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Holger Stürenburg (links) ist 29 Jahre alt und arbeitet seit 1996 als Freier Journalist und Publizist für Politik, Musik und Zeitgeist. Besonders, wenn es die 80er Jahre betrifft, ist Holger Stürenburg "live" mit dabei. Für verschiedene Blätter und Magazine greift er zur Feder bzw. zur Tastatur, wenn es darum geht, Bands und Künstler, Politiker und Zeitzeugen, Ereignisse und Gegebenheiten aus der "Kühlen Dekade" zu beschreiben, zu analysieren, zu hymnisieren. "Die 80er Jahre waren nicht nur die beste Zeit meines Lebens, sondern bedeuteten mir eine gewisse Kühle, Ruhe und Gediegenheit. Dies vermisse ich heutzutage sehr!", sagt Stürenburg, der mit der "heutigen Zeit" eigentlich nicht viel anfangen kann - außer, daß er ihr ziemlich kritisch gegenübersteht! |
Klaus Hoffmann Das Beste der Virgin Jahre |
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von Holger Stürenburg, 03./04. August 2003 Seit fast 30 Jahren steht der Name Klaus Hoffmann für intelligente, textlich gewitzte, musikalisch ansprechende Chansons, jenseits aller Liedermacherklampferei und belehrender Bekenntnislyrik. So wenig Anpassung an den Zeitgeist wie möglich, soviel Popgefühl wie nötig, scheint das Motto des 52jährigen Berliners zu sein. Ob man den Sohn eines Finanzbeamten nun einen singenden Schauspieler oder schauspielernden Sänger nennen möchte seine Lieder stellten insofern von jeher etwas besonderes dar, als daß sie kleine Filme, in sich geschlossene Kurzgeschichten, fast Theaterstücke sind die Hoffmann, gerade auf seinen ausführlichen, stets ausverkauften Tourneen nicht nur interpretiert, sondern darstellt, ja sogar lebt. Ein legendenumwobener Star, dessen Platten die Hitparaden stürmen, der von kreischenden Teenies in Empfang genommen wird, um den sich Boulevardblätter reißen, war Klaus Hoffmann nie. Trotzdem fand er schnell genügend Freunde, die den sympathischen, stets verschmitz lächelnden Berliner Lokalpatrioten begleiteten und jede neue Plattenveröffentlichung mit heller Begeisterung goutierten, ohne daß ihr Idol skandalträchtige Schlagzeilen, Affären oder Frauengeschichten benötigte, um Ruhm und Ehre zu gewinnen. Klaus Hoffmann erreichte seine Fans mit nichts anderem als seiner Musik, seinen Texten und seiner niemals abgehobenen Art im Umgang mit anderen Menschen. Als sich deutsche Popmusik wieder lohnte, feierte der einstige Schauspieler (u.a. Freie Volksbühne, Berlin, Thalia Theater, Hamburg sowie diverse TV- und Kinofilme) den Durchbruch mit LPs wie Ciao Bella (1984) und Morjen Berlin (1985). Auf dem vorläufigen Höhepunkt seines Schaffens wechselte Klaus Hoffmann 1987 von RCA zu Virgin, wo er bis 1997 sechs Studio- und vier Live-LPs veröffentlichte. Als im Herbst 1987 Ich liebe die Nacht, die erste Single Hoffmanns bei Virgin erschien, rümpften viele alteingesessene Fans die Nase. Ein frühes Dancefloor-Schlagzeug aus dem Computer untermalte eine nichtssagende Melodie mit seichtem Text. Virgin plante wohl, ihren neuen Schützling in der damals grassierenden Deutschpopwelle zwischen Waggershausen, Purple Schulz, Grönemeyer oder der Münchner Freiheit zu etablieren. Dies mißlang in aller Form; Ich liebe die Nacht stellte einen qualitativen Tiefpunkt in Hoffmanns bisherigem Schaffen dar. So findet sich dieser poppige Auswurf auch nicht auf Klaus Hoffmann Das Beste der Virgin Jahre, einer Kompilation, die in 14 Tagen bei EMI/Virgin erscheint. Statt dessen: 19 Chansons aus den Jahren 1987 bis 1997, allesamt gehobene Kompositionen mit teils superben