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(...) Durchhänger vernimmt man auf The Ultimate Collection kaum. Zwar nervt z.B. der Schlager Thats all I need to know (Difendero), ein live aufgenommener Zwiegesang mit Italoschnulzier Eros Ramazotti, und bietet auch Cockers Aufnahme des Elton John-Klassikers Dont let the Sun go down on me nicht viel Neues. Ansonsten sind es zumeist ausschließlich Cockers intensives Organ und seine spezielle, unkopierbare Art der Intonation und Inszenierung, die selbst dem abgenudeltsten Popschmankerl unendlich viel Ungehörtes, Unerwartetes, Aufregendes entlocken und auf diese Weise aus manch matter Poppampe reale Wahnsinnsnummern für die Ewigkeit gestalten! (...) |
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Joe Cocker The Ultimate Collection 1968-2003 |
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von Holger Stürenburg Cocker-Compilations mit den angeblich größten Hits des Sheffielder Blues-Urgesteins gibt es wie Sand am Meer. Alle paar Jahre wirft irgendeine der Firmen, bei der der heute 59jährige im Zuge seiner 35jährigen Karriere unter Vertrag stand, die eine oder andere Best of Cocker-CD auf den Markt, hoffend, seine zigtausend Fans öffnen brav ihren Geldbeutel und kaufen sich zum x-ten mal With a little Help from my Friends oder Delta Lady. Kollektionen, die sämtliche Höhen und Tiefen des einstigen Sozialarbeiters mit der rauhen, whiskeydurchtränkten Stimme umfassen, sind bisher nur äußerst selten erschienen. Abgesehen von Definite, 1986 für das Billiglabel DINO zusammengewürfelt, gab es bisher kaum eine labelübergreifende Sammlung der erfolgreichsten Werke des Stehaufmännchens des Bluesrock. 1986 ist lange, lange her also beschloß Cockers aktuelle Firma Parlophone/EMI, zum Weihnachtsgeschäft 2003 die ultimative Joe-Cocker-Hitsammlung zu veröffentlichen. So erscheint dieser Tage das liebevoll zusammengestellte Doppelalbum The Ultimate Collection, das laut Untertitel alle Cocker-Reißer der Jahre 1968 bis 2003 umfassen soll. Dieses Vorhaben ist, von wenigen Mankos abgesehen, auch durchaus gelungen! Musikalisch ist an Cockers peppigen Neueinspielungen mehr oder weniger bekannter Klassiker aus der Feder der besten internationalen Songschreiber ohnehin kaum etwas auszusetzen. Problematisch erscheint eher, daß Cockers Drogen- und Alkoholphase, die ca. zwischen 1976 und 1980 ihren Höhepunkt feierte, bei der Songauswahl gar nicht bedacht wurde, oder, daß beide CDs der Kollektion nur je 60 bzw. 70 Minuten Spielzeit aufweisen. Dies bedeutet: Es wäre genügend Platz vorhanden gewesen, noch viele weitere immergrüne Rock- und Bluessongs des einstigen Helden von Woodstock auf The Ultimate Collection unterzubringen. So fehlen beispielsweise Shelter me, Cockers lässig rockende Stellungnahme zum Yuppiesommer 1985, die trockene, düstere Version von Steve Winwoods Synthipop-Klassiker Talking back to the Night (1982), der von Klaus Lage verfaßte Schimanski-Soundtrack Now, that youre gone (1987) oder dies ist beinahe unverzeihlich! - Cockers kongeniale Fassung von Leonard Cohens I'm your Man (1989) um nur einige weitere ultimative Cocker-Hymnen zu nennen, die bei der aktuellen Doppel-CD unnötigerweise übergangen wurden. Doch die geballte Klasse der insgesamt 30 Songs auf The Ultimate Collection entschädigt für diese etwas unglückliche Auswahlpolitik, aus der auch nicht ersichtlich wird, weshalb dieser Song auf dem Doppelalbum seinen Platz fand, während ein anderer einfach unter den Tisch fiel, mehr als genug! Cockers Radiohits der 90er Jahre machen den Hauptteil des Programms aus. In der vergangenen Dekade hatte sich der einst meist mürrisch dreinschauende, verletzt und zerbrechlich wirkende Bluesshouter zu einem Rockentertainer von internationalem Format gemausert, der besonders in den letzten