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(...) Was die stellvertretende Bundesvorsitzende Johanna Grund in ihrer Rede vor dem Parteitag ansprach, nämlich die Gefahr, dass der zunehmend auch von den etablierten Parteien ins Zentrum der Agitation gestellte Wiedervereinigungsprozess, den Republikanern ihr Hauptthema stehlen könnte, war indessen schon längst Wirklichkeit geworden. Helmut Kohl war mit seinem 10-Punkte-Programm vorgeprescht, SPD und Liberale konnten nur noch hinterher hecheln. Nur noch die linksextremen Grünen und ihre pseudointellektuellen Gesinnungsfreunde aus den Bürgerrechtsgruppen der "DDR" sowie die SED-PDS hielten noch die Flagge der Teilung hoch. (...)

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Maximilian Ohl

Nadel, grün

Die Republikaner zwischen Straßburg und Ruhstorf - Protokoll einer Selbstzerstörung

von Maximilian Ohl

Der vor allem in seiner Höhe völlig unerwartete Triumph der rechten Republikaner - 7,2 % bei den Europawahlen am 18.Juni 1989 - brachte die nach dem Einzug ins Berliner Abgeordnetenhaus bundesweit ernst genommene Partei endgültig ins Zentrum der in- und ausländischen Medienöffentlichkeit. Eine Partei rechts der Union, die auf Bundesebene deutlich die 5 % -Hürde nimmt: Das war ein Novum in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik. Und es blieb nicht unbeachtet, zumal bereits der Einzug der Rechten ins Berliner Abgeordnetenhaus im Januar davor hohe Wellen geschlagen hatte.

Die Palette reichte dabei von reißerischen Schlagzeilen über die angebliche Wiedergeburt des Nationalsozialismus bis hin zu besonnenen und differenzierten Kommentaren, die nach den Ursachen für das Aufkommen der Neuen Rechten“ - dieser Begriff bürgerte sich damals auch in den Reihen der etablierten Parteien im Hinblick auf die neue Konkurrenz ein fragten.

In den Tagen nach der Europawahl waren die Republikaner im öffentlichen Raum nahezu omnipräsent. Die Bildzeitung lud deren Bundesvorsitzenden schon am 20.6. zu einem Kurzinterview unter der Titelschlagzeile: Sind Sie ein Nazi, Herr Schönhuber?“. Das ZDF brachte in der Woche nach der Wahl zur besten Sendezeit eine recht tendenziöse Reportage unter dem Titel Die Führerpartei“. Der SPIEGEL und selbst die BUNTE räumten der umstrittenen Rechtspartei breiten Raum in ihrer redaktionellen Berichterstattung ein und das zunehmend zum Standardformat der Informationselite aufgestiegene SPIEGEL-TV-Magazin auf RTL widmete am 9.7.1989 eine gesamte Sendung nur den Republikanern, vor allem deren jugendlichen Anhängern. Unter den Jungwählern hatten die Reps“ ihre größten Erfolge gefeiert. Dies unterschied sie etwa von der Situation der rechtsextremistischen NPD Ende der 60er-Jahre, der man ohne größere Schwierigkeiten das Etikett einer letzten Fluchtburg unbelehrbarer Altnazis anheften konnte. Die Republikaner hingegen wirkten vor allem auf jene Generation, die nach den 68ern kam. Und das sorgte nicht nur für Schadenfreude bei manchen Altvorderen, sondern bereitete den zuvor noch in ihrer intellektuellen Dünkelhaftigkeit so überlegen wirkenden Abkömmlingen der Studentenrevolte sichtlich Kopfzerbrechen.

Im SPIEGEL-TV-Beitrag wurden etwa die mittlerweile wieder zur Jungen Union gewechselte frühere stellvertretende REP-Landesvorsitzende Alexandra Kliche interviewt, die in den Republikanern eine Partei gesehen hatte, die zum einen für Menschen da wäre, denen Deutschland etwas bedeuten würde und die zum anderen für Werte jenseits des oberflächlichen und hedonistischen Zeitgeist stehen würden. Das 19-jährige Model, das in ihrem Buch "Nichts wie weg Warum ich die Republikaner verlassen habe" ihren früheren Parteifreunden primitive Umgangsformen und mangelnde Distanz zum Rechtsextremismus vorwerfen sollte, sprach dabei beispielsweise die in ihren Augen praktizierte Verherrlichung von Promiskuität und den immer stärker um sich greifenden Sexismus in der Gesellschaft an. Ein anderer REP-Anhänger der jüngeren Generation, der aus der Oberpfalz stammte und dessen liebste Freizeitbeschäftigung Spaziergänge mit seinem Hund entlang der früheren Zonengrenze waren, äußerte seinen Unmut darüber, dass die unionsgeführte Bundesregierung das Ziel der Wiedervereinigung aus den Augen verloren hätte und stattdessen das Ziel einer multikulturellen Gesellschaft verföchten. Die Politik des damaligen CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler ließ diesen Eindruck in der Tat bei vielen traditionellen Unionsanhängern entstehen. Daran vermochten auch sichtlich auf die konservative Rechte in der Union gemünzte Äußerungen Theo Waigels oder Alfred Dreggers auf Vertriebentreffen nach der Europawahl wenig zu verändern, in denen der Rechtsanspruch des deutschen Volkes auf seine Wiedervereinigung in den Grenzen von 1937 unterstrichen wurde.

Der damalige REP-Generalsekretär und Europaparlamentarier Harald Neubauer genoss es sichtlich, vor den Fernsehkameras Briefe junger Interessenten vorzulesen, die bekundeten, in Ihrer konservativen Partei mitmachen zu wollen. Gerade auch aus großstädtischen Bereichen der Jungen Union und Schülerunion erlebten die Republikaner Zulauf selbst von Spitzenfunktionären.

Vor allem die Jugendorganisationen der Volksparteien hatten Probleme, der Entwicklung gegenzusteuern. Die Jusos, die auf Plakaten die neue Rechte "alt aussehen" lassen wollten, sahen selbst alt aus, als sie sich in ihrer Selbstgefälligkeit sonnten, eben ein komplexes Gesellschaftsbild zu vertreten und kein einfaches, so wie dies die Rechtsextremisten tun, wie es etwa Juso-Vorsitzende Susi Möbeck formulierte. Der Vorsitzende der Jungen Union Bayern hingegen warf den Medien vor, den Nationalstolz zu kriminalisieren. Selbstverständlich sei er stolz, Deutscher zu sein, aber er sei eben auch stolz, Europäer zu sein, und die Chance, die Europa biete, würde von den Republikanern eben nicht erkannt.

In Großstädten wie München, wo die Republikaner Ergebnisse bis zu 15 % erzielt hatten, kam man nicht umhin, im Rahmen von Diskussionsveranstaltungen zur politischen Bildung auch Vertreter der Rechten einzuladen. Während die Grünen in Fällen dieser Art eine Flucht nach vorne im Sinne einer noch stärker links ausgerichteten Politik als Rezept gegen weitere REP-Erfolge favorisierten, appellierte man in den Reihen der Sozialdemokraten etwa an den Stolz der berufstätigen Frauen, die von REP und DVU zurück an den Herd gedrängt“ werden würden. Viele Unionspolitiker suchten ihr Heil in der Defensive, ihre wenig souveräne und vor allem bei jungen Leuten eher kontraproduktive - Argumentation lautete in etwa: Die REP-Erfolge schaden dem deutschen Ansehen im Ausland.“

Die F.D.P. konnte sich von jeher als Klientelpartei bedeutender Unternehmerschichten sicher sein, auch im Falle phasenweise auftretender Misserfolge am Ende weich zu fallen und im Ernstfall als potenzieller Koalitionspartner von wem auch immer gebraucht zu werden. Vielleicht konnte sie sich deshalb am Ehesten in ihrem Mitgliedermagazin liberal eine sehr objektive und differenzierte Analyse der Republikaner leisten, in welcher sie deren Vergleich mit den Nazis als historisch und objektiv falsch entlarvte und betonte, dass diese Form der ungerechtfertigten Desavouierung von den Wählern auch als solche erkannt werde und der F.D.P. keine einzige Stimme mehr bringen würde. Einzig ihr damaliger Bundesvorsitzender Otto Graf Lambsdorff sollte diese Weisheiten seiner Parteifreunde nicht immer beherzigen.

Die REP betonten in Situationen dieser Art, dass ihnen zwar nicht Deutschland über alles ginge, sie aber auch nicht deutschenfeindlich wären. Auf diese Weise versuchten sie, einerseits die Etablierten als Verächter eines in jedem Land selbstverständlichen und von jungen Deutschen auch immer stärker eingeforderten Nationalstolzes anzuprangern, sich andererseits aber auch von den nationalistischen Sprüchen der Parteien rechts von Schönhuber abzugrenzen.

Im Sommer nach der Europawahl schien sich die Republik in der Tat darauf einzustellen, dass künftig fünf statt vier Parteien im Bundestag sitzen würden, und dass der Erosionsprozess der Mitte, der Anfang der 80er-Jahre durch das Aufkommen der Grünen links der SPD begonnen hatte, sich nun zeitversetzt auch rechts der Union vollziehen würde. Selbst Spitzenpolitiker der SPD wie Oskar Lafontaine gingen in Fernsehinterviews davon aus, dass man mit dem Phänomen REP wohl in Hinkunft werde leben müssen.

Vor allem linksgerichtete Medien stürzten sich in jener Zeit begierig auf selbst den kleinsten Hauch eines möglichen Skandals, der sich im Umfeld der umstrittenen Rechtspartei abspielen würde.

In diesem Zusammenhang hatte etwa das ZDF schon kurz nach der Europawahl auf angebliche Unregelmäßigkeiten im Zuge der Rechnungslegung zur Wahlkampfkostenrückerstattung hingewiesen, die sogar zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geführt hätten. Der Skandal hatte sich aber schnell als Rachefeldzug ehemaliger Parteifunktionäre erwiesen, die nach dem Ende ihrer politischen Karriere als Republikaner ihren früheren Parteifreunden noch einmal mit oberflächlich belegten Enthüllungen schaden wollten.

Obwohl die Parteispitzen der Volksparteien offiziell einen klaren Abgrenzungskurs gegenüber den Republikanern befürworteten und insbesondere keine Koalitionen mit ihnen bilden wollten, erregten Kontakte auf informeller Ebene vielerorts Aufsehen. In Saarlouis etwa hatte die Schönhuber-Partei bei den zeitgleich mit der Europawahl abgehaltenen Kommunalwahlen auf Anhieb 10,4 % und zwei Stadtratsmandate gewonnen. Rüdiger Wolf, zuvor bereits lange Jahre Sozialdemokrat, trat noch am Wahlabend aus der Partei aus und beantragte die Aufnahme in jene der SPD. Obwohl linke Parteimitglieder gegen eine solche Sturm liefen, soll mit dem dann Fraktionslosen mit Wissen und Billigung Oskar Lafontaines ein Kooperationsübereinkommen geschlossen worden sein, das eine Unterstützung der SPD bei Abstimmungen vorsah und diese damit wieder näher an die absolute Mehrheit heranbrachte sozusagen ein Tolerierungsmodell unter Einschluss eines Ex-Republikaners und eines ehemaligen Grünen. Die Dankbarkeit der SPD gegenüber dem früheren Rechtsabweichler ging am Ende so weit, dass Oberbürgermeister Nuspers zwei Monate später eine scharfe Protestnote gegen die Personalzensur bei der "DDR"-Städtepartnergemeinde Eisenhüttenstadt einlegte, weil diese einem den REP angehörigen Mitglied des Kulturausschusses wegen des laut "DDR"-Jargon erwiesenen neofaschistischen Charakters jener Partei die Einreise für eine gemeinsame Kulturtagung verweigerte.

