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Nadel, grün

Vom Zeitgeist beseelte Pharisäer: Die Evangelische Kirche in Deutschland

von Herbert Rauter

"Wer suchet, der findet." Bibelkenner wissen: im Alten und im Neuen Testament, notfalls in den Apokryphen, stößt man immer auf ein wohlfeiles Sprüchlein, sei es zur Rechtfertigung eigenen Tuns oder gegen das sündige Verhalten anderer.

Unter Berufung auf "Gottes Wort" redeten die Kirchen im Verlaufe ihrer dunklen Geschichte fast jedes Verbrechen schön und heilig, wenn's ihrem Nutz und Frommen diente. Die blutige Christianisierung der keltischen und germanischen Völker, die barbarische Schändung der griechischen Kultur, die Massaker der Kreuzzüge in Europa und im Orient, die Vertreibung und Ermordung von Häretikern wie den Templern, Hugenotten und Waldensern, die Inquisition und Hexenverfolgung, die gewaltsame "Bekehrung" Dutzender Völker rings um den Erdball - dies alles fand geistlichen Zuspruch bis ins 20. Jahrhundert. Länger und breiter als die Brand- und Blutspur der Kirchen und ihrer Vollstrecker ist wohl nur die des Kommunismus, einer ja gleichfalls brüderlich und "international" wirkenden Ideologie.

Die Oberhirten der Christenheit beherzigten zu allen Zeiten, was ihnen ihr Vordenker Paulus befahl: "Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit, ohne von Gott" (Römer, 13). So mied man Konflikte mit Stärkeren, konnte seine Lehren unter die heidnischen Völkern und seine Schäfchen ins Trockene bringen. Wortgewaltige Kirchenmänner beider Konfessionen schmiedeten unheilige Allianzen mit den weltlichen Mächten – im Dritten Reich nicht anders als in der DDR und in der BRD. Gewiß waren bei einigen ehrenwerte Motive und echte Überzeugungen im Spiel. Man denke an den Wiener Kardinal Innitzer, der 1938 die Wiedervereinigung Österreichs mit dem übrigen Deutschland nicht nur aus taktischen Gründen bejahte, sondern die Erfüllung einer alten deutsch-österreichischen Sehnsucht begrüßte. Er dachte und fühlte wie die überwältigende Mehrheit seiner später so furchtbar enttäuschten Landsleute.

Anpassung an die gerade Tonangebenden, Arbeitsteilung mit den Herrschenden, heißt auch heute wieder die Losung der Kirchen in Deutschland – wobei man der katholischen eine deutlich geringere Konzessionsbereitschaft bescheinigen muß. Abtreibung, verbrauchende Embryonenforschung, Homo-Ehe, Todesspritze für Kranke und ähnliche Themenfelder hat sie noch nicht widerstandslos dem links-liberalen Zeitgeist geopfert.

1968 - Jahr des Heils?

An den Schalthebeln von Staat und Medien sitzen bekanntlich antibürgerliche, meist atheistische Linke, für die es keine höhere Ordnung und schon gar keine nationalen und patriotischen Werte mehr gibt. Insbesondere die Evangelische Kirche hat deren "gesellschaftskritischen" und "emanzipatorischen" Positionen seit der Nachkriegszeit unterstützt, um ihre Komplizenschaft mit dem NS-Regime vergessen zu machen. Die Wunsch- und Feindbilder der Linken sind verblüffend deckungsgleich mit denen vieler Diakone, Pastoren, Prälaten und Bischöfe aus der 68er-Schule. Sie verkünden, wenngleich salbungsvoller, was wir von SPD, PDS und Grünen ebenfalls hören. Häufig gehen die protestantischen Gutmenschen in ihrem typisch deutschen Selbsthaß und in ihren Geldforderungen für Minderheiten und Randgruppen noch über die Zumutungen der weltlichen Genossen hinaus.

So verlangen sie u.a.

  • eine unbegrenzte, ungesteuerte Zuwanderung nach Deutschland,
  • die Aufweichung des laschen, hunderttausendfach mißbrauchten Asylrechts, welches sie - gesetzeswidrig - durch Kirchenasyl unterlaufen,
  • die Ausweitung der kontraproduktiven und fehlgeleiteten Entwicklungshilfe,
  • völligen Schuldenerlaß für die 3. Welt,
  • kirchlichen Segen für Schwulen- und Lesben-Ehen,
  • Lockerung des ohnehin täterfreundlichen Strafrechts,
  • großzügige Entschädigung sog. "Zwangsarbeiter", obwohl 90% laut Auskunft der Bundesregierung schon mindestens einmal entschädigt wurden,
  • Denkmäler für Deserteure der Wehrmacht,
  • weitere Privilegien für Wehrdienst- und Totalverweigerer,
  • und natürlich mehr Geld und Personal für den Kampf gegen "Rechts".