drei, vier Jahren rundum glücklich und zufrieden in die Runde blickte und vor allem von allen Süchten nach Drogen und Alkohol geheilt war. Sei es das glamouröse Bob Marley-Cover Could you be loved? (1997), die reggae-infizierte Neueinspielung des legendären Lovin Spoonful-Hippiehymnus Summer in the City (1994), der dunkle Hotelzimmerblues Night Calls (1991) oder die leicht jazzige, morgendliche Enttäuschung Now that the Magic has gone (dto.) Cocker, der keinen einzigen seiner ultimativen Hits selbstgeschrieben hat, glänzt mit eingängigem Mainstream Rock, der gerade so erdig und echt gehalten ist, um keine Puristen zu verschrecken, aber zeitgleich auch so leicht und mitsingbar daherkommt, daß er in jeder besseren MOR-Radiostation bis heute seinen Platz findet. Dramatisch: Never tear us apart, die elektrisierende Ballade aus der Feder des verstorbenen INXS-Frontmannes Michael Hutchence; aufgeregt, regnerisch, großstädtisch: Cockers 99er-Einspielung des Leonard Cohen-Geniestreichs First we take Manhattan. Aus den 80ern, als sich Cocker von allen Suffgerüchten freispielte und als Civilized Man (so der Titel seines fundamentalen Comebackalbums des Jahres 1984) auf die großen Bühnen dieser Welt zurückkehrte, finden sich neben der noch heute höllisch heiß erklingenden Stripnummer You can leave your Hat on (im Original von Randy Newman) oder der hintergründig rockenden Bryan Adams-Komposition When the Night comes, die der Kanadier 1989 exklusiv für sein Idol geschrieben hatte, natürlich auch der unzerstörbare Diskothekenrenner Unchain my Heart (1987) und die knisternde Ballade Up where we belong, jenes Duett mit der kanadischen Folklady Jennifer Warnes aus dem Liebesfilm Ein Offizier und Gentleman, das Ende 1982 die breiten Massen erneut auf den beinahe gestrauchelten Ex-Rockstar aufmerksam machte und den Grundstein für sein grandioses Comeback im Verlauf der 80er Jahre legte, das Cocker zu dem gemacht hat, was er heute (wieder) darstellt. Aus den späten 60ern und frühen 70er stammen die ältesten Songs jener (leider nicht chronologisch geordneten) Kollektion. Wiegender, krachender Bluesrock (She came in through the Bathroom Window, Cry me a River Feelin Alright oder The Letter) hat seinen Platz neben You are so Beautiful, einer der schonungslosesten und ehrlichsten Liebeslieder der Rockgeschichte, und natürlich With a little Help from my Friends: Die ansonsten recht unbedeutende Lennon/McCartney-Komposition ließ erst in Cockers hysterisch/leidender Urschrei-Version all ihren Charme, ihre Kraft und ihre Intensität an die Luft und geriet zu dessen erstem Welthit, auf den er bis heute bei allen seinen Konzerten niemals verzichtet. Durchhänger vernimmt man auf The Ultimate Collection kaum. Zwar nervt z.B. der Schlager Thats all I need to know (Difendero), ein live aufgenommener Zwiegesang mit Italoschnulzier Eros Ramazotti, und bietet auch Cockers Aufnahme des Elton John-Klassikers Dont let the Sun go down on me nicht viel Neues. Ansonsten sind es zumeist ausschließlich Cockers intensives Organ und seine spezielle, unkopierbare Art der Intonation und Inszenierung, die selbst dem abgenudeltsten Popschmankerl unendlich viel Ungehörtes, Unerwartetes, Aufregendes entlocken und auf diese Weise aus manch matter Poppampe reale Wahnsinnsnummern für die Ewigkeit gestalten! Es wären allerdings noch genügend solcher Neuinterpretationen vorhanden gewesen, um die freigebliebenen 25 Minuten der Doppel-CD zu füllen. Da die Verantwortlichen dies aber unverständlicherweise nicht getan haben, hat jeder Freund knackiger, feudaler Rock- und Popmusik mit mal mehr, mal weniger Bluesgefühl, wenn er sich The Ultimate Collection unter den Weihnachtsbaum legen läßt, zumindest 130 Minuten lang nahezu ungetrübte Freude an 35 Jahren Joe Cocker! Wertung Musik: 1 bis 2 |