Auch im Spätsommer des Jahres 1989 sollten nicht nur die Fluchtwelle von "DDR"-Bürgern über die grüne Grenze in Ungarn und der sommerliche Modetanz Lambada die Schlagzeilen beherrschen, sondern die Republikaner in aller Munde bleiben. Da wurde aus der Tätigkeit des heutigen hessischen Landesvorsitzenden Haymo Hoch als Leiter der Ausländerbehörde in Offenbach ein Riesenskandal erzeugt, und in Niedersachsen drohte die Affäre um den Landtagsabgeordneten Kurt Vajen dem langjährigen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht die Mehrheit für seine bürgerlich-liberale Koalition zu kosten. Vajen hatte zuvor öffentlich seine Sympathien für die Republikaner bekundet. Eine Verurteilung wegen Wahlfälschung sollte zu seinem Ausschluss aus der Fraktion führen.

Am 21. August traf Kanzler Helmut Kohl unter dem Eindruck der Turbulenzen in seiner Partei nach den Wahlniederlagen der letzten Monate eine Personalentscheidung, die in Teilen der Medien schon als Vorleistung im Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit den Rechten gewertet wurde: Er entließ einen Tag nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub, der ihn durchs österreichische Salzkammergut zwischen Wolfgangs- und Offensee geführt hatte - unerwartet seinen langjährigen Generalsekretär Heiner Geißler. Der zum so genannten Reformerflügel gerechnete frühere Jesuitenzögling, war zuletzt vor allem durch umstrittene Wahlkampagnen und Personalentscheidungen aufgefallen, ihm wurde nachgesagt, er wolle die Republikaner bekämpfen, indem er gegen sie Ausfälle in der gleichen Gossensprache ritt, die man diesen selbst vielerorts vorwarf. Der Hauptgrund der Entlassung war indes und dem stets unterschätzten Machttaktiker Kohl war dies zu keiner Zeit verborgen geblieben , dass Geißler einer der Drahtzieher eines innerparteilichen Putschversuches war, der im Rahmen des geplanten Bundesparteitages der CDU in Bremen am 10.September einen Führungswechsel in der Partei herbeiführen sollte. Der Reformerflügel rund um Geißler, den CDA-Chef Ulf Fink, Rita Süßmuth und den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth, der im Jahr zuvor mit seiner Bekundung, er würde seine Kinder ohrfeigen, würden sie die erste Strophe der Nationalhymne singen, einen kleinen Vorgeschmack auf das autoritäre PC-Klima der 90er gab, war drauf und dran, die Macht an sich zu reißen. Späth sollte der Mann an der Spitze sein, Geißler der Drahtzieher im Hintergrund. Kohl enthauptete jedoch die Widerstandszelle, bevor diese zum entscheidenden Schlag ansetzen konnte. Mit Volker Rühe berief Kohl einen loyalen, als überzeugter Atlantiker auch jedweder Sympathie gegenüber Rechts unverdächtigen Gefolgsmann auf Geißlers vakanten Posten. Damit hatte er wieder unangefochten die Fäden in der Hand. Ob er zu diesem Zeitpunkt bereits ahnte, wie wichtig es für ihn nur kurze Zeit später sein würde, Führungsstärke zu zeigen, ist ungewiss.

Der CDU-Parteitag endete im Übrigen mit einem Rückzug des verhinderten Königsmörders Späth aus dem Parteipräsidium, Fink wurde nicht mehr wieder gewählt, die von den Medien als beliebteste Politikerin der Republik gefeierte Rita Süßmuth mit einem ausgesprochen durchschnittlichen Ergebnis von den Delegierten belohnt und Norbert Blüm wollte plötzlich nie zu den Reformern gehört haben.

Die linke taz vom 13.9.1989 analysierte die Ergebnisse des CDU-Parteitages sichtlich enttäuscht wie folgt: [] Eigentlich dürfte sich Helmut Kohl nicht beklagen: Die CDU, so mäkelte er in seiner Rede vor dem Bundesparteitag, sei für Frauen und junge Leute nicht attraktiv, es gebe Verkrustungen und festgefahrene Strukturen auf allen Ebenen. Doch diese Tatsachen haben ihm und seinen Getreuen ordentliche Wahlergebnisse beschert - und seinen Kritikern beachtliche Niederlagen. [] Jenen, die als "Modernisierer", als "Reformer" der Union galten, hat die Partei eine Absage erteilt. Den so genannten Traditionalisten sprach sie bei den Wahlen ihr Vertrauen aus: Der Kohl-Mann Stoltenberg wurde Dritter bei den Präsidiumswahlen. Albrecht, einer der konservativsten in der Parteispitze, bekam nach Blüm die meisten Stimmen. [] "Viele haben Kondom-Rita, wie sie sie nach ihrem Werbefeldzug für Safersex genannt haben, einfach gehasst", sagt einer aus der Gruppe um Heiner Geißler. Heiner Geißler erhielt für seine brillante Rede stehende Ovationen - doch seine Worte von der multikulturellen Gesellschaft, von den Grenzen von 19xy, sein Eintreten für Menschenrechte in Chile haben ihm die Delegierten nicht vergessen.

Dem Bundesvorsitzenden der Republikaner, Franz Schönhuber, sollte es am gleichen Wochenende indessen weniger gut gelingen, seinen Führungsanspruch in der Partei zu untermauern. Nachdem bereits der Landesparteitag der Republikaner in Berlin eine Kampfabstimmung und wüste Beschimpfungsorgien zwischen dem kurzfristig wieder gewählten Landesvorsitzenden Bernhard Andres, dem finanzielle Unregelmäßigkeiten und ähnliche Verfehlungen vorgeworfen worden waren, und seinem späteren Nachfolger Carsten Pagel gegeben hatte, war auch im Norden die Kacke am Dampfen.

Zeitgleich mit dem Bundesparteitag der CDU fand der Landesparteitag der Republikaner in Niedersachsen statt, wo immerhin im Jahr darauf Landtagswahlen stattfinden sollten und die Partei mit dem Kurt Vajen, Bürgermeister in Brockel/Lkr. ROW, bereits einen erklärten Sympathisanten im Landtag hatte. Im November sollte der nicht nur wegen Wahl- und Urkundenfälschung verurteilte, sondern mittlerweile auch wegen eines Tempo-Vergehens unter Alkoholeinfluss ins Gerede geratene fraktionslose Abgeordnete endgültig den Übertritt zur Schönhuber-Partei wagen.

Hauptthema des Landesparteitages war jedoch nicht die Freude über den bevorstehenden prominenten und trinkfesten Zuwachs, sondern die Frage nach der Lösung des nunmehr bereits seit einigen Monaten schwelenden Konflikts im Landesverband zwischen dem amtierenden Landesvorsitzenden Norbert Margraf und einer Reihe innerparteilicher Kritiker rund um den kommissarisch eingesetzten Hannoverschen Hauswirtschaftsprofessor Bernd Tschammer-Osten, die diesem neben seiner früheren NPD-Mitgliedschaft auch einen diktatorischen Führungsstil und willkürliche Ordnungsmaßnahmen vorwarfen.

Der Konflikt, der nicht nur in jener Zeit ein typisches Beispiel für die Art und Weise darstellen sollte, wie Personalfragen bei den Republikanern im Stile der beliebten Battle Royal beim Wrestling einer Klärung zugeführt wurden, hatte seinen Urgrund Informationen der taz zu Folge in der Anklage gegen den Polizeibeamten Walter Rieb, der als damaliger Kreisvorsitzender von Hannover-Land wegen Großhandels mit gestohlenen Autoradios angeklagt wurde. Margraf, dessen rechtsextreme Vergangenheit zuvor bekannt geworden war, forderte Rieb daraufhin auf, seine Parteiämter zurückzulegen. In der Folge solidarisierte sich der Celler REP-Vorsitzende und JVA-Schließer Köhler, dem Kritiker ein permanentes Leben über seine finanziellen Verhältnisse attestierten, mit Rieb und beide mobilisierten 8 Kreisvorsitzende gegen Margraf, der seinerseits als Prototyp eines uneinsichtigen Dickkopfes galt.

Nachdem Margraf die Aufständischen mit Ordnungsmaßnahmen überzogen hatte, pilgerten diese nach München und sprachen bei Franz Schönhuber in dessen Wohnung in der Knöbelstraße vor. Es gelang ihnen, Schönhuber von der Notwendigkeit eines Führungswechsels im niedersächsischen Landesverband zu überzeugen, woraufhin dieser mit der These an die Öffentlichkeit trat, Leute wie Margraf würden einer von ihm als erforderlich betrachteten Intellektualisierung der Partei im Wege stehen.

Die Pressestatements der Parteiführung, wonach es an diesem Vorhaben Schönhubers unter den einfachen Parteimitgliedern Kritik gab, wobei jedoch die vielen orthographischen und grammatikalischen Unzulänglichkeiten in den Briefen die Richtigkeit des Zieles stützen würden, schlachtete die Presse genüsslich aus als vermeintlichen Beweis für die weit gediehene Verbreitung geistiger Beschränktheit unter den Mitgliedern und Funktionären der Partei.

Da allerdings offenbar auch Rieb und Köhler nicht wirklich als überzeugende Bannerträger einer intellektuellen Erneuerung der Partei taugten, sah sich Schönhuber gezwungen, Tschammer-Osten als Speerspitze dieses Unterfangens im langjährigen norddeutschen CDU-Stammland zu favorisieren.

Nachdem der Versuch, Margraf durch den Vorwurf loszuwerden, er hätte seine NPD-Vergangenheit verschwiegen, an dessen Nachweis des Gegenteils gescheitert war, beging dieser den vielleicht entscheidenden Fehler: Er verhängte nicht nur Ordnungsmaßnahmen mit dem Ziel des Parteiausschlusses gegen seine Kritiker, um diese an der Teilnahme am Landesparteitag zu hindern, sondern missachtete auch noch die Weisung des Bundesvorstandes, diese zum Zwecke der Ermöglichung einer demokratischen Wahl zurückzunehmen.

Auf diese Weise brachte er selbst jene Mitglieder des Parteivorstandes gegen sich auf, die zuvor in einer Entscheidungsschlacht um den Vorsitz mit Kampfabstimmungen, Parteiausschlüssen usw. den denkbar schlechtesten Weg sahen, den Konflikt zu lösen.

Franz Schönhuber, der sich kurz zuvor noch von den administrativen Maßnahmen distanziert hatte, die seine Stellvertreterin Johanna Grund in seinem Interesse gegen Margraf verhängt hatte, begann auf dem Parteitag, als er die Unsicherheit der Mehrheitsverhältnisse im Saal bemerkt hatte, die später zu einer Art Markenzeichen von ihm geratende Strategie der Spannung zu verfolgen.

Diese bestand darin, anfangs auf konziliante Weise zu versuchen, seine Vorstellungen in Szene zu setzen, diese jedoch, sobald der gewünschte Effekt nicht eingetreten war, durch öffentliche Herabsetzungen und subtile bis offene Kränkungen seiner Gegner weiter zu verfolgen. Diese verloren daraufhin meist ihr Gesicht, gaben entweder auf oder setzten Gründe für einen späteren Parteiausschluss. Sobald Schönhuber sich sicher war, dass er sich durchgesetzt hatte, setzte er sich wieder als Mann der ruhigen Hand in Szene. In Niedersachsen sollte er mit dieser Taktik Schiffbruch erleiden.

