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Dr. Lorenz war sozialethischer Referent der Studienabteilung des Lutherischen Weltbundes in Genf von 1979 bis 1984. Der LWB gilt seit Jahrzehnten als marxistisch unterwandert, ähnlich wie der Weltkirchenrat. Der heute als Pfarrer in Heidelberg wirkende ev. Theologe ist Vorstandsmitglied der deutschen Sektion des Ostkirchen-Forschungsinstitutes "Glaube in der 2. Welt" , Zollikon bei Zürich. Mit den Thesen von Golitsyn haben sich bisher nur christliche Journalisten in den USA und Kanada beschäftigt, wo die Bücher großes Aufsehen erregten. Deutsche Übersetzungen liegen noch immer nicht vor. Es folgen nun Auszüge aus dem Artikel von Dr. Lorenz: Und das sind die grundsätzlichen Thesen des einstigen Spitzenmannes des Geheimdienstes: "Glasnost'' und "Perestrojka", der Fall der Berliner Mauer wie der "Zusammenbruch" des Kommunismus sind Bausteine eines langfristigen strategisch geplanten Täuschungsmanövers gegen den Westen. Nach jahrzehntelanger Vorbereitung seien seit 1985 Spezialisten der psychologischen Kriegsführung der UdSSR rastlos dabei, den Eliten der freiheitlichen Demokratien, insbesondere ihren Multiplikatoren, einen demokratischen Systemwandel in Osteuropa vorzugaukeln mit dem Ziel, westliche Wachsamkeit und Verteidigungsbereitschaft (u.a. auch die US-Truppen in Westeuropa) zu reduzieren. Dies wiederum als Voraussetzung für eine Weltrevolution, wobei die letzten noch stabilen Demokratien, inzwischen militärisch nahezu schutzlos, in der Endphase durch Kombination von gezielter Energieverknappung, inneren Unruhen und militärischer Drohung bzw. Invasion der Hegemonie Moskaus unterworfen würden. "Unmöglich!'' möchte man meinen. Gelangen doch nahezu täglich Meldungen in den Westen, wonach sich der "kranke Mann heute mehr am Bosporus, sondern an der Moskwa sitzt. Da weigert sich etwa eine russische U-Bootbesatzung aus dem Hafen von Murmansk auszulaufen, da sie keinen Sold erhalten hat - vor wenigen Jahren noch ein Grund für die sofortige Hinrichtung der Offiziere. Da führt das kleine, unabhängig werden wollende Volk der Tschetschenen in tollkühnen Aktionen die russische Regierung einer staunenden Weltöffentlichkeit vor. Unerfahrenste Rekruten wirft Moskau in die Schlacht um Grosny, was entsetzliche Verluste zur Folge hat. Das zum Europarat - also zu Europa gehörende Rußland führt seit 17 Monaten Bürgerkrieg, bei dem 40 000 Menschen getötet wurden. Der Waffenstillstand nach Pfingsten wird von vielen Medien nur als "Atempause" in dem ungelösten Konflikt beurteilt. Die "demokratische" Regierung Rußlands ragt wie ein um Haaresbreite sinkendes Schiff aus der Brandung empor, umtobt von wirtwirtschaftlichen und politischen Krisen, geboren aus dem ersten Putschversuch, den zweiten knapp überlebt, parlamentarisch gelähmt durch Schirinowski-Faschisten und Neokommunisten. Der "Umbau" der alten Sowjetgesellschaft scheint unendlich gefährdet. Wen wundert's, daß er nicht recht vorankommt? Doch all dies ist lediglich inszeniert, so Golitsyn, um den Westen zu täuschen, bei ihm abzukassieren und seine wirtschaftliche Katastrophe als Voraussetzung des politischen Endes zu beschleunigen. Der aber zahlt und zahlt, um den "endgültigen" Umbau des Sowjetregimes zu finanzieren. In den dieser Tage in Deutschland erschienenen Memoiren des US-Außenministers während der Wende-Jahre in Osteuropa, James A. Baker, wird der damalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow, über den Verbleib von Milliarden deutscher Steuergelder zur Hilfe für die Sowjetunion bzw. Rußland mit den Worten zitiert: " Dinge verschwinden hier einfach. Wir haben eine Menge Geld für die deutsche Wiedervereinigung bekommen, aber als wir unsere Leute anriefen und danach fragten, sagten sie, sie wüßten nicht, wo es geblieben