Der Schriftsteller Stephan Hermlin hat eingeräumt, seine angebliche
KZ-Inhaftierung erfunden zu haben. In einem "Spiegel"-Interview wies
der 81jährige jedoch den Vorwurf des Literaturwissenschaftlers Karl Corino
zurück, seinen Lebenslauf als kommunistischer Widerstandskämpfer in
der NS-Zeit, im spanischen Bürgerkrieg und in der französischen Résistance
weitgehend "Erlogen" zu haben.
Corino hatte als Ergebnis eigener Recherchen behauptet, Hermlin habe seine
Vita mit zahlreichen falschen Angaben entsprechend stilisiert. Hermlin bestätigte,
daß er 1946 in einem Fragebogen der amerikanischen Besatzungsstreitkräfte
fälschlicherweise eine Internierung im KZ Sachsenhausen von Januar bis März
1934 angegeben habe. "Es ist möglich, daß ich glaubte, bei den
Amerikanern größeres Wohlwollen zu finden", begründete
Hermlin seine Lüge und sagte, daß er damals illegal aus der Schweiz
eingereist war: "Um zu überleben, mußte ich mich - damals mehr
als einmal verstellen. Es gibt, sagte einmal der Dichter Aragon, ein ,wahres Lügen'."
Der Schriftsteller räumte auch ein, kein Abitur zu haben: "Thomas
Mann, mit dem ich mich nicht vergleiche, hatte auch keines." Die falsche
Jahresangabe 1944 seiner Emigration aus Frankreich in die Schweiz (tatsächlich
April 1943) führte Hermlin auf sein schlechtes Gedächtnis zurück.
Corino hatte dagegen die Ansicht vertreten, daß Hermlin zumindest auf dem
Papier an dem großen Jahr 1943/1944 der Résistance, "fast bis
zur Befreiung von Paris", hätte teilhaben wollen. Hermlin war nach
eigenen Angaben im französischen Lager Nexon interniert. Im Sonderheft der
Zeitschrift "Aufbau" zum Tode Stalins hatte der Schriftsteller
geschrieben: "Ich entsinne mich schwerster Stunden im
Konzentrationslager..." Der Lagerkommandant habe ihn aber freigelassen, als
er - Hermlin - von einer irrtümlichen Internierung gesprochen habe. "Vielleicht
sympathiesierte er auch mit Emigranten" , meinte Hermlin. Hermlin legte
trotz vieler Aufforderungen sein Amt als Vizepräsident des internationalen
PEN nicht nieder. |