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pingreen.gif 1 KB "Immer am A... des Klassenfeindes!"

Als Honi Biermann aus der DDR werfen ließ, da war die musisch auf das rosarote Übermorgen layoutete Künstler-Schickeria Ostberlins krachsauer. Da fanden die Genossen Schriftsteller und Beinahe-Genossen Schauspieler & Sänger, daß die Partei denn doch bei aller Bedrohung durch den Klassenfeind zu weit gegangen sei. Denn einmal sei Biermann ja allemal ein echter DDRler, und zum anderen wolle man ja nicht auf das Privileg gelegentlicher Schelte verzichten, die ja doch letztlich der Partei helfe, um auf die richtigen sozialistischen Sprünge zu kommen, mit denen dann alle endgelöst auf dem roten Planeten Marx das kommunistische Paradies erleben würden.

von Reginald Rudorf

Und Manne Krug, der letzte DDR-Held mit dem authentisch auf der Stirnglatze proletarisch eingebrannten Stahlwerkercharme, beschloß, ein Treff mit solch antifaschistischen Paradiesvögeln wie Stefan Heym & Christa Wolf auf Band zu nehmen. Heimlich. Denn: Ehrengast des Plauschs in Krugs Ostberliner Villa war ZK-Obergenosse Werner Lamberz, der - fälschlich - lange Zeit als Honeckers Kronprinz galt, ehe sein Hubschrauber über Libyen ghaddafimäßig zum Absturz gebracht wurde. 1978. Lamberz war in der SED-Hierarchie "der Mann für die Spinner" (Honecker), also für die Genossen Kulturschaffenden der DDR, denen ein gewisser Abweichungsrabatt eingeräumt wurde. Den hatte Biermann überschritten. Manfred Krug hat nun dieses Tonband abgeschrieben - und dazu die letzten Wochen seines DDR-Daseins in Tagebuch-Form.

Ich habe dieses Krugsche Stück absoluter DDR-Mief-Authentizität in einem Zug runtergelesen: Die Sklavensprache der Schlesingers, die lieber in Übereinstimmung mit der Partei leben möchten und vor lauter In-Die-Hosen-Machen, keine Differenzen mit der gottgewollten letzten Instanz für Wahrheiten haben mochten. Krug hat für solche gottgewollten Ergebenheitsadressen und sonstigen verbalen Schleimabsonderungen der spätsozialistischen Literaturnixe immer die deftige Trefferspreche zur Hand: "Man sieht's ja, die Leute hängen immer am Arsch des vom Klassenfein rum..." Was hätte eigentlich die DDR - und der große rote Bruder zu Moskau - gemacht, wenn Lenin nicht die herrliche Idee vom Klassenfeind gefunden hätte, den man zu liquidieren hatte? Die gesamte Debatte bei Krug liest sich etwa so: Die Partei hat immer recht. Sie hat Biermann nur falsch verstanden. Da kann man nur, um Krug zu zitieren, mit ADN silberhell kichern. Krug hatte mit dieser DDR nichts mehr zu tun, vor allem nachdem diese am 5. Mai 1977 ein Gesetz beschlossen hatte (§ 220), danach jeder vor den Kadi kommen konnte, der in der Öffentlichkeit die DDR herabwürdige. Genau das war's dann für Krug: Ihn hatte der real existierende Sozialismus krank und unglücklich gemacht (S. 204). Als Lamberz nach dem Mitschnitt-Meeting Krug traf, wollte er den vor dem DDR-Verlassen retten, und bot Krug an, für eine Weile in Kuba zu arbeiten. Als Fidel Krug. Krug ging. Die DDR ging ein. Lamberz flöten. Und Castro pfeift aus dem letzten Loch.

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