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pingreen.gif 1 KB Ehrendoktorwürde für Karl-Wilhelm Fricke

Karl-Wilhelm Fricke, ehemaliger pol. Häftling und danach lange Zeit Leiter der Ost- Westabteilung des Deutschlandfunks, machte sich einen Namen als Autor von Standardwerken über die Verletzungen der Menschenrechte in der DDR. Besonders durch seine Bücher "Politik und Justiz in der DDR", "Die DDR-Staatssicherheit" und "Zur Menschen- und Grundrechts-Situation politischer Gefangener in der DDR" hat er sich als profunder Sachkenner ausgewiesen. Nun erhielt er von der Freien Universität Berlin die Ehrendoktorwürde verliehen. Es folgt ein Auszug aus seiner Dankrede:

Zur Botschaft des Widerstandes im Deutschland der Diktaturen - erlauben Sie mir, ehe ich dazu einiges sage, daß ich meinen tief empfundenen Dank bekunde: meinen Dank für die hohe akademische Ehrung, die mir heute zuteil wird. Sie bewegt mich naturgemäß sehr, Dank also den Damen und Herren der Promotionskommission und des Rates des Fachbereichs Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin, ebenso Ihnen, lieber Herr Rytlewski, und Ihnen, lieber Herr Steinbach, für das, was Sie in dieser Entscheidungsfindung getan haben. Einbeziehen in diesen Dank darf ich auch Herrn Prof. Manfred Wilke. Und nicht zuletzt danke ich Ihnen, lieber Hermann Rudolph, dafür, daß Sie es gemeinsam mit Peter Steinbach übernommen haben, hier und heute so viel Freundlichkeit und Lob über mich und meine Arbeit auszubreiten.

Eigentlich habe ich mich niemals, das bekenne ich, zum Wissenschaftler berufen gefühlt. Ich habe mich, zumal als Redakteur des Deutschlandfunks, immer als Journalist und Publizist empfunden. Allerdings habe ich meine Aufsätze - vornehmlich die im "Deutschen Archiv" , wo ich immer eine publizistische Plattform gehabt habe - und meine Bücher stets so zu schreiben mich bemüht, daß auch Historiker, Journalisten und Politologen sie ernsthaft zur Kenntnis nehmen konnten. Schließlich hatte ich mir während meiner Studien das wissenschaftliche Rüstzeug zu erarbeiten versucht, das mir für die journalistische Arbeit unverzichtbar erschien - wobei ich das Glück hatte, gerade hier im Berlin der frühen fünfziger Jahre an der Deutschen Hochschule für Politik akademische Lehrer zu treffen , die mein Denken geschärft und nachhaltig beeinflußt haben - Otto Stammer etwa, Ossip K. Flechtheim, Ernst Fraenkel, Martin Drath, um einige Namen zu nennen. Auch später im Beruf habe ich von der Wissenschaft, namentlich von der DDR-Forschung, viel profitiert. Die Arbeiten von Hermann Weber in Mannhelm oder von Ernst Richert und Peter Christian Ludz in Berlin waren mir als Journalist auch da richtungsweisend, wo ich gelegentlich anderer Meinung war. Natürlich beglückt es mich ungemein, daß meine Arbeit nun eine akademische Anerkennung erfährt, die ich nie erwartet habe, die ich aber in Dankbarkeit entgegennehme und nicht ohne Demut.

Die Ehrung, die ich heute erfahren darf, ist für mich auch deshalb so bewegend, weil sie mir seitens der Freien Universität Berlin erwiesen wird - einer Universität, die sich im Wahlspruch ihres Siegels zu "Veritas /lustitia/Ubertas" bekennt. Die FU selbst ist eine Schöpfung aus jenem "Geiste der Selbstbehauptung", der in ihrem Gründungsaufruf vom 24. Juli 1948 - ich zitiere: "zum zweiten Male das Joch des totalitären Zwanges auflegen zu lassen und das Gut der Freiheit preiszugeben." Selbstbehauptung und Widerstand - das waren Begriffe, die schon frühzeitig in der sowjetischen Zone und später in der DDR politisches Denken zu bestimmen begannen, auch mein eigenes. Insofern war dort auch die Gründung der FU von vornherein von Sympathie und Solidarität begleitet.

Vor diesem Hintergrund war es eine glückliche Idee, die Verleihung der Ehrendoktorwürde an mich mit der Diplom-Abschlußfeier des Sommer-Semesters 1996 zu verbinden. Sie, die Sie heute Ihr Diplom als Politologen der FU entgegennehmen, werden am ehesten einen Sinn haben für das, was ich die Botschaft des Widerstandes im Deutschland der Diktaturen nenne. Gemeint ist derselbe Geist der Selbstbehauptung und des Widerstandes, aus dem die FU vor achtundvierzig Jahren geboren wurde und der mir keineswegs anachronistisch, sondern konstitutiv für das demokratische Selbstbewußtseins heute zu sein scheint."

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