mixtur aus Pop, Funk, RocknRoll, Ethno-Klängen und Jazz nahezu vollständig neben den Hitparaden wieder. Palmer lernte mit Mary Ambrose eine neue Lebensgefährtin kennen, zog sich zugleich aber immer eindeutiger vom schnelllebigen Popbusiness zurück. Die Zeit hatte ihn überholt; er war nicht mehr in der Lage, neue Akzente zu setzen, in neue musikalische Welten vorzustoßen. Sein letztes reguläres Album RhythmnBlues erschien 1999 bei einem Independentlabel und enttäuschte mit uninspiriertem Dudelfunk, der niemanden mitriß und heutzutage bei WOM für zwei Euro verramscht wird. Seit Beginn des Jahres kursierte das Gerücht, Robert Palmer über den ein Freund des Verfassers sagt, er sähe gar nicht aus wie ein richtiger RocknRoller, sondern eher wie ein staatsmännischer Politiker - würde noch 2003 einen Comebackversuch wagen, der womöglich an frühere Qualitäten anschlösse. Doch auf die Rückkehr des mehrfachen Grammy-Gewinners im derzeit landauf, landab herrschenden 80er-Revival warten seine Fans vergeblich. Robert Palmer ist am 26. September 2003 bei einem Kurzbesuch in Frankreich an einem Herzinfarkt gestorben. Der Prototyp des 80er-Jahre-Rockstars wurde nur 54 Jahre alt (und wird hoffentlich kein Vorbild sein für andere gescheiterte Helden der 80er Jahre, die ebenfalls mit Herzproblemen zu kämpfen haben...) |