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pingreen.gif 1 KB Eingesperrt und nie mehr frei

Stefan Priebe, Doris Denis, Michael Bauer: "Eingesperrt und nie mehr frei", Psychisches Leiden nach politischer Haft in der DDR, Steinkopff-Verlag, Darmstadt 1996, 106 Seiten, 39,- DM.

von Erhard Göhl

Dieses Buch mit seinen 106 Seiten wendet sich vor allem an alle, die in ihrer täglichen Arbeit mit Menschen zu tun haben, die unter psychischen Störungen und Beschwerden aufgrund politischer Inhaftierung in der ehemaligen DDR leiden.

12 Autoren, Fach-Professoren, Mediziner und wissenschaftliche Mitarbeiter von Universitäten und Kliniken aus der Bundesrepublik Deutschland und dem europäischen Ausland haben hier ihre Untersuchungen und Forschungsergebnisse veröffentlicht. Gefördert, und damit überhaupt erst möglich, wurde diese Arbeit durch die Robert- Bosch-Stiftung. Aus der Sicht der politisch verfolgten und DDR-Opfer ist den Herausgebern von der Abteilung für Sozialpsychiatrie der Freien Universität Berlin für die wissenschaftlichen Begründungen von psychischen Leiden ganz besonders zu danken. Natürlich sind die untersuchten und beschriebenen Leiden und Beschwerden nicht neu. Sie sind bereits seit Anfang der 50er Jahre bekannt. Über 100 000 kamen bis 1989 mit diesen Gesundheitsstörungen in das freie Westdeutschland. Kaum einer der dafür zuständigen Fachärzte oder Psychiater hat sie ernst genommen, am wenigsten die für die Anerkennung von Verfolgungsschäden zuständigen Versorgungsämter. Keiner der bisherigen Bundesregierungen hat zu diesen Leiden wissenschaftliche Untersuchungen oder Forschungen anstellen lassen oder dafür Finanzmittel bereitgestellt. Spätestens seit 1980 hätte dies auch in der Bundesrepublik Deutschland geschehen müssen, nachdem in den USA eine wissenschaftliche Konzeption zur Diagnose aufgrund posttraumatischer Erfahrungen entwickelt wurde. Psychische Leiden nach politischer (kommunistischer) Haft paßte nicht in das allgemeine "Entspannungskonzept" , womit die ehemaligen Opfer ein weiteres Mal bestraft wurden.

Daß diese wissenschaftliche Arbeit erst nach 1989 begonnen wurde, hat allerdings den Vorteil, auch aus MfS-Kaderakten zu Zitieren, um psychischen Mißbrauch politisch Verfolgter zu belegen. Untersucht und festgestellt wurden u.a. psychische Störungen infolge politischer Repressalien, Posttraumatische Belastungsstörungen bei politisch Inhaftierten. Als falsch, nach meiner Meinung, ist die Schlußfolgerung der "Halle-Studie" (S. 66) zu bezeichnen: "Die Forderung der Opfer nach Aufarbeitung die dieses Teils deutscher Geschichte, nach Erinnerung an Haft, Folter und Tod, stieß auf den Wunsch nach Vergessen und Verdrängen, wird von ehemaligen Systemträgern und einigen Westpolitikern in die Öffentlichkeit getragen, keinesfalls von ,breiten Schichten'."

Wie es sich für eine solide wissenschaftliche Arbeit gehört, ist auch dieses Buch mit einem umfangreichen Literaturverzeichnis, Glossar und Autorenverzeichnis versehen. Das Adreß-Verzeichnis der Opferverbände, Gedenkstätten und Stiftungen ist leider um Jahre veraltet, unvollständig und kaum noch brauchbar. Da es keineswegs sicher ist, daß Fachärzte, Versorgungsämter oder Sozialgerichte, sowie Vertreter von VdK und Reichsbund sich mit diesem ausgesprochenen wissenschaftlichen Sachbuch vertraut gemacht haben, ist dieses jedem ehemaligen politischen Häftling zu empfehlen, welcher noch Ansprüche an die Versorgungsämter hat. Dieses Buch sollte auch dazu beitragen, den Opfern politischer Verfolgung einen gebührenden Platz in der öffentlichen Diskussion zu verschaffen, nicht nur den Tätern, wie in der Vergangenheit zu oft geschehen.

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