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Holger Stürenburg (links) ist 29 Jahre alt und arbeitet seit 1996 als Freier Journalist und Publizist für Politik, Musik und Zeitgeist. Besonders, wenn es die 80er Jahre betrifft, ist Holger Stürenburg "live" mit dabei. Für verschiedene Blätter und Magazine greift er zur Feder bzw. zur Tastatur, wenn es darum geht, Bands und Künstler, Politiker und Zeitzeugen, Ereignisse und Gegebenheiten aus der "Kühlen Dekade" zu beschreiben, zu analysieren, zu hymnisieren. "Die 80er Jahre waren nicht nur die beste Zeit meines Lebens, sondern bedeuteten mir eine gewisse Kühle, Ruhe und Gediegenheit. Dies vermisse ich heutzutage sehr!", sagt Stürenburg, der mit der "heutigen Zeit" eigentlich nicht viel anfangen kann - außer, daß er ihr ziemlich kritisch gegenübersteht! |
Tony Hadley Reborn |
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von Holger Stürenburg, 28. Juli 2003 Reborn (Charly/Edel) ist mitnichten ein neues Album von Ex-Spandau-Ballet-Frontmann Tony Hadley. Viel eher handelt es sich dabei um die Widerveröffentlichung seiner letzten, auch in Deutschland erhältlichen CD Obsession, die im Sommer vor drei Jahren bei V2/Zomba auf den Markt gekommen war. Reborn beinhaltet einen Livemitschnitt aus dem Oktober 1999; 13 Songs davon vier Coverversionen berühmter Hits eingespielt mit einer fünfköpfigen Band. Schlagzeuger John Keeble ist der einzige Mistreiter, der schon 20 Jahre zuvor bei Spandau Ballet mit von der Partie war; inzwischen hat sich auch Ex-Spandau Steve Norman (sax, key) zur Tony Hadley Band gesellt. Bei Reborn konnte man sein sanftes Saxophon jedoch noch nicht wieder vernehmen. Zwischen 1981 und 1986 zählten Spandau Ballet zu den Königen der New Romantic. Gary Kemp (g) und sein Bruder Martin (b) komponierten opulente Popballaden, die Tony Hadley mit seiner unnachahmlichen Stimme zwischen Arroganz, Romantik, Soul und Theatralik vortrug. Die Kritiker verachteten die in 1979 in London begründete Band. Man hielt sie für undynamisch, nichtssagend oder sanftmütig und seicht. Für die Fans besonders die ganz jungen hingegen waren Spandau Ballet die uneingeschränkten Helden der Jahre 1983 und 1984. True hieß ihr erster Nummer-1-Hit im Sommer 1983; eine antreibende, narzisstische Ballade, gefolgt von Gold, einem urbanen Popsong bester Ausprägung. Im Herbst 1984 stellte die LP Parade den kreativen Höhepunkt der Kemp-Brüder mit ihrem Vorsänger Hadley dar: Only when you leave, Round and Round, Highly Strung oder I'll fly for you zählen bis heute zu den Klassikern des 80er-Pop. Nach Streit mit ihrer Plattenfirma Chrysalis und dem Wechsel zu CBS (heute: SONY) ging es langsam bergab Veränderungen des musikalischen Zeitgeistes taten das übrige dazu, daß Through the Barricades (1986) nur noch auf den mittleren Rängen der Charts landete. Als 1989 Heart like a Sky, das letzte Album von Spandau Ballet, erschien, hatte sich die Musikszene endgültig gewandelt, die Band aber nicht: Songs wie Raw, Crashed into Love oder Bee free with your Love waren durchaus nett anzuhören, kamen aber schlicht um fünf Jahre zu spät. Es folgte die Trennung im Streit, Kemp & Kemp planten, sich der Schauspielerei hinzugeben, Hadley nahm das recht erfolglose Soloalbum The State of Play (1991) auf. Ein Prozeß Hadley vs. Kemp um unterschlagene Tantiemen Hadley behauptete vergeblich, kompositorisch an den größten Spandau-Hits