Logo der Deutschland-Bewegung

Die konservative Informationsbasis im Internet

zum Inhalt

(...) Als Bundeskanzler Helmut Kohl im Bundestagswahlkampf 1995 mit Hinweis auf Kurt Schumacher Kommunisten gelegentlich als «rotlackierte Faschisten» bezeichnete, erhob sich im deutschen Linkskartell dröhnendes Protestgeschrei. Vor allem die SED-Nachfolgepartei PDS verwahrte sich gegen die vom Bundeskanzler «vorgebrachte Beleidigung», mit der das politische Klima in Deutschland «in einem unerträglichen Maße» vergiftet werde. In einem Offenen Brief an den Bundeskanzler verstiegen sich die PDS-Oberen Lothar Bisky und Gregor Gysi zu der Behauptung, wenn Kohl sich für diese «Beleidigung nicht entschuldige, würde er die unmittelbare politische und moralische Mitverantwortung dafür übernehmen, «wenn»künftig in dieser Gesellschaft Gewalttaten gegen Linke begangen werden». (...)

Bild von Kurt Schumacher
Kurt Schumacher

Nadel, grün

Kurt Schumacher - Ein patriotischer Kämpfer für Einheit, Freiheit und Frieden Preußische Tugenden

von Helmut Bärwald

Dr. Kurt Schumacher wurde am 13. Oktober 1895 in Kulm/Weichsel (Westpreußen) geboren. Nach schwerer Verwundung als Kriegsfreiwilliger studierte er von 1915 - 1919 an den Universitäten Halle, Leipzig und Berlin. Im Januar 1918 wurde er Mitglied der SPD. 1919 wurde er Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter im Reichsarbeitsministerium. Ab 1920 war er als politischer Publizist tätig. 1926 promovierte er mit magna cum laude zum Doktor der Staatswissenschaften an der Universität Münster. Von 1924 bis 1931 war er Abgeordneter des Württembergischen Landtags; von 1930 bis 1933 Reichstagsabgeordneter. Als unerbittlicher Gegner des Nationalsozialismus befand er sich von 1933 bis 1943 in verschiedenen Konzentrationslagern in Haft - die meiste Zeit im KZ Dachau. Nach der deutschen Kapitulation wirkte Schumacher von Hannover aus entscheidend an der Wiederbegründung der SPD mit. Er war der führende Kopf des Widerstandes innerhalb der SPD gegen die von der KPD angestrebte Vereinigung von Kommunisten und Sozialdemokraten. In den westlichen Besatzungszonen und den Westsektoren Berlins setzte er sich durch. Am 10. Mai 1946 wurde er zum Vorsitzenden der SPD gewählt und lehnte jede Zusammenarbeit seiner Partei mit der KPD ab. 1949, nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland, wurde Kurt Schumacher Oppositionsführer im Deutschen Bundestag. Am 20. August 1952 starb er in Bonn.

Aus Anlaß des 100. Geburtstages von Kurt Schumacher, der als erster Vorsitzender der nach dem Kriege wiederbegründeten SPD sich für die Einfügung eines in Freiheit wiedervereinigten Deutschlands in eine Gemeinschaft freier Staaten Europas einsetzte, gibt der Bund der Vertriebenen eine 3. überarbeitete Auflage der anläßlich seines 25. Todestages erschienenen Arbeitshilfe heraus.

Verfasser: Helmut Bärwald

Hrsg.: Bund der Vertriebenen Vereinigte Landsmannschaften und Landesverbände - Godesberger Allee 72 74, 53175 Bonn, Telefon 0228/810070, Redaktion: Referat für Kultur und staatsbürgerliche Bildung, Druck: Druckerei Pfenningsberg GbR mbH, Friesdorfer Straße 122, 50173 Bonn, 3. überarbeitete Auflage 1995 - ISBN 3-925103-76-7


Kurt Schuhmacher Ein patriotischer Kämpfer für Einheit, Freiheit und Frieden Preußische Tugenden Kurt Schumacher wurde am 13. Oktober 1895 in der alten westpreußischen Ordens- und Hansestadt Kulm an der Weichsel als einziger Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns und einflußreichen, geachteten Bürgers der Stadt geboren.

Die Stadt Kulm wurde 1232 errichtet und erhielt bereits 1233 Stadtrecht, die Kulmer Handfeste; sie gelangte zu besonderer Bedeutung durch das Kulmer Stadtrecht, das Kulm vorübergehend zur Hauptstadt des Landes und zum Sitz des Obergerichts machte. Schumachers Persönlichkeit wurde in starkem Maße von seiner Herkunft, von seiner Heimat, geprägt.

Das untere Weichselland war umkämpftes Gebiet und die Menschen, die dort wohnten, standen, von einigen friedlichen Phasen abgesehen, ständig im Kampf. Selbstbewußt waren die Kulmer insbesondere in ihrer Hansezeit. Später war die Stadt total polonisiert und erst nach 1772 ging es mit ihrem Deutschtum wieder bergan. Die preußische Kadettenanstalt hat sicher einiges dazu beigetragen.

Kurt Schumacher wurde streng preußisch erzogen. Es wird berichtet, daß sich die Familienmitglieder und vor allem die Kinder wie in jedem Bürgerhaus zum Beispiel pünktlichst zu den Mahlzeiten einzufinden hatten. So behielt Kurt Schumacher bis in die letzten Stunden seines Lebens seine Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit in der Innehaltung von Terminen.

Von 1903 bis 1914 besuchte Kurt Schumacher die Schule. Zuletzt das Königliche Gymnasium zu Kulm. Auch der Schüler Kurt Schumacher hatte sich mit dem Problem herumzuschlagen, daß die Deutschen zu seiner Zeit nicht in der Mehrzahl waren, sondern sich gegen ein zahlenmäßiges Übergewicht der Polen durchsetzen mußten.

Bundespräsident Professor Dr. Theodor Heuss zeichnete im August 1952 auf der Trauerfeier für Kurt Schumacher mit wenigen markanten Strichen das Bild dieses Kulmers, dieses westpreußischen Menschen. Professor Heuss erinnerte sich, daß er selten einem Menschen begegnet ist, der von so wacher und zugleich im Gespräch disziplinierter Bewußtheit war wie Kurt Schumacher. Theodor Heuss hatte bei Kurt Schumacher immer den Eindruck, er stehe vor dem weiten flachen Land seiner kulmischen Heimat an der Weichsel, wo herbe Realisten der Volksbehauptung in die Bewährung gestellt sind. Theodor Heuss meint sich nicht zu täuschen, wenn er die vom Ostwind bewegten Wellen der Weichsel durch manchen Wachtraum Kurt Schumachers rauschen hörte.

Mit noch nicht neunzehn Jahren meldete sich der Abiturient Kurt Schumacher am 3. August 1914 als Kriegsfreiwilliger. Einem Freund erzählte er über ein Jahrzehnt später, daß er bei dem in seinem Heimatort Kulm stehenden Pommerschen Jäger Bataillon 2 abgewiesen wurde. Söhne von Förstern, Jägern, Landwirten und Gutsbesitzern wurden bevorzugt: doch sein Vater sei nur ein "Koofmich" gewesen. Doch Kurt Schumacher gab nicht auf. Mit Schulkameraden radelte er nach Thorn, wo er beim pommerschen Feld-Artillerie Regiment 81 angenommen wurde. Doch die langweilige Ausbildung an Pferden und Geschützen ließ ihn ungeduldig werden. So wechselte er zum Ersatzbataillon des pommerschen Infanterie-Regiments 21 nach Thorn über, erhielt dort eine kurze infanteristische Ausbildung und kam bald an die Front. Bereits am 2. Dezember 1914 wurde er so schwer verwundet, daß nach dem Verlust des rechten Armes der Krieg für ihn beendet war. Anfang 1915 wurde Kurt Schumacher, nach Verleihung des EK II, aus dem Militärdienst entlassen. Kurz danach begann er sein vierjähriges Studium der Rechts-, Staats- und Wirtschaftswissenschaften.

Während seines Studiums trat er am 9. Januar 1918 der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei. Schon viele Jahre zuvor hatte der 17jährige Schüler begonnen, sich für Politik zu interessieren und sich politisch zu bilden, ohne sich bereits parteipolitisch zu binden. Den Eltern, den Lehrern. den Schulkameraden war bekannt, daß er sozialdemokratisch dachte. Von Schumachers Mutter wird berichtet, daß sie ihn hin und wieder durchaus liebevoll einen "Sozialdemokraten" nannte. Anstoß an Kurt Schumachers Äußerungen, Ideen und Aktivitäten wurde weder in der Schule noch im Elternhaus genommen. Liberalität und Toleranz bestimmten das Verhalten seiner Umgebung, ihm - dem Kind aus einem gutbürgerlichen Hause - und seinen politischen Vorstellungen gegenüber. Über den Primaner Kurt Schumacher wird eine charakteristische Anekdote erzählt: Der Schüler Kurt Schumacher steht vor seinem Gymnasialdirektor - eine Hand in der Hosentasche. Dafür wird er gerügt: Die Hand können Sie in der Hosentasche lassen, wenn Sie mal anderthalb Stunden im Reichstag über Lotterielose gesprochen haben. Nach Abschluß seiner Studien an den Universitäten Halle/Saale, Leipzig und Berlin trat Kurt Schumacher im Dezember 1920 die Stelle eines Politischen Redakteurs bei der "Schwäbischen Tagwacht" in Stuttgart, dem Zentralorgan der württembergischen SPD, an. Er wurde 1924 als Neunundzwanzigjähriger Abgeordneter des Württembergischen Landtages und vier Jahre später Mitglied des Vorstandes der SPD-Fraktion.

