Logo der Deutschland-Bewegung

Die konservative Informationsbasis im Internet

zurück zum Inhaltsverzeichnis ...

Hier erlaube ich mir, Ihnen einen Überblick über den Umfang von Gesamt-, Allgemein-, Literarischem, Bildungs-, Autoren-, Idiolekt-/Individual-, Mundart-, Fach-, Schüler- Kindersprachwortschatz des Deutschen, Englischen u.a. Sprachen mitzuteilen, den ich zur Beantwortung einer Anfrage aus USA aus meinen Exzerpten, ergänzt durch einige Lexikonartikel, zusammengestellt habe. Für die Diskussion über die Deutsch/Englisch/Denglisch-Problematik bietet sie manche Anregung.

Nadel, grün

Wie viele Wörter hat eine Sprache - zum Beispiel die deutsche? (unveröffentlichtes Manuskript © 1999)

von Werner Voigt (Übersetzer und Sprachwissenschaftler)

In den vergangenen Jahren habe ich mich nicht nur mit der Verteidigung der dt. Sprache, sondern auch mit ihrer Geschichte und mit Sprachwissenschaft einschließlich Sprachvergleich beschäftigt, ich kann deshalb vielleicht einige nützliche Zahlen übermitteln. In der Darstellung sind Vergleiche mit anderen Sprachen, in der heutigen Lage besonders mit dem Englischen, sehr aufschlußreich.

Wieviel Wörter eine Sprache hat, läßt sich objektiv natürlich nie genau sagen, weil potentiell unzählige Ableitungen und Zusammensetzungen dazugehören, von denen einige nur von einem einzigen Menschen spontan beim Sprechen oder Schreiben gebildet werden, die aber jeder sofort versteht.

Jede Sprechergruppe, jede Sprachschicht, jede Fachsprache hat einen unterschiedlichen Wortschatz. Die kleineren Wörterbücher und Lehrmaterialien (Grundwortschatz Französisch, Vokabelverzeichnisse der anerkannten Lehrbücher des Goethe-Instituts enthalten den gemeinsamen Kern, der in allen Gegenden. bei allen Bürgern, Stadt- und Landbewohnern, Jung und Alt in Gebrauch ist. Wenn Wörter geographisch komplementär verteilt sind wie Semmel/Brötchen/Rundstück: kann man fragen, ob sie zusammengezählt werden dürfen. Ferner enthalten ältere Quellen und Wörterbücher Wörter, die allenfalls noch verstanden, aber nicht mehr gebraucht werden. In Landesteilen und Dialekten sind Wörter quicklebendig, die anderswo bemoost, dichterisch oder feierlich erscheinen, wie Knabe, Roß, Maid, zünftig, schicklich, Mär usw. Aus dem Gesagten ist schon deutlich, daß eigentlich jede(r) Sprechende sehr viel mehr Wörter versteht und passiv kennt, als er/sie jemals benutzen würde.

Aus dem Vergleich der verwandten indoeuropäischen Sprachen haben Forscher ermittelt, daß in der frühesten ungefähr rekonstruierbaren Zeit - lange vor den ältesten griechischen Inschriften - bis zu 5000 Wurzeln (oder Wortstämme) im Umlauf waren, aus denen alle übrigen Wörter gebildet wurden. Von diesen Wurzeln (es gab für Feuer mindestens 3 Wurzeln usw.) kommt in den historischen Sprachen oft nur noch eine vor: ignis im Lat., pyr im Griech. und das mit letzterem verw. plattdt. Für hochdt. Feuer. Viele gingen durch lautliche Abnutzung, viele durch Überflüssigwerden (weil ihre Bed. mit der bedeutungsähnlichen Wörtern zusammenfiel), andere durch Kommunikationsprobleme (z.B. Gleichklang nach Zusammenfall ursprünglich verschieden klingender Wörter (Schnur 1 Schwiegertochter = Schnur 2 Bindfaden ) verloren. Auf der anderen Seite nahm der Bedarf an Neubildungen für neue Dinge und Einrichtungen des Lebens ständig zu, wodurch der Wortschatz anschwoll. Die neuen Sachverhalte w! urden aber nach der Urzeit nur noch mit dem schrumpfenden Vorrat schon vorhandener Wurzeln bzw. Wörter ausgedrückt. Alte Zusammensetzungen, oft als solche nicht mehr zu erkennen, gelten von heute aus gesehen wieder als unzerlegbare Stämme bzw. Wörter: Holunder, worin dieselbe Wurzel wie in engl. tree steckt. Auch nur in Zusammensetzungen vorkommende Stämme müssen wohl als Zusammensetzung = 1 Wort gezählt werden, wie Brombeere, Himbeere, denn *Brom *Him kommen selbständig nicht vor und sind nicht verständlich. Auch gut erhaltene Wortstämme kommen zugleich in stark komprimierter, nicht wiedererkennbarer Form vor wie verteidigen aus ver-tage-dingen (Tag, Ding). Natürlich zählen wir verteidig-en -ung als getrenntes Wort.