beteiligt gewesen zu sein, ohne daß die beiden Kemps ihn als Mitautor angegeben hätten - kostete beide Parteien Zeit, Kraft und Kreativität. Erst Ende der 90er Jahre kam Tony Hadley zur Ruhe, gründete eine eigene Band und begann, neue Songs zu schreiben. Ein recht mattes Album, das 1997 unter dem Titel Tony Hadley erschien und ausschließlich lahm arrangierte Neuaufnahmen von 80er-Klassikern von Tom Petty, Black oder Bryan Ferry enthielt, konnte Hadley nicht wieder etablieren. Dies passierte leider auch vor drei Jahren nicht, als Obsession auf den Markt kam, ein Studioalbum namens Lobsters & Limousines und eine große Europatour angekündigt wurden. Selbst wenn Reborn Eins zu Eins das Programm von Obsession (wenn auch in leicht abgeänderter Reihenfolge) beinhaltet, so heißt dies noch lange nicht, daß die Songs schlecht sind. Alles andere als das: Natürlich klingt alles very Eighties und wäre 1983/84 garantiert ein Riesenhit geworden. Ohne jegliche aktuelle Rhythmen, Computer, Synthesizer und schiefe Gitarren bietet Tony einen Mix aus Spandau-ähnlichen Balladen (My Friend, Follow me) rockigen Soulhymnen mit treibender Basslinie und feister Hammondorgel (Lobsters & Limousines), klassischem Pop mit schönen Melodien (Absolution Dance with me), romantisch angehauchtem Großstadtfunk (Cradle to the Grave) und fast schwarzem Soul (Maybe you and I). Kein Song aus dem Fundus seiner Ex-Band; keine der unausgegorenen Nummern von The State of Play fand in ersterem Fall wohl aus rechtlichen Gründen den Weg in das auf Reborn konservierte Liveprogramm. Stattdessen nahm sich Hadley einiger Coverversionen an. Nicht wie auf Tony Hadley solchen von Popkollegen seiner eigenen Hochphase, sondern Popklassikern der frühen 90er denen er allesamt neue Akzente einhauchte. So wird Walking on Memphis (Marc Cohn) alles Schüchterne des Originals genommen, ohne gleich in den Discobombast von Cher zu verfallen, die diese einst zerbrechliche Folkballade vor vier Jahren übel verhunzt hatte. Under the Bridge von den Red Hot Chilli Peppers avanciert zum reinsten Gospel das Freche, leicht Vulgäre des Originals wird durch Hymnisches, fast Sakrales ersetzt. Recht nahe an Tears for Fears bleibt Hadley bei seiner Version von deren Spätwerk Woman in Chains Reinsten New Romantic-Pop in bester 80er-Tradition schließt Reborn ab: Bei August Girl perlt das Piano; Lloyd Cole blickt durch die Ritzen, wie auch fröhlichere Del Amitri oder die ewig unterschätzten (und daher womöglich längst vergessenen) The Bible. Gäbe es im neuen Jahrtausend noch so etwas wie eine New Romantic-Bewegung, so wäre August Girl kaum anderes als das Round and Round der Jetztzeit! Will you take me hat etwas von der Nachtlebennervosität Duran Durans, während der Abschiedssong Hey, Jealousy, 1989 ein kleiner Hit der US-Popband Gin Blossoms, als Only when you leave des Jahres 2003 in die Geschichte eingehen könnte. Vor drei Jahren ist Reborn unter dem Titel Obsession nicht eingeschlagen. Inzwischen leben wir voll und ganz im 80er-Revival. Vielleicht gelingt es Tony Hadley, dessen aktuelle Songs unter den vielen Comebackversuchen seiner musikalischen Zeitgenossen überaus positiv herausstechen, im Zuge der derzeitigen Retro-Welle nochmals auf sich aufmerksam zu machen und zu sagen: Hey mich gibts auch noch. Und meine neuen Songs klingen noch immer wie damals ohne aufgesetzt, gezwungen oder gar peinlich zu wirken (Gesamtnote: 1) |