Während seiner Stuttgarter Zeit wurde Kurt Schumacher im August 1926 zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert. Das Thema seiner Dissertation lautet: "Der Kampf um den Staatsgedanken in der deutschen Sozialdemokratie". Einer der Schumacher-Biographen stellte einmal fest, daß Schumacher in dieser Doktorarbeit die neo-marxistischen Radikalen zur Rede stellte, weil sie sich nicht mit der politischen Wirklichkeit abfinden wollten und an der Illusion einer internationalen Solidarität der Arbeiterklasse festhielten. Schumacher zeigte in seiner Dissertation wenig Geduld mit den orthodoxen Marxisten der eigenen Partei, denen er mangelnden Realismus vorwarf. Kritiker der Doktorarbeit Schumachers halten für eine der wichtigsten Aussagen die Meinung des Autors, daß das deutsche Volk Meister seines eigenen Schicksals sei und selbst entscheiden müsse, wie es die Möglichkeiten der sozialen und wirtschaftlichen Besserung, die ihm die Revolution von 1918 gegeben habe, nutzte.

1930 geschah das, was Kurt Schumachers Gymnasialdirektor "vorausgesagt" hatte: Der 35jährige politische Redakteur und Schriftsteller wurde Reichstagsabgeordneter.

Auf einer dramatischen Reichstagssitzung im Februar 1932, bei der es um die Festlegung der Volkswahl für den Reichspräsidenten ging, sprach Joseph Goebbels, der den Krieg nur vom Hörensagen kannte, von der Sozialdemokratie als der "Partei der Deserteure". Daraufhin meldete sich der junge einarmige Kriegsinvalide Dr. Kurt Schumacher zu Wort und gab in einer mitreißenden Stegreifrede, in der er die intellektuelle und moralische Verlumpung des deutschen Volkes durch die Methoden der nationalsozialistischen Agitation geißelte, die passende Antwort. Diese Sätze sind typisch für den politischen Redner Kurt Schumacher:

"Die ganze nationalsozialistische Agitation ist ein dauernder Appell an den inneren Schweinehund im Mensch... Herr Dr. Goebbels hat sich hier als ein großer Leitartikel gebärdet, und er ist doch nur ein mißratenes kleines Feuilleton... Abschließend sage ich den Herren Nationalsozialisten: Sie können tun und lassen, was sie wollen, an den Grad unserer Verachtung werden sie niemals heranreichen."

Kurt Schumacher hatte in der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion schnell Profil gewonnen. Im August 1932 wurde er, bis dahin ein politisch zwar recht aktiver, im Reich jedoch unbekannter junger Redakteur und Publizist, in den Vorstand der SPD-Reichstagsfraktion gewählt. Anfang 1933 übernahm Hitler die Macht in Deutschland. Obwohl Kurt Schumacher wußte, wie gefährdet er war, lehnte er entschieden ab, Deutschland zu verlassen. Im Juli 1933 wurde Kurt Schumacher verhaftet und zehn Jahr lang, bis zum März 1943, durch mehrere Konzentrationslager geschleift. Als Wohnsitz wurde ihm nach seiner Entlassung aus dem KZ Dachau Hannover zugewiesen, wo er außer der Familie einer seiner Schwestern keine Bekannten hatte. Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 wurde er noch einmal für wenige Wochen eingesperrt wie zahlreiche Repräsentanten der Weimarer Republik.

Neuanfang

Am 7. April 1945 wurde Hannover von amerikanischen Truppen besetzt. Bereits zwölf Tage später erweckte Kurt Schumacher mit der ersten örtlichen Organisation in Hannover die Sozialdemokratische Partei Deutschlands zu neuem Leben. Zunächst unter der Tarnbezeichnung "Büro Dr. Schumacher", weil politische Parteien zu dieser Zeit in den, von alliierten Truppen besetzten Gebieten Deutschlands noch nicht zugelassen waren. Kurt Schumachers politische Karriere erreichte sehr schnell den Höhepunkt. Er war, wie man heute zu sagen pflegt, ein "Senkrechtstarter". Im Mai 1946 wurde Schumacher mit 244 von 250 Stimmen zum Vorsitzenden der SPD in den drei westlichen Besatzungszonen - der späteren Bundesrepublik Deutschland - gewählt. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde Schumacher Mitglied des ersten Deutschen Bundestages und als Vorsitzender der SPD Fraktion Oppositionsführer - der große Gegenspieler Dr. Konrad Adenauers. Beide Funktionen Vorsitzender der SPD und Oppositionsführer - behielt Kurt Schumacher bis zu seinem Tode am 20. August 1952. Im September 1949 war Kurt Schumacher bei der Wahl des ersten Bundespräsidenten mit 312 gegen 416 Stimmen Professor Theodor Heuss unterlegen.

Krankheiten haben Kurt Schumacher immer stark behindert. Das war die Folge seiner Kriegsverletzung aus dem Jahre 1914. Es war vor allem aber die Folge von zehn Jahren Haft in Konzentrationslagern. 1914 hatte der junge Kriegsfreiwillige Kurt Schumacher seinen rechten Arm verloren. Im Jahre 1948 mußte das linke Bein amputiert werden. Da ist es verständlich, daß Krisen und Resignation gelegentlich die kämpferische Aktivität des SPD Vorsitzenden und Oppositionsführers lähmten. Das spiegelt sich in einem persönlichen Brief wider, den Schumacher 1946 schrieb:

"Mich hält nur das Gefühl der Verpflichtung gegenüber der Sozialdemokratie und dem Volk in meiner Stellung als Vorsitzender der Partei. Von mir aus wäre ich, ganz persönlich gesehen, lieber ein ganz privater Mensch in einer möglichst kleinen Stellung. Man braucht sich langsam auf. Was das Konzentrationslager nicht geschafft hat, erreicht langsam, aber sicher, der verzweifelte Kampf um etwas, das erreicht werden muß und auch erreicht werden wird, aber vermutlich eben zu spät."

Doch Kurt Schumacher machte weiter, mit einem leidenschaftlichen Einsatz, bis zur Verausgabung physischer und psychischer Kräfte. Dabei hatte er stets ein Ziel vor Augen, das Max Schnetzer 1947 in den "Baseler Nachrichten" beschrieb:

"Diesmal muß sich in Deutschland die wirkliche Demokratie durchsetzen, und sie muß diesem geschundenen Land ein neues Ansehen unter den anderen Ländern verschaffen. Es ist sicher, daß Schumacher es ehrlich meint. Er ist unzweifelhaft ein Freund der europäischen Verständigung, ein Mann, dessen Sehnsucht nach einem dauerhaften Frieden strebt, und ein Deutscher, der sich allein schon aus dem Grauen vor der östlichen Übermacht um eine ehrliche Regelung mit dem Westen bemüht."

Eine der eindrucksvollsten Schilderungen des geschundenen, körperlich verfallenen, doch ungebrochen kämpferischen Menschen Kurt Schumacher gab der britische Politiker und Journalist Fenner Brockway in der sozialistischen Zeitschrift "The New Leader" in seinem Bericht über den 1. SPD-Nachkriegsparteitag im Mai 1946:

"Er stand an einem eichenen Rednerpult und er schien mir ein Sinnbild der ganzen Tragödie Deutschlands. Er verlor seinen rechten Arm im ersten Weltkrieg. Sein Gesicht spiegelt die Qual von zwölf Jahren Konzentrationslager, die ihr Mal darauf zurückgelassen haben. Seine Augen sind starr und die Zähne wurden ihm von Gestapoleuten aus dem Mund geschlagen. Die Ohren sind ihm vom Kopfe abgezerrt worden, so daß sie hervorstehen. Seine Nase steht ungewöhnlich groß aus, weil sowenig Fleisch auf seinen Knochen geblieben ist. Furchen markieren sein Gesicht. Die Lippen sind dünn und gerade. Seine Schultern sind gesenkt, sein Körper ist mager, und er sieht schwindsüchtig aus. Wenn ein Filmregisseur das illustrieren wollte, könnte er es nicht anschaulicher darstellen als in der Person Schumachers.

Aber was für ein Wandel, wenn er spricht! Die verhaltene Stärke und vorwärtstreibende Kraft in ihm, die Herausforderung und die Wucht, die Menschlichkeit und das Licht der Vision! Und lachen kann er, dieser gemarterte Mann! Er hat Humor, sardonischen manchmal, aber zu anderen Zeiten einen scherzenden und freundlichen. Noch ehe er fünf Minuten gesprochen hat, vergißt man seine körperlichen Entstellungen. Man wird von seiner Persönlichkeit ergriffen und der Geist wird gepackt durch die klare Zusammenfassung seiner Gedanken. Er ist kein Demagoge. Seine 155 Minuten lange Rede angefüllt von Beweisführung.

Aber es war nicht Schumachers Persönlichkeit, die mich am meisten entzückte. Es war vielmehr seine Botschaft, sein politischer Ausblick. Hier war die Geistesrichtung, nach der ich ausgeschaut hatte, ein Geist, der mehr auf die Gegenwart und in die Zukunft schaute, statt in die Vergangenheit, der die deutsche Reaktion und den diktatorischen 'Kommunismus' mit Rußland dahinter - angriff, der aber auch gegen die Militärregierung der westlichen Alliierten vorging und die deutschen Arbeiter aufrief zu einem auf sich selbst vertrauenden und unabhängigen Sozialismus, der das Abbrechen deutschen Friedenszwecken dienender Industrie anprangerte ebenso wie die Zerstückelung Deutschlands, der aber zur gleichen Zeit den Akkord europäischer Solidarität und Weltzusammenarbeit anschlug."