sei." Wer ist dieser lästige "Verschwörungstheoretiker", der so wenig Schmeichelhaftes über die Wachsamkeit der westlichen "Informationsgesellschaft'' behauptet? - "Wahrscheinlich der informativste aller KGB-Überläufer. Golitsyns Enthüllungen führten zur Festnahme zahlreicher Sowjetagenten in England und Frankreich. Er trug enorm zur allgemeinen Kenntnis des KGB und seiner Aktionen gegen die westliche Welt bei. 1926 in der Ukraine geboren, trat Golitsyn 1946 dem KGB bei, studierte in der Moskauer Hochschule für militärische Spionageabwehr und diente in Abteilungen, die für Maßnahmen in den USA und England zuständig sind. Später wirkte er als leitender Analytiker in der für die NATO zuständigen Informationsabteilung des sowjetischen Geheimdienstes ... Er war 1961 als KGB-Major in Helsinki zur ClA übergelaufen", berichtet der Brite Chapman Pincher in seinem Buch "Der geheime Angriff" (London 1985). Golitsyn, der für seinen Beitrag zur westlichen Sicherheit zahlreiche Ehrungen von westlichen Staaten erhielt, übermittelte seit 1961 der CIA regelmäßig Memoranden zur Entwicklung der kommunistischen Weltbewegung. 1984 publizierte er schließlich einen Weckruf an die freie Welt: "Neue Lügen anstelle der alten" (New York). KGB-Chef Schelepin selbst habe 1959 wenigen Offizieren, darunter Golitsyn, einen heimtückischen Plan erläutert: Nach einer demonstrativ eisigen Phase des "Kalten Krieges" werde der kommunistische Block plötzlich Risse bekommen, zunächst zwischen Moskau und Peking. (Der Militärkonflikt am Ussuri 1969 sei, so Golitsyn, lediglich ein "potemkinsches Dorf" der kommunistischen Medien gewesen). Der "Prager Frühling" von 1967 sowie die polnische Arbeiterbewegung ,,Solidarität'' von 1979 sollten in westlichen Köpfen das Bild entstehen lassen, der Kommunismus sei aus sich heraus zur Reform fähig. Die Reform werde dann unter erheblicher Begleitmusik der Medien eingeläutet durch die Legalisierung von (agentengelenkten) Oppositionsparteien (führende Köpfe auch der Revolution in der DDR waren von der Stasi: Wolfgang Schnur, Chef der ersten größeren Widerstandsbewegung überhaupt, des "Demokratischen Aufbruchs" , und Ibrahim Böhme, erster Geschäftsführer und danach Vorsitzender der SPD in der DDR, durch Religionsfreiheit und Menschenrechte, Marktwirtschaft, die Öffnung der Grenzen sowie ein gigantisches "Abrüstungstheater". Andrej Sacharow und Alexander Dubcek würden hohe politische Ämter erhalten, der gefürchtete KGB aufgelöst. Golitsyns Prognose von 1984 bestätigte sich 1989 bis 1991 mit einer Treffgenauigkeit von 94 Prozent, errechnete der US-Autor Mark Riebling in seinem Buch "Die Spitze des Eisbergs. Der geheime Krieg zwischen FBI und CIA" (New York 1994). Die fehlenden sechs Prozent bestätigen sich in der Gegenwart. Dazu zählt vor allem die Rückkehr vieler "gewendeter" kommunistischer Parteien Osteuropas an die Macht (mit nur einer bedeutenden Ausnahme: Tschechien). Das dramatischste Beispiel ist die Wahl des Ex-Kommunisten Aleksander Kwasniewski zum polnischen Staatspräsidenten, der bereits im Wahlkampf als Lügner entlarvt wurde, sowie die Enthüllung der "privaten" KGB-Kontakte des polnischen Ministerpräsidenten Josef Olesky. Eine erdrückende Fülle von Fakten spricht für Golitsyns Sicht: Die Öffnung der Berliner Mauer war geplant. Der sowjetische Diplomat Stanislaw Tscherniawski hat sie im November 1987 , exakt zwei Jahre vorher, auf einem Vortrag in der Ökumenischen Akademie Bossey bei Genf angekündigt. Die These, daß der KGB die Wende in der DDR und in anderen Staaten des Warschauer Paktes mitinitiierte, haben 1993 auch Ralf Georg Reuth (damals Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Andreas Bönte (TV-Magazin "Report") nach Einsicht in Geheimpapiere in ihrem Buch "Das Komplott'' (Verlag Piper) behauptet. | |||