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von Christa Meves Das Statistische Jahrbuch in Wiesbaden hat weist erschreckende Zahlen auf: 1996 wurden in Deutschland 175.000 Paare geschieden, das sind 3,5 Prozent mehr als 1995. 148.780 Kinder wurden neu zu Scheidungswaisen. Scheidungswaisenschicksal bedeutet, so hat die psychologische Forschung erwiesen, oft nicht nur Verlust an emotionaler Sicherheit und Bindung, sondern versetzt darüberhinaus in vielen Fällen in eine sich fortgesetzt erneuernde Kreidekreissituation. Die seelischen Wunden, die das schlägt, bleiben oft lebenslänglich erhalten, so konstatiert eine amerikanische Großuntersuchung. Warum tun das so viele Eltern ihren Kindern an? Warum nehmen so viele den Streit, der um Besuchsregelung, um Ferien, um die Finanzen entsteht, in Kauf? Warum machen sich so viele junge Paare das Leben künstlich schwer und gefährden auf diese Weise sogar die Zukunft aller? Denn Scheidungswaisen entschließen sich schwer zur Heirat, und wenn sie sich doch zur Heirat entschließen, lassen sie sich öfter scheiden als Abkömmlinge aus intakten Familien. Was für eine bedenkliche Entwicklung, und wie ließe sie sich aufhalten? Dazu ist es nötig, zunächst einen Blick auf die vielfältigen Ursachen dieses traurigen Booms zu werfen. Ehefähigkeit setzt Verträglichkeit voraus. Verträglichkeit hat ihre Wurzel in seelischer Stabilität und Belastbarkeit. Es kann kein Zweifel sein - das Ansteigen seelischer Erkrankungen, der Süchte und auch der Kriminalität beweisen das -, daß diese Voraussetzungen zum einträchtigen Leben im Familienverband sich in der jungen Erwachsenengeneration zunehmend mehr dezimiert haben. Diese bedauerliche Minderung an seelischer Gesundheit, besonders in der Generation der heute Fünfundzwanzig- bis Fünfunddreißigjährigen hat viel mit den Entwicklungen zu tun, die von den sechziger Jahren an in Westdeutschland einsetzten und in Ostdeutschland schon in den fünfziger Jahren zur Gepflogenheit geworden waren: Die Kinder wurden in ihrer ersten Lebenszeit immer weniger leibnah bei der Mutter gehalten, die Fütterungsweisen wurden künstlich und die Basis für spätere Bindungsmöglichkeit auf diese Weise immer mehr in Frage gestellt. Das wiederum hat seine Ursache darin, daß immer mehr junge Mütter berufstätig blieben oder ihre Kinder unbekömmlichen Gepflogenheiten aussetzten. Dieses Einbeziehen der jungen Mütter in den neuen Schub der noch sehr viel radikaleren Frauenemanzipationsbewegung minderte später in einem gigantischen Ausmaß die Ehefähigkeit der so fehlbehandelten Kinder. Die damals noch reichlich vorhandenen Arbeitsplätze und die Abwertung der ihre Kinder selbst betreuenden Mütter als "Nur-Hausfrauen" verstärkten diesen Entwicklung. Im Osten gehörte es ohnehin zum sozialistischen Programm, die Kinder so früh wie möglich an das Kollektiv von der Krippe bis zur Kindertagesstätte zu delegieren. Diese Entwicklung wurde nachhaltig verstärkt durch eine Lockerung der Scheidungsgesetze und durch die nun erstmalig in der Geschichte erwirkte finanzielle Unabhängigkeit der Frau von der Versorgung der Familie durch den Mann allein. Es war nicht länger unabänderliches Schicksal, an der Seite eines womöglich eheunfähigen, lieblosen, etwa gar alkoholkranken Mannes auszuharren. Diese neue Möglichkeit zum Ausweg aus einer unerträglichen Bindung bedeutete einerseits ein echtes Stück an Befreiung für die Frau, aber sie wurde in zahllosen Fällen auch zu einer verführerischen Neuheit, vor allem in den Fällen, in denen gravierende Minderung von Ehefähigkeit nicht vorlag. Die verselbständigte Frau mit der Pille in der Handtasche geriet in die Versuchung zu ehelicher Untreue - woraus sich eine scheunentorähnliche Öffnung zum Seitensprung und damit häufig aus der Ehe heraus entwickelte. Das wuchs sich ebenfalls zu einer allgemeinen verringerten Tendenz zur Ehe auf Lebenszeit aus und schwächte so die allgemeine Schutzfunktion des Familienverbands. Von diesem Geflecht psychischer Labilität und bereitliegenden Möglichkeiten kann nichts anderes erwartet werden als Broken-Home-Schicksale in Massen. Solange die Zahl der dabei resultierenden Scheidungswaisen kompensiert wird durch eine mehrheitlich stabile Schicht in der Bevölkerung, mag diese Situation tragbar sein. Sie verursacht aber in Gesellschaften, in denen diese Entwicklung über Generationen anhält, einen Abfall der Prosperität. Denn psychisch überlastete Menschen werden auch in ihrer Arbeitsfähigkeit gemindert. Zu begegnen ist dieser negativen Entwicklung nur durch langfristige Vorbeugungsmaßnahmen: Durch angemessene gesellschaftliche Beachtung und Unterstützung der Familie und das heißt des Diensts der Eltern an ihren Kindern, durch gezielte Ehe- und Erziehungsvorbereitung in den Schulen und durch die Bereitschaft, aus den negativen Entwicklungen zu lernen und konstruktive Schlüsse zu ziehen. Sie aber sind nur möglich, wenn der negativen Entwicklung das heilbringende Konzept einer stabilen Ehe entgegengesetzt wird, wenn neu einsichtig wird, daß das christliche Konzept einer Gemeinschaft, in der die Liebe zum Nächsten Priorität hat, als zukunftsrettende Wahrheit erkannt wird. Dauerhafte Ehefähigkeit setzt opferbereiten Einsatz aller gesellschaftlichen Kräfte für die junge Familie voraus. Unsere Zukunft muß deshalb Umkehr zum Christentum heißen - oder aber es wird sie nicht geben. (Quelle: MEDIZIN & IDEOLOGIE 3/1997, S. 43) | |||