Patriot, Demokrat, Antikommunist

Bei aller notwendigen Differenziertheit der Betrachtung des Wirkens und Denkens Kurt Schumachers bleibt wohl eines unbestritten: Der erste Vorsitzende der SPD im freien Teil Deutschlands nach dem Kriege war ein tapferer Patriot, ein militanter Antikommunist und Demokrat. Tausende von Sozialdemokraten waren gemeinsam mit Kommunisten in den Zuchthäusern und Konzentrationslagern des Dritten Reiches gewesen. Auch Dr. Kurt Schumacher hatte während seiner langjährigen Haft mit vielen kommunistischen Leidensgenossen zusammengelebt - mit ihnen gemeinsam dahinvegetiert. Er wußte jedoch die aus gemeinsamen Leiden entstandene menschliche Solidarität von einer politischen Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und Kommunisten, von einer Aktionseinheit oder Einheitsfront von Sozialdemokratie und Kommunismus scharf und kompromißlos zu trennen.

Bereits im Sommer 1945, kurz nach Kriegsende, verkündete Kurt Schumacher in einem Aufruf, daß die Sozialdemokratie keine Veranlassung habe, für den geschwächten Parteikörper der Kommunistischen Partei den Blutspender abzugeben und auf irgendeinen Annäherungsversuch der Kommunisten auch nur andeutungsweise einzugehen. Auf die von Freunden und Gegnern der Sozialdemokratie immer wieder gestellte Frage, ob denn Sozialdemokraten und Kommunisten nicht eigentlich Brüder seien, antwortete Kurt Schumacher unmißverständlich: Auch Kain und Abel waren Brüder! Bekanntlich hat Kain seinen Bruder Abel erschlagen. Immer wieder, unbeirrbar und geradezu beschwörend, warnte Kurt Schumacher in Wort und Schrift vor der kommunistischen Bündnispolitik, das heißt vor jeder Art der Gemeinsamkeit, der Aktionseinheit von Demokraten mit Totalitären und Diktatoren. mit Feinden der Freiheit, mit Verächtern von Menschenrechten. "Mit Knechten kann man nicht von Freiheit reden!", hatte Kurt Schumacher den Kommunisten zugerufen. Noch vier Wochen vor seinem Tode stellte Schumacher in einer Rundfunksendung kategorisch fest, daß die Sozialdemokratische Partei geschlossen die Aktionseinheit mit den Kommunisten ablehnt, denn - so argumentierte Kurt Schumacher - man kann die Demokratie nicht zusammen mit Anhängern der Diktatur verteidigen.

Nach monatelangem Gesinnungsterror durch Ulbrichts KPD-Apparat und unter dem massiven psychischen und physischen Druck der sowjetischen Besatzungsmacht wurde die SPD in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands Ende April 1946 mit der KPD vereinigt. Die SED entstand. In einer vom Ostbüro der SPD 1962 herausgegebenen Broschüre "Es endete im Admiralspalast. Die Geschichte einer Vereinigung, die keine war", steht geschrieben: "Die Entstehung der SED im Jahre 1946 war ein Schulbeispiel für Strategie und Taktik kommunistischer Aktionseinheits- und Volksfrontpolitik. Mit Methoden der Demagogie, der Verlockung und der brutalen Gewaltanwendung wurde das Instrument geschaffen, mit dem die Moskauer Zentrale des Weltkommunismus einen Teil Deutschlands beherrschen und sowjetisieren sowie die Eroberung ganz Deutschlands vorbereiten will." Kurt Schumacher hatte vier Wochen vor der Bildung der SED geschrieben: "In Wahrheit spielen sich jetzt Auseinandersetzungen auf deutschem Boden ab, die für ganz Europa und die ganze Welt von Bedeutung sind... Es wird Zeit, daß Europa und die Welt selbst erkennen, worum es hier geht, und daß eine Sozialistische Einheitspartei nichts weiter wäre, als die Fortsetzung der KP unter anderem Namen." In den Teilen Deutschlands jedoch, in denen die Kommunisten nicht die Macht hatten, mißlangen alle derartigen Verschmelzungsversuche. Das ist vor allem Kurt Schumacher zu danken, der unermüdlich und unerbittlich die kommunistische Machtstrategie analysierte, der die Taktik der Kommunisten und deren Ziele bloßlegte; der mahnte, argumentierte und bewies; der die gefährliche Illusion von der Bündnisfähigkeit der Kommunisten zerstörte.

Kurt Schumacher meinte, daß es eine uns fremde und von uns abzulehnende machtpolitische Methode sei, ein System russischer Gürtelstaaten zu schaffen. Man denke nur an das Selbstbestimmungsrecht der Völker und seine neuerliche Handhabung. "Man kann eben nicht die Prinzipien der Demokratie, des Sozialismus, der Freiheit, des Selbstbestimmungsrechts der Völker deklarieren und eine Politik machen, die das Gegenteil davon bedeutet."

Die Richtigkeit dieser bereits 1945 von Kurt Schumacher niedergeschriebenen Worte wurde in den Jahren und Jahrzehnten danach durch die Entwicklung im kommunistischen Herrschaftsbereich immer wieder von neuem bestätigt: durch den Aufstand in Mitteldeutschland am 17. Juni 1953 wie auch durch die Aufstandsaktionen in Polen und die Revolution in Ungarn im Jahre 1956, durch den "Prager Frühling" und die sowjetische militärische Intervention in der Tschechoslowakei im August 1968.

Selbstbestimmungsrecht auch für die Deutschen

In den kritischen Disput mit den drei westliche Alliierten und in die Auseinandersetzung mit dem totalitären Machtanspruch der Kommunisten bezog Kurt Schumacher immer wieder die Frage nach Deutschlands zukünftigen Grenzen ein. Leidenschaftlich bemühte er sich um eine Aussöhnung des deutschen Volkes mit allen Völkern, weigerte sich jedoch, Deutschlands Grenzen betreffend eine Politik vollendeter Tatsachen oder Vorleistungen vor Abschluß eines Friedensvertrages anzuerkennen.

Auf dem SPD Bundesparteitag im Mai 1950 begründete Kurt Schumacher das damalige "Nein" der deutschen Sozialdemokratie zur Oder-Neiße-Linie:

"Wenn wir Nein gesagt haben, dann haben wir Ja gesagt zum freien Selbstbestimmungsrecht der Völker, auch des deutschen Volkes, auch nach dem Verbrechen der zwölf Jahre. Wir haben Nein gesagt zum Verlangen der Sowjets auf Zwangsvereinigung mit den Kommunisten. Wir haben damit Ja gesagt zur Unverzichtbarkeit der persönlichen und staatsbürgerlichen Freiheit. Was wäre aus Deutschland geworden, wenn wir Ja gesagt hätten."

Wenige Wochen danach bezeichnete Kurt Schumacher im Deutschen Bundestag die Oder-Neiße-Linie nicht nur als ein Problem der deutschen Grenzen, sondern auch als Problem des Rückkehr- und Heimatrechts der Ostvertriebenen, zu dem wir uns alle bekennen müßten.

Seinen steten Kampf um die Einheit Deutschlands verband Kurt Schumacher mit der Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht, der persönlichen und staatsbürgerlichen Freiheit und der Gleichberechtigung aller Deutschen. Kurt Schumacher postulierte: Die deutsche Einheit wird nicht geschaffen, indem man die Unfreiheit des Ostens auf den Westen überträgt; die deutsche Einheit ist nur dadurch möglich, daß man die Freiheit des Westens auch an den deutschen Osten gibt. "Einheit in Freiheit" - war der Grundtenor aller deutschlandpolitischen Aussagen Kurt Schumachers. Kurt Schumacher wußte, daß die Frage der deutschen Einheit für das deutsche Volk ein zentrales Problem ist. Er fügte hinzu:

"Sie ist aber auch eine bedeutsame Frage für die Erhaltung der Freiheit in der Welt. Mit dem Kampf für die deutsche Einheit dienen wir unserem eigenen Volk. Mit dem Kampf für die deutsche Einheit dienen wir aber auch der Sache der Freiheit und der Menschlichkeit in der ganzen Welt."

Kurt Schumacher hatte immer davor gewarnt, sich mit der Teilung Deutschlands abzufinden, sich einzurichten, sich so halb und halb mit dem Zustand zufriedenzugeben. Er dachte und argumentierte in geschichtlichen Dimensionen; zum Beispiel, als er in einer Rede in Berlin im Frühjahr 1950 leidenschaftlich ausrief:

"Vergeßt in der Politik, in einer so dramatischen Umgestaltung unseres Kontinents und der ganzen Welt, das Eine nicht. Wenn heute manche von uns lau und matt werden, dann ist das ja menschlich alles erklärlich, aber die Geschichte fragt ja nicht, warum ihr lau und matt geworden seid, die Geschichte fragt nur danach, wieviel Verstand, wieviel Mut und wieviel Sehnen habt ihr, um Eure Ideale durchzusetzen."

