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(...) Coverversionen von Chris Rea (Wind auf der Haut und Lisa / Fool (If you think its over)), Blueseinflüsse (Du bist die andere Frau) und opulente, klassisch anmutende Popballaden (Un Amore Grande Eine große Liebe) bewiesen den endgültigen Bruch des Berliner Entertainers mit Schlagertralala und vergänglichem Singsang. Zwar konnte Kaiser in den 90ern nicht mehr an seine großen kommerziellen Erfolge der 70er und 80er anschließen und doch stieg sein musikalisches Niveau von Platte zu Platte. 1992 wurde gerockt (Sag niemals nie, Land in Sicht) und es fanden erstmals südamerikanische und mediterrane Elemente Eingang in Kaisers Songs (Südlich von mir).(...) |
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Roland Kaiser Pure Lust |
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von Holger Stürenburg Zwei Jahre nach dem Latino-beeiflußten Album Alles auf Anfang und zwölf Monate nach seiner letzten großen Deutschlandtournee, veröffentlicht Roland Kaiser dieser Tage sein neuestes Werk Pure Lust (White Records/BMG-Berlin). Der 51jährige Ex-Schlagersänger hat sich längst als Interpret deutschgesungener Popmusik internationalen Zuschnitts etabliert. Viel Schlagerhaftes findet sich in den 13 neuen Liedern, die wie immer von seinem Langzeittonmeister Peter Wagner produziert wurden, wahrlich nicht. Zwar fast durchgehend getragen und balladesk, experimentiert der aus Berlin stammende Sänger und Texter auf Pure Lust mit verschiedensten Stilmitteln, Rhythmen und Klängen. Dazu singt der Frauenschwarm (oft selbstverfaßte) Worte, die mit der Banalität, der dumpfen Glückseligkeit und der zunehmenden Vulgarität vieler Schlagertexte der Jetztzeit nichts gemein haben. Ob hoch erotisch (Titellied), aufbauend/hymnisch (Steh auf), verrucht/verträumt (Allein mit Dir), selbstkritisch (Der Mann im Spiegel), enttäuscht (Ich war nie mehr als Dein Clown) oder sogar unterschwellig sarkastisch (Sie ließe sich so gerne fallen) Kaiser beherrscht alle Facetten der Leidenschaft eines erfahrenen Mannes. Stets großstädtisch, kühl und elitär, singt sich der gelernte Autoverkäufer, der nun schon seit über 30 Jahren nicht mehr aus dem deutschen Showgeschäft wegzudenken ist, durch gediegene Popkompositionen, die modern und zeitgemäß arrangiert sind, ohne sich der allgemeinen musikalischen Flachbrüstigkeit großer Teile der Popszene anno 2003 anzupassen. Großorchestrale, dramatische Stimmung verbindet sich in Steh auf mit leichten Reggaeelementen, Ich liebe Dich so wie Du bist kommt als aufregende Rockballade daher. Ein sachtes Hip Hop-Schlagzeug und an den richtigen Stellen eingesetzte Akustikgitarren untermalen die klassische Popballade Ich hab Dir jedes Wort geglaubt. Erneut südamerikanisch wirds in Sie ließe sich so gerne gehen; das Gefühl einer mondänen Gartenparty an der Hamburger Außenalster offenbart das tanzbare Titellied, als rockiger Ohrwurm präsentiert sich Nicht von dieser Welt. Der muntere Popsong Hunderttausend Fragen erinnert kompositorisch an die eingängigen Hits von Wolfgang Petry, besitzt aber jenes Quäntchen Anspruch und Tiefe, das dem Mitklatschpop von Wolle schlicht fehlt. Was man im Dancefloor-Bereich als Sampling bezeichnen würde, praktiziert Roland Kaiser in Nichts mehr wird sein: Er schnappte sich das hitträchtige Gitarrenintro seines 92er-Erfolgs Sag niemals nie und baut auf denselben Harmonien einen vollkommen neuen Song auf. Keine Selbstkopie, sondern eine intelligente Mischung aus Experiment und ironischem Rückblick auf jene Zeiten, als Roland Kaiser den Schlager hinter sich ließ und den Schritt aufs Terrain poppiger, gar rockiger Klänge wagte. Diese Zäsur erfolgte spätestens 1990 auf seinem Hitalbum HerzZeit, das erstmals den anspruchsvollen Popsänger Roland Kaiser in ganze Größe zeigte. Coverversionen von Chris Rea (Wind auf der Haut und Lisa / Fool (If you think its over)), Blueseinflüsse (Du bist die andere Frau) und opulente, klassisch anmutende Popballaden (Un Amore Grande Eine große Liebe) bewiesen den endgültigen Bruch des Berliner Entertainers mit Schlagertralala und vergänglichem Singsang. Zwar konnte Kaiser in den 90ern nicht mehr an seine großen kommerziellen Erfolge der 70er und 80er anschließen und doch stieg sein musikalisches Niveau von Platte zu Platte. 1992 wurde gerockt (Sag niemals nie, Land in Sicht) und es fanden erstmals südamerikanische und mediterrane Elemente Eingang in Kaisers Songs (Südlich von mir). Zwei Jahre später spielte Kaiser leger und augenzwinkernd mit Rap (Hallo, schöne Frau) und zynischen Texten, die eher an Deutschrockkollegen wie H.R. Kunze erinnerten, denn an alles zwischen Rex Gildo oder G.G. Andersson (Und wer küßt mich). Als kreative Höhepunkte der vergangenen Dekade sind die Alben Grenzenlos I und Grenzenlos II (1996/1998) anzusehen, auf denen Kaiser, im Verbund mit Produzent Wagner, internationale Popklassiker von Chicago, Billy Joel, Elton, John Lionel Richie oder Bryan Adams gekonnt mit deutschen Texten versah und in moderne, tanzbare und für ihn typische kühl-großstädtische Arrangements verpackte, denen alles Miefige, Spießige und Kleinbürgerliche fehlte. Zudem fanden zunehmend hoch emotionale Inhalte und Formulierungen Eingang in seine Texte erotisch, obsessiv, lustvoll, aber niemals vulgär oder anstößig, stets die Contenance bewahrend: Verliebt und fordernd, aber immer ganz Gentleman! Diesen Weg setzte Roland Kaiser bis heute erfolgreich fort. Pure Lust ist ein weiterer Klassiker dieses in Deutschland nur selten anzutreffenden Genres. Was in den USA oder Amerika z.B. durch Künstler wie Neil Diamond, Peter Cetera, Daryl Hall oder Elton John Gang und Gebe ist, konnte sich in Deutschland bislang nicht in gewünschter Form durchsetzen. Gefühlvolle Lyrik, verbunden mit poppigen, eingängigen Melodien, wurde zu oft in die Schlagerschublade gesteckt, der seit Jahren Stigmata wie Uncool, Altmodisch, bestenfalls Trash anhaften. Roland Kaiser bricht diese Grenzen ein ums andere Mal auf, und legt mit Pure Lust 13 neue Songs auf gewohnt hohem Niveau vor, die zwar an den schnellebigen Popcharts konsequent vorbeisegeln dürften, aber dem Freund gehobener Popklänge mit anspruchsvollen wie ansprechenden deutschen Texten im wahrsten Sinne des Wortes Pure Lust bereiten werden! (Gesamtnote: 1) |