Texten. Künstlerisch nahezu in ihrer Gesamtheit aller bester Güte. Nur der Titel ist falsch gewählt. Zu viele beste Songs der Virgin-Ära fehlen: Etwa das Kultstück Für det bisschen Zärtlichkeit (1987), das auf irgendeine (dem Künstler vielleicht selbst nicht bewußte) Weise auf die Wiedervereinigung einstimmende Derselbe Mond über Berlin (1989), der freche Swing Total verrückt (1989), die bitterböse Moritat von Mona (1993) oder der sanfte Blues Die Nacht wird uns verwöhnen (1995); zudem findet sich keine einzige Nummer aus den Live-LPs, die Hoffmann auch in seiner Virgin-Phase fast jeder Studio-LP folgen ließ. Scheinbar wahllos haben die Verantwortlichen Songs aus zehn Jahren Klaus Hoffmann herausgepickt, chronologisch nicht geordnet die einzelnen Studioalben sind nicht einmal mit einer gleichen Anzahl von Liedern auf der Kompilation zu finden! Der irreführende Titel und die fragwürdige Auswahlpolitik tut der immerwährenden Qualität fast aller der 19 Lieder natürlich keinen Abbruch! Da wäre zum Beispiel der mit Pete Townsends Kick Horns und erotischen Frauenchören versüßte Beinahe-Rocker Es muß aus Liebe sein, der mit ungewohnt frechem Text (Du wolltest Sex ohne Zensur / Wir trieben es im Stau...) und einer eingängigen Melodie beinahe das erreichte, was zwei Jahre zuvor Ich liebe die Nacht nicht gelungen war. Oder Tu es!, eine gospelangehauchte Hymne gegen Angst und Schüchternheit damals gar mit Westernhagen verglichen, nur viel sanfter, einfühlsamer einerseits und echter, erdiger, glaubhafter als Kollege Marius andererseits. Grandios: Hoffmanns Bearbeitung von Jacky, einst eines der wichtigsten Chansons seines großen Vorbildes Jacques Brel. Im Originalarrangement von Brels Mitkomponisten und Arrangeur Francois Rauber, läßt Hoffmanns Version von Brels Ode an die ruhmlose Vergangenheit all die anderen Versuche, diesen Klassiker ins Deutsche zu transferieren (Michael Heltau, Werner Schneyder, Konstantin Wecker etc.) ganz schön alt aussehen. Die ungekünstelte, ungeschminkte Frau beschreibt Hoffmann ehrfürchtig in Eine Schönheit ist sie nicht; fragile Gefühlsschwankungen bestimmen Wenn ein Mann einen Mann liebt. Südamerikanische Klänge vernimmt man in Heut Nacht, lyrisch ein Ausdruck der Hoffnung, in den folgenden nächtlichen Stunden möge sich alles, schlicht alles ändern. Hoffmann erliegt swingend der großen Liebe (Wegen Dir), schildert in Flügel surreal einen wunderbaren Morgen (Untertitel). Nahe am Schlager hingegen Ohne Dich, zu poppig wirds in Jedes Kind braucht einen Engel, zu betroffen in Der Himmel schaut zu. Von diesen kleinen Mankos abgesehen, stellt Klaus Hoffmann Das beste der Virgin Jahre eine gelungene, wenn auch längst nicht vollständige Sammlung aus jenem Karriereabschnitt Klaus Hoffmanns dar, in der er mit Jacques Brel genauso experimentierte wie mit Pop, Mambo, Swing und eine CD sogar mit Queen-Produzent David Richards einspielte. Hoffmanns Lieder waren stets zu anspruchsvoll, zu quergedacht, zu uncool und zu unaufgeregt, um beim Mainstream-Publikum punkten zu können; selbst traditionellen Deutschrockfans, die ansonsten Westernhagen, Lage, Kunze oder Maahn verehrten, blieben Hoffmann und seine grazilen Chansons oft verschlossen. Folglich endete 1997 Hoffmanns Vertrag bei Virgin. Er schloß sich dem unabhängigen Musikverlag Stille-Musik an eine neue künstlerische Phase brach an und feierte bereits mit dem ersten Independentalbum Hoffmann-Berlin 1998 einen ersten grandiosen Höhepunkt. Aber dies ist eine andere Geschichte (Bewertung: Musik: 2plus / Zusammenstellung: 4) |