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Holger Stürenburg (links) ist 29 Jahre alt und arbeitet seit 1996 als Freier Journalist und Publizist für Politik, Musik und Zeitgeist. Besonders, wenn es die 80er Jahre betrifft, ist Holger Stürenburg "live" mit dabei. Für verschiedene Blätter und Magazine greift er zur Feder bzw. zur Tastatur, wenn es darum geht, Bands und Künstler, Politiker und Zeitzeugen, Ereignisse und Gegebenheiten aus der "Kühlen Dekade" zu beschreiben, zu analysieren, zu hymnisieren. "Die 80er Jahre waren nicht nur die beste Zeit meines Lebens, sondern bedeuteten mir eine gewisse Kühle, Ruhe und Gediegenheit. Dies vermisse ich heutzutage sehr!", sagt Stürenburg, der mit der "heutigen Zeit" eigentlich nicht viel anfangen kann - außer, daß er ihr ziemlich kritisch gegenübersteht! |
Duran Duran The Singles 81-85 (13 CD-Box) |
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von Holger Stürenburg Some New Romantic looking for the TV Sound Dank dieser Textzeile aus ihrer Debütsingle Planet Earth gilt der Legende nach die britische Popband Duran Duran 1981 als Begründerin, zumindest Pionierin, der bunt/schrillen und zugleich romantisch/verträumten Mode- und Musikbewegung New Romantic, die Anfang der 80er die Szene durcheinanderwirbelte. Die fünf gut aussehenden Anfang-20er aus Birmingham hatten soeben ihren bisherigen Frontmann Stephen TinTin Duffy (Solohit: Kiss me, 1985) gegen den Popedelmann per Excellanze, Simon Le Bon, ausgetauscht. Der musikalische Weg stand nun fest: Schwarze Discorhythmen im Verbund mit weißem, britischen New Wave und kühler Elektronik; zugleich die Aggressivität der Sex Pistols, gepaart mit der schwülstigen Eleganz eines Bryan Ferry und der abgedrehten Dekadenz eines David Bowie. Mit Planet Earth setzte das Quintett zum Sturm auf die Hitlisten an bis 1986/87 sollte Duran Duran ein weltweiter Tophit nach dem anderen gelingen. Ihre frühere Plattenfirma EMI gedenkt nun ihrer einstigen Verkaufsrenner mit einer feudalen Box, die sämtliche Singles der Jahre 1981 bis 1985 zusammenfaßt: Insgesamt 13 CDs im Pappschuber: Von ihrem Erstling Planet Earth bis zur James Bond-Titelmelodie A View to a Kill; 1985 der Zenit ihres Erfolges - für viele bis heute die beste Duran-Single überhaupt. 13 Silberscheiben, häufig im (natürlich verkleinerten) Originalcover, mit raren B-Seiten, nie auf regulären LPs veröffentlichten Songs, interessanten Coverversionen, Liveaufnahmen und Remixes der Singlehits. Nur beim Beiheft wurde arg geknausert: Ein schwarz/weißes Poster der einstigen Teeniestars aus ihren Anfangstagen, kaum größer als Din-a-4 auf der Rückseite werden gerade mal Titel, Komponisten, Produzenten und Aufnahmejahr genannt; keinerlei Hintergrundinfos, Chartplatzierungen oder sonstige interessante Daten und Fakten über eine der erfolgreichsten Bands der 80er Jahre schlechthin. Musikalisch ist und bleibt das Ganze natürlich Top! Von den 13 Singles gelten fast ein Dutzend noch heute als faszinierende Zeitzeugnisse der New Romantic-Ära. Die Dekadenz feierte fröhlichen Urstand, Ideologien nahm man nicht ernst; bunte Kleidung statt roter Denkweisen. Kühle, Arroganz und ein gute Portion Narzißmus prägten den meist zu nächtlicher Zeit praktizierten Lebensstil der New Romantics. Eine betont bürgerlich-höfliche Grundhaltung, Hand in Hand mit Marktliberalismus und deutlicher Betonung einer technokratischen Ästhetik sowie überheblicher Verachtung für den Sozialismus der Hippies und den Nihilismus der Punks, ließen neunmalkluge Linksjournalisten die These aufstellen, Duran Duran seien Rechte, was seitens der Band natürlich rigoros abgestritten wurde. Trotzdem waren die fünf stilvollen jungen Männer jahrelang das Feindbild Nummer Eins von ungewaschenen Punks und Aktivisten der Red Wedge-Bewegung. Politische Inhalte kamen in den Texten der Duranies wie Le Bon und seine Mitstreiter von Fans wie Presse genannt wurden nicht vor. Der dynamische Frontmann meinte einmal, seine Lyrik sei deshalb so bizarr, wirklichkeitsfremd und mystisch, weil er gerne die Inhalte seiner eigenen Träume vertone. Mit ihrem im Frühjahr 1981 erschienenen, schlicht nach der Band benannten Debütalbum setzten sich Duran Duran Simon Le Bon (voc), Nick Rhodes (key), Andy Taylor (g), John Taylor (b), Roger Taylor (dr) zunächst in ihrer Heimat Großbritannien gekonnt in Szene. Erwähnte Funkorgie Planet Earth, der hyperschnelle, nervöse Synthipunk Careless Memories und der spätere Top-5-Hit Girls on Film wurden als Singles ausgekoppelt. Interessante Non-Album-Songs wie das vertrackte, düstere Rockepos Khanada, die phantastische Coverversion von David Bowies Fame und verschiedene, discoorientierte Night Versions der A-Seiten veredeln das 81er-Material der aktuellen Singles-Box. Das von Kritikern hochgelobte, durchgehend mit hitträchtigen Songs bestückte