Insgesamt 31 Mal soll Schönhuber ans Mikrofon getreten sein, um Margraf in wechselnder Folge der Duldung von Rechtsextremisten in der Partei, der intellektuellen Unfähigkeit, der Schuld an einem möglichen Debakel der Partei bei den Landtagswahlen zu zeihen. Am Ende distanzierte sich Schönhuber, als er mehrfach mit seinen Vorstellungen an der Delegiertenmehrheit gescheitert war, unter Schönhuber raus-Rufen und einem sybillinischen Bei Philippi sehen wir uns wieder Reaktion eines Delegierten: Ich weiß auch nicht, wo das liegt, irgendwo im Süden - gegenüber der Presse lautstark vom neu gewählten Landesvorstand und kündigte an, die Bundespartei werde den Wahlkampf in Niedersachsen zum Mai 1990 nicht unterstützen. Margraf hatte sich gegen seinen aus der CDU stammenden Gegenkandidaten Heinz-Dieter Fehlig, einen Gastwirt aus Hildesheim, mit 155 zu 131 Stimmen durchgesetzt. Die unterlegene Minderheit kündigte an, nicht mehr mit dem gewählten Vorstand kooperieren zu wollen. Es stand somit neun Monate vor der Landtagswahl eine Parteispaltung bevor. Der Zwist sollte sich am Ende noch bis Ende des Jahres hin ziehen. Margraf, der nach seinem Triumph vom 9.September auf seinem Recht bestand, die Zusammensetzung der Landtagsliste allein zu bestimmen, wurde erst nach einer Abspaltung von 16 seiner Gegner, die eine Partei Demokratische Republikaner Deutschlands gründeten, durch die Drohung der Vorenthaltung von Geldmitteln und Wahlkampfeinsatz durch die Bundespartei zu einem ersten Kompromiss gezwungen. Diese Abmachung sollte der Mann, der Kandidaten schon mal ablehnte, weil in ihnen kein deutsches Blut fließe, in der Folge mehrfach brechen und sogar ehemalige SRP-Funktionäre und notorische Auschwitzleugner mit Parteiämtern betrauen. Im Dezember wurde er zum zweiten Mal per Schiedsgerichtsbeschluss abgesetzt. Erst im Frühjahr 1990 verließen er und seine Getreuen die Partei, und mit einem personell völlig ausgedünnten Rumpfverband konnten als moderat geltende Funktionäre wie der Unternehmer Werner Haase und die umtriebige Gisela Weitzel spät damit beginnen, die Wahlteilnahme vorzubereiten.

Am gleichen Wochenende, an dem der medial stark beachtete niedersächsische Landesparteitag stattfand, war auch dem Berliner Landesvorsitzenden Bernhard Andres und zwei seiner Stellvertreter der Parteiausschluss angekündigt worden, nachdem dieser ein Schreiben des Bundesvorstandes in entstellender Form der Presse zugespielt haben soll. Wie in Republikaner-Kreisen üblich, waren der Eskalation zuvor bereits Faxstraßen, stundenlange Telefongespräche und konspirative Treffen vorangegangen, auf denen verabredet wurde, wie der jeweils missliebige Funktionär am Besten kalt gestellt werden könnte. Im Fall von Andres soll dieser zum Teil auch handgreifliche Argumente in die Waagschale geworfen haben. Andres sollte im Herbst die Republikaner verlassen und zusammen mit 17 Anhängern Die Deutschen Demokraten (DDD) gründen, die ebenso wie die DRD in Niedersachsen bald in der Versenkung verschwanden. Die Republikaner konnten in der Presse jedoch einmal mehr mit überzeugenden Argumenten als eine Ansammlung von Chaoten, Rabauken und Proleten dargestellt werden.

Böse Zungen behaupten, der Führungsstil und die Art und Weise, wie bei den Republikanern Konflikte ausgetragen wurden, wären ein Versuch gewesen, neue Wege der Öffentlichkeitsarbeit zu beschreiten. Schönhuber als erfahrener Medienexperte wusste um die Bedeutung von Bonmots wie Besser eine schlechte Presse als gar keine. Auch vermochte er Teile des Wählerpotenzials gut einzuschätzen. Während interne Streitigkeiten und offene Zerwürfnisse in den Volksparteien und der F.D.P. diesen regelmäßig massiv schadeten, weil das Zielpublikum an ruhigen Verhältnissen interessiert war, gehörte es etwa bei den Grünen fast schon zum guten Ton, dass Realos und Fundis einander Parteitage lieferten, die an den damals noch schwelenden Bürgerkrieg in El Salvador erinnerten ohne dass dies Wähler abgeschreckt hätte. Den Republikanern, deren Potenzial damals von enttäuschten Anhängern der Etablierten bis hin zum ultrarechten Lumpenproletariat reichte, würde es da vielleicht doch am Ende nützen, wenn regelmäßig einige Monate vor einer Wahl öffentlich Fehden ausgetragen würden, an deren Ende Schönhuber die jeweils Unterlegenen unter öffentlichen Schmähungen aus der Partei werfen lässt und sich und seine Favoriten medial als die Garanten für eine Politik der Ordnung und der starken Hand präsentiert !? Von der Idee her sicherlich eine denkmögliche Synthese: Wie der weitere Verlauf der Parteigeschichte zeigen sollte, ging diese Taktik jedoch nicht wirklich immer auf.

Als im Oktober 1989 die Situation in der "DDR" und der sich immer stärker abzeichnende Sturz des Honecker-Regimes beherrschten längst die Schlagzeilen Baden-Württemberg und NRW ihre Kommunalparlamente neu besetzten, war die republikanische Welt noch in Ordnung. In beinahe allen Großstädten konnte die Rechtspartei mit zum Teil zweistelligen Resultaten die Rathäuser stürmen. Dass die Qualität des Personals, das sich fortan dort mit Angelegenheiten des örtlichen Wirkungsbereiches befassen sollte, zum Teil nicht einmal ansatzweise dem entsprach, was sich der Normalbürger unter einem engagierten und respektablen Gemeindepolitiker vorstellt, blieb oft nicht einmal der Parteispitze unbemerkt. Der Kölner Journalist Michael Schomers hatte sich im Zuge des Wahlkampfes im Stile eines Günter Wallraff als angeblicher REP-Sympathisant in den Kreisverband der Domstadt eingeschlichen, dort den Einzug mit 7,4 % der Stimmen in den Stadtrat miterlebt und seine Informationen nein, nicht dem Stasi - sondern der Öffentlichkeit in Form eines treffenden Sittenbildes der Rechtspartei präsentiert, das er in seinem 1990 erschienenen Buch Deutschland ganz rechts schriftlich niederlegte. Gerade in NRW sollte die Vorstellung, die republikanische Kommunalpolitiker der Öffentlichkeit lieferten, nachhaltig zum Abstieg der Partei in die Bedeutungslosigkeit beitragen. Während manche Rathausfraktionen in Großstädten nach nur einem Jahr gar nicht mehr oder nur in mehrere Fragmente aufgesplittert existierten, glänzten andere durch Stadtpolitiker, die in der Presse schon mal als Messies und Kotfetischisten geoutet wurden (wie in Düsseldorf). Mancherorts hatte die örtliche Rotlichtszene in den Republikanern eine taugliche Plattform gefunden, um ihre Vorstellungen von politischer und moralischer Erneuerung auf lokaler Ebene voran zu treiben. In Herten fand sich auch schon mal ein rechtskräftig verurteilter Frauenmörder auf Platz 3 der Reserveliste, der später Karriere bei der NPD machen sollte die nicht zuletzt in dieser Ecke des Bundesgebietes eine besondere Affinität zu Schwerstkriminellen aufzuweisen scheint: 1998 soll sich in Herten auch der später als Teil eines mordenden Satanistenpärchens bekannt gewordene Daniel Ruda als Nationalist betätigt haben.

Allen Peinlichkeiten zum Trotz war es in jener Zeit für viele Teile der Öffentlichkeit, vor allem unter jungen Leuten, einfach trendy, die Republikaner zu wählen. Selbst innerhalb der Partei selbst war die Auffassung verbreitet, man hätte getrost auch Hunde, Katzen und Besenstiele auf die jeweilige Kandidatenliste setzen können, sie wären dennoch in gleichem Umfang zu Mandaten gekommen.

Dieser Trend sollte sich jedoch nicht ungebrochen fortsetzen. Im Saarland, wo im Januar 1990 ein neuer Landtag gewählt werden sollte, trat im Verlaufe der letzten Septemberwoche der frisch in seinem Amt bestätigte Landesvorsitzende und Stadtrat von Saarlouis, Hans-Helmuth Keßler, wegen der angeblich zu starken Rechtslastigkeit seiner neu gekürten Vorstandskollegen von seinem Amt zurück. Die so gescholtenen taten ihm dies bis auf einen Beisitzer gleich, sodass der Verband, der wenig später einen Wahlkampf führen sollte, kopflos da stand.

Franz Schönhuber kündigte angesichts der zunehmenden Querelen eine Säuberung der Partei an. Als am 21.10. der bayerische Landesparteitag in Ansbach, der zur Vorbereitung der Kommunalwahlen am 18.3.1990 dienen sollte, über die Bühne ging, harrten bereits 70 Anträge auf Parteiausschlüsse vor dem Bundesschiedsgericht ihrer Erledigung. Von der programmatischen Ansbacher Erklärung, die sich zu einem hohen Prozentsatz dem populistischen Wahlkampfthema Ausländer und Asyl gewidmet hatte, nahm kaum noch jemand Notiz. Während kurz nach den Kommunalwahlen im Ländle am 22.10. der mittlerweile von Schönhuber als Fall für den Psychiater geschmähte frühere Saar-Chef Keßler aus der Partei austrat und die trotz 232 Teilnehmern im Rahmen der Gründungsversammlung - kurzlebige Splittergruppe Liberale Republikaner Saar gründete, wurde der in der Öffentlichkeit weithin unbekannte Arzt Uwe Strassel aus Dillingen zum kommissarischen Landesvorsitzenden erkoren.

Zu Beginn des Jahres 1990 bestanden somit folgende REP-Abspaltungen und Splittergruppen: Neben den Liberalen Republikanern Saar, den Deutschen Demokraten des geschassten Berliner Landesvorsitzenden Bernhard Andres und den Demokratischen Republikanern in Niedersachsen noch die Demokraten des aus dem schleswig-holsteinischen Glückstadt stammenden Feuerlöscherhändlers und auch politischen Schaumschlägers Hagen Palleske und die Unabhängigen Republikaner und die Bremische Republikanische Partei womit sich das kleinste Bundesland die größte Anzahl an Abspaltungen leistete.

Die taz berichtete bereits am 12.1.1990 gleichsam am Vorabend des Programmparteitages von Rosenheim von einer Rebellion gegen den Bundesvorsitzenden Franz Schönhuber. Insbesondere aus Berlin und Niedersachsen waren mehrere öffentliche Rücktrittsaufforderungen zu vernehmen, erstmals wurde auch Generalsekretär Harald Neubauer als treibende Kraft eines möglichen Aufstandes gegen Schönhuber genannt. Dieser konnte jedoch den Programmparteitag wiederum gekonnt zur Selbstinszenierung nutzen, auch wenn nicht nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wurde, dass die von ihm lang und breit angekündigten Maßnahmen zur Gründung von Verbänden in der mittlerweile endgültig vor dem Untergang stehenden "DDR" in Wahrheit potemkinsche Dörfer darstellen würden. Der in der Presse mit großem Verve als Beauftragter der REP für die "DDR" vorgestellte Maschinenbauschlosser Hans-Rudolf Gutbrodt aus Parchim war in Rosenheim wie auch schon in vorangegangenen Fernsehinterviews mit der Aufgabe, eigenständig einen aus mehr als drei Wörtern bestehenden und nach Möglichkeit dazu auch noch grammatikalisch vollständigen Satz zu formulieren, restlos überfordert.

Was die stellvertretende Bundesvorsitzende Johanna Grund in ihrer Rede vor dem Parteitag ansprach, nämlich die Gefahr, dass der zunehmend auch von den etablierten Parteien ins Zentrum der Agitation gestellte Wiedervereinigungsprozess, den Republikanern ihr Hauptthema stehlen könnte, war indessen schon längst Wirklichkeit geworden. Helmut Kohl war mit seinem 10-Punkte-Programm vorgeprescht, SPD und Liberale konnten nur noch hinterher hecheln. Nur noch die linksextremen Grünen und ihre pseudointellektuellen Gesinnungsfreunde aus den Bürgerrechtsgruppen der "DDR" sowie die SED-PDS hielten noch die Flagge der Teilung hoch.

