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pingreen.gif 1 KB Ob bei den Nazis oder SED: Viele ev. Kirchenführer waren linientreu

Auf Parallelen in der Haltung der evangelischen Kirchen gegenüber den beiden Diktaturen in Deutschland hat der Kirchenhistoriker Prof. Gerhard Besier (Heidelberg) hingewiesen. Sowohl im Nationalsozialismus als auch im real-existierenden Sozialismus in der DDR hatten einzelne Christen Widerstand geleistet. Von Opposition der Kirchen könne aber nicht die Rede sein.

Im Gegenteil hätten sich gewichtige Teile der Bekennenden Kirche im Dritten Reich wie des evangelischen Kirchenbundes in der DDR von einzelnen Christen und Gruppen distanziert, deren Verhalten sie als politisch motiviert angesehen hätten, sagte Besier in einem Vortrag an der Universität Göttingen. Sowohl unter der Nazi- als auch der SED-Diktatur seien die evangelischen Kirchen auf Bestandserhaltung bedacht gewesen. Die Bekennende Kirche habe sich zu keiner Zeit als Widerstandsbewegung verstanden. Ihr sei es vielmehr "um die Bewahrung der reinen Lehre in der Kirche" und um Unabhängigkeit gegenüber dem NS-Staat gegangen. Die große Mehrheit der Kirchenleitungen in der DDR sei zum Teil bis 1989 bei einem Kurs des partnerschaftlichen Verhältnisses zum Staat geblieben, "obwohl dieser sich nie wirklich partnerschaftlich verhalten hatte" . Sie hätten geglaubt, mit Loyalitätserklärungen, De-Eskalationsstrategien und einer Würdigung der außen- und innenpolitischen Leistungen des SED-Regimes dessen Partner werden zu können. Besier: "Doch die Solidarität mit dem Staat zahlte sich nicht aus."

Einzelne Theologen - teilweise in kirchenleitender Verantwortung - hätten die Protestbewegungen unterstützt. Als Beispiele nennt Besier die heute im Ruhestand lebenden Bischöfe Hans-Joachim Fränkel und Werner Krusche in ihren frühen Jahren, Gottfried Forck, Propst Heino Falcke sowie die Pfarrer Rainer Eppelmann - heute CDU-Bundestagsabgeordneter -, Rudi Pahnke und Christoph Wonneberger.

Diese Oppositionellen seien ins Visier der Stasi geraten und hätten Unsägliches erlitten: "Man folterte sie psychisch, indem man ihre Freundschafts-, Liebes- und Ehebindungen aufzubrechen suchte, sie isolierte und diffamierte." Der Kirchenhistoriker verweist aber auch auf Unterschiede hinsichtlich der kirchlichen Situation in beiden Diktaturen. So habe es im SED-Staat keine den "Deutschen Christen" direkt vergleichbare theologische Bewegung gegeben.

Die ideologischen Voraussetzungen der atheistisch-sozialistischen DDR-Gesellschaft hätten keine partielle Verschmelzung mit christlichen Weltanschauungselementen erlaubt. Der Kirchenhistoriker erinnerte daran, daß seit den sechziger Jahren im deutschen Protestantismus eine zunehmende Option für sozialistische Utoptien feststellbar gewesen sei. Deshalb sei es nicht verwunderlich, daß nur wenige Jahre nach dem Zusammenbruch des Sozialismus keine innere Distanz von dieser Ideologie erfolgt sei: "Ähnlich wie in den frühen fünfziger Jahren viele alte Volksgenossen zwischen dem vermeintlich hehren NS-Gedankengut und seiner schlechten Umsetzung unterschieden, bemühen sich auch heute die geistigen Altgenossen wieder um eine Differenzierung zwischen Theorie und Praxis des Sozialismus."

Zwei Millionen Bundesbürger in den Akten der Stasi erfaßt

Die Kontakte der Stasi in die alte Bundesrepublik Deutschland sind nach neuen Erkenntnissen der Gauck-Behörde weitaus umfangreicher als bisher angenommen. Nach Angaben von Behörden- Direktor Peter Busse sind von der Stasi zwei Millionen Bundesbürger erfaßt worden, doppelt so viele wie bislang bekannt. Für Westdeutsche sei es lohnend, einen Antrag auf Akteneinsicht zu stellen. "Die Westdeutschen sind landläufig der Auffassung, nicht ins Visier der Stasi geraten zu sein", sagte Busse. Bisherige Statistiken über die Gesamtzahl der personenbezogenen Akten (Opfer und Täter) fußten auf der Zentralkartei "F 16" , in der sechs Millionen Menschen - darunter eine Million Bundesbürger - erfaßt wurden. Inzwischen sei jedoch sicher, daß eine weitere Million Bundesbürger erfaßt worden sei.

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