11. Gebot der EKD: "Du sollst Israel dienen!"

Ein festes Ritual bei jedem offiziellen Auftritt evangelischer Amtsinhaber ist die feierliche Solidarisierung mit Israel. Natürlich ohne jeden Hinweis auf die Leiden der Palästinenser, auf die von UN-Kommissionen angeprangerten tausendfachen schweren Menschenrechtsverletzungen im Gazastreifen oder im Westjordanland. Kein Bischofswort zur völkerrechtswidrigen Vertreibungs-, Siedlungs- und Besatzungspolitik der Israelis oder zum alltäglichen Rassismus im gelobten Judenstaat. Wenn Ministerpräsident Sharon empfiehlt, allen Arabern die Hoden abzuschneiden, dann schweigen die sonst moralisch leicht erregbaren Pfaffen in Deutschland. Doch ihren eigenen Landsleuten hämmern sie ein: "Rassismus ist Sünde" (Erklärung der Kirchen vom 8. Mai 2001).

In den neuen Grundsätzen der Badischen Landeskirche vom April 2001 ist zu lesen:

"Die Landeskirche will im Glauben an Jesus Christus und im Gehorsam ihm gegenüber festhalten, was sie mit der Judenheit verbindet. Sie lebt aus der Verheißung, die zuerst an Israel ergangen ist und bezeugt Gottes bleibende Erwählung Israels. Sie beugt sich unter die Schuld der Christenheit am Leiden des jüdischen Volkes und verurteilt alle Formen der Judenfeindlichkeit." Auch die des Martin Luther? Der Reformator verfaßte 1543 die böse Schrift "Von den Lügen der Juden." Zitate daraus seien dem Leser aus sittlichen Erwägungen erspart.

Die Evangelische Kirche postuliert die "bleibende Erwählung Israels". Es wäre interessant zu erfahren, wie Israels Nachbarn darüber denken. Wahrscheinlich ist dieser maßlose Anspruch der EKD für jeden Araber eine ungeheure Diskriminierung, eine haßstiftende Provokation, durchaus vergleichbar mit dem überholten Wahn vom "nordischen Herrenmenschen" in den vierziger Jahren? Es ist kein Zufall, daß diese Auserwähltheits-Parole am Vorabend eines neuen Nahostkrieges ausgegeben wird. "Unser Platz ist an der Seite Israels", versichern ja auch die Kommentatoren der Springer-Presse und Politiker aller Bundestagsparteien. Außenminister Fischer beteuerte kürzlich: Das Wohl Israels sei die eigentliche "Staatsräson" der BRD und Richtschnur seiner Außenpolitik(!).

"Trauerarbeit" linker Gehirnwäscher

In den immer leerer werdenden evangelischen Kirchen zwischen Konstanz und Kiel wird beinah jeden Sonntag die deutsche Vergangenheit bewältigt. Hitlers Geist scheint über den Kanzeln zu schweben - so oft fällt sein Name. Die protestantischen Scham & Schuld-Prediger haben die Nazis nötiger als den Nazarener. Weil ihrer Lehre, ihrem Beispiel, heute die Strahlkraft fehlt, brauchen sie das dämonische Feindbild des unsterblichen Adolf. "Sex sells", sagen Werbefritzen und Zeitungsmacher. Doch Hitler verkauft besser. Das wissen auch die Pfaffen. Mit Führers Hilfe kann man wenigstens die Gemüter erschrecken. Und das Gewissen der Kinder mit "deutscher Schuld" belasten. Herrschen und Manipulieren mit der Gewissenspein - diese moralische Erpressung hat in den Kirchen eine lange Tradition. Schon die Geißler und Ablaßprediger des Mittelalters kannten den Psycho-Mechanismus: Klein und elend sollte das Volk sich fühlen, um Strafe und Vergebung winseln und so der Mutter Kirche stets gehorsam bleiben. Ausschwitz hat das Fegefeuer abgelöst.

Die rot-grünen Umerzieher wissen, was sie an ihren Propagandisten in den Talaren haben. Entsprechend innig ist das Verhältnis zueinander. Ganz anders das Verhältnis der Evangelischen Kirche zu den Landesregierungen Bayerns und Baden-Württembergs. Hier folgt man dem schlechten Beispiel rot-grüner Länder nur zögernd und wendet die Asylparagraphen strenger an. Als Baden-Württemberg vor ein paar Jahren ein Dutzend abgelehnter, z.T. illegaler und straffällig gewordener Immigranten ins Flugzeug setzte, sprach der damalige Landesbischof Engelhard von einer barbarischen, unmenschlichen Abschiebe-Praxis und von "Deportationen"(!). Während der nordrhein-westfälische Innenminister Behrens (SPD) im April verlangte, Zehntausend noch immer in der BRD versorgte Kosovo-Flüchtlinge in die mit deutscher Hilfe wiederaufgebauten Dörfer zurückzuschicken, plädiert die EKD für ein dauerhaftes Bleiberecht aller Balkanflüchtlinge in der BRD.