Im Saarland ging SPD-Kandidat Oskar Lafontaine, der die Vereinigten Staaten von Europa wollte, aber selbst in jenen Tagen nie ein positives Wort zur deutschen Einheit verlor, in die Offensive, indem er gegen Aussiedler und Überbrückungshilfen für "DDR"-Flüchtlinge agitierte. Der Sozialneid des kleinbürgerlichen Milieus, der sich bis dahin überwiegend gegen Ausländer und Asylanten gerichtet hatte und nun in den Übersiedlern ein neues Projektionsziel fand, kam entsprechend auch nicht mehe den REP zupass, sondern dem Napoleon von der Saar. CDU-Umweltminister Klaus Töpfer fand sich in der Zange zwischen Links- und Rechtspopulisten wieder und wurde weit abgeschlagen auf Platz 2 verwiesen.

Die SPD errang am 28.1.1990 die absolute Mehrheit, die Republikaner konnten zwar mit 3,3 % noch die Grünen hinter sich lassen, landeten aber noch weit hinter der gerade noch im Landtag gelandeten F.D.P. und rutschten sogar in Hochburgen wie Saarlouis unter die 5%-Hürde.

Die REP-Führung tat diese Wahlniederlage vorerst noch weitgehend als Betriebsunfall ab. Nach dem Betätigungsverbot auf dem Gebiet der "DDR" sollten die Kommunalwahlen im Stammland Bayern einen entscheidenden Wendepunkt markieren und wie schon in den Jahren zuvor eine Konsolidierung dort zum Ausgangspunkt für bundespolitische Erfolge werden.

Als die Volkskammer der "DDR" den Republikanern am 5.2.1990 und damit rechtzeitig vor den ersten Wahlen ohne Einheitspartei aus eher fadenscheinigen Gründen die politische Betätigung in der Zone verbot, war der dortige Ruf der Partei schon längst weitestgehend ruiniert nicht zuletzt auch aus Gründen eigener Unzulänglichkeiten. Presseberichte, die von großem Interesse Asozialer, Krimineller und Skinheads im Osten an der Politik der Republikaner berichteten, wurden kaum zum Anlass für Schritte genommen, die Attraktivität für solche Bevölkerungsgruppen zu vermindern. Mit Aufbaubeauftragten wie dem später als bekennender Neonationalsozialist in Erscheinung tretenden Reinhard Rade oder dem Verlagschef der Partei, Franz Glasauer hatte man kaum die adäquaten Personen bestellt, um dem von der früheren SED-Propaganda aufbereiteten Zerrbild einer Partei mit NS-Affinitäten den Boden zu entziehen.

Glasauer wurde im März wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von DM 5.000,- (2.500,-) verurteilt, weil im Rahmen einer von tumultartigen Szenen überschatteten Wahlkampfkundgebung in Regensburg 1989 gemeint hatte, 90 % der Aussiedler, die aus Polen nach Deutschland kämen, wären zu dumm und faul zum Arbeiten. Glasauer geriet zudem bereits Ende Februar 1990 ins Visier innerparteilicher Kritik, als im Magazin Credo, das im von ihm geleiteten RVG-Verlag erschienen war und das als Speerspitze der Intellektualisierungsbemühungen innerhalb der Partei dienen sollte, Anzeigen erschienen waren, in denen alte Wochenschau-Videos aus dem Zweiten Weltkrieg zum Verkauf angeboten wurden. Das nach dem anschließenden Presserummel nunmehr als parteischädigend bezeichnete Magazin überlebte seine publizistische Jungfernfahrt nicht und verschwand in der Versenkung. Der Jahre später wegen des Versands ultrarechter Tonträger aus der Slowakei ins Gerede geratene Verleger Adrian Preißinger sollte die Idee des Credo aufgreifen und versuchen, eine ähnliche Publikation in Gestalt des ultrarechten Magazins Nation zu lancieren.

Die Kommunalwahlen in Bayern am 18.3., die außerhalb des Freistaates selbst fast vollständig vom überragenden Medieninteresse an der "DDR"-Volkskammerwahl überschattet waren, brachten für die Republikaner in der Tat noch einmal einen kleinen Höhenflug. Der intensive Wahlkampf, der die Spitzenpolitiker der Partei wie Franz Schönhuber oder Harald Neubauer durch gut besuchte Wahlkampfauftritte in fast allen Landkreisen führte, zeigte noch einmal Wirkung. Besonders auch in traditionellen CSU-Hochburgen wie Landshut oder Eggenfelden war das Interesse an den Republikanern anhaltend groß und garantierte volle Säle. Der politische Aschermittwoch in oberpfälzischen Cham lockte immerhin 8.000 zahlende(!) Besucher an. Der warme Februar und der zeitige Frühling des Jahres 1990 ließen die meisten Bayern zwar an andere Dinge denken als an die Kommunalpolitik, aber so manche Kuriosität wie der öffentliche Aufschrei über die in Frakturschrift gehaltene Speck & Ähre-Werbekampagne von Burger King oder der SPD-Wahlkampffolder mit einem DVU-Mitglied als Werbeträger blieb in der öffentlichen Diskussion nicht verborgen.

Landesweit kamen die REP auf 5,3%. Dies war zwar deutlich unter jenen fast 15% angesiedelt, welche die Partei bei den Europawahlen im Jahr zuvor für sich verbuchen konnte, man musste andererseits berücksichtigen, dass bei Kommunalwahlen gerade in Bayern regionale Belange und die Rolle der freien Wählergemeinschaften regelmäßig massive Auswirkungen auf die Ergebnisse zeitigen und die REP nicht in allen Kommunen antraten. Vor diesem Hintergrund und vor jenem der zum Teil empfindlichen CSU-Verluste (die sogar durch später gerichtlich untersagte Tarnlisten versuchte, noch Wähler zu halten) konnte die Partei mit guten Gründen die Bayern-Wahlen als Erfolg verbuchen. In München blieb man zwar mit 5% für die OB-Kandidatin Ingrid Schönhuber, die in der Parteizeitung bereits als heißer Tipp für eine Stichwahl gegen Amtsinhaber Georg Kronawitter (SPD) gehandelt worden war, weit unter den Erwartungen, allerdings zog die Partei mit 7,3 % in Fraktionsstärke in den Stadtrat ein. Kronawitter setzte sich übrigens bereits im ersten Wahlgang klar gegen den konservativen CSU-Haudegen Jonny Klein und den Rest der Bewerber durch. Mit starken Fraktionen gelangten die Republikaner auch in größeren Städten wie Fürth, Augsburg, Nürnberg, Ingolstadt, Rosenheim, Landshut oder Deggendorf in die Parlamente. In kleineren Landkreisen wie Rottal-Inn gelang es gewählten Einzelmandataren der REP, Fraktionsgemeinschaften mit freien und unabhängigen Wählergruppen zu bilden. In der Dorfgemeinde Halfing im Lkr. Rosenheim, wo Oberst a.D, Gerd Ernst als Bürgermeisterkandidat für die Republikaner angetreten war und bereits im ersten Wahlgang 51,4% erzielte, währte die Freude der Partei über diesen weit über die Landesgrenzen hinweg beachteten Erfolg nicht lange. Der Oberst a.D., der durch seine Wahl den ihm im Sinne Andy Warhols zustehenden 15-minütigen Starruhm ergattern konnte, verließ noch im Verlaufe der darauf folgenden Woche die Partei.

Ernst sollte nur der erste von später fast der Hälfte der am 18.3.1990 gewählten kommunalen REP-Mandatsträger sein, die am Ende der Wahlperiode nicht mehr dieser politischen Gruppierung angehören sollten.

Der April des Jahres 1990 brachte vor allem Franz Schönhuber noch einmal in die überregionalen Schlagzeilen, als dieser den Vorsitzenden des ultrarechten Front National (FN), mit dem man seit Herbst 1989 im Europaparlament in einer technischen Fraktion verbunden war, am Rande des Parteikongresses in Nizza besuchte. Der Kongress war von zahlreichen Ausschreitungen begleitet, als Gegendemonstranten im Zuge ihrer Proteste auch vor illegalen Aktionen nicht zurück schreckten. Darüber hinaus stand das Land im Schockzustand nach einem Mordanschlag auf den designierten SPD-Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine. Ohne jegliche Substanz versuchten manche Presseorgane, Spekulationen über eine angebliche politische Sympathie der geistesgestörten Attentäterin Adelheid Streidel für die Republikaner zu nähren.

Bereits zuvor hatte sich im Vorfeld des Nizza-Besuches indessen ein Medienskandal ersten Ranges in Deutschland ereignet, der auch mit journalistischen Berufspflichten zur Aufklärung der Bevölkerung oder dem Recht auf eine kritische Berichterstattung über eine umstrittene Partei nicht mehr gerechtfertigt werden konnte.

Obwohl das bereits damals geltende Transsexuellengesetz Menschen, die sich einem medizinisch indizierten operativen Eingriff zur Geschlechtsumwandlung unterzogen hatten, völlig zu Recht vor der öffentlichen Preisgabe dieser Tatsache schützen sollte, schlagzeilte die Bild-Zeitung in einer ihrer Ausgaben mit Blick auf das Schicksal der stellvertretenden REP-Bundesvorsitzenden MdEP Johanna Grund Schönhubers Frauenbeauftragte ist ein Mann.

Schönhuber nahm daraufhin vordergründig im Rahmen einer Pressekonferenz zu diesbezüglichen hämischen Fragen von Journalisten auf eine sehr souveräne und selbst erbitterten Gegnern Respekt einflößende Art Stellung (O-Ton einer Tageszeitung: Da muss erst ein ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS kommen, um die Grundrechte eines Menschen zu verteidigen.). Innerhalb der Partei war jedoch von einem solchen Respekt für das Recht jedes Menschen, nach seiner Veranlagung zu leben, nichts zu bemerken. Unproblematisch wäre die Affäre vermutlich gewesen, hätte sie sich in einer der Volksparteien oder innerhalb der F.D.P. ereignet. Eine propagandistisch auf illiberalen Ressentiments kleinbürgerlicher Herkunft aufbauende und von diesen politisch lebende Partei wie die Republikaner jedoch konnte Erscheinungen dieser Art, die aus Sicht vieler ihrer Mitglieder Teile einer sie angeblich bedrohenden Dekadenzgesellschaft darstellen, nicht in souveräner Weise verarbeiten. Johanna Grund wurde zum Ziel Menschen verachtender Äußerungen von Parteifreunden, selbst in der Parteizeitung geriet ein angeblich zum Zwecke der Anprangerung der Bild gedachter Text zum verklausulierten Aufruf, Grund kalt zu stellen. Feder führend war dabei der im Januar 1990 für ein geradezu an heutige Spitzenfußballer gemahnendes Monatsgehalt verpflichtete Chefredakteur Ralph Lorenz, zuvor Welt-Korrespondent in Bonn. Fraktionskollege Gollnisch aus Frankreich fordert der Parlamentskollegin ein schriftliches Ehrenwort darüber ab, dass die Darstellungen nicht stimmten. Grund selbst berichtete später in ihrem 1995 erschienenen Buch Ich war Europa-Abgeordnete Sieben Jahre Tanz auf dem Vulkan sogar von mehreren Personen aus einer im Eingangsbereich zuletzt erblickten größeren Gruppe aus Deutschen und Franzosen, die sie im Europaparlamentsgebäude angegriffen hätten und ihr rieten, sie solle für unser Deutschland, für unsere Partei ihrem Leben ein Ende bereiten. Die Täter konnten nicht gefasst werden, die Parteispitze bestritt die Kenntnis eines solchen Vorfalls. Wer jedoch die Rhetorik einiger einfach gestrickter und dem Wort des großen Vorsitzenden nahezu willenlos ergebenen Mitglieder abseits des Protokolls kannte, wird die Richtigkeit der Darstellung Grunds zumindest für denkbar halten. Waren brachiale Rache- und Gewaltfantasien etwa im Zusammenhang mit Gegendemonstranten, wie sie nach Ende der Veranstaltungen des Öfteren bei Tisch geäußert worden waren, meist noch eindeutig als großmäulige Wichtigmachereien erkennbar, hätte man doch nicht ausschließen können, dass der eine oder andere Aktivist im Übereifer und vermeintlich um seinem großen Idol zu gefallen ernsthaft den Willen gefasst haben könnte, tatsächlich Hand anzulegen.