Eine anspruchslose Verständigung über Alltagsdinge ist mit etwa 400 bis 800 Wörtern möglich. Dabei erhalten bestimmte Haupt- und Tätigkeitswörter auch mit Ergänzungen im Kontext ungezählte Bed.. Homers Dichtungen enthalten einen Wortschatz von etwa 8000 Wörtern (lt. SCHWYZER, Griech. Gramm. 6480). WENDT, H, Fischer-Lexikon Sprachen (1966): Auch heute noch muß man 4000-5000 Zeichen kennen, um moderne Texte verschiedenen Inhalts (wiss. Bücher, Klassiker, Zeitschriften, Zeitungen usw.) lesen zu können. Das bekannte Kanghsi-Wörterbuch enthält über 40.000 Zeichen, doch sind viele davon nur Varianten. Es ist eine Ansammlung von Zeichen, von denen manche in einer gewissen Verbindung einmal vorgekommen sind, die aber sonst niemand kennt oder gebraucht.

Ein Chinese mit mittlerer Schulbildung ohne große Ansprüche soll an die 8000 bis 10000 Schriftzeichen = Wörter beherrschen. Da man sie zu Zusammensetzungen verbinden kann, hat er damit noch viel mehr zur Verfügung: Essen machen, Kleid machen (notfalls ohne nähen), au machen, Pipi machen, Freude machen (nicht erfreuen, gefallen).

Die Naturnähe und das intensive Erleben der mit den Elementen ringenden Menschen nahm ab, deswegen haben wir nicht mehr so viele Verben für beobachten, schleichen, knistern wie die antiken Menschen oder die Eskimos. Zugleich nehmen die Wörter für verfeinertes Handwerk, Landwirtschaft und schließlich Technik und Maschinen, aber auch die Verwaltung des modernen Handels und der Gesellschaft, und schließlich für die Beschreibung und Erklärung abstrakter Gedanken, Gefühle und Zustände (Religion, Philosophie, Geschichte) immer mehr zu. Die Abstraktes, nicht unmittelbar Sichtbares ausdrückenden Wörter sind fast ausnahmslos ursprünglich sinnlich oder dinglich gewesen: wie begreifen (mit der Hand) - begreifen (mit dem Verstand).

Die Wortstämme veränderten sich bis zur Gegenwart jedoch noch mehrfach durch vielfältige systematische Lautverschiebungen. Durch diese gerieten auch Wörter in lautliche Ähnlichkeit zueinander, die zunächst nichts miteinander zu tun hatten, und wurden enger aufeinander bezogen: Wildbret wird zu Braten gestellt u.ä. Da durch Lautwandel lautmalende Wörter wie altgriech. tupjo schlagen über tüpto tüfto tifto ihre Ausdruckskraft verloren, wurden lautmalende Wörter immer wieder neugebildet (ngr. chtipó). Der Kuckuck heißt auf plattdt. Gauk (Gauck-Behörde!) und auf hochdt. Gauch. Den Ruf des Vogels gibt dies kaum noch wieder, also wird er neu nachgeahmt: Kuckuck.

Das Zählen auf der Grundlage von Texten oder Wörterbüchern führt zu Ergebnissen. Doch ist es ganz schön schwierig. Denn was beispielsweise soll als selbständiges Wort, was als unfeste Verbindung gelten? Das riesige Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm enthält etwa 100.000 Stichwörter - eine Zahl, die bei Berücksichtigung der Fachsprachen lt. Neuer Brockhaus unter Dt. Sprache vervielfältigt werden muß. Der Große Duden in 8 Bdn. (1995) sagt von sich, er enthält 200.000 Stichwörter (wie der Rechtschreibungsduden), seine einbändige Kurzfassg. 120.000 Artikel (mit herausgehobener Anfangszeile), 500.000 Angaben zu Rechtschreibung, Bed., Ausspr., Herkunft, Grammatik, Stil und 150.000 Anwendungsbeispiele (vgl. MACKENSEN a.a.O. 6000 oder 8000 Wörter, die man lernen müßte, haben 600.000 Gebrauchsweisen [pro Wort[familie, Hauptstichwort also 75-80 Gebrauchsweisen?]). Das Wörterb. von WAHRIG, ähnlich aufgebaut, erwähnt 250.000 Stichwörter. Ob es wirklich so viel mehr Wörter verbucht?? Es kann sein, daß die Auswahl der Stichw. und Unterstichw. verschieden erfolgte.