Bald darauf forderte Kurt Schumacher, wiederum auf einer Kundgebung in Berlin, die in Freiheit lebenden Deutschen auf, in der Frage der deutschen Einheit diese Aufgabe zu erfüllen: "Kämpferisch und aktiv zu sein und unsere Macht zu suchen im Erkennen und Verstehen des Gegners, in der Klugheit der Aufstellung unserer Ziele und in der Energie und Zähigkeit, von diesen Zielen nicht abzulassen. Das, auch das ist Macht."

Bei Erfüllung dieser Aufgabe habe die Bundesrepublik Deutschland ihre Stimme nicht nur für ihr eigenes Gebiet zu erheben, sie habe vielmehr auch für die Sowjetische Besatzungszone zu sprechen und zu handeln, für das - damals noch nicht zur Bundesrepublik Deutschland gehörende - Saargebiet, für Berlin und für die Gebiete östlich der Oder und Neiße.

National sein ist Ehrensache

Kurt Schumacher war deutscher Patriot und Weltbürger in einer Person. Er sprach und handelte nach der Maxime: "National sein ist Ehrensache, international sein ist Aufgabe, aber Nationalist sein heißt heute Todfeind des deutschen Volkes sein." Aus der Internationalität in den außenpolitischen Vorstellungen Kurt Schumachers ergab sich folgerichtig, daß für ihn eine Neutralisierung Deutschlands nicht in Frage kam. Eine Neutralisierung und damit eine tödliche Isolierung Westdeutschlands beziehungsweise der Bundesrepublik Deutschland; ein Nichteinfügen dieses Landes in eine Gemeinschaft freier Völker und demokratischer Staaten, waren für Kurt Schumacher nicht nur unsinnig, sondern - vor allem in der permanenten Konfrontation von westlicher Demokratie und östlichem Totalitarismus - höchst gefährlich. In dem einzigen Buch, das uns Kurt Schumacher hinterlassen hat - es trägt den Titel "Nach dem Zusammenbruch" - vertrat der Autor die Auffassung, daß es zwar eine Welt geben mag, die ohne Deutschland leben könne, Europa jedenfalls könne es nicht, ebensowenig wie Deutschland nicht ohne Europa zu existieren vermöge. Zwei Jahre nach Kriegsende bezeichnete Kurt Schumacher die Annäherung der Franzosen und Deutschen als außerordentlich wichtig. Er betonte, daß Europa aber auch ohne Großbritannien nicht denkbar sei, ja, daß das heutige Europa ohne Großbritannien keine Aussichten habe.

Wehrhafte Demokratie

Der fünfundfünfzigjährige Politiker war sich völlig darüber im klaren, daß sich das Schicksal der Weimarer Republik, deren Ende der Mittdreißiger als politischer Publizist und Reichtagsabgeordneter hautnah miterlebt hatte, nicht wiederholen dürfe. Deswegen forderte Kurt Schumacher bereits Anfang 1950 die Verabschiedung eines Republikschutzgesetzes und das Engagement, die Aktivität, den Einsatz aller Demokraten zum Schutze der Demokratie gegen alle ihre Feinde. Kurt Schumacher versuchte unermüdlich, die Müden und die Lauen, die Gleichgültigen und die Feigen aufzurütteln: der Tod der Demokratie seien nicht die feindlichen Prinzipien, sondern die Passivität, das Nichtkämpfen und das Auf-die-Gunst-der-Entwicklung-Hoffen der Demokraten.

In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, wie Kurt Schumacher zur Toleranz, einem wichtigen Wesensmerkmal der Demokratie, stand und wo er die für die Erhaltung der Demokratie unerläßlichen Grenzen toleranten Verhaltens sah. In Frankfurt/Main sagte er dazu im Juni 1947:

"Es gibt in der Welt eine unheilvolle Art von Menschen, das sind diejenigen, die glauben, man sei schwach und feige, wenn man höflich und nobel zu ihnen ist. In diese Situation der Schwäche und des Mangels an Mut wollen und werden wir nicht kommen. Wir sind tolerant zu allen Toleranten. Aber wir haben den Mut, rücksichtslos zuzufassen gegenüber allen denen, die die Toleranz dazu mißbrauchen wollen, später einmal gegenüber dem Toleranten intolerant werden zu können."

Eine überzeugende und erfolgreiche Auseinandersetzung mit dem Kommunismus; ein erfolgreicher Kampf gegen die kommunistische Machtpolitik, gegen den sowjetischen Imperialismus, waren für Kurt Schumacher nur aus der Ausgangsstellung einer sozialen Demokratie zu führen und zu bestehen. Schumacher war fest davon überzeugt, daß nur ein Deutschland in der Abwehr totalitärer Offensiven erfolgreich sein kann, das vom staatsbürgerlichen Bewußtsein seiner Bürger und von sozialer Gerechtigkeit getragen wird. Soziale Tatsachen hielt Kurt Schumacher für die stärkste Waffe im Kampf gegen den Kommunismus. Folgerichtig verlangte er:

"Die westliche Welt kann den Kommunismus nicht mit antibolschewistischen Deklarationen überwinden. Ihre Leistung muß in der Vergleichbarkeit der sozialen Verhältnisse in einer Welt der Freiheit gegenüber den unsozialen Zuständen in einer Welt der Diktatur bestehen."

Mitwirken, Mitgestalten

Es gelang Kurt Schumacher und der von ihm geführten Sozialdemokratischen Partei bis zu seinem Tode nicht, die Bundesregierung zu übernehmen. Das tat dem staatsmännischen Können und Wollen Kurt Schumachers keinen Abbruch. Für Kurt Schumacher hieß Opposition nicht, am "Katzentisch" des demokratischen Staates sitzen, sondern aktives, eigenständiges, konstruktives Mitwirken, Mitgestalten. Im Deutschen Bundestag sagte Kurt Schumacher in der Aussprache über die erste Regierungserklärung Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauers im September 1949 über die Rolle der Opposition:

"Eine Opposition ist in ihren Qualitäten nicht dann staatserhaltend, wenn sie eine wohlwollende Beurteilung durch die Bundesregierung oder durch ihre Parteien findet... Die Regierung und die Opposition werden ihre Qualität durch ihre Leistungen bestimmen...

Man kann also als Opposition nicht die Ersatzpartei für die Regierung sein und die Verantwortung für etwas übernehmen, wofür die Verantwortung zu übernehmen sich manche Regierungsparteien gegebenenfalls scheuen werden. Die Opposition ist ein Bestandteil des Staatslebens und nicht eine zweitrangige Hilfestellung für die Regierung. Die Opposition ist die Begrenzung der Regierungsmacht und die Verhütung ihrer Totalherrschaft. Ihre Eindeutigkeit zwingt alle Parteien, die der Opposition wie die der Regierung, ihr innerstes Wesen an ihren Taten zu offenbaren."

Am 20. August 1952 starb Kurt Schumacher in seiner Bonner Wohnung. Eines der treffendsten Urteile über diesen Mann stammt von seinem schärfsten Gegenspieler, von Konrad Adenauer. Der damalige Bundeskanzler schrieb wenige Tage nach Schumachers Tod:

"Er war ein Mann, der allen ein Vorbild bleiben wird in der unerschütterlichen Treue gegenüber dem, was er für seine Partei und das deutsche Volk politisch als richtig und notwendig erkannt hatte. Ich gedenke mit besonderer Wärme der Festigkeit, die er in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft und allen späteren kommunistischen Verlockungen gegenüber gezeigt hat. Sein Name wird mit der Geschichte dieser Zeit verbunden bleiben."

Julius Braunthal, damals Sekretär der Sozialistischen Internationale, sprach in seiner Trauerrede im Deutschen Bundestag das aus, was Millionen freiheitlich gesinnter Menschen in Ost und West beim Tode Kurt Schumachers empfanden:

"Die Demokraten in der ganzen Welt schulden Kurt Schumacher unvergeßlichen Dank für seinen unbeugsamen Widerstand gegen den Kommunismus. Er haßte die kommunistische Tyrannei, wie er die Nazityrannei gehaßt und unerschrocken bekämpft hatte. Nicht zuletzt an seinem Widerstand scheiterte Moskaus Plan einer Verschmelzung der Sozialdemokratischen und der Kommunistischen Partei Deutschlands (auch in den westlichen Besatzungszonen - H.B.). Diese Tat hat die geschichtliche Entwicklung Europas entscheidend mitbestimmt; denn wäre dem Kreml der Plan gelungen, dann hätte sich Rußlands Einflußbereich bis zum Rhein ausgedehnt, und die Bundesrepublik Deutschland, die heute ein mächtiger Damm gegen den russischen Expansionsdrang ist, wäre eine Bastion Rußlands geworden."


spd_kur2.jpg Gedenktafel in Schumachers Heimatstadt

Foto:
Hans -Jürgen Schuch

Am 13. Oktober 1990, zum 95. Geburtstag Kurt Schumachers wurde in seiner Heimatstadt eine Gedenktafel enthüllt. Die langjährige engste Mitarbeiterin Kurt Schumachers nach dem Kriege und damalige Bundestagsvizepräsidentin Annemarie Renger sprach bei dieser Gelegenheit in Anwesenheit polnischer und deutscher Parlamentarier über Schumachers Beziehungen zu Kulm und seiner westpreußischen Heimat.

