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(...) Die SED-Nachfolgerin, die "Partei des Demokratischen Sozialismus" (PDS) hält unvermindert an den Sympathien der ehemaligen Staatspartei für den Klassenkämpfer, Sozialisten, "Enthüller" mit verschiedenen Identitäten fest. Die PDS-nahe "Sozialistische Tageszeitung" NEUES DEUTSCHLAND (vormals das Zentralorgan der SED) widmete ihm im Juli 1991 eine ganze Druckseite und veröffentlichte unter der Überschrift "Ansichten zur Zeit - Ich finde, der Traum fängt erst richtig an" ein mit Wallraff geführtes Interview. Darin sprach dieser unter anderem über den angeblichen "Neokolonialismus in Deutschland" und bekannte sich "wieder als Sozialist". Nach den Hinweisen von "Super!" auf die Verstrickungen Wallraffs mit dem SED-Regime sprang das "Neue Deutschland" für ihn in die Bresche. Die "Sozialistische Tageszeitung" nennt Wallraff, "der sich als Sozialist bekennt", einen mutigen Mann, der immer wieder aufgedeckt habe, "was die Mächtigen in der BRD gern verheimlicht hätten". Nun werde dieser Mann wieder einmal einer Rufmordkampagne und gar einer Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt, jammerte das "Neue Deutschland". |
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Günter Wallraff: Sozialist, Klassenkämpfer, Schriftsteller, Enthüller - Kumpanei mit dem SED-Staat |
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von Helmut Bärwald Günter Wallraff ist im Sommer 2003 im Zusammenhang mit den sogenannten "Rosenholz"-Unterlagen bei der Dienststelle des Bundesbeauftragten für die Akten des ehemaligen DDR-Ministeriums für Staatssicherheit wieder einmal als angeblicher IM des MfS ins Gerede gekommen. Diese Behauptungen sind erstens einmal nicht neu und zweitens inkorrekt. Wallraff war einer der vielen aktiven "Westarbeiter" im freien Teil Deutschlands, der über mannigfache Kontakte zu einem der wichtigsten "Westarbeits"-Apparate des SED-Staates, zum "Institut für Internationale Politik und Wirtschaft" (IPW) verfügte. Diese, unmittelbar dem "Ministerrat der DDR" unterstellte Institution hatte wiederum engste Verbindungen zum Ministerium für Staatssicherheit. Nachstehend wird ein unwesentlich gekürzter Artikel, der erstmals Mitte der neunziger Jahre veröffentlicht wurde, als Hintergrundmaterial wiedergegeben. Keinesfalls überraschend für altgediente Abwehr- und Sicherheitsleute in der "alten" Bundesrepublik Deutschland tauchten Mitte Februar 1992 Hinweise auf Verstrickungen des klassenkämpferischen Politschriftstellers und "Enthüllungs-Spezialisten" Günter Wallraff in die Apparatur des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) bzw. in das Westarbeits-System des SED-Staates auf. Das in den neuen Bundesländern erscheinende Massenblatt "Super!" berichtete unter der Schlagzeile "Auch Wallraff von Stasi gelenkt?", der "gefeiertste Enthüllungsjournalist der alten Bundesländer" sei ein "Einflußagent" der Staatssicherheit gewesen. Angeblich sei Wallraff seit 1968 unter den Decknamen "Wagner" und "Walküre" regelmäßig mit dem MfS in Kontakt getreten. "Super!" zitiert auch einen angeblichen ehemaligen Stasi-Offizier mit den Worten: "Wallraff war einer unserer wichtigsten Agenten zur Destabilisierung der Bundesrepublik". Die sogenannte "Gauck-Behörde", der "Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR", erklärte umgehend, ihr lägen keine Unterlagen über Stasi-Verstrickungen Wallraffs vor. Jedoch müsse auch berücksichtigt werden, daß sehr viele, vor allem operative Vorgänge der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des MfS noch vor der Beschlagnahme der MfS-Akten vernichtet worden sind. So