Die Bedeutungen sind allemal sehr viel mehr als die Wörter. So hat aufgeben im Gr. Duden 12 Bed. (7 Hauptuntergl.), die so stark voneinander abweichen können, daß manche Wörterbuchmacher sie als verschiedene Wörter, die sich nur äußerlich gleichen, zählen: versehen ausstatten mit (sich) versehen sich irren sich versehen bemerken, wahrnehmen (nur liter. und Märchen, veraltend) eh sie sich's versah, war der Vogel fortgeflogen. Hier wird wieder deutlich, daß die Zählung schon Grundsätze und Bewertungen voraussetzt. Jedenfalls werden solche Wörter, die ganz verschiedener Herkunft und verschiedener bed. sind, im allgemeinen getrennt gezählt: Bremse 1 (Vorrichtung) Bremse 2 (Stechfliege). Ganz schwierig ist die Bestimmung, welche Wortableitungen als selbständiges Wort zählen sollten.

Von jedem normalen Verb läßt sich ein Partizip auf -end und -(e)t bilden. Man wird aber reizend, hervorragend, überragend, furchterregend als verselbständigte Adjektive ("lexikalisiert") zählen, dagegen essend, schmatzend, singend nicht. Ähnlich ist es mit Hauptwörtern auch -er oder -ung. Unendlich viele sind möglich, nur ein Teil ist "lexikalisiert". In der spontanen Wortbildung in den Bereichen Philosophie, Mystik, Religion, Theologie, Soziologie, Psychologie, Geschichte gilt Deutsch noch immer als vielfach unschlagbar: seinsvergessen, siegestrunken, leidgezeichnet, schönreden, geisterfüllt, gegenstandslos, hingabefähig müssen in anderen Sprachen oft sehr umständlich umschrieben werden.

Der allgemeine Wortschatz umfaßt bekannte Fachwörter mit, das gilt für Bergbau, Landwirtschaft, PKW und elektron. Datenverarbeitung. Wenn wir also den Wortschatz von Fachwörterbüchern zählen oder schätzen, müssen wir bei einer Addition von Grund- Bildungs- und Fachwortschätzen die doppelte Zählung vermeiden. EURICAUTOM, das elektronische Wörterbuch (Terminologiedatenbank) der EU, enthält unterschiedlich viel Wörter und Ausdrücke in bis zu 11 Amtssprachen. Das Englische und Französische sind am besten erfaßt und haben um 1 Mio Einträge, Deutsch an die 800.000. Aber die Wortzahl ist wohl geringer, weil das Material aus verschiedenen Quellen zusammengestellt und nicht ganz vereinheitlicht ist. Für engl. parenteral administration (med.) findet man einmal dt. parenterale Zufuhr, p. Applikation , und in einem anderen Eintrag p. Verabreichung.

Wahrscheinlich sind die die Wörter/Fachausdrücke streng gerechnet höchstens zwei Drittel so viele, wenn nicht weniger. Wann zählt eine Wortverbindung als selbständiger Ausdruck: intravenös/Ernährung/intravenöse Ernährung ist zwar sachlich etwas autonomes, kommt aber mit einer Zusammenstellung sonstig bekannter Wörter aus. Daher ist die Dunkelziffer beim Zählen recht groß.