Stationen eines politischen Lebens

Im alten lieben Nest

Günther Scholz berichtet in seiner Schumacher-Biographie:

"Natürlich interessierte er sich auch für die Geschichte seiner engeren Heimat. Daraus erwuchs sein nationales Selbstverständnis. Er blieb lebenslang stolz auf seine Heimatstadt. Als sich im polnischen Westpreußen 1928 eine 'Deutsche Sozialdemokratische Partei Polens' bildete, unterstützte Schumacher sie nach Kräften mit Geld- und Materialzuwendungen. Das berichtet der Heimatforscher Dr. Günther Meinhardt. Er zieht auch eine sehr kühne politische Folgerung aus Schumachers Heimatverbundenheit: ,Als Kulmer war er an der alten deutschen Ostgrenze aufgewachsen und hatte von Kaufleuten, die in Russisch-Polen Handelsverbindungen pflegten, oft genug Beispiele der uns Deutschen völlig fremden Gedankengänge der Russen gehört. Deshalb sah er klarer als andere die Gefahren, die der Sozialdemokratischen Partei drohten, wenn sich ihr Vorstand, wie es der Vorsitzende der SPD der Sowjetzone, Otto Grotewohl, wünschte, in Berlin niederließ.' Das ist eine immerhin interessante Überlegung für den, der nach Gründen fragt, warum Schumacher nie auch nur erwogen hat, 1945 in Berlin anzufangen einmal abgesehen von der Tatsache, daß seine Schwester Lotte in Hannover wohnte.

...

'Ich habe nie geglaubt, daß die Russen die Weltrevolution wollten,' sagte Schumacher im Juli 1949 der amerikanischen Journalistin Flora Lewis (New York Times). 'Sie waren auf nationale Eroberung aus, auf die Unterordnung anderer Völker unter die russische Außenpolitik.' Nach dem Zweiten Weltkrieg förderte Schumacher den aktiven Widerstand, den Sozialdemokraten in der sowjetisch besetzten Zone 'gegen die russischen Imperialisten und ihre deutschen Helfer' leisteten. Auch das begann in Kulm - 'im alten lieben Nest'.

...

Sein Antikommunismus hatte, neben der Ablehnung jeder diktatorischen Form des Sozialismus, auch eine nationale Wurzel."

Erste Prägungen in Kulm

In der Einführung zu der von der Landsmannschaft Westpreußen anläßlich des 75. Geburtstages Kurt Schumachers herausgegebenen Broschüre "Freiheit und Frieden" schreibt Annemarie Renger:

"Kurt Schumacher wurde als Sohn eines freisinnigen liberalen Kaufmanns, eines strengen Protestanten aus alteingesessener preußischer Beamtenfamilie am 13. Oktober 1895 in der alten Hansestadt Kulm an der Weichsel geboren. Die Voraussage daß ein Kind dieser Herkunft eines Tages der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands würde, wäre unter den damaligen Verhältnissen absurd erschienen. Trotzdem traten, 'wenn man sein Leben heute überblickt, schon in frühester Jugend jene Züge hervor, die seine wirkliche Berufung ahnen lassen'. Aber im Gegensatz zu Fried Wesemann, der diesen durchaus zutreffenden Satz in seiner biographischen Studie über Kurt Schumacher niedergeschrieben hat, kann nicht davon gesprochen werden, daß die Antriebe seines politischen Handelns nicht auch 'von außen' kamen, sondern nur 'in seiner Persönlichkeit beschlossen' lagen.

Schon die Kindheits- und Jugendjahre, die Kurt Schumacher in Kulm an der Weichsel verlebte, sind ein beweiskräftiges Beispiel dafür. In dieser preußischen Kleinstadt von etwa 12.000 Einwohnern gab es zu jener Zeit mehr Polen als Deutsche, und als Schumacher sein Abitur machte, waren in seiner Klasse drei deutsche und siebzehn polnische Schüler. Die Besonderheiten des Zusammenlebens zwischen Polen und Deutschen mußten sich auf das Denken des Schülers auswirken. Dies umso mehr als das evangelische Bekenntnis mit dem deutschen und das katholische mit dem polnischen Bevölkerungsteil weitgehend zusammenfiel. Zwar sind uns aus der Weichselniederung zu jener Zeit keine Volkstumskämpfe bekannt, wie sie etwa in der österreichisch-ungarischen Monarchie gang und gäbe waren, aber auch das dort sichtbare Problem zweier verschiedener Nationalitäten hat zweifellos bereits dem Gymnasiasten klar vor Augen gestanden. Der besondere Eifer mit dem sich schon der Fünfzehnjährige der Geschichte und der Geographie zuwandte und die spätere Beschäftigung mit nationalen Fragen lassen darauf schließen, daß die Eindrücke der Jugendjahre zu einem guten Teil das Denken und Handeln des heranwachsenden Menschen mitbestimmt haben."

Die folgenden 9 Kapitel sind Auszüge aus dem Feature von Helmut Bärwald "Kurt Schumacher. Zu seinem 75. Geburtstag". Gesendet vom Deutschlandfunk (Köln) am 13. Oktober 1970. Die Zwischenüberschriften wurden um der besseren Übersichtlichkeit willen in den nachstehenden Text eingefügt.

Ein umstrittener Mann

Dieser Mann ist ein autoritärer Dogmatiker. Er ist hartnäckig, eifrig, ist inkonsequent und intolerant, unrealistisch, eigensinnig und arrogant. Immerhin auch intelligent, doch zu ehrgeizig, sarkastisch, zynisch, haßerfüllt, destruktiv, eher opportunistisch, unverantwortlich, ein völlig unkontrollierbares Temperament, machtgierig, preußisch und stur.

Das ist ein Sammelsurium von Charakteristiken über Kurt Schumacher, Äußerungen seiner Gegner innerhalb und außerhalb seiner Partei entnommen. Wie anders aber lauten die Urteile seiner Freunde und auch mancher seiner politischen Gegner:

Kurt Schumacher war ein großer politischer Führer, kompromißlos, intellektuell überragend. Er war anregend, faszinierend, witzig, dynamisch und militant, einsam, impulsiv, eifrig und moralisch. Schumacher war heroisch, wuchtig. Er war ein großer Redner, eine Persönlichkeit.

Ein uninteressanter Mann kann Kurt Schumacher jedenfalls nicht gewesen sein, wenn er derart widerspruchsvolle Stellungnahmen hervorlockte. Da gibt es noch mehr Beispiele. Helmut Schmidt, der erst Jahre nach dem Tode Schumachers in die Parteispitze aufstieg, macht bei einer allerdings höchst privaten und kaum repräsentativen Umfrage eine seltsame Feststellung:

Ich habe Leute gefragt, die sich selbst zum größten Teil wohl für Linke halten würden. Rechts erweckte bei meinen Gesprächspartnern Assoziationen wie Thron und Altar Reichsidee, Adel, Großkapital, Besitz, Privilegien, Oberklasse, gewerkschaftsunfreundlich, unsozial, antisozial, rückschrittlich. Rechts stand bei ihnen Metternich, Bismarck, Wilhelm II., Hugenberg und Kurt Schumacher.
...

Kurt Schumacher - ein Chauvinist?

Das Ziel, um das es Schumacher ging, war der Wiederaufstieg Deutschlands als einer gleichberechtigten Nation... In dieser Zeit, in der jegliches Nationalbewußtsein für einen Deutschen verpönt war, bekannte Schumacher:

National sein ist Ehrensache, international sein ist Aufgabe. Nationalist sein heißt heute Todfeind des deutschen Volkes sein... Der notwendige gute Wille Zur internationalen Zusammenarbeit kann nur entstehen auf der Grundlage der nationalen Selbstbehauptung. Eine Zerstörung der deutschen Nation würde hier wie bei allen anderen Völkern der Welt der beste Boden für die Entstehung des Nationalismus sein. Internationale Zusammenarbeit setzt die nationale Geltung aller Beteiligten voraus.

Solche Äußerungen brachten Schumacher kaum Freunde ein. In jener Zeit, da viele Deutsche viele Interessen vertraten, nur nicht die des eigenen Landes, war das Urteil schnell gefällt: Schumacher sei ein Nationalist. Im Ausland, das damals besonders hellhörig war auf Meinungen, die ihm unbequem schienen, fehlte es natürlich auch nicht an entsprechenden Verdächtigungen.

  • In der schweizerischen Zeitschrift "Servir" war 1946 zu lesen: Kurt Schumacher ist ein chauvinistischer Demagoge.

  • In der französischen "Concorde" 1947: Kurt Schumacher ist ein neuer Hitler.

  • Und in der kommunistischen "L'Humanite" im gleichen Jahr: Kurt Schumacher ist ein Nazidemagoge und Nationalist.

Feind Nr. 1 der Kommunisten

Für die Kommunisten in Ost und West war Kurt Schumacher sehr schnell zum Feind Nr. 1 avanciert. In den Zeitungen der kommunistischen Einheitspartei fanden sich immer wieder Schlagzeilen wie:

Räuchert die Nester der Schumacheragenten aus! Schumacher'sche Spionagegruppen entlarvt! Jetzt beginnt der Kampf gegen Schumacheragenten! Ein neues Betrugsmanöver der Schumacher Clique! Die Schumacherleute müssen entlarv, von der Arbeiterklasse isoliert und bestraft werden!