Innenpolitisch war die Entwicklung im weiteren Verlaufe des Frühjahres gekennzeichnet von einer zunehmenden Polarisierung dahin gehend, wie die großen Volksparteien die spätestens seit dem Triumph der Kohl-Allianz in der "DDR" vom 18.März endgültig nicht mehr aufhaltbare Zug in die Wiedervereinigung zu steuern sei. Kohl und Lafontaine letzterer hatte sich eher missmutig mit der Entwicklung hin zur Einheit arrangiert stritten um Tempo und Begleiterscheinungen der Wiedervereinigung. Für Union und F.D.P. war klar: Es gab keine Zeit zu verlieren. Die Einheit musste so rasch wie möglich über die Bühne gebracht werden, die Währungsunion solle der erste Schritt dazu sein, der Beitritt der neuen Bundesländer soll über Art. 23 des Grundgesetzes von Statten gehen. Die Opposition warnte vor sozialen Unverträglichkeiten, unabschätzbaren wirtschaftlichen Folgen und anderen Unwägbarkeiten einer schnellen Vereinigung. Kritiker warfen ihr vor, aus parteitaktischen Gründen verzögern und den Neid der Westbürger schüren zu wollen, die natürlich wegen ihrer diesbezüglich größeren Spielräume auch mehr an Opfern zur Finanzierung dieser nationalen Aufgabe zu erwarten hätten. Vor allem die Linken in der SPD und bei den Grünen verbündeten sich in der Verfassungsdebatte mit der PDS, die verlangte, sozialistische Errungenschaften der "DDR"-Verfassung müssten auch in das wiedervereinigte Deutschland gerettet werden.

Die Republikaner kamen im Rahmen dieser Diskussion schlichtweg nicht mehr vor. Während im Westen versucht wurde, den immer stärker verbreiteten und von Lafontaine einfach auf medienwirksamere und professionellere Weise instrumentalisierten Sozialneid für ihre eigenen Zwecke zu nutzen, trachtete man vor allem im Osten, mit unrealistischen und die Normalbevölkerung nur verstörenden Maximalforderungen nach einer Wiedervereinigung in den Grenzen von 1937 Land zu gewinnen. Angesprochen fühlten sich davon überwiegend wieder Skinheads und Asoziale, mit denen man aber stärker zur eigenen Diskreditierung in der Öffentlichkeit beitrug als jeder noch so kritische Pressebericht.

Am Ende fielen nun auch die innerparteilichen Querelen der letzten Monate auf die Republikaner zurück. In den beiden großen Flächenstaaten Niedersachsen und NRW hatte man erst kurz vor den Wahlen wieder handlungsfähige Landesvorstände installiert. Mit dem Göttinger Immobilienmakler Werner Haase hatte Niedersachsen am 18.2.1990 eine sehr moderate und respektable Wahl getroffen, assistiert wurde er von der aus Celle stammenden erfolgreichen Hundezüchterin Gisela Weitzel als Landessprecherin. Dennoch wurde der Landesparteitag Schauplatz von Schlägereien zwischen Anhängern der früheren Kampfhähne Margraf und Fehlig, die kurz vor dem Treffen ihre Mitgliedschaft beendet hatten. CDU-Renegat Kurt Vajen kandidierte übrigens auf Platz 5 der Landesliste. In NRW setzte sich der Parteimitbegründer Ekkehard Voigt gegen seine rechtsextreme Gegenkandidatin Etti Scherer durch, die später den Weg in die NPD finden sollte.

Weder Haases Beteuerungen in der Parteizeitung, Niedersachsen sei Republikaner-Land, entbehrten jedoch am Ende ebenso jener Grundlage wie Voigts Aufruf, mit den Republikanern werde die SPD-Diktatur in NRW beendet. Am 12.Mai lautete das Ergebnis der niedersächsischen Republikaner, die mit dem Motto Albrecht stoppen Schröder verhindern angetreten waren: 1,5 %. In NRW, wo man von linksextremen Chaoten massiv gestörte Großkundgebungen mit 200 Parteimitgliedern in Aachen und Wuppertal als einzige nennenswerte Wahlkampfaktivität verbuchen konnte, kam die Partei auf 1,8 %.

Die Sozialneidkampagne der SPD trug vor allem in Niedersachsen Früchte. Gerhard Schröder verwies Ernst Albrecht nach 14 Jahren auf den zweiten Platz. Dass die Republikaner nicht noch schlechter abschnitten, war einzig und allein wohl Albrechts Idee zu verdanken, Rita Süßmuth als Geheimwaffe für die CDU einzusetzen. Auf diese Weise verprellte er doch einige der sonst sehr treuen und in Niedersachsen im bundesweiten Vergleich doch sehr weit rechts angesiedelten CDU-Wähler. In Düsseldorf vermochte Norbert Blüm die Alleinherrschaft Johannes Raus nicht zu gefährden. Hier verlor die SPD im Vergleich stärker an die REP als die Union. Während die besten Ergebnisse der Rechten in NRW in den Großstädten wie Gelsenkirchen (3,8 %), Hagen (3,0 %) oder Köln und Wuppertal (je 2,8 %) zu verorten waren, blieb man in CDU-Hochburgen wie Paderborn oder Münster weit unter dem ohnehin schon schwachen Durchschnitt. In Niedersachsen konnte einzig Kurt Vajen im Landkreis ROW mit 5,3 % Erststimmen und 3,8 % Zweitstimmen von seiner kurzzeitigen Popularität des vorangegangenen Sommers zehren.

Für Franz Schönhuber waren die katastrophalen Ergebnisse, an denen er nach Auffassung nicht weniger Parteifunktionäre auf Grund seiner polarisierenden Rolle im Zuge der vorangegangenen Fehden selbst nicht völlig unschuldig war, Anlass, sich offiziell in den Krankenstand zu begeben.

Bereits am Dienstag nach den Wahlschlappen lancierte hingegen Pressesprecher Ralph Lorenz im Auftrag Schönhubers eine Erklärung, in welcher dieser ankündigte, im Zuge des bayerischen Landesparteitages, der für den 5.August geplant war, für den Vorsitz im Landesverband kandidieren zu wollen. Dies war nicht nur eine verklausulierte, sondern eine ganz offene Kampfansage an den bisherigen Amtsinhaber Harald Neubauer, Rhetorik nach Auffassung vieler Mitglieder selbst Schönhuber in den Bierzelten den Rang abzulaufen drohte.

Schönhuber wolle damit eine positive Perspektive für die Landtagswahlen geben und Kräften Einhalt gebieten, die das Erscheinungsbild der Partei auf Grund extremistischer Äußerungen schädigen. Neubauer und sein Referent Karl Richter zeigten sich erstaunt über die Verbalradikalität der Erklärung. Richter räumte ein, es hätte zwar stets Differenzen atmosphärischer Natur zwischen Neubauer und Schönhuber gegeben, an eine offene Konfrontation wäre jedoch zu keiner Zeit zu denken gewesen.

Mit seinen Äußerungen über extremistische Bestrebungen griff Schönhuber in deutlich erkennbarer Weise die Vorstandsetage in Bayern und dabei vor allem Neubauer und Glasauer an. Dass er diesen nunmehr plötzlich ihre NPD-Vergangenheit vorwarf, wurde nicht nur von seinen Kritikern, sondern auch von der Tagespresse mit Verwunderung zur Kenntnis genommen. Schließlich hätte Schönhuber die betreffenden Personen in Kenntnis ihres Vorlaufes selbst in ihre Positionen gebracht und über Jahre hinweg mit ihnen zusammen gearbeitet. Stellvertreterin Johanna Grund konterte mit einer Presseerklärung, in der sie Schönhuber parteischädigendes Verhalten vorwarf. Dieser betreibe mit seinen undifferenzierten Extremismus-Vorwürfen das Geschäft der politischen Gegner, diene jenen Politikern als Kronzeuge, die für eine Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz eintraten, und stehe selbst für ein demokratisches Defizit an der Führungsspitze.

Unterdessen meldeten sich auch Vorstandsmitglieder zu Wort, denen auf Grund ihrer langjährigen Mitgliedschaft in der Union kaum auf den ersten Blick extremistische Sympathien nachgesagt werden konnten, und solidarisierten sich mit Neubauer. Dazu gehörten der aus Altötting stammende Großbauer und stellvertretende Landesvorsitzende Josef Hartsberger, der auf Grund seiner großen finanziellen Möglichkeiten und weitläufigen Bekanntschaften als graue Eminenz im bayerischen Landesverband galt, weiters Vorstandsmitglied Rechtsanwalt Hans Dorn und der hessische Landesvorsitzende Erich Fuchs.

Am 18.Mai entziehen die übrigen deutschen REP-MdEPs Franz Schönhuber auf Initiative Johanna Grunds das Vertrauen, Ralph Lorenz wird beurlaubt und Der Republikaner erschien verfrüht als Notausgabe. Er diente dabei vor allem der Gruppe um Neubauer als Plattform, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Am Wochenende des 19.Mai solidarisiert sich eine Gruppe von 200 gewählten kommunalen Mandatsträgern mit Neubauer und fordert den Bundesvorstand auf, sich gegen die Extremismus-Vorwürfe Schönhubers zu verwahren.

In einer Umfrage vom 21.5. waren die Republikaner in der Wählergunst mittlerweile auf bundesweit 2 % zurückgefallen, während Rot-Grün und Schwarz-Gelb Kopf an Kopf lagen.

Am 25.Mai tritt Schönhuber in theatralischer Weise anlässlich der Bundespräsidiumssitzung im Münchener Hotel Eden von seinem Amt zurück. Er beschuldigte die Bild-Zeitung, eine Vernichtungskampagne gegen ihn zu führen. Auf diese Weise sei er daran gehindert, den erforderlichen innerparteilichen Kampf gegen eine kleine Clique extremistischer Funktionäre mit dem erforderlichen Nachdruck zu führen.

Die taz berichtete über die Entwicklung bei den Republikanern am 26.5.1990 wie folgt: Schönhuber hatte noch am 15.Mai angekündigt, in Bayern für den Landesvorsitz kandidieren zu wollen. Unter dem Eindruck der katastrophalen Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen (ca. 1,5 %) hatte er gesagt, dass "Mitglieder, die sich von ihrer früheren NPD -Ideologie nicht gelöst haben", in der Partei nichts verloren hätten. Gemeint war damit unter anderem der amtierende bayerische Landesvorsitzende Harald Neubauer, langjähriges Mitglied der DVU und NPD. Daraufhin forderten Mitglieder des Parteipräsidiums Konsequenzen für den "Nestbeschmutzer" Schönhuber. Den

Ausschlag für seinen Rücktritt hätte letztlich gegeben, so Schönhuber, dass der bayerische Landesvorstand "nicht einsichtig genug war, mit der Nominierung umstrittener Parteimitglieder zur bayerischen Landtagswahl so lange zu warten, bis der Bundesparteitag in vier Wochen die Richtung der Partei eindeutig festlegt... und sich von nichtdemokratisch denkenden Personen trennt". Mit einem "mehrfach vorbestraften und in erster Instanz als Volksverhetzer verurteilten Herrn Glasauer und seinem Gesinnungsfreund Neubauer als Kandidaten" lande die Partei im Aus. Folgerichtig stehe er für die Landtagswahlen nicht mehr zur Verfügung. Der Bundesvorstand der "Republikaner" dankte dem Gründer der Partei auf eigene Weise: Unmittelbar nach seinem Rücktritt enthob der Vorstand Schönhuber aller Rechte als Parteimitglied und leitete darüber hinaus ein Parteiausschlussverfahren ein. Kampflos will der "Alte aus den Bergen", wie der 68jährige Exjournalist von seinen Kritikern genannt wird, dennoch nicht gehen. "Die Basis der Partei ist untadelig", urteilte er. Die Parteifreunde mögen ihre Austrittsbekundungen nicht wahr machen - sie sollten lieber "in der Partei ausharren, damit auf dem Bundesparteitag mit mir ein neuer Bundesvorstand das Ruder übernehmen kann".