weit, so richtig. Da jedoch anzunehmen ist, daß Wallraff gar nicht unmittelbar an der HVA "angebunden" war, könnte gewiß manches andere Archiv Aufschluß über die Kumpanei Wallraffs mit der Westarbeit, mit der vielschichtig organisierten politisch-psychologischen Kriegsführung des SED-Staates geben. Es ist unerheblich, wem das Interesse des SED-Regimes mehr galt: Dem Klassenkämpfer und Sozialisten Wallraff oder vielmehr dessem "Werk", dessen Aktionen, Informationen und Erzeugnissen. Zu den wichtigsten Institutionen der gegen die Bundesrepublik Deutschland und deren freiheitliche demokratische Grundordnung operierenden "Westarbeit" gehörten die Westabteilung des Zentralkomitees der SED und das Institut für Politik und Wirtschaft (IPW). Dazu kamen die Westarbeits-Referate in den "Massenorganisationen" (z. B. FDJ, FDGB) und Parteien sowie in den meisten Ministerien; zum Beispiel auch im Ministerium für Kultur oder im Presseamt beim Vorsitzenden des Ministerrates der DDR. Das 1971 gebildete IPW hielt über eine spezielle, in der IPW-Spitze angesiedelte Arbeitsgruppe die kontinuierlichen und sehr engen Verbindungen sowohl zum Ministerrat als auch zur Hauptverwaltung Aufklärung des MfS aufrecht und arbeitete mit dieser zusammen. Über die Nutzung von Medien, von Publizisten und Schriftstellern in nicht von Kommunisten regierten Ländern zur Durchführung "aktiver Maßnahmen" im Rahmen der politisch-psychologischen Kriegsführung der Kommunisten und deren "antiimperialistischen Kampfes"; wie über die Tätigkeit und die Rolle sogenannter Einflußagenten ist in den vergangenen Jahrzehnten viel Sachkundiges veröffentlicht worden. Einflußagenten handeln entweder mit Vorsatz, aus Überzeugung; oder in törichter Naivität oder Eitelkeit. Nur in außergewöhnlich seltenen Fällen haben sie bei irgendeinem gegnerischen Geheimdienst eine "Verpflichtungserklärung" unterschrieben. Der bulgarische Kommunist Georg Dimitroff, bis 1943 Generalsekretär der Kommunistischen Internationale, hat sich einmal anerkennend über diejenigen ausgelassen, die, ohne Mitglied einer kommunistischen Partei zu sein, mit dem Kommunismus sympathisieren und manchmal mehr wert sind, als militante Kommunisten. Denn, so meinte Dimitroff, die Tätigkeit, die keinen Widerstand erzeugt, sei viel wirksamer, als ein Frontalangriff der Kommunisten. Als Beispiele für solche den Kommunisten nützliche Helfer nannte der KOMINTERN-Generalsekretär Universitätsprofessoren, Generäle, Gewerkschaftsfunktionäre und Schriftsteller. Wallraff hat bei vielen Volksfrontaktionen in der Bundesrepublik Deutschland, die jeweils mehr oder weniger vom SED-Regime unterstützt und finanziell subventioniert wurden, mitgewirkt. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Carl-Dieter Spranger, in den achtziger Jahren lange Zeit Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, schrieb im "Deutschland-Union-Dienst" vom 29. April 1976, daß Wallraff in der linksextremistischen Publikation "Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" (ID) vom 17. April 1976 neue Aktionen kündigte. Nach den bisherigen Erfahrungen würden diese ein weiterer Versuch sein, die öffentliche Meinung gegen freiheitlich-demokratische Kräfte und zugunsten von Kommunismus und Linksradikalismus zu beeinflussen. Spranger kam zu dem Schluß: "In Verbindung mit seinen Methoden oder Ansichten gewinnt so das Bild des Volksfront-Aktivisten Wallraff als Typ des kommunistischen Einflußagenten feste Konturen." Der von dem Sicherheitsexperten Spranger erwähnte "Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" (ID) erschien ab Mitte der siebziger Jahre über lange Zeit hinweg regelmäßig. Hinter diesem "ID" standen anarcho-kommunistische und andere linksextremistische Gruppen und Einzelpersonen, sowie sogenannte "Gefangenenräte". Im November 1973 erklärte das "Kollektiv" des "ID" zum Konzept dieses Informationsdienstes:
Dem "Beirat des ID" gehörten unter anderem die Schriftstellerin Ingeborg Drewitz und die Schriftsteller Peter O. Chotjewitz und Gerhard Zwerenz an, die des weiteren höchst aktive Mitglieder des volksfrontartig organisierten und operierenden, kräftig linksdriftigen "Presseausschusses (Pressedienstes) Demokratische Initiative" (PDI) mit Sitz in München waren. Zu den aktiven Mitgliedern des PDI wiederum zählten zum Beispiel der vom MfS mit Material versorgte Bernt Engelmann (auch Mitautor von Wallraff) und Günter Wallraff. Die Volksfrontorganisation PDI wurde im Januar 1968 auf Initiative der kommunistischen "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" (VVN) als "Demokratische Aktion gegen Neonazismus und Restauration" (DA) gegründet. Als deren publizistischer Stoßtrupp wurde der "Presseausschuß (Pressedienst) Demokratische Aktion" (PDA) gebildet. Im Februar 1974 benannte sich der PDA in PDI um. Dem langjährigen PDA/PDI-Manager - sprich: Geschäftsführer - dem aus Österreich stammenden Altkommunisten (zumindestens der Gesinnung nach) Kurt Hirsch, wurden immer gute Kontakte sowohl zur SED und deren Stoßtrupp DKP, als auch zu linken Kreisen in der SPD nachgesagt. Mitarbeiter des IPW besuchten auf ihren "Informationsfahrten" durch die Bundesrepublik Deutschland hin und wieder auch PDI-Mitglieder - bestimmt nicht, um sich mit ihnen über das Wetter zu unterhalten. Dem PDI, dessen Aktivitäten im Laufe der achtziger Jahre nachließen, gehörten vor allem Schriftsteller und Publizisten, darunter Wallraff und Engelmann, sowie politische Mandatsträger aus SPD, FDP, DKP, aus DGB-Gewerkschaften, kommunistischen Hilfsorganisationen und verschiedenen "Bewegungen" (vor allem aus der "Friedensbewegung") an. Bei seinen Kampagnen und Werbeaktionen für seine "Erzeugnisse" konnte sich der klassenkämpferische Enthüller Wallraff stets auf die Hilfe seiner "Kolleginnen und Kollegen" vom PDI verlassen. In einem Rundschreiben des Bonner Büros des PDA zu Beginn der siebziger Jahre wurde es als eine Aufgabe dieser Organisation bzw. des von ihr herausgegebenen "Pressedienstes Demokratische Aktion" (PDA, ab Februar 1974 PDI) bezeichnet, politische Aktionen anzuregen und für Journalisten und Schriftsteller für deren Arbeit in Presse, Rundfunk und Fernsehen Material zur Verfügung zu stellen. Über seine Sympathien für den SED-Stoßtrupp in der Bundesrepublik Deutschland, die DKP, äußerte sich Wallraff zum Beispiel in einem Gespräch mit dem linksextremistischen "Berliner Extra Dienst" im März 1973 freimütig: "Ja, ich habe schon mit der DKP zusammengearbeitet. Das ist auch die Gruppe, mit der ich am ehesten arbeiten kann...Die DKP ist die Partei, der ich am nächsten stehe...Ich würde jedem, der seine politische Arbeit innerhalb einer Organisation durchführen will, dann am ehesten zur DKP raten...". Zugleich gab Wallraff die Zeitung der von der SED finanziell ausgehaltenen DKP, "Unsere Zeit" (UZ) als "unentbehrlich" für seine Arbeit aus. Im August des selben Jahres bekräftigte Wallraff der UZ gegenüber diese "Unentbehrlichkeit" und "begründete" diese mit der ausführlichen Berichterstattung der UZ aus den Betrieben, "wo das Grundgesetz bekanntlich außer Kraft gesetzt" sei. Die Zeitung der DKP setze dort an, wo die anderen Zeitungen und Zeitschriften "durch die Abhängigkeit von ihren Großanzeigen-Kunden" sich in Schweigen hüllten oder Lobpreisungen anstimmten. Zahlreiche