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pingreen.gif 1 KB Wie ein Stück Vieh abgeknallt

Die letzten Todesschüsse an der hessisch-thüringischen Grenze zur damaligen DDR werden ein gerichtliches Nachspiel haben.

Die Vierte Strafkammer des Landgerichts Mühlhausen (Thüringen) hat Anklage wegen Totschlags gegen zwei ehemalige Angehörige der DDR-Grenztruppen erhoben, die am 29. März 1982 den damals 34jährigen Traktorfahrer Heinz-Josef Große mit Schüssen aus Maschinenwaffen an der Flucht nach Hessen hinderten. Große starb westlich des Zauns.

Entlang der innerdeutschen Grenze zwischen Hessen und Thüringen wurden zwischen 1949 und 1981 auf östlicher wie westlicher Seite insgesamt 65 Fälle von Schußwaffengebrauch registriert, bei denen Menschen getötet oder schwer verletzt wurden. In 31 Fällen handelte es sich um tödliche Schüsse, abgegeben von DDR-Grenzposten auf sogenannte Republikflüchtige. Gleichwohl hat kaum ein anderer Fall selbst international so großes Aufsehen erregt wie der Tod Großes. Eine Zeitung schrieb damals: "Erbarmungslos abgeknallt wie ein Stück Vieh".

Und das geschah am 29. März 1982 auf dem Sickenberg östlich der hessischen Stadt Bad Sooden-Allendorf: Gegen 15.50 Uhr schwenkt der Traktorfahrer Heinz-Josef Große, der vor dem Metallgitterzaun Kabelgräben für das Grenzmeldenetz ausheben soll, die Baggerschaufeln des Arbeitsgeräts über den Zaun, langt nach seiner Aktentasche und klettert über den Ausleger gen Westen. Zu diesem Zeitpunkt sind seine Bewacher verschwunden. Große gilt als "sicher", hat bei ähnlichen Arbeiten in Grenznähe niemals Verdacht erregt. Die knapp 50 Meter westlich des Zauns bis zum eigentlichen Grenzverlauf werden ihm zum Verhängnis. Gut 30 Meter hat der Mann an dem steilen Berghang zurückgelegt, als um 15.55 Uhr die tödlichen Schüsse fallen.

Die beiden Grenzposten waren zurückgekehrt, gaben Warnschüsse ab und feuerten, als Große aus ihrer Sicht am gegenüberliegenden Hang über der Kante des Metallgitterzauns ins Schußfeld gerät. Der im Hessischen postierte Zollsekretär Martin Range schreit noch "Nicht schießen, nicht schießen." Zu spät, Heinz-Josef Große hebt noch einmal den Kopf und stirbt knapp 20 Meter vor Erreichen der Grenzlinie.

(Die Welt)

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