Über die Hintergründe dieser Kampagne berichtete der sowjetische Oberst Tokajew, der wichtige Funktionen in der Militärregierung ausübte, später nach seiner Flucht im Jahre 1952:

Dr. Schumachers erste Rede rief bei den politischen Mitarbeitern der sowjetischen Militäradministration Gereiztheit, Wut und Unsicherheit hervor. Es war völlig klar, daß dies ein Mann mit großem Schwung war, ein Mann, der sich unendlich weit über politische Nullen, wie zum Beispiel Grotewohl, erhob. Es war klar, daß wir in der Person von Schumacher ein hervorragendes Beispiel für den Ausspruch Goethes vor uns hatten: Ein Mensch sein heißt Kämpfer sein. Wir begriffen, daß von nun an für den Kreml der Feind Nummer eins in ganz Deutschland Schumacher sein würde. Eine solche Ehre wird nur den wahren demokratischen Persönlichkeiten zuteil.

Schumacher der Oppositionsführer

Schumacher war fest davon überzeugt, daß die Sozialdemokraten die erste Nachkriegsregierung in Deutschland stellen würden. Das spiegelt sich in einem Gespräch, das im März 1946 bei der Eröffnung des Zonenbeirates für die britische Zone zwischen Schumacher und Adenauer stattgefunden haben soll. Schumacher erläuterte seine Pläne, und als Adenauer ihm in einigen Punkten zustimmte, meinte Schumacher:

Unter diesen Umständen wäre ich wohl zu einer Zusammenarbeit bereit. Allerdings unter einer Voraussetzung: Sie und Ihre junge Partei, Herr Adenauer müssen den Führungsanspruch der SPD anerkennen. Jeder objektive Beobachter muß zugeben, daß die SPD die größte und zukunftsreichste Partei ist.

Darauf Adenauer:

"Ich persönlich bin anderer Ansicht. Ich glaube nicht, daß die SPD die größte Partei sein wird. Die Entscheidung darüber sollte man den kommenden Wahlen überlassen."

Das Ergebnis der Wahlen vom August 1949 war für Schumacher deshalb eine besondere Enttäuschung. Die SPD lag mit 29.2 Prozent um nur 1.8 Prozent hinter der CDU/CSU, die 31 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Damit war die CDU/CSU mit 139 Abgeordneten gegenüber 131 SPD-Abgeordneten die stärkste Partei im Bundestag und bildete deshalb unter Adenauer die erste Bundesregierung. Allen Versuchen, eventuell eine CDU/SPD-Regierung zu bilden, setzte Schumacher Forderungen entgegen, die für die Christlichen Demokraten unannehmbar waren. Die Folge war eine starke Polarisierung im Bundestag. Sie schlug sich in zahlreichen Bundestagsdebatten nieder. Besonders Schumacher wurde durch seine scharfen Formulierungen zum gefürchteten Gegner.
...

Besonders bekannt wurde der Zwischenruf Schumachers in der Debatte um das Petersberger Abkommen, als Bundeskanzler Adenauer ausführte:

"Und meine Damen und Herren, ich stelle fest, ich muß das leider feststellen, nach der letzten Rede des Herrn Kollegen Ollenhauer, daß die sozialdemokratische Fraktion bereit ist, eher die ganze Demontage bis zu Ende gehen zu lassen. (Zustimmung) Meine Damen und Herren, zu dieser Frage muß die Opposition Stellung nehmen. Das ist die Frage, um die es sich handelt, und um keine andere Frage. Ist sie bereit, einen Vertreter in die Ruhrbehörde zu schicken oder nicht, und wenn sie erklärt Nein, dann weiß sie, aufgrund der Erklärung, die mir der General Robertson abgegeben hat, daß die Demontage bis zum Ende durchgeführt wird."

Zurufe: Das ist nicht wahr! Sind Sie noch ein Deutscher? Wo steht denn das?
Schumacher: Der Bundeskanzler der Alliierten!

(Tumult)
...

Es kam zu erregten Auseinandersetzungen. Die CDU forderte eine Entschuldigung. Schumacher weigerte sich. Darauf wurde die Sitzung unterbrochen, damit der Ältestenrat einen Beschluß fassen konnte. Ein Augenzeuge beschreibt die Stimmung in der SPD-Fraktion:

In den frühen Morgenstunden des 25. November 1949 saß im Fraktionszimmer der SPD im Bonner Bundeshaus ein Mann ganz allein und starrte zur Decke. Ringsum standen Gruppen von Abgeordneten eifrig gestikulierend oder mit betrübt hängenden Köpfen untereinander tuschelnd. Aber keiner von ihnen ging zu dem einsamen Mann hin, der mit einem verfallenen, übernächtigten und nervös zuckenden Gesicht dumpf vor sich hinbrütete. Es war als ob eine unsichtbare Mauer der Isolierung um ihn herum errichtet wäre, die niemand zu überschreiten wagt.

Schumacher gab die verlangte Entschuldigung nicht. Daraufhin wurde er für zwanzig Sitzungstage aus dem Parlament ausgeschlossen. Seiner Führungsposition hat das nicht geschadet, wenn auch nicht vergessen werden darf, daß es in der Partei Gruppen gab, die in Einzelfragen mit den politischen Entscheidungen des Parteivorsitzenden nicht einverstanden waren.

Deutsche Einheit in Freiheit und Frieden

Zentrales Thema der Schumacherschen Politik war und blieb die Wiederherstellung der deutschen Einheit. Kurz nach Kriegsende brachte Schumacher das gegenüber einem Freund auf die knappe Formel:
Mit einem Handtuch Deutschland kannst Du keine Politik machen!

Aber es ging Schumacher, wenn er an die Einheit der Deutschen dachte. in dieser Zeit um mehr als nur um "Politik". Eindrucksvoll gibt das eine Rede wieder, die Kurt Schumacher im August 1947 auf dem Hertha-Platz am Berliner Gesundbrunnen hielt:

Wir stehen vor der Londoner Konferenz, von der man eine Zerreißung, wenn auch eine vorübergehende Zerreißung Deutschlands befürchtet. Man soll sich aber bei uns wie draußen darüber klar sein, die Zerreißung Deutschlands ist die Zerreißung Europas und die Zerreißung der Welt und ein Nebeneinander in einer Welt droht abgelöst zu werden von einem Gegeneinander zweier verschiedener Welten. Und so gefährlich wie diese Dinge an sich sein mögen, am allergefährlichsten werden sie dann, wenn diese Zerreißung mitten durch ein großes, vitales Volk vor sich geht, dann sind die Gefahrenmomente vergrößert, dann reagiert alles viel empfindlicher, und wir deutschen Sozialdemokraten fordern in dieser Stunde das deutsche Volk auf gleichgültig wie sein äußeres Schicksal sich gestalten mag, zusammenzubleiben als ein Volk von Deutschen in allen Besatzungszonen.

Scharf wandte sich Schumacher unablässig gegen alle Versuche der sowjetdeutschen Kommunisten, ihrerseits mit Einheitsparolen zu operieren. Den Machthabern in Ostberlin hielt Schumacher - so in einem Aufruf zur "Wahl" in der Sowjetzone im Oktober 1950 entgegen die ...

... Gegenparole gegen den 15. Oktober, das ist die Parole von der deutschen Einheit auf der Grundlage allgemeiner, freier, direkter und geheimer Wahlen. Es ist die Parole, eine deutsche Einheit zu schaffen, und nicht, wie jetzt die Männer von Pankow versuchen, die Einheit einer russischen Provinz mit deutschen Bewohnern.

In der gleichen Rede machte Schumacher deutlich, in welchen Rahmen er die deutsche Einheit eingebettet wußte:

Die deutsche Einheit ist nicht eine nationale Frage der Deutschen allein oder in erster Linie. Die deutsche Einheit ist die Frage nach Kraft und Geltung der Demokratie auf deutschem Boden, ist die Frage nach der Position der Weltdemokratie gegenüber dem östlichen Totalitarismus.

Die Forderung nach Deutschlands Einheit war für Schumacher untrennbar mit der Forderung nach dem Selbstbestimmungsrecht, der persönlichen und staatsbürgerlichen Freiheit und der Gleichberechtigung aller Deutschen verbunden. Deshalb warnte Schumacher immer wieder vor den Umgarnungsversuchen aus dem Osten:

Seien Sie vorsichtig! Die Leute, die heute auf diesem Gebiet von Einheit sprechen, meinen den Monopolanspruch ihrer eigenen Herrschaft. Die Art und Weise, wie jetzt die Kommunisten mit allen möglichen Mitteln der Tarnung in Westdeutschland einzudringen versuchen, kann man nur als politische Fassadenkletterei bezeichnen. Aber die deutsche Sozialdemokratie lehnt es ab, bei diesem Einbruchsdelikt Hilfe zu leisten.

Im November 1950 erklärte Schumacher vor dem Deutschen Bundestag:

Nun, meine Damen und Herren, haben die Angelsachsen und leider auch weite Teile unseres eigenen Volkes in der Vergangenheit allzulange den Kommunisten beziehungsweise die Westmächte den Sowjetrussen die Parole von der deutschen Einheit überlassen. Jede große Idee wird in der Hand der Diktatoren nur Scheidemünze der Propaganda. Heute schon zeichnet sich ganz deutlich ab: eine Einheitsfrontkampagne mit der gloriösen Formulierung: "Mit den Sozialdemokraten und den fortschrittlichen Teilen der bürgerlichen Parteien" (Zuruf von der KP: Und es tut sich sogar was.) Ach, meine Herren Kommunisten (Heiterkeit). Wir sind da krisenfest, denn sehen Sie: Zum Predigen gehört nicht nur der Prediger sondern auch die Gläubigen, und die deutschen Arbeiter sind ungläubig gegenüber jeder Formel des Kommunismus und des Totalitarismus! Das einzige, meine Herren Kommunisten, was Sie noch für Ihre Idee tun können; treten Sie ab!

