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(...) Musikalisch haben die texanischen Mädels die hohen Erwartungen nach ihren Anfangserfolgen indessen voll bestätigt, Home überzeugt durch instrumentelle Vielseitigkeit, Verzicht auf überflüssige Schnörkel, klangvolle Arrangements und eine interessante Kombination aus kräftigen rhythmischen Stimmungsmachern und getragenen, sanften Balladen.(...) |
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Mutig und gefühlvoll - Die Dixie Chicks als neuer Stern am Country-Himmel |
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von Maximilian Ohl Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich der Mikrokosmos folkloristisch inspirierter Musik in unseren Breiten in einem beklagenswerten Zustand befindet. Jenseits von meist drittklassigem Schlagergedudel, das sich eher in dreister Selbstüberschätzung als Volksmusik tituliert, spielen Klänge, die an überlieferte musikalische Traditionen in Deutschland anknüpfen, allenfalls im Bereich überschaubarer Marktnischen eine Rolle. Anders stellt sich die Situation in den USA dar. Die Countrymusik als bekannteste Ausdrucksform bodenständigen Musikschaffens, deren weites Feld verschiedenste Bereiche abdeckt von kommerziellem Trucker-Kitsch bis hin zu anspruchsvollen Produktionen, die dennoch auch Verkaufserfolge erzielen, ist dort ein bestimmendes Element der U-Musikszene. Bereits vor mehreren Jahrzehnten hatten Legenden wie Johnny Cash oder Willie Nelson Weltruhm erlangt. Heute reicht die Palette jener bekannten Musiker, die entweder ihre Wurzeln im Countrybereich hatten oder deren Schaffen zumindest in Teilbereichen Anklänge an Erscheinungsformen dieses Musikstils aufweist, von Popsängerinnen wie Leann Rimes, Shania Twain oder Faith Hill über Liedermacher wie Bruce Springsteen, Tom Petty, Garth Brooks oder John Cougar Mellencamp bis hinein in den Mainstream-Bereich (Kansas, 38 Special) oder sogar zum Hard Rock (Cinderella, Bon Jovi). |
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Seit etwa vier Jahren hat sich das seit etwa 10 Jahren bestehende Mädchentrio Dixie Chicks überraschend zu einem der hoffnungsvollsten Nachwuchsprojekte des Genres entwickelt. Die Gruppe rund um die Schwestern Emily Erwin und Martie Seidel sowie Sängerin Natalie Maines, der Tochter des namhaften Produzenten Lloyd Maines, räumte von 1998 an eine Reihe von Preisen im Rahmen der Academy of Country Music Awards ab, für ihr erstes Album Wide Open Spaces gab es sogar einen Grammy. 2002 gelang es den Dixie Chicks mit ihrer nunmehrigen Produktion Home erstmals, auch über den Countrybereich hinaus Fuß zu fassen, das Album kletterte unverhofft bis auf Platz 1 der US-amerikanischen Verkaufscharts und zog nun auch die Aufmerksamkeit der Fachwelt außerhalb der Staaten auf sich. Musikalisch haben die texanischen Mädels die hohen Erwartungen nach ihren Anfangserfolgen indessen voll bestätigt, Home überzeugt durch instrumentelle Vielseitigkeit, Verzicht auf überflüssige Schnörkel, klangvolle Arrangements und eine interessante Kombination aus kräftigen rhythmischen Stimmungsmachern und getragenen, sanften Balladen. Selbst vor heiklen Unterfangen scheute man nicht zurück. Mit dem aus der Feder der übrigens selbst zeitweise als Countrysängerin in Erscheinung getretenen Stevie Nicks stammenden alten Fleetwood-Mac-Klassiker Landslide, einem gefühlvollen und tiefgründigen Stück über Glück und Vergänglichkeit, wagten sich die Dixie Chicks immerhin an einen Song, der bereits im Original zum mit Abstand Besten zählt, was zeitgenössische Unterhaltungsmusik jemals hervorgebracht hatte. Die neue Version der Chicks klingt am Ende leichter, lebenslustiger als die Urfassung, nimmt ihr aber dennoch nichts von ihrer Tiefsinnigkeit und ihrem wehmütigen Zauber. Auch der Titel Travelin` Soldier, eine rührselige Ballade über eine aufkeimende Jugendliebe, die vom Vietnamkrieg zerstört wird, vermag bereits beim ersten Anhören einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wer jedoch flottere Töne bevorzugt, wird sich eher an Stücke wie den Opener Long Time Gone, wie das von standesgemäßen Banjo- und Fidelklängen durchdrungene Truth No. 2 oder das kernige White Trash Wedding halten. Aussetzer gibt es keine, das Album überzeugt auch durch seinen Gesamteindruck. In Zeiten wie diesen haben die Dixie Chicks wie könnte es anders sein durch ihre kritische Haltung zum Irak-Krieg in Teilen der veröffentlichten Meinung innerhalb der USA an Ansehen verloren. Den Bush-Kriegern kommt mit Sicherheit eine von chauvinistischem Radau-Patriotismus geprägte Form von Country-Musik stärker entgegen. Jene Einpeitscher, die jetzt aber 70 Jahre nach der unsäglichen Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten nunmehr jenseits des großen Teiches die Platten der Dixie Chicks wegen deren politisch abweichender Haltung aus den Radios verbannen und zum Teil öffentlich zerstören, bringen nicht nur sich selbst um das Erlebnis gehaltvoller Country-Musik. Sie gehen vielmehr gegen einen Teil jenes Amerika vor, das ungeachtet der zunehmenden Neigung der Bush-Administration, dem Land weltweit Feinde zu schaffen, noch immer in der westlichen Welt höchste Wertschätzung genießt. "Home" von den Dixie Chicks jetzt online kaufen... |