Nicht nur Ralph Lorenz, sondern auch die aus Kempten stammende und Schönhuber-loyale Bundesgeschäftsführerin Centa Hirsch wird in der Folge aus ihrem Amt entlassen. Johanna Grund stieg zur kommissarischen Bundesvorsitzenden auf, eine ihrer ersten Amtshandlungen sollte es sein, sich in Presseerklärungen gegen eines jener berüchtigten, bis heute bei in die öffentliche Diskussion geratenen Politikern aller Couleur denkbar unbeliebten Kooperationsangebote seitens der rechtsextremistischen NPD zur Wehr zu setzen, welche diese regelmäßig in die breite Öffentlichkeit hinausposaunen pflegt, um auf sich aufmerksam zu machen. Spätere Opfer dieser Praxis sollten noch Personen wie Steffen Heitmann oder Jürgen W.Möllemann werden.

Die Bundesgeschäftsstelle in der Plittersdorfer Straße in Bonn musste in einer Nacht- und Nebel-Aktion gegen Aktenvernichtungsaktionen verteidigt werden, zur gleichen Zeit wollte Franz Glasauer die Gunst der Stunde nützen, um den ihm politisch nahe stehenden Rainer Vogel aus Köln zum Geschäftsführer zu ernennen. Johanna Grund verhinderte dies, indem sie ihrerseits den früheren Schönhuber-Leibwächter Paul-Uwe Tomaschewski mit dieser Funktion betraute, der zu beiden Seiten ein korrektes Verhältnis bewahren konnte und es verstand, potenziellen Loyalitätskonflikten durch penible und vorschriftsmäßige Ausführung seiner Arbeit aus dem Weg zu gehen.

Franz Schönhuber nutzte derweil die Infrastruktur seines Europabüros in der Münchener Fraunhofer Straße, um mittels der Versendung von Briefen und Faxen an Parteimitglieder und Funktionäre in den Kreis- und Ortsverbänden für sein am 30.Mai offiziell verkündetes Vorhaben zu begeistern, wieder an die Parteispitze zurückzukehren. Johanna Grund sah den ihr auf Grund der Entwicklungen der vorangegangenen Wochen zugefallenen Vorsitzendenposten nicht als Dauerlösung an. Gemeinsam mit ihren Parlamentskollegen in Straßburg versuchte sie, Ekkehard Voigt als potenzielle Integrationsfigur für eine Kandidatur im Rahmen des geplanten Bundesparteitages zu begeistern. Dieser sollte ursprünglich am 7./8.7.1990 im hessischen Taunusstein stattfinden.

Voigt zeigte sich anfangs interessiert, laviert dann immer mehr um eine klare Zusage herum und wird trotzdem am 16.Juni als offizieller Kandidat des amtierenden Bundesvorstandes präsentiert. Auch in der Parteizeitung betont er, er stünde als Integrationsfigur zur Verfügung.

Die Front der Schönhuber-Gegner brach jedoch auch intern in jenen Tagen immer stärker auf. Vor allem Generalsekretär Harald Neubauer, sein persönlicher Referent Karl Richter und der als RVG-Geschäftsführer tätige Franz Glasauer witterten nunmehr die Chance, tatsächlich die erforderlichen Weichenstellungen hin zu einer ultrarechten Ideologiepartei vorzunehmen. Nachdem In Folge der Untätigkeit des beurlaubten Chefredakteurs Ralph Lorenz kein reguläre Parteizeitung mehr vorbereitet worden war, die Druckerei jedoch die Texte benötigte, legten Glasauer und Neubauer Johanna Grund eine Aktennotiz zur Unterzeichnung vor, die den bestehenden Vertrag zwischen der Partei und der RVG ergänzen sollte. Die darin umschriebene Zusatzvereinbarung, die zumindest bis zum 31.12.1991 gelten sollte, räumte der RVG alle mit der ihr obliegenden Herausgabe der Parteizeitung verbundenen Rechte ein, darunter das Alleinbestimmungsrecht bei der inhaltlichen Gestaltung, Planung sowie den damit zusammenhängenden Personalfragen.

Unter dem Druck, die Zeitung herausbringen zu müssen, unterzeichnet Grund die Notiz, legt sie jedoch nicht dem Präsidium zur Genehmigung vor, wie es satzungsgemäß erforderlich gewesen wäre. Dass dies zur rechtlichen Anfechtbarkeit der Vereinbarung führen würde, nahm die geschäftsführende Bundesvorsitzende in Kauf. Schönhuber sollte ihr am Ende für diese Entscheidung sogar noch zu Dank verpflichtet sein.

Die Öffentlichkeit nahm von der Selbstzerfleischung der Rechtspartei indessen kaum noch Notiz. Der Juni war geprägt durch das Interesse an der am 8.6. begonnenen Fußball-Weltmeisterschaft in Italien, wo die DFB-Elf Traumfußball bot und bereits nach dem Auftaktsieg (4:1 gegen Jugoslawien am 10.6. im Mailänder Meazza-Stadion) das Wort Titelgewinn in aller Munde war. Darüber hinaus wurde die D-Mark mit 1.Juli zum allein gültigen Zahlungsmittel auch auf dem Gebiet der untergehenden "DDR". Für die Sorgen und Nöte der Republikaner brachte in dieser Situation kaum noch jemand Interesse auf.

Zum Spitzenkandidaten für die bayerische Landtagswahl wurde der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Horst-Rudolf Übelacker, gewählt, ein solider und reputierlicher Kandidat, der beruflich im Bankwesen tätig war und nach mehreren Jahrzehnten in der CSU seine politische Heimat bei den Rechten suchte.

Es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass beruflich und privat erfolgreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf Grund des chaotischen Innenlebens der Republikaner politisch verheizt würden und sich dauerhaft von dieser Form der Tätigkeit für das Gemeinwesen abwenden sollten.

Nicht nur die deutsche Fußballelf, die in Italien brillierte, sondern auch Bayerns damaliger Innenminister Edmund Stoiber zeigte sich im wechselhaften Spätfrühling des Jahres 1990 in der Lage, gegebene Steilvorlagen adäquat zu verwerten. Er stellte am 31.Mai den Verfassungsschutzbericht für 1989 vor und betonte, die Republikaner weiterhin vom Inlandsgeheimdienst beobachten zu lassen. Nachdem bereits das neue Parteiprogramm keinerlei Beweis für die Verfassungstreue der Partei geliefert hätte, wurden nun auch Schönhubers eigene Aussagen über extremistische Tendenzen selbst als Begründung für diesen Schritt herangezogen. Das amtierende Präsidium der Republikaner nahm daraufhin gegen den Gründer ein Parteiausschlussverfahren in Angriff.

Schönhuber selbst betonte am 17.6. gegenüber der Presse, gegen einen möglichen Parteiausschluss keine Rechtsmittel einlegen zu wollen. Als Grund gab Schönhuber an, der Bundesvorstand der Republikaner habe nicht verhindert, "dass die Partei in die Hände von Extremisten gefallen ist". Schönhuber kündigte an, er werde jeden Ausgang des im Mai gegen ihn eingeleiteten Schiedsverfahrens akzeptieren. Ansonsten würden Öffentlichkeit und Mitglieder der Republikaner "in die Irre geführt". Schönhuber hielt aber trotz des gegen ihn eingeleiteten Ausschlussverfahrens an seiner Kandidatur für das Amt des Bundesvorsitzenden fest.

Öffentlichkeitswirksame Aktionen der Republikaner gab es in jener Zeit kaum noch. Zwar wurde im mondänen Restaurant Sibyllenort in der Königsbrücker Straße in Dresden ein Kreisverband gegründet, wobei in diesem Zusammenhang erstmals bei einer REP-Veranstaltung in der Ex-"DDR" Skinheads durch klare Distanzierungen von totalitären Regimes konsequent aus dem Saal gemobbt wurden.

Einen Tag später lud eine obskure Zeitung namens Deutsche Linie zu einer öffentlichen Diskussion ein, zu der sich jedoch neben dem Kölner REP-Ratsherrn Manfred Rouhs auch noch rechtsextreme Einpeitscher wie Reinhold Oberlercher oder Peter Marx einfanden. Der positive Effekt für die Partei, den die Veranstaltung vom Vortag zeitigen hätte können, dürfte damit wohl nachhaltig aufgehoben worden sein. Der später über seine Stasi-Kontakte gestolperte "DDR"-Innenminister Peter-Michael Diestel offenbarte einmal mehr sein zweifelhaftes Demokratieverständnis, als er betonte, er wolle eine politische Betätigung der

Republikaner in der Zone auch künftig unterbinden. Diese Partei

solle nach einem ausgerechnet in der früheren FDJ-Zeitung 'Junge Welt' veröffentlichten Briefwechsel zwischen Diestel und dem Marxistischen Jugend Verband (!) auf der Grundlage geltenden Rechts in der DDR nicht zugelassen werden. Dagegen betonte Diestel, ihm lägen derzeit keine gesicherten Kenntnisse vor, die eine Einordnung einer in der DDR existierenden Organisation in das Spektrum des Linksextremismus rechtfertigen" würden. Böse Zungen behaupteten daraufhin, um auch nur den Funken einer Chance zu erhalten, für Diestel als Linksextremist gelten zu können, müsse man zuvor mindestens zehn Bomben gelegt, zwanzig Mollis geworfen und fünf Hakenkrallenattentate auf Züge verübt haben. Franz Schönhuber selbst wurde am 23.6. von Radio Bremen zu einer Fernsehdiskussion rund um das Thema Soldaten sind Mörder eingeladen, an der auch der spätere PDS-MdB und pazifistische Schriftsteller Gerhard Zwerenz teilnahm. Am Rande der Veranstaltung kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen linksextremer Antifaschisten, im Zuge derer Schönhubers Leibwächter Zwerenz vor schwersten, möglicherweise lebensgefährlichen Verletzungen bewahren mussten.

Am Wochenende des 30.6. trat Franz Schönhuber erstmals seit seinem Rücktritt als Bundesvorsitzender wieder im Rahmen einer Bierzeltveranstaltung vor 500 Besuchern in Gebelkofen/Lkr. Regensburg. Er zeigte sich zuversichtlich, in wenigen Tagen wieder die Partei zu führen und ging auch von einer Wahlteilnahme in der "DDR" aus. Die Durchführung des Bundesparteitages in Taunusstein wurde indes immer unwahrscheinlicher. Noch am 2.Juli war über die beantragtet Einstweilige Verfügung nicht entschieden worden, welche der Parteivorstand am 16.6. gegen die Entscheidung der Stadt Taunusstein angestrengt hatte. Die Kommune hatte der Partei die Sporthalle verweigert und den Vertrag storniert, als ihr bekannt wurde, dass dort bis zu 800 Delegierte zu einem Parteitag erscheinen würde und nicht wie ihr angeblich in Aussicht gestellt worden war lediglich ein Delegiertentreffen stattfinden sollte. Am Ende sollte die Stadtverwaltung sogar Recht bekommen.

