Die konservative Informationsbasis im Internet

zum Inhalt

(...) Während in einer totalitären, auf fundamentalistischen Wahrheitsansprüchen beruhenden Gesellschaft die maßgeblichen Gruppenidentitäten von den Eliten des Staates festgelegt und nicht selten durch den Aufbau von Feindbildern oder die Drohung mit Gewalt aufrecht erhalten würden, könnten diese sich in einer freien Gesellschaft auf Grund der Entscheidung jedes Bürgers selbst entwickeln. Auch für die Idee der nationalen Souveränität wäre auf diese Weise Platz. Denn mit einem Nationalstaat, der seine Aufgabe darin sieht, den Wohlstand seiner Bürger in einer von Privatautonomie und Entfaltungsfreiheit zu sichern, würden sich diese auch gerne identifizieren. (...)

{short description of image}
Maximilian Ohl

Nadel, grün

Apologie der Konsumgesellschaft - Über Intellektuelle und ihre totalitären Träumereien

von Maximilian Ohl

In einer Zeit, da einander linke, religiöse und rechtsnationale Exponenten in Punkto Globalisierungskritik und Gegnerschaft zum Kapitalismus geradezu zu übertreffen suchen, vermag es auf den ersten Blick wie ein anachronistisches Kuriosum zu erscheinen, was ausgerechnet ein Verlag aus dem Münchener Großraum kürzlich auf den Markt gebracht hat, der in seiner Öffentlichkeitsarbeit explizit und nachhaltig seine christliche Orientierung betont. Roland Baader, ein diplomierter Volkswirt, der sich nach langen Jahren unternehmerischer Tätigkeit nunmehr als Publizist und Schriftsteller einen Namen gemacht hat, verficht Thesen wie jene, wonach nur eine weltweite freie Marktwirtschaft bald zu erwartende 10 Milliarden Menschen auf der Erde vor dem Hungertod zu bewahren vermöge. Und nicht nur Marxisten und linke Kapitalismuskritiker, sondern auch national orientierte und konservativ-revolutionäre Denker und Philosophen wie Werner Sombart bekommen in Baaders neuester Buchveröffentlichung „Totgedacht. Wie Intellektuelle unsere Welt zerstören.“ in nicht zu bescheidenem Ausmaß ihr Fett weg. Baaders Abhandlung ist jedoch kein Pamphlet, das der Zerstörung von Bindungen und Traditionen oder einer brutalisierten Ellenbogengesellschaft das Wort redet, die nur dem Starken Recht gibt und den Schwachen mit Füßen tritt.

Der Autor geht vielmehr in die Offensive und wirft insbesondere den antiliberalen Intellektuellen von Links und Rechts vor, aus Unkenntnis oder aber aus sehr eigennützigen Gründen wie Machtstreben oder Elitismus einen Kampf gegen die Idee einer Ordnung zu führen, in der nicht eine bürokratische Kaste selbstherrlich und von oben über die Qualität menschlicher Bedürfnisse entscheidet, sondern der freie Bürger als gleichberechtigter Teilnehmer einer marktwirtschaftlichen Ordnung durch seine tägliche Konsumentscheidung. Es wird mit nicht unbeachtlichen Argumenten die Auffassung vertreten, dass Probleme, die im Kapitalismus auftreten, nicht zwangsläufig Probleme des Kapitalismus selbst sein müssen. Nicht selten würden Voreingenommenheiten und eine selektive Wahrnehmung dazu beitragen, dass negative Erscheinungen des gesellschaftlichen Lebens in marktwirtschaftlichen Ordnungen von Intellektuellen als typische Begleiterscheinungen eben dieser, noch wesentlich schlimmere Zustände in gelenkten Wirtschaftsordnungen hingegen als bloße Übergangserscheinungen auf dem Weg zu etwas Besserem aufgefasst würden.

Baader weist auf die unrühmliche Rolle akademisch Gebildeter hin, welche diese nicht selten bei der ideologischen Rechtfertigung der totalitären Systeme des 20.Jahrhunderts gespielt hatten, oft genug sogar in zumutbarer Kenntnis der hässlichen Gestalt der jeweiligen „real existierenden“ Ausformung ihrer Utopie.

