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Dr. Marcus Gossler: Kunst
und Pseudokunst (...) In der Literatur kommt noch dazu, daß
überdurchschnittliche Fähigkeiten des elaborierten und
stilistisch hochwertigen sprachlichen Ausdrucks bevorzugt in den höheren
Gesellschaftsschichten auftreten (ein Zusammenhang, der sich etwa in
der bildenden Kunst nicht beobachten läßt). Damit ist die
Sprachkunst nicht nur, wie jede Kunst, elitär im Sinne ungleich
verteilter Begabungen, sondern überdies ein Symbol für die
den Sozialisten verhaßte kulturelle Vorherrschaft des Bildungsbürgertums.
Die schöne Literatur ist ein Klassenfeind, der bewußt und
systematisch proletarisiert wird. Das Mittel dazu ist weniger der oft
auffallend mutwillig benützte vulgäre Wortschatz (der auch
schon ohne Ideologie in der Hoffnung auf seine publicityfördernde
Schockwirkung eingesetzt wurde), als vielmehr die Bevorzugung eines
primitiven, restringierten Sprach-Codes, wie er für die
Unterschichten jeder Gesellschaft charakteristisch ist. Auf diese
Weise soll das sprachliche Defizit (genauer: der sprachliche Ausdruck
des allgemeinen intellektuellen Defizits) des Proletariats auf die
gesamte Sprechergemeinschaft übergreifen, wodurch die der linken
Ideologie widersprechenden geistigen Unterschiede camoufliert werden.
Zudem können sich nunmehr auch solche Menschen literarisch betätigen,
die eine geistig anspruchsvolle, elaborierte Sprache selbst gar nicht
beherrschen. (...) |