Schumacher behielt Recht. Hatten die Kommunisten bei der Bundestagswahl 1949 noch 5.7 Prozent erhalten, so sank dieser Anteil 1953 - ein Jahr nach Schumachers Tod auf nur 2.2 Prozent. Diese eindeutigen Wahlergebnisse haben die Kommunisten jedoch nicht gehindert, sich als die künftigen "Sieger der Geschichte" zu fühlen. Männer wie Schumacher aber als Ewiggestrige zu bezeichnen.
...

Keine Anerkennung der Oder-Neiße-Linie

Zu einem einheitlichen Deutschland gehörten für Schumacher selbstverständlich auch die Gebiete unter polnischer und sowjetischer Verwaltung jenseits von Oder und Neiße. Wenige Monate nach Kriegsschluß hatte Schumacher in Köln erklärt:

Deutschland wird nie die Oder-Neiße-Linie, wie sie von den vier Siegermächten in Potsdam festgelegt wurde, als deutsche Grenze anerkennen. Wir werden um jeden Quadratmeter deutschen Boden jenseits dieser Linie mit friedlichen Mitteln kämpfen.

Parteivorstand und Parteiausschuß der SPD bekräftigten diese Erklärung im August 1946 in einer Entschließung:

Die Sozialdemokratie betrachtet die Diskussion der deutschen Grenzen als unteilbares Ganzes. Sie wendet sich deswegen gegen die leichtfertige Verzichtspolitik der kommunistischen SED gegenüber der vorläufigen deutschen Ostgrenze. Es ist nicht möglich, im Widerspruch zu den Interessen des gesamten Volkes im Osten Verzichte auszusprechen und sich im Westen nationalistisch zu gebärden.

In einem Interview mit der französischen Monatsschrift "Constellation" im Sommer 1949 wiederholte Schumacher seine Forderung:

Die Regelung der deutschen Grenzen kann erst durch den Friedensvertrag erfolgen. Irgendeine Anerkennung vorher geschaffener Tatsachen ist deswegen nicht möglich, weil die Alliierten selbst den provisorischen Charakter dieser Schritte betont haben. Was die Ostgrenzen anbetrifft, so halten alle Deutschen sie für provisorisch und im Widerspruch zu den Erklärungen von Potsdam stehend ... Die Grenzfrage ist offen, und es ist ganz klar daß alle deutschen Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, das Optimum erstreben.

Es gab nicht wenige gerade in Deutschland - die solch heftige Kritik an den Alliierten verschreckte. Deshalb war es für viele erstaunlich, als die französische Zeitung "Le Monde" im Januar 1948 schrieb:

Mancher wollte in Schumacher einen unverbesserlichen Nationalisten, einen Schüler wenn nicht einen Nachfolger von Hitler sehen. Ein Nationalist? Weil er offen die Irrtümer der Alliierten kritisiert? Weil er gegen die neue Grenze, die Neiße-Oder-Linie protestiert? Aber wenn man uns 20 Departements wegnehmen würde, welcher Franzose wäre da kein Nationalist? Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Herr Schumacher ist eine bedeutende und sympathische Erscheinung. Er liebt sein Vaterland und verteidigt es mit Leidenschaft, manchmal mit Heftigkeit. Würden wir vielleicht die kriecherische, schmeichelnde Art vorziehen?

Nun, kriecherisch und schmeichelnd - das war gewiß nicht Schumachers Art. So sagte er auch im März 1951 vor dem Deutschen Bundestag ungeschminkt seine Meinung, als die sowjetische Anregung eines Friedensvertrages zur Debatte stand:

... Wir wollen die Freundschaft mit dem polnischen Volke, aber nicht um den Preis des deutschen Selbstmordes (Beifall), und die Kommunisten haben nicht das Recht, auf Menschen und Gebiete Deutschlands zu verzichten, die ihnen doch nicht gehören, dieser kommunistischen Partei, einer Funktion einer Besatzungsmacht.

Und im August 1952, wenige Tage vor seinem Tod, präzisierte Kurt Schumacher noch einmal, wie er über eine etwaige Abtretung der deutschen Ostgebiete dachte:

Nach dem deutschen Grundgesetz ist die Bundesregierung gar nicht legitimiert,

Gebietsabtretungen von Deutschland vorzunehmen... Nur das geeinte deutsche Volk kann eine verbindliche Zusage über seine Grenzen abgeben.

Keine Neutralisierung Deutschlands

Als Anfang der fünfziger Jahre der Gedanke einer Neutralisierung Deutschlands als Weg zur Wiedervereinigung auftauchte, war es Schumacher, der auf die machtpolitischen Aspekte hinter dieser Propaganda hinwies... Welche Rolle einem solchen neutralisierten Deutschland zufiele, hatte Schumacher bereits 1945 niedergeschrieben:

Ein System russischer Gürtelstaaten zu schaffen ist eine machtpolitische Methode, die uns fremd ist und die wir ablehnen. Deutschland soll ein Niemandsland danach werden, ein Glacis für die Landesverteidigung der Mächte mit hegemonialen Tendenzen. Im Gegensatz zu allen Grundsätzen, mit denen Rußland und die Komintern auf die arbeitende Bevölkerung der Welt eingewirkt haben, macht sie jetzt eine Politik gegen die von ihnen selbst propagierten Ideen. Man denke nur an das Selbstbestimmungsrecht der Völker und seine neuerliche Handhabung. Man kann eben nicht die Prinzipien der Demokratie, des Sozialismus, der Freiheit, des Selbstbestimmungsrechts der Völker deklarieren, und eine Politik machen, die das Gegenteil davon bedeutet.
...

Und mit einer historischen Erinnerung umriß Schumacher seine Einstellung zum kommunistischen Friedensverständnis:

Was der Kommunismus wirklich denkt über den Frieden, seine Bedeutung, seine sittlichen Werte, seine Wohltaten für die Völker das zeigt am besten eine Rede, die Stalin am 13. Juni 1928 vor der kommunistischen Parteiorganisation in Leningrad gehalten hat. Dort heißt es klar und eindeutig: "Das am weitesten verbreitete Mittel, um die Arbeiterklasse einzulullen und sie zum Kampf gegen die Kriegsgefahr abzulenken, ist der heutige Pazifismus mit seinem Völkerbund, seinen Friedenspredigten, mit dem Verbot des Krieges, mit seinem Abrüstungsgeschwätz." Ich glaube, an dem Tage hat der spätere Generalissimus Stalin einen tiefen Blick in seinen Spiegel getan.

Für Schumacher stand fest:

Europa ist mit Rußland möglich, aber Europa und Deutschland sind nicht russisch möglich
...

Schumacher beschränkte sich jedoch keineswegs darauf, nur vor dem Kommunismus zu warnen. 1951 erklärte er vor der Internationalen Sozialistischen Konferenz in Frankfurt am Main:

Die stärkste Waffe im Kampf gegen den Kommunismus, die schwerste und entscheidende Waffe, das sind soziale Tatsachen, sie sind die Quintessenz der Propaganda, aber nicht banale, bloß antibolschewistische Deklamationen ohne positive Zielsetzung für Freiheit und soziale Gerechtigkeit.

Konsequent verfolgte Ziele

Schumacher ließ nie einen Zweifel an den Zielen seiner Politik aufkommen:

Die Sozialdemokratie hat Nein gesagt zur Oder-Neiße-Linie. Wenn wir Nein gesagt haben, dann haben wir Ja gesagt zum freien Selbstbestimmungsrecht der Völker auch des deutschen Volkes, auch nach dem Verbrechen der zwölf Jahre. Wir haben Nein gesagt zum Verlangen der Sowjets auf Zwangsvereinigung mit den Kommunisten. Wir haben damit Ja gesagt zur Unverzichtbarkeit der persönlichen und staatsbürgerlichen Freiheit. Was wäre aus Deutschland geworden, wenn wir Ja gesagt hätten? Die Sozialdemokratie hat Nein gesagt zur rechtswidrigen, machtpolitisch eindeutigen Herauslösung des Saargebietes aus dem deutschen Staatswesen. Sie hat Ja gesagt zu dem unverzichtbaren Grundrecht und der Gleichberechtigung aller Deutschen gegenüber allen anderen Völkern, Wenn sie im Westen hier zu diesem Vorgang Ja gesagt hätte, dann wäre der Kampf im Osten entscheidend geschwächt worden.

Schumacher war nicht bereit, um irgendwelcher Augenblickserfolge willen Kompromisse mit den Diktatoren zu schließen. Vor dem Bundestag warnte er, sich von angeblichen Gemeinsamkeiten mit den Kommunisten täuschen zu lassen:

Und an dieser Stelle ist es unsere Aufgabe, die Ahnungslosen, Wohlmeinenden in unserem Volke zu warnen vor jeder Form der Gemeinsamkeit, mag sie noch so freundlich angebahnt werden. Aber ich möchte den Wohlmeinenden, den Redewütigen und Repräsentationsinteressierten hier in diesem Lande sagen: Man kann nicht mit den Peinigern verhandeln und die Gepeinigten ignorieren.

