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(...) Gerade die ausführlichen Berichte und Erzählungen über das Parteileben, die handelnden Akteure, die Konfliktlinien und die Widersprüche, die Programm, Erscheinungsbild und Gebaren der Gruppe prägen, geben dem Leser zwischen den Zeilen ausreichend Raum, um sich selbst ein Bild über die Zukunftsfähigkeit und Substanz jener Form von Politik zu machen, für die der nunmehrige Hamburger Innensenator steht. Auf diese Weise bleibt die Ausarbeitung für grundsätzliche Befürworter der politischen Vorstellungen Schills in gleicher Weise interessant wie für strikte Gegner. (...) |
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Aus dem Leben einer politischen Eintagsfliege - Innenansichten der Schill-Partei |
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von Maximilian Ohl Sänger Holger Stürenburg, geborener Hanseat, Junge Freiheit-Musikredakteur und Schöpfer zweier Abhandlungen über Kultur und Zeitgeist der 80er-Jahre, lernte im Dezember 1999 den umstrittenen Hamburger Amtsrichter Ronald B.Schill kennen und war Gründungsmitglied in dessen rechtspopulistischer Partei Rechtsstaatlicher Offensive. Als er gegen Ende Januar 2002 die Rohfassung seines ersten politischen Sachbuches, Ronald B.Schill - Der Eisbrecher abgeschlossen hatte, war das Scheitern der noch im September 2001 mit 19,4 % triumphal in die Hamburger Bürgerschaft eingezogenen Protestpartei noch nicht endgültig absehbar, obwohl sich bereits erste Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit dem Ziel der bundesweiten Ausdehnung abzeichneten. Dem dokumentarischen und gegenwartsgeschichtlichen Wert der Arbeit vermag diese Tatsache jedoch keinen Abbruch zu tun. Stürenburg beginnt mit einem ausführlichen, aber dennoch kurzweilig gehaltenen Exkurs über die Geschichte des politischen Parteienspektrums in der Hansestadt mit Schwerpunkt auf dessen Entwicklung seit Beginn der 90er. In der Folge arbeitet der Autor detailliert und mit zahlreichen illustrativen Querverweisen auf das gesellschaftliche und mediale Umfeld die Entstehungsphase der Protestpartei auf, die sich anschickte, mit einfachen Lösungsvorschlägen und plakativen Parolen Missstände zu thematisieren, deren Bewältigung viele Bürger den etablierten Parteien in Hamburg nicht mehr zugetraut hatten. Obwohl die Abhandlung nicht unbedingt im Stile eines kritischen Aufklärungsjournalismus gehalten ist, sondern in vielen Bereichen ein nach wie vor aufrechtes weltanschauliches Naheverhältnis des Autors zu Schill zu bemerken ist, läuft sie nie Gefahr, in den Rang einer biederen Jubelbroschüre abzusinken. Gerade die ausführlichen Berichte und Erzählungen über das Parteileben, die handelnden Akteure, die Konfliktlinien und die Widersprüche, die Programm, Erscheinungsbild und Gebaren der Gruppe prägen, geben dem Leser zwischen den Zeilen ausreichend Raum, um sich selbst ein Bild über die Zukunftsfähigkeit und Substanz jener Form von Politik zu machen, für die der nunmehrige Hamburger Innensenator steht. Auf diese Weise bleibt die Ausarbeitung für grundsätzliche Befürworter der politischen Vorstellungen Schills in gleicher Weise interessant wie für strikte Gegner. Der flotte Schreibstil und die ansprechende Erzählweise Stürenburgs, die zusätzlich durch persönliche Anekdoten und Bezugnahmen auf Zeiterscheinungen abseits des politischen Tagesgeschehens aufgelockert werden, erhalten die gute Lesbarkeit von Ronald B.Schill - Der Eisbrecher trotz der Ausführlichkeit und Akribie, mit der die Ereignisse rund um den kurzen Höhenflug des Populisten aufgearbeitet werden. In jedem Fall ist es Holger Stürenburg gelungen, ein Zeitdokument zu schaffen, dessen Lebensdauer die des darin analysierten Projekts weit überdauern dürfte. Max Ohl Holger Stürenburg: Ronald B.Schill - Der Eisbrecher; Verlag Manfred Rouhs Köln 2002; ISBN 3-932530-02-0; EUR 12,80
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