Dabei stellt er das Konzept der politischen – und entsprechend auch politisierten und hierarchisierten – Gesellschaft jenem Konzept gegenüber, das ausgehend von einem realistischen Menschenbild die Privatheit und die Wertentscheidung des Einzelnen über den Traum von Eliten stellt, ihre Vorstellung vom „tugendhaften Bürger“ von oben herab zu verordnen. Den Kampf des Unternehmertums um seine wirtschaftliche Freiheit wertet Baader als Akt des Kampfes gegen die Herrschaft von Menschen über Menschen. Und die gerade von Intellektuellen – die nicht selten übersehen, wie oft die Hochkultur vergangener Jahrhunderte mit der feudalen Ausbeutung des gemeinen Volkes einher ging - so gerne abschätzig bewertete heutige Konsumgesellschaft wäre es doch, die so vielen Menschen wie noch nie zuvor den Zugang zu Kultur in ihrer gesamten Spannungsbreite eröffnen würde.

Während in einer totalitären, auf fundamentalistischen Wahrheitsansprüchen beruhenden Gesellschaft die maßgeblichen Gruppenidentitäten von den Eliten des Staates festgelegt und nicht selten durch den Aufbau von Feindbildern oder die Drohung mit Gewalt aufrecht erhalten würden, könnten diese sich in einer freien Gesellschaft auf Grund der Entscheidung jedes Bürgers selbst entwickeln. Auch für die Idee der nationalen Souveränität wäre auf diese Weise Platz. Denn mit einem Nationalstaat, der seine Aufgabe darin sieht, den Wohlstand seiner Bürger in einer von Privatautonomie und Entfaltungsfreiheit zu sichern, würden sich diese auch gerne identifizieren.

Roland Baader wirft den antiliberalen Intellektuellen Angst vor dem Markt und Dünkel gegenüber dem gemeinen Volk vor. Darüber hinaus seien sie von einem – im konstruktivistischen Rationalismus wurzelnden - Machbarkeitswahn beseelt und vom Gedanken geprägt, es wäre möglich und wünschenswert, würde die Menschheit durch machtpolitische Mittel gelenkt.

Interessante, wenn auch zum Teil hinterfragbare Thesen stellt Baader zudem im Zusammenhang mit der von ihm behaupteten grundsätzlichen Unmöglichkeit des Bestehens „wirtschaftlicher Macht“ auf. Auch zu Themen wie „Frankfurter Schule“, „Political Correctness“ oder der potenziellen Rolle der christlichen Kirchen bei der Stärkung des im Namen intellektueller Hirngespinste zertrümmerten gesellschaftlichen Wertegerüstes scheut Baader nicht vor provokanten Statements zurück, denen man gleichfalls nicht immer bis ins letzte Detail folgen muss, die es aber jedenfalls wert sind, beachtet zu werden.

Die Stichhaltigkeit von Baaders Konzept wird sich in seiner Reinform nicht überprüfen lassen. Zu sehr ist neben traditionellen Ordnungs- und Wertvorstellungen, die der Autor mit guten Argumenten gegen eine Infragestellung im Namen falsch verstandener Rationalität verteidigen möchte, wohl auch schon die Vorstellung von einer potenziell regulierenden und eingreifenden Rolle des Staates in die Wirtschaft vor allem in Europa zum elementaren Teil der vorherrschenden politischen und ökonomischen Kultur geworden. Als Plädoyer für mehr Freiheit und weniger Macht für Staat und als Kampfschrift für die Herrschaft des Rechts und gegen dessen Instrumentalisierung im Namen gutmenschlicher Hypermoral ist die Neuveröffentlichung aber jedenfalls als äußerst wertvoll und lesenswert zu bezeichnen.

Roland Baader: „Totgedacht. Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören“; Resch Verlag Gräfelfing 2003, ISBN 3-935197-26-8; € 22,80


zum Inhalt Politische Bildung und Information Zähler