Veröffentlichungen von Wallraff wurden selbstverständlich begierig von den Medien in der DDR - präziser: von den Westarbeits-Apparaten des SED-Staates - aufgegriffen und als "Munition" in verbalen Attacken, in Diffamierungs- und Hetzkampagnen gegen die Bundesrepublik Deutschland im besonderen und gegen den (westlichen!) "Imperialismus und Kapitalismus" im allgemeinen verwendet. Sicherlich nicht zum (finanziellen) Schaden Wallraffs. Bereits am 2. Juli 1964 (!) erschienen in der DDR-Zeitschrift "Kurier" unter dem Titel "Ford ist Mord" Auszüge aus einer Reportage, die Wallraff unter dem Pseudonym "Wallmann" über seine angeblichen Erlebnisse als Arbeiter in der Automobilfabrik FORD in Köln geschrieben und zuerst in der Zeitschrift der DGB-Gewerkschaft IG Metall veröffentlicht hatte. 1967, nur ein Jahr nach dem Erscheinen der Erstausgabe 1966 in München, erschienen im Aufbau-Verlag Berlin/Weimar (des "Kulturbundes der DDR" auf 172 Seiten Industriereportagen unter dem Titel "Wir brauchen Dich", in Ganzleinen gebunden zum Preis von 6,-- Mark. Auf mehreren Veranstaltungen im SED-Staat las Wallraff aus diesem Buch. Der in der Westarbeit des SED-Regimes eingesetzte "Deutsche Freiheitssender" berichtete im Oktober 1968 über ein Gespräch Wallraffs mit einem Journalisten des ostberliner Deutschlandsenders nach einer solchen Lesung in Cottbus. Wallraff meinte in diesem Gespräch, durch seine "Fabrikreportagen" ließe sich "das System" in der Bundesrepublik Deutschland natürlich nicht ändern, ja nicht einmal ankratzen. Aber immerhin sei es ihm gelungen, den Bewußtseinsstand der betroffenen Arbeiter zu erweitern und ihnen aufzuzeigen, daß Änderungen möglich sind; daß sie die Dinge doch in der Hand haben könnten, wenn sie sich einsetzten. 1971 erschienen im Aufbau-Verlag die "Unerwünschten Reportagen" von Wallraff. Im Dezember des selben Jahres lobte die Wochenzeitung der "Nationalen Volksarmee" des SED-Staates, die "Volksarmee", dieses Buch mit dem Hinweis, man sollte diese Reportagen lesen, um mehr über die Zustände, die gesellschaftlichen Situationen und über das typische Gesicht eines Staates (gemeint ist die Bundesrepublik Deutschland) zu wissen, dessen äußerer Glanz nur Talmi sei. Außer diesen beiden Büchern erschien in den siebziger Jahren im Aufbau-Verlag noch die Wallraff-Publikation "Neue Reportagen. Untersuchungen und Lehrbeispiele". Über die Möglichkeiten, die ihm der SED-Staat bei der Umsetzung seiner Erzeugnisse biete, äußerte sich Wallraff in einem Interview mit dem "Berliner Extra-Dienst" im März 1972: "Man kann nicht sagen, der Journalist hier (in der Bundesrepublik Deutschland - H.B.) hat viel größere Freiheiten. Das stimmt nicht, das ist Quatsch. Er hat hier noch geringere Freiheiten. Das, was geschrieben wird in der DDR, hat einen weitaus größeren Wirkungsradius; man schreibt nicht ins Leere hinein. Das wird ernst genommen. Das ist nicht die Hofnarrenrolle, die hier der Künstler und auch der Journalist hat, sondern man wirkt verändernd mit." Eines der "Hauptwerke" Wallraffs, das gemeinsam mit Bernt Engelmann geschriebene und 1973 im Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienene Buch "Ihr da oben - wir da unten" wurde Ende 1975 vom ostberliner "Verlag der Nation" herausgebracht. (Dieser Verlag gehörte der National-Demokratischen Partei Deutschlands <NDPD> der DDR). Zur gleichen Zeit strahlte das DDR-Fernsehen als Eigenprodukt den Film "Steckbrief eines Unerwünschten", aus, in dem Wallraff und seine Arbeitsmethoden ausführlich, selbstverständlich ganz im Sinne der SED-Propaganda, dokumentarisch und in Spielhandlungen dargestellt wurden. Das Drehbuch zu diesem Film schrieb, auf der Grundlage des Buches "Ihr da oben - wir da unten" das SED-Mitglied Gerhard Bengsch. Anläßlich dieses Fernsehereignisses wurde Wallraff von etlichen Medien im SED-Staat interviewt. Das DDR-Fernsehen zitierte Wallraff zum Beispiel am 17. 11. 1975:
Die SED-Genossen hörten es gerne. Die "Nationalzeitung" des SED-Staates veröffentlichte am 13. 11. 1975 ein Gespräch mit Wallraff, der von dieser Zeitung als ein "unbequemer Mann für die politisch und ökonomisch tonangebenden Mächtegruppen in der BRD" charakterisiert wurde - man könnte ergänzen: Er war ein nützlicher Mann für die in der Westarbeit des SED-Regimes tonangebenden Mächtegruppen. Wallraff sagte der "Nationalzeitung" auf die Frage, ob denn nicht der Erfolg seiner Tätigkeit, auch in Form des von der DDR produzierten und in der DDR gezeigten Fernsehfilms, "sehr vielen Leuten in der BRD zugute" käme: "Sicher. In Gegenden, in denen das DDR-Fernsehen empfangen wird, in Hamburg, Hannover, Niedersachsen, sehen gewiß viele diesen Film...Ich glaube, daß die Leute in der BRD mit diesem Film etwas anfangen, über ihn einiges kapieren werden." Wenige Tage vor Ausstrahlung des Fernsehfilms hatte Wallraff dem SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" erklärt: "Darüber hinaus hätte ich diesen Stoff niemals in der BRD untergebracht..." Am Beginn der Dreharbeiten, zum größten Teil an Originalschauplätzen in der Bundesrepublik Deutschland, veröffentlichte die DKP-Zeitung "Unsere Zeit" am 18. 4. 1975 ein ganzseitiges Interview mit Wallraff und dem Drehbuchautor, dem "Genossen" Gerhard Bengsch. Wallraff lobte die "ideale Zusammenarbeit" mit Bengsch, der aus der Schule plauderte:
Zur Zusammenarbeit mit Wallraff offenbarte Bengsch die ideologische Kumpanei zwischen Wallraff und der SED bzw. deren Westarbeit:
1986 erschienen im SED-Staat im Aufbau-Verlag das Wallraff-Buch "Ganz unten", und im Verlag Neues Leben (der SED-Staatsjugendorganisation Freie Deutsche Jugend - FDJ) in der Reihe "nl-konkret" das Buch "Bild-Beschreibung. Methoden und Mechanismen einer Medienmacht". Die internationale KP-Zeitschrift "Probleme des Friedens und des Sozialismus brachte in ihrer Ausgabe vom Dezember 1987 eine überaus positive Rezension des Wallraff-Buches "Akten-Einsicht" (Steidl Verlag, Göttingen), das als ein Buch über "das ganze System der Bespitzelung und Verfolgung Andersdenkender in der BRD" (nicht etwa im SED-Staat! - H.B.) vorgestellt wurde. Dieses Buch, schrieb der Rezensent, mache deutlich: "Dieser Streiter und Tribun als den alle, die sein Schaffen verfolgen, Wallraff kennen, verläßt die Barrikaden des Klassenkampfes nicht..." Auch der "große Bruder" der SED in Moskau hatte die Verwendbarkeit des westdeutschen Schreibers als desinformierenden Propagandisten für den Kommunismus erkannt. Im September 1973 durfte Wallraff am Sowjetischen Schriftstellerkongreß in Alma Ata teilnehmen und sich anschließend noch für einige Tage in Moskau aufhalten. Zur gleichen Zeit erschienen die "Unerwünschten Reportagen" auf Russisch. Nach seiner Rückkehr gab Wallraff mehrere Interviews, in denen er als Kreml-Propagandist nicht hinter dem Berg hielt. Den "Kölner Stadt-Anzeiger" zum Beispiel ließ er wissen:
In einem Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau" entblödete sich Wallraff nicht, zu behaupten:
