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(...) Deutschenhetze könnte sich auch gerade in Zeiten finanzieller Engpässe für klassische Urlaubsländer als fataler Bumerang erweisen. Dass es auch im Breisgau, an der Ostsee, in der Uckermark oder im Sauerland im Sommer warme und schöne Flecken gibt, ist nicht allen Deutschen verborgen geblieben. Auch so manchem ewig gestrigen Cordoba-Ösi, der gerne periodisch wiederkehrend im ORF-Ferienprogramm die Piefke-Saga verankert sieht oder am Rande großer Fußballturniere gerne dem Neid des Besitzlosen gegenüber dem großen Bruder Ausdruck verleiht, könnte die klammheimliche Freude über die deutsch-italienischen Verstimmungen schon bald im Halse stecken bleiben. (...) |
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Die Uckermark ist auch schön! - Wenn die fütternde Hand gebissen wird |
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von Maximilian Ohl Einige Beobachter rätseln, ob die Flegeleien des italienischen Tourismusstaatssekretärs Stefano Stefani gegen deutsche Urlauber Teil einer geschickten Infiltrations- und Sabotagestrategie der separatistischen Lega Nord sind, die den Politiker für das italienische Kabinett nominiert hatte. Der Vorsitzende dieser Partei, Umberto Bossi, hatte schon einmal öffentlich erklärt, sich mit der Trikolore das Hinterteil gereinigt zu haben, Anhänger dieser kuriosen Gruppierung drücken nach eigener Aussage sogar den Gegnern der italienischen Fußball-Nationalmannschaft die Daumen, weil diese ein Symbol der staatlichen Einheit wäre. Es wäre den Leghisti, die bösen Zungen zu Folge ihre politischen Feindbilder wechseln sollen wie einst der mittlerweile in die Jahre gekommene Rimini-Casanova Zanza seine Gespielinnen, durchaus zuzutrauen, dass sie selbst ihre eigene Regierungsverantwortung zu nutzen wüssten, um dem verhassten Rom zu schaden. Die Abschreckung potenzieller deutscher Italien-Urlauber durch geräuschvolle Verwünschungen wäre dabei allerdings eine Form, die eher einer Kamikaze-Logik gleichkommt. Schließlich liegen die örtlichen Schwerpunkte der immerhin weit über 9 Millionen jährlichen Gäste aus der Bundesrepublik mehrheitlich im Norden Italiens, mithin jenem Gebiet, das Bossi und seine Mannen gerne als Teil eines selbstständigen Operettenstaates namens Padanien sehen wollen. Und nicht nur der Zentralstaat in Rom ist es, der aus den Einnahmen der dortigen Hotelleriebetriebe seine Steuermilliarden lukriert. Ein nicht zu unterschätzender Teil an kommunalen Steuerleistungen dient auch den norditalienischen Städten und Gemeinden als Finanzierungsbasis für allerlei Projekte auf regionaler Ebene. Kein Wunder daher, dass sich auch innerhalb der der Lega bei Wahlen durchaus zugetanen Tourismuswirtschaft des Nordens die Begeisterung über die Entgleisungen des Staatssekretärs in überaus überschaubaren Grenzen hält. Wir kennen sie gut, die Deutschen... Diese einförmigen, supernationalistischen Blonden, die von jeher und um jeden Preis die Klassenbesten sein wollen. Und wie alle Streber lassen sie keine Gelegenheit aus, unverschämt zu werden. So lautet der Originalton der Polemik in der Parteizeitung La Padania, und Stefani legt sogar noch ein paar Schippen nach. Von aufgeblasener Selbstgewissheit seien die deutschen Urlauber, sie würden über unsere Strände herfallen und wären mit Rülpswettbewerben, Biergelagen und Pommes-frites-Völlereien aufgewachsen. Nachdem die Äußerungen Stefanis in Deutschland bekannt geworden waren, distanzierten sich italienische Tourismusverbände empört, auch Außenminister Frattini zeigte sich erbost und entschuldigte sich für seinen Kabinettskollegen. Ob die nunmehrigen Versuche einer Schadensbegrenzung allerdings von Erfolg gekrönt sind, ist ungewiss. Dass Bundeskanzler Schröder medienwirksam seinen Italienurlaub abgeblasen hatte, wird ebenso als Zeichen einer ernsthaften Belastung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien gewertet wie die unübersehbaren Hinweise in der Bild-Zeitung, dass es Strände, Meer und italienisches Essen auch in Deutschland und das sogar vielfach preisgünstiger gäbe. Innenminister Schily legte der italienischen Regierung sogar den Rausschmiss Stefanis nahe. Dass sich unter deutschen Urlaubern und auch in der politischen und medialen Öffentlichkeit auf feindselige Äußerungen aus dem Ausland dermaßen drastische Reaktionen verzeichnen lassen, könnte in der Tat als ein gewichtiger weiterer Schritt in Richtung zur Entwicklung eines für alle anderen Länder der Welt selbstverständlichen nationalen Selbstbewusstseins betrachtet werden. Während die geschmacklose Filmrollenofferte Berlusconis an den SPD-MdEP Schulz im Europaparlament noch von weiten Teilen der Öffentlichkeit als eine erklärbare (Über-)Reaktion auf linke Einmischungsversuche erkannt wurde, nahm man Stefanis Pöbeleien als unmotivierte Hasstirade auf das deutsche Volk wahr, dem es mehrheitlich herzlich gleichgültig ist, wer gerade in Italien regiert, so lange dadurch der Urlaubsgenuss nicht gestört wird. Dass es wie Stefani suggeriert - in Deutschland ein Defizit an Einfühlungsvermögen gegenüber den Sitten und Gebräuchen in gerne von Deutschen frequentierten Urlaubsländern gäbe, lässt sich im Übrigen auch kaum nachweisen. In zahlreichen deutschsprachigen Reiseführern wird an prominenter Stelle in zum Teil durchaus oberlehrerhafter Art und Weise auf Verhaltensweisen aufmerksam gemacht, die andernorts als störend empfunden werden könnten und daher zu unterlassen seien. Auflagenstarke Blätter wie etwa die Bild der Frau sehen sich rechtzeitig zur Reisezeit veranlasst, einen Urlaubs-Knigge zu publizieren, in dem dargelegt wird, dass man in Holland keine Sandburgen bauen, in England nicht über die Königsfamilie lästern oder in Dänemark am Ferienhaus keine deutsche Flagge hissen sollte. Dass fleißige Werktätige in ihrem verdienten Jahresurlaub dennoch hin und wieder mal gerne die Sau raus lassen, ist darüber hinaus wahrlich keine deutsche Besonderheit. Randaleträchtige Saufgelage etwa englischer oder dänischer Urlauber auch in Italien haben zu keiner Zeit ähnliche Äußerungen hervorgerufen wie nunmehr diejenigen des Lega-Staatssekretärs. Deutschenhetze könnte sich auch gerade in Zeiten finanzieller Engpässe für klassische Urlaubsländer als fataler Bumerang erweisen. Dass es auch im Breisgau, an der Ostsee, in der Uckermark oder im Sauerland im Sommer warme und schöne Flecken gibt, ist nicht allen Deutschen verborgen geblieben. Auch so manchem ewig gestrigen Cordoba-Ösi, der gerne periodisch wiederkehrend im ORF-Ferienprogramm die Piefke-Saga verankert sieht oder am Rande großer Fußballturniere gerne dem Neid des Besitzlosen gegenüber dem großen Bruder Ausdruck verleiht, könnte die klammheimliche Freude über die deutsch-italienischen Verstimmungen schon bald im Halse stecken bleiben. Weiter führende Links: |