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Notwendige Richtigstellungen zu Nelson Mandela |
von Dr.
Claus Nordbruch
Das Verhältnis zwischen Deutschland und Südafrika ist aus
verschiedenen Gründen ein intensives, keineswegs nur aus
wirtschaftlichen Gründen. Es stimmt, Südafrika ist eines der
beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen und der größte
Handelspartner der deutschen Wirtschaft auf dem afrikanischen
Kontinent. Die gegenseitige Beziehung ist aber auch vor allem
zwischenmenschlich begründet und das seit vielen Generationen.
Immerhin leben an der Südspitze Afrikas 1,5 Millionen deutschstämmige
Menschen. Von diesem geben noch heute eine Viertel Million das
entspricht der Zahl der weißen Gesamtbevölkerung im
ehemaligen Rhodesien -, ihre Muttersprache mit Deutsch an. Eine
weitere halbe Million Südafrikaner sprechen heute deutsch als
Fremdsprache. Insgesamt sprechen also rund eine dreiviertel Million
Menschen deutsch. Mit rund einem Fünftel der weißen Bevölkerung
stellt die deutsche Sprachgruppe damit nach dem der afrikaansen und
englischen den drittgrößten Anteil unter den Weißen
dar. Es ergibt sich schon aus diesen Zahlenverhältnissen von
selbst, daß die Beziehung zwischen beiden Staaten eine innige
ist. Doch das Verhältnis ist augenblicklich keineswegs ungetrübt.
Es hapert vor allem am objektiven Informationsaustausch und an
sachlicher Berichterstattung über die Lage in Südafrika.
Der einstige Garant europäischer Zivilisation in Afrika ist
seit 1994, dem Zeitpunkt der Übertragung der Regierungsgeschäfte
an den ANC, innerhalb weniger Jahre zu einer Bananenrepublik
verkommen. Verbrecher aller Couleur feiern fröhliche Urständ,
die Korruption hat sich vom Posten des kleinen Beamten bis hoch in die
Ministerien eingenistet, Drogen und Pornographie finden Einzug in nie
zuvor gekanntem Ausmaße, den Sicherheitskräften wird
seitens der Bevölkerung kein Vertrauen mehr entgegengebracht, die
Währung ist inzwischen auf den 'Wert' der in der Dritten Welt üblichen
Tiefststufe abgefallen, wie überhaupt der Standard immer mehr dem
eines Entwicklungslandes entspricht. Zehntausende, noch im 'alten' Südafrika
Ausgebildete und Studierte verlassen das Land und versuchen ein Leben
in Frieden und Wohlstand fernab von Afrika zu finden.
Von 1994 bis 1996 waren dies über 200.000 Menschen und das bei
einer Gesamtbevölkerungszahl der Weißen von knapp 5,5
Millionen. Die Tendenz der Auswanderung ist steigend. Erfaßt
werden hierbei lediglich die offiziell Auswandernden, nicht jedoch
diejenigen, die das Land mit einem Touristenvisum verlassen und einmal
pro Jahr wieder einreisen, um den gesetzlich geregelten Satz an Geld,
der nur für Touristen zugelassen ist, bei der Bank abzuheben und
Südafrika erneut für 12 Monate zu verlassen. De facto lebt
also neben den offiziellen Emigranten eine empirisch nicht
festzusetzende Anzahl von Südafrikanern im Ausland. Ebenso nicht
erfaßt ist die große Anzahl von Südafrikanern, die im
Besitz einer zweiten Staatsbürgerschaft sind und ohne groß
zu erfassende Formalitäten von heute auf morgen auf unbestimmte
Zeit ausreisen können. Auch über die Anzahl derjenigen
Doppelstaatsbürger, die das Land bereits verlassen haben, liegen
nur Dunkelziffern vor.