NÖHRING, F.-J. Wörterbuch der Medizin Frz-Dt. Wiesbaden 1995 (ohne weitere Worterklärgn.) enthält etwa 78.000 Fachwörter und -ausdrücke, PSCHYREMBEL, bekanntestes Medizinwörterb. mit Erkl. und Abb. Grob geschätzt zwischen 35.000 und 40.000 Fachwörter, HAENSCH-HABERKAMP, Landwirtschaftl. Wörterbuch, enthält die Entsprechungen von genau 12.008 Ausdrücken in 6 Sprachen. TU DRESDEN, Biolog. Wörterbuch, etwa 60.000 Fachausdrücke. Hier würde man sicherlich viele der anatomischen Ausdrücke aus den Medizinwörterbüchern wiederfinden. EG-Kommission, Verzeichnis der chemischen Verbindungen (nur solche kommerzieller Bed.), Brüssel 1984, 20.000 Bezeichnungen minus 4000 Synonyme (anderer Name, aber gleichbed.) = 16.000 Verbindungen. Auch die Wortschätze von Chemie, Biochemie und Biologie und Medizin überschneiden sich.

Jetzt kann man einmal zählen, wieviel Studienfächer und Berufe oder Künste es gibt, und unter Abzug der "Doppelten" jeweils zwischen 1000 und 30.000 Wörter ansetzen. Zählen wir die zu den umfangreichsten Allgemeinwörterbüchern (ohne Eigennamen!!) hinzu, dann kommen wir schnell auf mehrere Hunderttausend, vgl. die Zahlen für EURODICAUTOM - alle Fachbereiche ohne Geisteswissenschaften und Kunst.

Eigentlich sind alle Sprachen unendlich reich, auch an Wörtern. Es wird aber immer wieder gesagt, die englische Sprache sei die wortreichste. Das große Oxford English Dictionary (frühere Ausgabe 10 dicke Bände, mit Belegen seit der frühneuengl. Zeit, also vielen ungebräuchl., seltenen und ausgestorbenen Wörtern seit etwa 1450) soll insgesamt etwa 600.000 Wörter und damit mehr als das Deutsche oder Französische enthalten. Leider gibt es keine dt. Wörtersammlung, die diesem Werk völlig vergleichbar wäre. Das Grimmsche Wörterb. enthält nicht alle die gesellschaftswissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen, chemischen und medizinischen Ausdrücke, die im Oxford- Wörterb. berücksichtigt sind. Mit Fachwörtern würde auch ein deutsches Werk in dieselbe Größenordnung kommen. Wie weit die festen Wortverbindungen im OED mitgezählt sind, kann ich im Augenblick nicht sagen. Das Auge wird getäuscht: moonshine entspricht zwar Mondschein, aber pack horse entspricht ebenso Lastpferd, goods Lift = Lastenaufzug usw. Ob es sich um eine Zusammensetzung im sprachlichen Sinn handelt, läßt sich hier vielfach daran erkennen, daß die Zusammensetung oder der Wortverband einen Hauptton hat.

R. OSTERWINTER, "Droht der dt. Sprache die Anglisierung?" (Sprachspiegel 1/1998): "Verfügt der ungleich größere angloamerikanische Wortschatz mit seinen rund 700.000 Einheiten (die deutsche Lexik umfaßt etwa 400.000 Wörter) übers o viele Begriffe, denen im Dt. die Äquivalente fehlen? Liegt es daran, daß das Englische ... längst zur Weltverkehrssprache... geworden ist? Oder geht mit der wachsenden Bewunderung des American Way of Life zwangsläufig auch dessen Erhebung zur sprachlichen Leitkultur einher. [Achtung: die 700.000 engl. Einheiten könnten wieder alle wiss.-techn. Fachausdrücke, selbst sehr spezielle umfassen]

In gewissen Teilbereichen kann aber beispielsweise ein Übersetzer bei gewissenhafter Nutzung aller Hilfsquellen feststellen, daß im Deutschen in modernen Teilwissenschaften und Bereichen wie Luftfahrt, EDV/Rechner, elektron. Medien Ausdrücke fehlen oder zu fehlen scheinen. Dies erklärt z.T. auch die geringere Zahl dt. Einträge im URODICAUTOM. Die Erforschung wird von Fachleuten "Ausbaurückstand" genannt. Gründe sind die Auswanderung oder Vertreibung führender Forscher in der NS-Zeit, die meist in die USA gingen. Weil sich die USA in bestimmten, technisch aufwendigen Bereichen großangelegte Forschung, Experimente und Produktion leisten können, wurden bestimmte Neuerungen dort erdacht und entwickelt. Die Benennungen wurden dort geprägt und in die übrigen Sprachen erst übersetzt. Früher war das mit Griechisch, Latein, Französisch und Deutsch als Vorbild ebenso. Hinzukommt die Sprachfaulheit eines Teils der US-Wissenschaft, die damit rechnen kann, daß auf Kongressen und in Zeitschriften alle die Amerikaner verstehen, sie aber die anderen (wenn der aktivste Kern des Faches in ihrem Land ist) nicht zu verstehen brauchen.