Die Parteiführung stand vor der Überlegung, den Parteitag auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Tomaschewski schlug ein Treffen am ersten Septemberwochenende in Hannover vor. Der als Rottaler Sepp und Schönhuber-Anhänger geltende niederbayerische Bezirksvorsitzende Josef Brunner aus dem Landkreis Passau, der nach Jahrzehnten der Mitgliedschaft in der CSU dieser als Landratskandidat Konkurrenz machte, schlug als Veranstaltungsort des Parteitages die Niederbayernhalle im Provinznest Ruhstorf an der Rott vor. Diese Variante würde für Schönhuber einen immensen psychologischen Vorteil bedeuten, würden doch möglicherweise am Tag des Finales der Fußball-Weltmeisterschaft so manche unberechenbare Delegierte aus den nördlichen Bundesländern dem Treffen im hintersten Winkel der Republik fern bleiben und stattdessen die Schönhuber-loyalen Verbände Heimvorteil genießen. Brunner sagte zu, kurzfristig Unterkünfte organisieren zu können. Außerdem sei in Ruhstorf nicht mit Störungen durch Gegendemonstranten zu rechnen. Für den amtierenden Vorstand bedeutete diese Entwicklung einen schweren Rückschlag. Zu allem Überfluss hatte Ekkehard Voigt nach einer öffentlichen Bloßstellung durch Franz Glasauer, der behauptet hatte, dieser hätte keinerlei Rückhalt in den wichtigen Landesgliederungen der Partei, seine Kandidatur für das Amt des Bundesvorsitzenden endgültig zurückgezogen.

In der Tat sollte vor allem Johanna Grund zwischen die Mühlen der verbliebenen Schönhuber-Anhänger einerseits und der radikalen Ideologen andererseits geraten. Die Gruppe um Glasauer wollte Harald Neubauer an der Spitze der Partei sehen. Schönhuber wurde drei Tage vor dem geplanten Treffen vom bayerischen Landesschiedsgericht aus der Partei ausgeschlossen. Allen Bedenken zum Trotz, aus Frust über die Entwicklung und um die Partei nicht in noch näherem Abstand zeitlichen Abstand zu den von allen Beteiligten als Schicksalswahlen erklärten bayerischen Landtagswahlen in der Zerreißprobe zu halten, setzte Johanna Grund den Parteitag für den 7. und 8. Juli in Ruhstorf an. Ekkehard Voigt, Franz Glasauer und Harald Neubauer gehen gegen diese Entscheidung vor.

Das mit Schönhuber-Anhängern rund um den nach Angaben von Parteifreunden zu bizarren Wortschöpfungen und brieflichen Pöbeleien neigenden Richter Johann Mühlberger besetzte Bundesschiedsgericht hob hingegen Schönhubers Parteiausschluss wieder auf. Auch die Ansetzung des Parteitages wurde für rechtens erklärt.

Die letzten Tage vor dem Ruhstorfer Treffen dürften von allen Beteiligten genutzt worden sein, um ihre jeweiligen Anhänger auf die Entscheidungsschlacht einzuschwören, die unweigerlich am Wochenende des WM-Finales von Rom stattfinden würde. MdEP Emil Schlee, ein in rechten Kreisen bekannter, aber uncharismatischer Professor aus dem schleswig-holsteinischen Raisdorf, wurde im Rahmen der letzten Vorstandssitzung vor dem Parteitag zum offiziellen Kandidaten des amtierenden Vorstandes für das Amt des Bundesvorsitzenden erhoben, nachdem Wunschkandidat Ekkehard Voigt nicht mehr zur Verfügung gestanden hatte. Er war ein offenkundiger Verlegenheitskandidat, da Harald Neubauer nach den Eskapaden seiner Anhänger während der letzten Wochen nicht mehr als konsensfähig galt. Johanna Grund stand von vornherein nicht zur Verfügung. Außerdem wurde Schlee auf Grund seiner ausgleichenden Art am Ehesten zugetraut, die Risse wieder zu kitten. Der Gegenkandidat würde jedenfalls Franz Schönhuber heißen, der als einfacher Delegierter die Halle betreten würde. Insgeheim hofften die Gegner des früheren Vorsitzenden, es würden sich bestenfalls 200 Teilnehmer in die Halle verirren, wodurch der Parteitag nicht beschlussfähig gewesen wäre. Es sollte aber am Ende völlig anders kommen:

Wie bereits die Tage zuvor war auch der 7.Juli 1990 von Dauerregen gekennzeichnet. Ein kleines Grüppchen von Gegendemonstranten im Punker-Outfit hatte sich der Nässe vor der Halle ausgesetzt und wurde 200 Meter vor dem Eingang am anderen Ende des Parkplatzes von einer Hundertschaft Polizisten in Schach gehalten. Um die Mittagszeit herum hatte sich die Halle gefüllt. In kleinen Grüppchen wurde Smalltalk betrieben, betrachtete man die Szenerie, hätte man wohl kaum den Eindruck gewinnen können, hier würde einer der turbulentesten und emotionalsten Parteitage in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands bevorstehen. Pamphlete lagen auf den Tischen aus, die Neubauer-Anhänger hatten den Herausgeber von Nation, dem Credo-Nachfolgeblatt, mit allerlei Hintergrundinformationen versorgt. In mehrseitigen Berichten wurde der frühere Bundesvorsitzende allen nur erdenklichen Vorwürfen ausgesetzt, von finanziellen Unregelmäßigkeiten bis hin zur Kungelei mit Neofaschisten. Dann aber wurde es mit einem Mal still, plötzlich ging die Hintertür der Halle auf, und in der rechten Hälfte vom Podium aus gesehen begannen sich Hunderte von Delegierten von ihren Sitzen zu erheben, stellten sich auf die Bänke und brüllten lauthals Schönhuber, Schönhuber. Erst nach etwa zehn Minuten nahm dieser, von Pressefotografen und jubelnden Anhängern eskortiert, unter einer Art von Baldachin auf einem Sessel Platz, der direkt am Zugangskorridor zum Podium gelegen war, neben ihm seine Frau und seine engsten Mitarbeiter, die ihn mit Material aller Art zur Vorbereitung seiner Redebeiträge versorgen sollten.

Der Versuch Harald Neubauers, sich Gehör zu verschaffen, wurde in einem Konzert aus Buhrufen und gellenden Pfiffen erstickt. Die Versammlungsleitung wurde dem Nürnberger Richter Rudolf Heindl übertragen, der alle Hände voll zu tun hatte, um den Parteitag vor dem Abbruch zu bewahren. Auch die aus patriotischen Motiven von der deutlichen Mehrheit getragene spontane Entscheidung, die anwesenden Parteitagsgäste aus den in der "DDR" existierenden Gliederungen per Beschluss zu stimmberechtigten Delegierten umzufunktionieren, wirkte sich am Ende zu Ungunsten Neubauers aus. Auf diese Weise war jedenfalls die erforderliche Delegiertenzahl erreicht, um die Entscheidungsfähigkeit des Gremiums sicherzustellen. Schönhuber nutzte die anschließenden Debatten zur Geschäftsordnung, um sich teils mit sachlichen Beiträgen, teils auch mit subtilen Provokationen gegen seine Gegner in Szene zu setzen. Im Unterschied zum Parteitag von Niedersachsen übte er sich in weiser Abwägung seiner Worte, er wollte sich vor Partei und Presse als moderate Führungspersönlichkeit mit staatsmännischer Attitüde präsentieren. Den angriffslustigen Part sollten seine Anhänger übernehmen. Die Neubauer-Anhänger, durch die Störmanöver der Fans des langjährigen Rundfunkjournalisten verunsichert, ließen sich zunehmend durch Schönhubers Regie aus dem Konzept bringen. Einige verloren dann auch die Nerven und dabei auch zunehmend ihr Gesicht.

Der ultrarechte "DDR"-Aufbaubeauftragte Reinhold Rade wurde vom Parteitag ausgeschlossen, nachdem er versucht hatte, einem Delegierten Unterlagen zu entreißen. Im Zuge seiner Entfernung aus der Halle kam es dabei sogar zu Handgreiflichkeiten. Glasauer, der nach scharfen Angriffen Schönhubers diesen einen elendigen, miserabligen Lügner schalt und vom Podium aus einmal mehr betonte, er würde die Polen nicht für die Fleißigsten halten, legte damit den Grundstein für seinen späteren Parteiausschluss.

Johanna Grund, der es am Ende gelang, sich trotz der Aufhören-Rufe aus den Delegiertenreihen Gehör zu verschaffen, nützte ihren 90-minütigen Rechenschaftsbericht zu einer Abrechnung mit Schönhuber, erklärte aber auch Ich mag nimmer und appellierte an den Parteitag, die Geißel der Ein-Mann-Partei von den Republikanern zu nehmen.

Mit Tränen in den Augen machte der hessische Landesvorsitzende Erich Fuchs seinem Ärger über die Entwicklung innerhalb der Partei Luft, für die er primär Schönhuber verantwortlich machte, und rief diesem zu: Sie haben einen Anhang hierher mitgebracht, für den Sie sich schämen sollten.

Am Abend des 7.Juli 1990 wurde Franz Schönhuber mit 376 Stimmen gegen 179 für seinen Gegenkandidaten Emil Schlee wieder zum Bundesvorsitzenden der Republikaner gewählt. Auch die von ihm vorgeschlagenen Stellvertreter, Herma Kirschbauer (Kosmetikerin aus Furth im Wald), Gerd Feldmeier (Staatsanwalt aus Ffm.) und sein späterer Nachfolger Rolf Schlierer (Arzt und Jurist aus Stuttgart) wurden von den Delegierten in geheimer Wahl angenommen Neubauers Anhang hatte unmittelbar nach der Verkündung des Endergebnisses den Parteitag verlassen. Darüber hinaus wurde der Traunsteiner Richter Walter Möbius zum Stellvertreter gewählt, er erhielt mehr Stimmen als Schönhubers aus Hamburg stammende Wunschkandidatin Marlene Hagen, eine Alternativmedizinerin, die vor allem integristische Positionen zum Thema Abtreibung in den Mittelpunkt ihrer Vorstellung gerückt hatte. Ihr fehlendes Charisma und vor allem ihr mangelnder Bekanntheitsgrad in Bayern wirkten sich jedoch offenbar bei vielen Delegierten zu ihren Ungunsten aus. Möbius gab seine Funktion wenige Wochen später aus wie es hieß gesundheitlichen Gründen ab und der Starnberger Broker und langjährige JU-Spitzenfunktionär Alexander Hausmann rückte an dessen Stelle nach. Franz Schönhuber unterstrich in seiner Rede nach der Wiederwahl, er wolle nunmehr alle Kräfte zur bevorstehenden bayerischen Landtagswahl mobilisieren. Dass Umfragen die REP bundesweit bei 2 % sähen, bedeute, dass sie in Bayern bei 5 % angesiedelt werden könnten (die letzte bekannt gewordene Zahl des Münchener Merkur vom 14.6. lag indes bei 4 %). Man wolle fortan leisere Töne anschlagen, Schwerpunkte sollten die Familien- und Sozialpolitik sein, vor allem auf zweiterem Themenfeld wolle man sich eher links positionieren, in gesellschaftspolitischen Fragen plädierte Schönhuber für einen Zugang, den man wäre dieser Begriff nicht von der F.D.P. vereinnahmt auch als liberal bezeichnen könnte.

Nachdem die Entscheidung über die weitere Zukunft der Partei zumindest auf personeller Ebene damit gefallen war, gestaltete sich der zweite Tag des Ruhstorfer Parteitages eher ruhig. Am Ende sollten sich bereits so viele Delegierte vom Parteitag weg in Richtung WM-Endspiel verabschiedet haben, dass die Wahl der restlichen Beisitzer im Bundesvorstand trotz zum Teil abenteuerlicher Stimmrechtsdelegationen etwa mittels Übergabe von Delegiertenkarten an Ordner nicht mehr beendet werden konnte. Von Kandidaten, die ihr früheres NPD-Engagement kämpferisch mit dem Recht als Christ auf Antikommunismus verteidigten über praktizierende Neuheiden bis hin zu einem Kandidaten, der durch sein Bekenntnis zur Freimaurerei bei nicht wenigen Delegierten Unmut hervorrief, stellte sich eine illustre Runde vor, die jedoch nicht einmal mehr das Interesse der Medien erregen sollte.