Wozu hat Deutschland Milliarden Steuergelder in die Balkanprovinzen gepumpt, wenn die neuen Häuser dort leer stehen, sich die früheren Bewohner nicht am Wiederaufbau ihrer Heimat beteiligen wollen? Solche Fragen sind der evangelischen Asylanten-Lobby fremd. Mit Gesetzestexten, Synopsen und Stellungnahmen läuft sie gegen die Rückkehr der Bürgerkriegsflüchtlinge und die Abwehr von Scheinasylanten Sturm. So heißt es zu einer neuen Broschüre der Evangelischen Kirche Badens:

"Einmischung um der Menschenrechte willen"

"Kirche und Diakonie in Baden werden sich aktiv in den europäischen Prozess einer Gestaltung des Asylrechtes einmischen, denn jetzt werden ethische Standards für die nächsten Jahre festgelegt," begründete Pfarrer Wolfgang Weber, Migrationsbeauftragter der Landeskirche Baden sein Engagement. Das Land Baden-Württemberg habe sich immer wieder gegen Vorschläge der zuständigen EU-Kommission für die Gestaltung eines europäischen Asylrechtes ausgesprochen und sich damit zu einer baden-württembergischen Asylpolitik bekannt, die aus "kleinkarierten Restriktionen" bestehe mit dem Ziel, die Zahl der Asylbewerber und Flüchtlinge in Baden-Württemberg zu reduzieren - "koste es die Betroffenen was es wolle", kritisierte Weber.

Im Umgang des Landes mit der Altfallregelung zum Beispiel werde dies deutlich: Während in ganz Deutschland seit Inkrafttreten der Regelung rund 25.000 Altfälle anerkannt wurden, seien es in Baden-Württemberg nur 600 gewesen. Ein weiteres Beispiel sei der Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die allein als Flüchtlinge nach Baden-Württemberg kommen. Da diese oft keine Papiere hätten, werde ihr Alter bei Ankunft geschätzt. Auffällig sei dabei, so Flüchtlingssozialarbeiterin Cornelia Andresen aus Freiburg, dass die meisten Kinder nach Augenschein, in das Alter von 16 Jahren eingestuft würden und damit ohne Unterstützung in ein normales Asylverfahren für Erwachsene müssten. (...)

Außerdem müsse in dem neu entstehenden europäischen Asyl- und Ausländerrecht das Menschenrecht auf Schutz der Familie festgeschrieben werden. Daraus folge zwangsläufig ein Recht auf Familienzusammenführung für Mitglieder der Kernfamilie. Wartefristen würden die Integration von Familien verhindern, so die Diakonie Baden. Sie vertritt damit die konträre Position zum Land Baden-Württemberg, das in dieser Frage auf eine restriktive Position Deutschlands im EU-Rat drängte. Auch in der Frage eines Rechtsschutzes für Asylbewerber, die nach Ablehnung eine Prüfung durch ein Verwaltungsgericht beantragen, sind Landesregierung und Diakonie unterschiedlicher Auffassung." (Zitatende).

Der Präses der Evangelischen Kirchen in Deutschland, Manfred Kock, warb im November auf der EKD-Synode in Braunschweig für eine verstärkte Zuwanderung von Ausländern und beklagte "Vorurteile und Fremdenhaß" unter Deutschen. Vielleicht ist es auch eine Folge dieser extremen Einseitigkeit, daß die Evangelische Kirche von 1991 - 1995 anderthalb Millionen Mitglieder einbüßte? Seither sind es durchschnittlich 150.000 Aussteiger jährlich, die dem Verein der Gutmenschen den Rücken kehren.

Volkstreue und verantwortungsbewußte Deutsche, die sich der verordneten Überfremdung, den endlosen Wiedergutmachungszahlungen und der in der evangelischen Kirche um sich greifenden "Fun"-Kultur widersetzen, werden von der EKD zu Feinden der Menschenheit gestempelt. Weder gegen die Atheisten des 19. Jahrhunderts noch gegen die Kommunisten des 20. Jahrhunderts hat man so schweres Verbalgeschütz von den Kanzeln donnern lassen, wie gegen die "Neue Rechte" unserer Tage. Wenn die eifernden, alljährlich nach Israel pilgernden Beffchenträger nur könnten, so würden sie uns Nationale und Wertkonservative enden lassen wie einst ihre Ketzer. "Nicht ihre Menschenliebe, sondern die Ohnmacht ihrer Menschenliebe hindert die Christen von heute daran, uns zu verbrennen", ahnte schon Nietzsche.


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