Dies hat wiederum viele ausländ. und auch deutsche Wissenschaftler dazu verführt, ihre Beiträge gleich auf Englisch zu schreiben und sich um korrekte, griffige und gute Ausdrücke für Neues zu bemühen. Oberflächliche Journalisten und Medien übernehmen alles Neue und auch nur scheinbar Neue auch sprachlich fertig aus den USA. Dadurch entsteht in der Öffentlichkeit immer mehr der Eindruck, die anderen Sprachen seien gar nicht (mehr) schöpferisch. Firmen wie Mercedes, AEG, Siemens, DB, die bis vor kurzem ihren eigenen Wortschatz entwickelten, zeigen durch ihr Verhalten in der Öffentlichkeit, daß amerikanische Ausdrücke bevorzugen und wenden sich von der eigenen Sprache ab. Dazu wird die häufige Kürze der engl. Ausdrücke bewundert. Vielfach ist den Amerikanern eine witzige slangartige Benennung lieber als eine genaue Bezeichnung, so black box = Flugschreiber (Luftfahrtengl. Offiziell: fligtht recorder). Die Bezeichnungen werden nicht mehr ausgeschöpft und geraten in Vergessenheit. Journalisten, die immer Honeymoon oder plot schreiben, vergessen Wonnemond, Flitterwochen oder Handlung (eines Stückes). Rail and Fly kommt manchem schicker vor als Zug zum Flug. Dadurch kann nun eine langsame Verarmung der Sprache eintreten. - Also, Fachwörter werden nicht mehr selbstverständlich neugebildet.

Es wäre viel sinnvoller, Bedeutungen und fest eingebürgerte Begriffe (Dinge und Vorstellungen, unter denen sich der einzelne etwas vorstellen, die aber in einzelnen Sprachen und Kulturen ganz unterschiedlich mit Wörtern wiedergegeben werden bzw. auf sie verteilt werden. Deutsch unterscheidet zwischen Essen und Fressen, Französisch nicht. Darum ist Französisch noch keine arme Sprache: wir unterscheiden nicht so wie dieses zwischen écouter und entendre.

Abschließend möchte ich vermuten und subjektiv schätzen, daß der deutsche Allgemeinwortschatz (Grundwortschatz mit Wortschatz der Bildung und der allgemeinen Anteile an Fach- und Gruppensprachen) an die 100.000 Wörter und Ausdrücke umfaßt, und daß der Gesamtwortschatz mit regionalen (aber überregional bekannten), dichterischen und veralteten Wörtern sowie den beruflichen, technischen und wissenschaftlichen Fachwortschätzen zwischen 400.000 und 800.000 Wörter zählt, einschließl. Zusammensetzungen und feste Verbindungen, die etwas anderes bedeuten als ihre Einzelteile wie vielversprechend, händeringend. Wegen dieser letzten Wortkategorie ist es von großer bedeutung, wie die endgültige Rechtschreibregelung sie behandelt. Sonst besteht Gefahr, daß 1000-2000 wertvolle Wörter aus den Wörterbüchern verschwinden. Dies schafft für Kinder, Lernende und Ausländer große Schwierigkeiten. Und man bedenke: alle die 100.000 - 800.000 Wörter und festen Verbindungen aller Art sind auf verschiedenste Weise aus etwa 3000 - 4000 idg. Wurzeln gebildet. Durch Entlehnung und Fremdwortübernahme kommen auch andere, bei uns nicht vorhandene Wurzeln hinzu, aber auch dieselben wie bei uns in anderer Gestalt wie Pyro-Technik Pyromane von dem erwähnten griech. pyr Feuer.

Ich habe hier nur zusammengestellt, was ich teilweise schon vorbereitet hatte. Deswegen war es keine Mühe, sondern hat mir Gelegenheit geboten, das Material, das ich auch den Mitgliedern des Sprachverbands zur Verfügung stellen möchte, etwas zu ordnen.

Weitere Literatur:
  • KÜHN, Peter: Der Grundwortschatz. 1979.
  • KÜHN, Peter: Deutsche Wörterbücher [aller Art und aller Gebiete]. 1978.
  • Verein Deutsche Sprache e.V.


zurück zum Inhaltsverzeichnis ... Politische Bildung und Information Zähler