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Maximilian Ohl: Brief an
einen 68er (...) Wenn ihr hingegen zu eurer Zeit Adenauer
oder Schmidt oder zu unserer Zeit Kohl und Dregger oder Schönhuber
mit Hitler oder Goebbels verglichen hattet, dann war das auch wenn wir
in der BRD der 80er-Jahre nicht im Entferntesten etwas von einer
autoritären Staatswillkür bemerkt hatten - natürlich
keine Verharmlosung, sondern der Ausdruck einer besonderen Sensibilität
und eines besonders kritischen Bewusstseins. Denn immerhin war immer
Wachsamkeit geboten, habt ihr uns erklärt, egal ob es jetzt um
Fragen des Asylrechts oder des Bildungssystems oder um die Abtreibung
oder auch nur um das Aufstehen bei der Nationalhymne ging, zu dem uns
unsere Großeltern anhielten. Immer roch es für euch nach
Nazis, wenn euch eine Meinung nicht gepasst hatte, und immer wenn ihr
diese Keule ausgepackt habt, dann war es immer, um zu warnen und nie,
um zu verharmlosen. Auch wenn ich nicht immer wirklich verstanden
habe, wann nun genau ein Nazi-Vergleich kritisch ist und wann
verharmlosend, freue ich mich des Privilegs, einer Generation angehören
zu dürfen, der von den richtigen Leuten gesagt wird, was zu tun
ist und wie das Denken zu funktionieren hat, nämlich von euch.
Denn wer so lange studiert, so viele Texte geschrieben und dabei so
viele Fremdwörter verwendet hat, der muss doch was auf dem Kasten
haben. Und das hat wohl in eurem Fall auch nichts mit Autoritätshörigkeit
zu tun, sondern mit Vertrauen.(...) |