Es ist sicher nicht übertrieben geschätzt, daß heute
die Gesamtzahl der Auswanderer die 500.000-Grenze längst überschritten
hat. Daß es sich bei diesen Emigranten zu 98% um Weiße
handelt, liegt auf der Hand. Daß von diesen fast alle zu den
akademisch und fachlich damit besser Ausgebildeten und besser
Verdienenden gehören, ist angesichts des schier unerschwinglichen
finanziellen Aspekts, den eine Auswanderung in sich birgt, selbstverständlich.
In Scharen zieht es Facharbeiter, Universitätsdozenten, Ärzte
und andere Vertreter dieser hochqualifizierten Berufsgruppen ins
Ausland. Vornehmlich nach Britannien, Kanada, Australien, Neuseeland
und in die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Frage liegt auf der
Hand: Woher kommt diese Massenflucht, wieso konnte Südafrika
derart verkommen? Die Antwort liegt in der Sache selbst.
Regierungschef Nelson Mandela hat weder für seine Sympathie für
den Kommunismus je einen Hehl gemacht, noch sich je von
kommunistischen Phrasen distanziert. Im Gegenteil. Schon der ihn wegen
Bildung einer terroristischen Vereinigung Anfang der sechziger Jahre
verurteilende Richter H. W. de Villiers bezeichnete in seinem Buch
Rivonia Mandela als "überzeugten Kommunisten". Dieses
Urteil scheint angesichts der Darstellung, die Mandela in den
westlichen, so auch besonders in den deutschen Medien erfährt,
als unglaubwürdig. Mandela als Friedensengel, Mandela als weiser
Staatsmann - so wird er uns im Fernsehen und in den Zeitungen präsentiert.
Mandela, "die Lichtgestalt in der Geschichte Südafrikas
schlechthin", wie dem Verfasser vor wenigen Wochen eine
Direktorin der sozialdemokratischen Friedrich-Ebert-Stiftung in Erfurt
versuchte einzureden. Mandelas Selbsterzeugnisse sollten über
etwaige Zweifel hinweghelfen. Er bekannte unter anderem in seiner zu
dieser Zeit von ihm verfaßten Untergrundschrift How to be a good
Communist?: "Wir Mitglieder der Kommunistischen Partei sind die
am meisten fortgeschrittenen Revolutionäre der modernen
Geschichte ... Der Feind muß zuerst vollkommen zerschmettert und
ausgerottet werden vom Erdboden, bevor die kommunistische Welt
verwirklicht werden kann." Dieses eindeutige Bekenntnis bekräftigte
Mandela 1986: "Ich bin ein Sozialist und glaube an die
klassenlose Gesellschaft." Am 28.7.1996 sprach Mandela anläßlich
des 75jährigen Gründungstages der Kommunistischen Partei in
Südafrika u.a. die Worte:
"Im Namen des Afrikanischen Nationalkongreß überbringe
ich Ihnen meine aufrichtigen brüderlichen Grüße. Vorsitzender
und Genossen! Wir im ANC wünschen Ihnen nicht nur aus einer
Gefühlsregung heraus alles Gute. Wir wissen aus der reichen
Geschichte unseres Kampfes nur zu gut, daß eine Partei wie die
Ihrige, die die Interessen der Armen und der Stimmlosen an die oberste
Stelle des Engagements gesetzt hat, in der Tat eine Bereicherung für
unsere Gesellschaft ist".
Mandela huldigte im weiteren Verlauf seiner Laudatio die "Allianz
zwischen dem ANC und der Kommunistischen Partei" als ein "natürliches
Ergebnis", wobei er den ANC, die Kommunistische Partei und den
Dachverband der kommunistischen Gewerkschaft COSATU als "demokratische
Organisationen" pries, was Mandelas Demokratieverständnis
durchaus belegt.
Während Nelson Mandela im Ausland den Menschen als liebenswürdiger,
zwischenzeitlich ergrauter ehemalige Freiheitskämpfer, der von
einem Gewaltregime mehr als 27 Jahre willkürlich im Gefängnis
gehalten wurde, suggeriert wird, ist die Realität um seine Person
eine gänzlich andere. Mandelas Politik ist weit davon entfernt,
dem zu entsprechen, was sie von den Medien vorgegaukelt wird zu sein.