Von entscheidender Bedeutung war am zweiten Tag von Ruhstorf die Verabschiedung der bis heute gültigen Ruhstorfer Beschlüsse, mit denen die Republikaner wie am Abend auch die Tagesschau berichtete eine stärkere Abgrenzung gegen Ultrarechts vollziehen wollten. Die Beschlüsse richteten sich zu Beginn vor allem gegen frühere NPD- und DVU-Mitglieder wie den nunmehr im innerparteilichen Machtkampf unterlegenen Harald Neubauer oder seinen Mitstreiter Glasauer. In wie weit die Beschlüsse einem tatsächlichen Willen zur Emanzipation der Partei aus dem rechtsextremen Fahrwasser manifestierten und ob sie nicht eher machttaktischem Kalkül des alten und neuen Vorsitzenden Franz Schönhuber entsprangen, darüber diskutierten Partei und Presse bereits am Tag darauf auf das Heftigste.

Zweifellos dürfte es einem nicht geringen Teil der Parteibasis ein ehrliches und ernst gemeintes Anliegen gewesen sein, sich gegenüber Bestrebungen abzugrenzen, die seit Jahr und Tag von den Verfassungsschutzbehörden als extremistisch eingestuft worden waren. Die Republikaner waren ja nicht etwa als Splittergruppe oder Abspaltung jenes politischen Umfelds gegründet worden, das bislang unter der Fahne eines aggressiven Nationalismus oder einer geschichtsrevisionistischen Verklärung der Vergangenheit ein gesellschaftliches Schattendasein führte. Sie wurden hauptsächlich von Personen gegründet, die über lange Jahre hinweg Politik innerhalb der Volksparteien der Mitte betrieben hatten, vor allem innerhalb der CDU und CSU, oder die diesen zumindest nahe gestanden hatten.

Vor allem in der Zeit vor dem Mauerfall und den in der Folge auch für die alte Bundesrepublik spürbaren Veränderungen war eine innenpolitische Lage entstanden, in welcher man von einer zunehmenden Erosion des Patreienspektrums ausging. Die Zeit der absoluten Mehrheiten schien vorbei, die SPD hatte durch die Etablierung der Grünen ihre Monopolstellung im linken Lager verloren, in der Folge dachten viele, auch rechts der Union würde sich eine ähnliche Entwicklung durch das Aufkommen der Republikaner vollziehen.

Mit rechtsradikalen, systemfeindlichen Orientierungen wollten vor allem die zahlreichen Funktionsträger, die ursprünglich aus SPD und Union zu den Rechten gestoßen waren, nichts zu tun haben. Franz Schönhuber, der vier Jahre später Ruhstorf zum Flop erklären sollte und einer fundamentalen Opposition das Wort redete, verliert heute nur wenige Worte zu den damaligen Ereignissen. Er argumentierte zuletzt, er hätte damals die in der Tat zahlreich vertretenen Beamten innerhalb der Partei vor beruflichen Problemen bewahren, die ihnen zweifellos im Falle einer Einstufung der Republikaner als rechtsextremistische Bestrebung durch den Verfassungsschutz ins Haus stehen hätten können.

Der Erfolg in Berlin, begleitet von einem öffentlichen Aufschrei, den ein nicht unproblematischer Wahlwerbespot im Vorfeld der Wahl herbeigeführt hatte, hatte eine starke innenpolitische Polarisierung bewirkt. Die damit verbundene Dynamik hatte die Partei schneller wachsen lassen als sie verkraften konnte. Neben ehrlichen, von ihren Stammparteien enttäuschten demokratischen Idealisten strömten auch eigennützig orientierte Postenjäger in die aufstrebende Gruppierung, und auch zahlreiche Personen von zweifelhafter demokratischer Lauterkeit versuchten, in den Republikanern eine Plattform für ihre politische Agitation zu finden.

Dennoch waren schon damals Zweifel an der Richtigkeit der Darstellung der Ereignisse durch die Parteiführung angebracht. Dass Funktionsträger wie Neubauer oder Glasauer von langer Hand versucht hätten, im Wege eines Putsches gegen Schönhuber die Partei für sich zu erobern und zu einer rechtsextremen Kaderschmiede umzubauen, erscheint angesichts der Tatsache als unglaubwürdig, dass zum einen die NPD-Vergangenheit beider von Anbeginn an bekannt war, zum anderen diese ihre am Ende bekleideten Funktionen bereits längere Zeit zuvor inne hatten. Sie hatten in der Tat im Zuge der Wirren nach dem Schönhuber-Eklat vom 15.Mai die Gunst der Stunde nutzen wollen, um die Republikaner für den Fall eines Scheiterns Schönhubers dirigieren zu können. Davor jedoch war zumindest ein Franz Glasauer stets in ähnlich kompromissloser Weise Schönhuber-loyal gewesen wie jener Anhang, der diesen am 7.Juli auf den Tischen von Ruhstorf mit Sprechchören empfing und der die Welt vom 9.Juli skeptisch fragen ließ, ob das wirklich jene geläuterten Demokraten sein sollten, mit denen der wieder gewählte Vorsitzende die Zukunft der Partei gestalten wollte.

Die politischen Gegner und die Presse glaubten den Beteuerungen Schönhubers, die Republikaner wären nach Ruhstorf zu einer seriösen, von extremistischen Elementen freien demokratischen Partei geworden, kaum. Nicht nur der Zeitpunkt der Eskalation nach zwei bitteren Wahlschlappen, sondern auch die nicht wesentlich unterschiedliche Rhetorik, die Schönhuber und Neubauer zuvor über lange Jahre hinweg an den Tag gelegt hatten, sprachen nicht wirklich für inhaltliche Motive hinter dem Streit.

Dass nach Ruhstorf tatsächlich ultrarechte Exponenten aus der Partei gedrängt wurden, steht außer Frage. Die Beschlüsse boten eine taugliche Grundlage, um Personen wie Rade oder Glasauer, die später zum Teil sogar in die neonationalsozialistische Ecke abwanderten, bis zum bayerischen Landesparteitag vom 5.August 1990 mit dem Parteiausschluss zu bedenken.

Andererseits sollte sich zum Teil erst Monate oder Jahre später zeigen, dass trotz oder zum Teil auch gerade wegen der Ereignisse vom 7./8.Juli 1990 ultrarechte Bestrebungen nicht gänzlich aus der Partei verschwunden waren. Während durchaus moderate Funktionäre wie der Hesse Erich Fuchs, der nach einem NPD-Gastspiel in den 60er-Jahren über Jahre hinweg gern gesehenes Mitglied in der CDU gewesen war, unter Berufung auf Ruhstorf aus der Partei gemobbt wurden, stiegen rechtsextreme Verschwörungstheoretiker und bekennende Antisemiten wie der stellvertretende bayerische Landesvorsitzende Otmar Wallner oder auch der aus Abensberg stammende langjährige Bezirksfunktionär Sebastian Semmler nach Ruhstorf in höchste Parteifunktionen auf. Ihr Persilschein für eine weitere Karriere bei den Republikanern war einzig und alleine ihre über Jahre hinweg ungebrochene Loyalität zu Schönhuber. Gerade unter jenen Funktionären, die durch ihr Talent, im Bedarfsfall die nötige Anzahl an lautstarken Unterstützern hinter die Anliegen der Person Franz Schönhubers zu scharen, waren nicht wenige, die nicht im Nachvollziehen programmatischer Mäßigungen im Sinne des Ruhstorfer Parteitages ihre primäre Aufgabe erblickten, sondern die einzig und alleine eine bedingungslose Loyalität mit dem großen Vorsitzenden verband.

Dass sie den Neubauer-Flügel in der Niederbayernhalle niedergebrüllt oder zuvor zum Wohle des Umsatzes der Deutschen Telekom via Telefon und Faxgerät gegen den amtierenden Vorstand intrigiert hatten, war nur selten ein Ausdruck demokratischer Empörung gegen den Extremismus, sondern einzig und allein ein Ausdruck der kritiklosen Bereitschaft, dem vergötterten Führer zu folgen.

Als Franz Schönhuber nach der Niederlage bei der bayerischen Landtagswahl vier Jahre später einen fundamentalistischen Kurs einschlagen und die Beschlüsse von Ruhstorf in Frage stellen wollte, waren es nicht selten die gleichen johlenden Jubelperser von 1990, die nun gegen Anhänger des gemäßigten Flügels mit den gleichen Mitteln vorgehen sollten.

Nach Ruhstorf wehte in der Partei ein schärferer Wind als je zuvor. In den lokalen Verbänden auf Orts-, Kreis- und Bezirksebene wurden der Extremismus-Vorwurf und das Instrument des Parteiausschlussverfahrens zu einer beliebten Keule im innerparteilichen Machtkampf. Zwar scheiterten die Republikaner bei der bayerischen Landtagswahl am 14.Oktober 1990 mit 4,9 % nur denkbar knapp und konnte die Partei 2 Jahre später auf der Woge der Asyldebatte in Baden-Württemberg, Hessen und Berlin zum Teil Aufsehen erregende Erfolge verbuchen. Nach innen hingegen war der spätere Zerfall schon längst vorgezeichnet. In Städten wie Passau, wo die REP bei der Nachwahl zum Stadtrat 1992 mit 11,3 % und 6 Mandaten einen überregional beachteten Erfolg feiern konnten, zerbrach die Fraktion nach wenigen Monaten auf Grund persönlicher Animositäten zwischen den einzelnen Kommunalpolitikern.

Als 1994 die erhofften Erfolge bei der Europawahl, der Bayernwahl und der Bundestagswahl ausblieben, brachen auch jene kommunalen Fraktionen auseinander, die zuvor immerhin noch durch die Aussicht auf Mandate und den damit verbundenen öffentlichen Ansehensgewinn zusammen geschweißt wurden. Der Wähler hatte überhaupt kein Verständnis dafür, dass sich die Partei stärker mit sich selbst beschäftigte als mit den drängenden Fragen der Tagespolitik und bescherte den Republikaner 1995 auch in Bayern ein Desaster bei den Kommunalwahlen. Seither gelang es der Partei nur noch, ein Jahr später nicht zuletzt auf Grund gewalttätiger Kurdendemonstrationen auf Autobahnen am Wochenende vor der Wahl in den Stuttgarter Landtag einzuziehen. Auch dieses Strohfeuer sollte jedoch im weiteren Verlauf der 90er-Jahre verlöschen.

Franz Schönhuber deutet selbst mittlerweile an, dass die in Ruhstorf beschlossene Abgrenzung gegen Ultrarechts in erster Linie ein taktisches Manöver gewesen wäre, um der Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu entgehen.

Fairerweise muss gesagt werden, dass nicht wenige Funktionäre in der Partei aus ehrlicher Überzeugung heraus den Kurs von Ruhstorf unterstützten und bis heute unterstützen. Schönhubers Nachfolger Rolf Schlierer gelang es aber trotz eines straffen Führungsstils bis heute nicht, zu verhindern, dass periodisch immer wieder aufs Neue vor allem nach Wahlniederlagen der Republikaner nicht wenige Funktionäre eine Abkehr von Ruhstorf fordern und Bündnisse bis hin zu einem Schulterschluss mit der rechtsextremistischen NPD fordern.

Drohte noch Ende der 80er-Jahre die Union phasenweise zwischen Rot-Grün und einem erstarkenden rechten Rand aufgerieben zu werden, so hat sie heute eindeutig wieder das Heft des Handelns in der Hand und versteht es, durch ein geschicktes Austarieren von pragmatischen, liberalen und konservativ-nationalen Positionen Konkurrenten von rechts auf Dauer unter der 5 %-Hürde zu halten. Die Republikaner sind hingegen 14 Jahre nach ihren größten Triumphen zur Fußnote in der politischen Geschichte der Bundesrepublik und zum Zählkandidaten bei Wahlen unter der Rubrik Sonstige geraten.


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