Die sowjetischen "Westarbeiter" und Dissidentenverfolger konnten mit derartigem Geschwätz wahrlich zufrieden sein. Es bedarf gewiß keiner großen Phantasie, anzunehmen, daß die Kumpanei zwischen Wallraff und Institutionen des SED-Staates von den "Partnern" in der DDR nicht auf "publizistisch-literarische" Bereiche beschränkt wurde. Dafür hatte der "Enthüller" Wallraff, zumeist als "verdeckter Ermittler" und in Anwendung von Methoden, die zum Beispiel vom Deutschen Presserat mißbilligt wurden, teilweise interne, gar geheim zu haltende, Informationen beschafft: zum Beispiel aus der Wirtschaft, insbesondere aus der Rüstungsindustrie; aus der Forschung; im Bereich des Terrorismus; aus Sicherheits- und Abwehrbehörden. Da bot sich eine Quelle dar, aus der die "andere Feldpostnummer" nach Belieben schöpfen konnte. 17. Dezember 1971: Wallraff fährt mit dem Zug nach Kopenhagen. Dort trifft er im Hotel "Regina" in der Nähe des Hauptbahnhofes mit einem offiziell als "stellvertretender Chefredakteur" und "Chef des Kulturressorts" der Rostocker "Ostsee-Zeitung" tätigen Dr. Heinz Gundlach zusammen. Dieser gab sich im Hotel unter Vorlage gefälschter Papiere als "Hamburger Kaufmann" namens "Heinz Guntermann" aus. Gut zwei Stunden palavert Wallraff mit Gundlach/Guntermann, der am Tag darauf, mit interessanten Aufzeichnungen über das Gespräch, nach Hamburg reist. Die Hamburger Paßkontrolleure erkennen seine Personalpapiere als Fälschung; der suspekte Reisende wird festgenommen. 1972 verurteilt ihn das Hanseatische Oberlandesgericht zu 5.100 DM Geldstrafe - wegen fortgesetzter Urkundenfälschung. Der "mutmaßliche" MfS-Agent kehrt unbehelligt in die DDR zurück. Zu dem mit Wallraff für den 28. Januar 1972 vereinbarten Gespräch kommt es nicht. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hamburg (Aktenzeichen OJs 10/71) wegen des Verdachts geheimdienstlicher Tätigkeit mußte aus rechtsstaatlichen Gründen eingestellt werden, da "Gundlachs" Einlassungen, er sei lediglich "journalistisch" tätig gewesen, nicht zu widerlegen waren. Die Hamburger Staatsanwaltschaft sprach damals, gewiß zu recht, von einem "nicht unerheblichen Verdacht", der gegen Gundlach alias Guntermann alias ... weiterbestehe. Die jetzt (vielleicht noch) vorhandenen Akten des MfS dürften gewiß Aufschluß über die wahre Identität und Tätigkeit des "Journalisten" "Dr. Gundlach" geben. Im Frühjahr 1976 behauptete Wallraff in einem Interview mit dem ZDF: Er kenne "Gundlach" nur als Redakteur der "Ostsee-Zeitung"; dieser habe schon mehrfach Reportagen von Wallraff veröffentlicht. Bei dem Zusammentreffen mit G. in Kopenhagen sei lediglich "ein Interview" gemacht worden. Da bleiben Fragen offen: Wieso eigentlich unter konspirativen Umständen? Aus welchen Gründen denn nicht in Hamburg, das auf dem Reiseprogramm G.'s stand; oder irgendwo in der DDR? Die SED-Nachfolgerin, die "Partei des Demokratischen Sozialismus" (PDS) hält unvermindert an den Sympathien der ehemaligen Staatspartei für den Klassenkämpfer, Sozialisten, "Enthüller" mit verschiedenen Identitäten fest. Die PDS-nahe "Sozialistische Tageszeitung" NEUES DEUTSCHLAND (vormals das Zentralorgan der SED) widmete ihm im Juli 1991 eine ganze Druckseite und veröffentlichte unter der Überschrift "Ansichten zur Zeit - Ich finde, der Traum fängt erst richtig an" ein mit Wallraff geführtes Interview. Darin sprach dieser unter anderem über den angeblichen "Neokolonialismus in Deutschland" und bekannte sich "wieder als Sozialist". Nach den Hinweisen von "Super!" auf die Verstrickungen Wallraffs mit dem SED-Regime sprang das "Neue Deutschland" für ihn in die Bresche. Die "Sozialistische Tageszeitung" nennt Wallraff, "der sich als Sozialist bekennt", einen mutigen Mann, der immer wieder aufgedeckt habe, "was die Mächtigen in der BRD gern verheimlicht hätten". Nun werde dieser Mann wieder einmal einer Rufmordkampagne und gar einer Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt, jammerte das "Neue Deutschland". |