Mandelas Regierungspraxis ist von starken oligarischen, teilweise
diktatorischen Verhaltensweisen und einer Riesenportion Dilettantismus
gekennzeichnet. Einerseits suggeriert Mandela nach außen hin das
Bild des unabhängigen und souveränen Staatsmannes, der Südafrika
als gleichberechtigtes Mitglied der Staatengemeinschaft vertritt.
Andererseits setzt er sich rigoros über den Willen der Völker
Südafrikas hinweg. Was zählt, ist die Bevorzugung
derjenigen, die sich in seinem Dunstkreis aufhalten. Auffällig
dabei ist ferner, daß eine heute von Mandela getroffene
Entscheidung morgen längst nicht mehr Gültigkeit haben muß.
Beispiele über die 'staatsmännische Führung' Mandelas
gibt es zuhauf, zum Beispiel bezüglich Todesstrafe. Angesichts
der Tatsache, daß die Völker Südafrikas mit der höchsten
Kriminalitätsrate der Welt konfrontiert werden, ist der Wunsch
der Bevölkerung nach einer effektiven Strafverfolgung und der
konsequenten Anwendung geeignete Strafmaßnahmen nachvollziehbar.
Die übergroße Mehrheit der Wahlberechtigten fordert die
Wiedereinführung der Todesstrafe. Anfang November ließ er
durch seinen Justizminister, den Kommunisten Dullah Omar, bekannt
machen, daß eine Wiedereinführung nicht in Frage käme,
da diese Art der Bestrafung während der Apartheidjahre
praktiziert worden wäre. Ein anderes Beispiel war im Februar die
Diskussion um die Legalisierung der Abtreibung. Wesentlich mehr
Menschen als bislang je bei einer nationalen Wahl für den ANC
gestimmt haben, sind sowohl zugunsten der Wiedereinführung der
Todesstrafe als auch gegen die Legalisierung der Abtreibung
eingestellt. Für den 'Staatsmann' Mandela ist dies freilich kein
Thema. Der Willen der Völker Südafrikas wird schlicht
ignoriert und übergangen.
Ein weiteres Beispiel ist die Mär von der Regenbogennation, die
Mandela unter der vermessenen Leugnung der Vielfalt der in Südafrika
lebenden Völker inszenierte. Dabei gibt es kein einheitliches 'südafrikanisches
Volk', genauso wenig wie es nicht die 'südafrikanische' Sprache
gibt. Nun könnte man ein derartiges Propagieren wohlmeinend noch
als 'Versöhnungsgeste' interpretieren. Die Wirklichkeit belegt
jedoch, daß es sich nicht um ein gutgemeintes, naives
Unterfangen, sondern vielmehr eiskalte Berechnung handelt. Hierunter fällt
beispielsweise die inzwischen zur allgemeinen Politik avancierte Mißachtung
der verschiedener Sprachen in Südafrika zugunsten des Englischen.
Immerhin ist in der Verfassung festgehalten, daß es in Südafrika
elf offizielle Sprachen gibt: Afrikaans, Englisch, isiNdebele, Sesotho
sa Leboa, Sesotho, siSwati, Xitsonga, Setswana, Tshivenda, isiXhosa
und isiZulu. Der von Xhosas dominierte ANC diskriminiert aber
keineswegs nur gegen Afrikaans. Es wird öffentlich und ganz bewußt
gegen Nicht-Schwarze und Hochqualifizierte - eben weil sie meist weiß
sind - diskriminiert. Jeder der nicht schwarz genug ist, hat unter dem
neuen Verteilungsprozedere von Arbeitsplätzen zu leiden, und ganz
besonders auch die Mischlinge (Farbige).