zweite Album Rio kam im Frühjahr 1982 auf den Markt und warf vier Hitsingles ab. Noch 1981 war die recht flache Discosingle My own Way vorab erschienen; 1982 begann mit der Auskoppelung des verschmitzten Hardrockers Hungry like the Wolf. Es folgte die romantische Strandballade Save a Prayer (die hierzulande im Frühjahr 1985 erneut zu Hitehren kam) und der mediterran angehauchte Titelsong des Zweitlings der dazugehörige Videoclip setzte Maßstäbe im Künstlerischen und führte den Yuppies dieser Welt vor, wie sie sich im legendären Sommer 1982 zu kleiden, zu geben, in den Vordergrund zu drängen hatten. Nur in England wurde zudem die mondäne Pophymne Hold back the Rain als Single veröffentlicht. Auch von den 82er-Hits beinhaltet Singles 81-85 verschiedene Night Versions, Remixes sowie den eher ruhigen, melancholischen Non-Album-Track Like an Angel. Bald wurde man auch in der BR Deutschland auf die britischen Teeniehelden aufmerksam, die vom Musikexpress im Überschwang sogar mit den Beatles verglichen wurden. 1983 startete mit der interessanten, hysterisch/überkandidelten Single Is there something I should know? , die im Mai 1983 hierzulande den 28. Rang der Hitlisten erreichte, aber nicht auf dem im Herbst veröffentlichten dritten Duran-Album Seven and the Ragged Tiger zu finden war; in Großbritanniens Hitparaden war der Tanzbodenrocker Ende März ´83 sogleich von Null auf Eins eingestiegen. Obwohl die LP damals als Selbstzitat und Abklatsch früherer Erfolge gescholten wurde, beinhaltete sie mit Union of the Snake, New Moon on Monday und vor allem The Reflex drei phantastische Singles, wobei New Moon... erstmals den Wunsch der Band anklingen ließ, langsam erwachsener und ernster werden zu wollen. The Reflex befand sich im März/April 1984 vier Wochen lang auf der Topposition der britischen Charts und geriet auch in Deutschland zum ersten großen Hit von Duran Duran. Ende Mai 1984 schnupperte die zackige, eingängige Discohymne bundesdeutsche Top-10-Luft! Neben dem wunderschönen Secret Oktober sticht vor allem die schnelle Coverversion von Steve Harleys Make me Smile aus den raren Liedern der Seven and the Ragged Tiger-Periode auf der aktuellen Kollektion positiv hervor. Ende 1984 folgte das Livealbum Arena recorded around the World, das in Deutschland umgehend den ersten Platz der LP-Charts einnahm und die gewagte, SM-beeinflußte Single The Wild Boys enthielt, den ersten und einzigen Nummer-1-Hit der Band hierzulande und bis heute ein spezifischer Klassiker der 80er Jahre allgemein dazu trug sicher auch das wilde Video bei, das aufgrund mancher erotischer Folterszene von zahlreichen europäischen TV-Anstalten gar nicht oder nur verkürzt gesendet wurde und trotzdem einen kreativen Höhepunkt der Clipgestaltung der 80er Jahre darstellte. 1985 dann der Sommerhit A View to a Kill aus dem gleichnamigen James Bond-Streifen mit Roger Moore und Grace Jones in den Hauptrollen. Kurz nach diesem erneuten Top-10-Hit spalteten sich Duran Duran (oder, wie der österreichische Kollege Maximilian Ohl formulieren würde, erlebte die Band ihr persönliches Ruhstorf): Andy und John Taylor taten sich mit Popbeau Robert Palmer und Ex-Chic-Drummer Tony Thompson zusammen und spielten als The Power Station yuppifizierten Funkrock, während der Rest mit Sänger Simon als Arcadia das schlicht langweilige Album So red the Rose aufnahm, das jedoch die göttliche Single The Election Day enthielt das beste Duran Duran-Stück seit langem, das nicht per se von Duran Duran stammte. Doch mit A View to a Kill endet die hervorragende 13-CD-Box. Nach 1985 ging es mit den Duranies auch kontinuierlich bergab. Die New Romantic-Bewegung war gestorben, die einst positive Dekadenz einer radikalen Oberflächlichkeit, der Marktliberalismus einem Marktradikalismus gewichen. Als Duran Duran Roger Taylor war inzwischen ganz ausgestiegen und durch Steve Ferrone ersetzt worden im Spätherbst 1986 das Album Notorious veröffentlichten und darauf, von Nile Rodgers produziert, Funkrock für Erwachsene präsentierten, sanken Verkaufszahlen und Beliebtheitsgrad rapide. Auch in der zweiten Hälfte der 80er Jahre gelangen Simon Le Bon und seinen übriggebliebenen Partnern natürlich durchaus gute Songs wie z.B. Skin Trade (1986/87), Too late Marlene (1988) oder Violence of Summer bzw. Serious (1990). Aber die Kraft, die Kreativität waren dahin, die Band spielte fern ab des musikalischen Zeitgeistes unter ferner liefen. So hat EMI mit Singles 81-85 tatsächlich die beste, kreativste, wichtigste und zeitbestimmendste Phase einer Band zusammengefaßt, die stets zu intelligent agierte, um eine reine Teenieband mit geringem Verfallsdatum zu bleiben, der aber auch jenes Quäntchen Beständigkeit und Fähigkeit zur Weiterentwicklung gefehlt hat, um noch heute als große, erwachsene Rockband ihren Platz zu haben (Gesamtnote: 1) |