In einem Leserbrief in der pro-ANC eingestellten Tageszeitung THE
STAR findet ein Betroffener den Mut, sich in einem Leserbrief u. a.
wie folgt zu äußern: "Affirmative Action kommt
ausschließlich den Schwarzen zugute. Als Farbiger schließt
mich die Politik der Affirmative Action nicht mit ein (...) Niemand
ist an meiner beruflichen Weiterbildung interessiert, da ich nicht
schwarz genug bin." Im Neuen Südafrika werden bestimmte
Menschen aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit bevorzugt, andere
dagegen benachteiligt. Dies sind keine Randerscheinungen oder
Ausnahmen, sondern Dogma. Am 9.2.98 kritisierten die
Oppositionsparteien den ANC, daß er immer mehr der alten
Nationalen Partei von 1948 gleiche. Die Kritik kam zu Recht.
Tatsächlich ist 'Rasse' und nicht etwa 'Können' oder
'Leistung' der ausschlaggebende Faktor bei der Vergabe von Arbeitsplätzen.
Nach einem amtlichen 'ausgearbeiteten Konzept' müssen
Anstellungen so angewandt werden, daß bis 1999 50% der Posten im
gehobenen Staatsdienst von Schwarzen ausgefüllt sind. "Erst
wenn die Quote für 1999 erreicht ist, wird Leistung der einzige
Maßstab für eine Anstellung sein."
Die entscheidenden Stellen und Positionen in Regierung, Wirtschaft
und vielerorts auch in den Medien sind zwischenzeitlich ausschließlich
von Kommunisten besetzt. Innerhalb des ANC und der Regierung finden
sich außer Nelson Mandela und den inzwischen verblichenen Joe
Slovo und Oliver Tambo folgende mehr oder weniger überzeugte
Kommunisten: Außenminister Alfred Nzo und dessen Stellvertreter
Aziz Pahad, Verteidigungsminister Joe Modise und dessen Stellvertreter
Ronnie Kasrils, Justizminister Dullah Omar, Sicherheitsminister Sydney
Mafumadi, Wirtschaftsminister Alec Erwin, Minister für
Entwicklung Vali Moosa, Minister für Transportwesen Maharaj,
Minister für Landwirtschaft Derek Hanekom, die stellvertretende
Finanzministerin Jill Marcus, der stellvertretende Minister für
Umwelt- und Touristenangelegenheiten Peter Mokaba, die Ministerin für
Wohlstand und Bevölkerungsfragen Geraldine Fraser-Moleketi,
Sportminister Steve Tshwete, der ehemalige Gewerkschaftsfunktionär
und jetzige Post- und Telekommunikationsminister Jay Naidoo, der
Vizepräsident des Senats Govan Mbeki, der Befehlshaber des
Generalstabs Siphiwe Nyunda, der Generaldirektor der
Kommunikationsdienste Joel Netshitenze usw. usf.
Die Zahl der Kommunisten im Parlament stieg innerhalb von drei
Jahren von 50 auf 80. Sämtliche Schlüsselpositionen in den
elementaren Ministerien sind in kommunistischer Hand, auf den
Universitäten, in der Polizei, in der Armee, in der Justiz usw.
verhält es sich ähnlich.
So paradox es klingt: Das ehemalige Bollwerk dieser Erde gegen den
Kommunismus ist heute von Kuba, Nord-Korea und China einmal abgesehen,
die Enklave des Marxismus-Leninismus schlechthin. Und der naive
Glaube, nach Mandela würde alles besser werden und "sich
einrenken", der irrt gewaltig. Thabo Mbekli hat bereits öffentlich
erklärt, daß die Revolution noch nicht beendet sei und wenn
die Weißen nicht freiwillig von ihrem Besitz zugunsten der
Benachteiligten zurückträten, müsse der Staat
entsprechend eingreifen. Es wird in Südafrika noch die Zeit zurückgesehnt
werden, als es allen gutging: unter Mandela.
Hinweis: Das hier behandelte Thema hat der Autor detailliert in
seinen diesbezüglichen Büchern "Volksbetrug am Kap"
(Berg 1998) und "Ein Nationalstaat für Buren?!"
(Pretoria 1998) behandelt. Sämtliche Bücher Nordbruchs sind
im gut sortierten Buchhandel erhältlich, oder direkt mit
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