Dem Vorwurf, durch ihre unnachgiebige Haltung gegenüber den Kommunisten sei die Sozialdemokratie mit für die Teilung Deutschlands verantwortlich, hielt Schumacher entgegen:

Jeder Tadel an unserer angeblichen Spalterleistung ist das größte Lob, das wir erfahren können. Denn was sie Spaltung nennen, das ist die Bewahrung der persönlichen, der menschlichen, der sittlichen und der nationalen Freiheitsqualitäten. Was sie Spaltung nennen, ist die Bewahrung der Menschlichkeit in ihrem letzten Sinne. Ich diskutiere nicht, ich polemisiere nicht. Mit Knechten kann man nicht von der Freiheit reden.

Denn für Schumacher stand fest:

Eine Demokratie mit Einheitspartei oder Einheitslisten ist keine Demokratie, sondern ist das Gegenteil: Diktatur!

Es galt für Schumachers Streben besonders, was er kurz vor seinem Tode im Vorwort zum Dortmunder Aktionsprogramm der SPD vom September 1952 festgehalten hat:

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist nach 1945 von der Idee ausgegangen, ein Deutschland zu schaffen, das die Wiederholung der Schrecken der Vergangenheit ausschließt. Dazu war nach ihrer Meinung notwendig, die Zusammenarbeit mit den anderen freiheitlichen Faktoren der Welt anzustreben, unter keinen Umständen aber die Deutschen in die Position der Unterworfenen sinken zu lassen. In der deutschen Sozialdemokratie lebte die Erkenntnis Leon Blums: Es gibt kein freies Proletariat in einem geknechteten Volk. Es gibt keine freien Menschen, wenn nicht alle Menschen frei sind; und es gibt kein Vaterland wenn nicht alle Vaterländer frei sind."

Und heute?

Stephan Thomas, der aus England kommend Kurt Schumacher im November 1945 erstmals in Hannover begegnete und der von I949 bis 1966 Leiter des von Kurt Schumacher im Frühjahr 1946 gegründeten Ostbüros der SPD war, schrieb 1990:

"Bei der Betrachtung des Lebenswerkes Kurt Schumachers in der Zeitspanne von 1945 bis zu seinem Tod im August 1952 stellt sich abschließend die Frage nach seinem Vermächtnis, dem geschichtlichen Rang und der Bedeutung seines Gesamtwerkes für unsere Zeit. Ist der ,Beginner' von 1945 über seinen Tod hinaus der Beweger und Anreger geblieben, der mit seiner charismatischen Kraft weiter als die anderen zu sehen und stärker als die anderen die Wirklichkeit zu gestalten wußte? In einer seiner letzten Bekundungen vor seinem Tod heißt es: ,Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist nach 1945 von der Idee ausgegangen, ein Deutschland zu schaffen, das die Wiederholung der Schrecken der Vergangenheit ausschließt. Dazu war nach ihrer Meinung notwendig, die Zusammenarbeit mit den anderen freiheitlichen Faktoren der Welt anzustreben, unter keinen Umständen aber die Deutschen in die Position der Unterworfenen sinken zu lassen... Bei der Frage nach dem geschichtlichen Rang und der Bedeutung Kurt Schumachers glaube ich, daß sich von Lasalle über Bebel zu Schumacher die Kontinuität in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie darstellt. Ich bin ferner der Ansicht, daß immer dann, wenn die Sozialdemokratische Partei in den entscheidenden Bereichen staatlicher Macht und politischer Geltung in ihrem machtpolitischen Selbstverständnis gefordert wird, eine Renaissance, eine Rückbesinnung auf das Ideengut und Lebenswerk Kurt Schumachers erfolgen wird. Voraussetzung dafür ist eine Persönlichkeit in der Führung der Partei, die, um abschließend noch einmal Plechanow zu bemühen, 'die Besonderheiten besitzt, die ihn befähigen, den großen gesellschaftlichen Bedürfnissen seiner Zeit zu dienen'." Ein Rundfunkkommentator meinte wenige Tage nach Schumachers Tod im August 1952: "Den Kommunisten ist nicht ein Gegner gestorben, sondern er erwächst ihnen erst aus dem geistigen Erbe dieses Mannes."

Kurt Schumacher zu aktuellen Themen

Kommunisten sind "rotlackierte Nazis"

Als Bundeskanzler Helmut Kohl im Bundestagswahlkampf 1995 mit Hinweis auf Kurt Schumacher Kommunisten gelegentlich als "rotlackierte Faschisten" bezeichnete, erhob sich im deutschen Linkskartell dröhnendes Protestgeschrei. Vor allem die SED-Nachfolgepartei PDS verwahrte sich gegen die vom Bundeskanzler "vorgebrachte Beleidigung", mit der das politische Klima in Deutschland "in einem unerträglichen Maße" vergiftet werde. In einem Offenen Brief an den Bundeskanzler verstiegen sich die PDS-Oberen Lothar Bisky und Gregor Gysi zu der Behauptung, wenn Kohl sich für diese "Beleidigung" nicht entschuldige, würde er die unmittelbare politische und moralische Mitverantwortung dafür übernehmen, "wenn künftig in dieser Gesellschaft Gewalttaten gegen Linke begangen werden".

Auf Feststellungen, daß die Benennung der Kommunisten als "rotlackierte Nazis" auf den früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher zurückgeht, reagierten Bisky und Gysi mit dem Hinweis auf eine Rede Schumachers am 30. März 1930 auf der Gaukonferenz des Reichsbanners Württemberg in Eßlingen, und hielten es für bezeichnend, "daß Sie (Kohl) das Vokabular aus dieser Zeit in das Jahr 1994 übertragen". In der zitierten Rede hatte Kurt Schumacher gesagt:

"Der Weg der leider ziemlich zahlreichen proletarischen Hakenkreuzler geht über die Kommunisten, die in Wirklichkeit nur rotlackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten sind. Beiden ist gemeinsam der Haß gegen die Demokratie und die Vorliebe für Gewalt."

Irreführend und vernebelnd, sowie belegbare Tatsachen leugnend war der Versuch des PDS Bundesvorsitzenden Lothar Bisky und des Vorsitzenden der PDS-Abgeordnetengruppe im Deutschen Bundestag, Gregor Gysi, die Benennung der Kommunisten als "rotlackierte Nazis" auf eine einzige Rede Kurt Schumachers im Jahre 1930 zu reduzieren. Verschwiegen wurde die Tatsache, daß der erste SPD Vorsitzende in Westdeutschland, in der späteren Bundesrepublik Deutschland, diesen Begriff vor allem nach Kriegsende in der Auseinandersetzung mit kommunistischer Politik in und gegen Deutschland verwendet hatte.

Als ehemaliger "Insider" (ich war ab 1949 beim Ostbüro der SPD tätig. das ich von 1966 bis zu dessen Auflösung im Januar 1970 leitete) kann ich bestätigen, daß diese Bezeichnung von Schumacher sehr oft in Gesprächen, bei Besprechungen in Parteigremien und bei anderen Gelegenheiten zur prägnanten Charakterisierung der Kommunisten (nicht nur der deutschen Kommunisten) und ihrer Politik benutzt wurde. In zahlreichen Reden, Referaten und Diskussionsbeiträgen setzte sich Schumacher zumeist sehr detailliert mit den Kommunisten und ihrer Politik auseinander und hob insbesondere die geistige, politisch-ideologische Verwandtschaft von Nationalsozialisten und Kommunisten, von nazistischer und kommunistischer Politik hervor. Diese, teilweise sehr ausführlichen analytischen Feststellungen lassen sich durchweg auf die sehr prägnante Formel "rotlackierte Nazis" reduzieren.

Eine zitierbare Belegstelle findet sich in der norwegischen Zeitung "Arbeiderbladet" (Oslo) vom 12. Juni 1947. Nach einer Sitzung der COMISCO (Comite Consultativ International Socialiste) im Juni 1947 in Zürich, auf der Schumacher den Antrag auf Aufnahme der SPD in diese Institution stellte und in seinem Referat den Kommunismus hart attackierte, führte er unter anderem mit einem Redakteur dieser Zeitung ein langes Gespräch. In dem danach in diesem Blatt veröffentlichten Bericht heißt es:

"Schumacher ist Demokrat und ein starker Fürsprecher des Individuums, und er hebt besonders hervor, daß die Kommunisten die Tyrannei nur von braun auf rot umfärben wollen. Er nennt sie rotlackierte Nazis."

Der sozialdemokratische Politiker Prof. Carlo Schmid erinnerte in einer Kurt Schumacher gewidmeten Gedenkrede 1962 daran:

"Schumachers Wort, daß der Totalitarismus eine Scheußlichkeit bleibe, auch wenn er rot gestrichen ist statt braun, und daß Konzentrationslager mit Hammer und Sichel über dem Torbogen eine größere Schande sind als solche mit dem Hakenkreuz, hat die Masse der deutschen Arbeiterschaft in Ost und West gegen Drohungen und Lockungen aus Moskau und Pankow immun gemacht."

In einer Wahlkampfrede am 4. September 1994 in Dortmund sagte der langjährige stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt:

"Denn Ihr wißt ja, was wir von den von Kurt Schumacher sogenannten "rotlackierten Nazis" zu halten haben. Kohl hat dieses Wort übrigens bei Schumacher geklaut (sie). Und wir erinnern uns an Ulbrichts und Honeckers und Mielkes Stacheldraht- und Mauergefängnis."

Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS

Bereits auf dem 1. Parteitag der SPD in den westlichen Besatzungszonen im Mai 1946 in Hannover bezog Kurt Schumacher eine klare Position zu den Soldaten der Deutschen Wehrmacht:

"Wir brauchen trotz alledem als aktuelle Tagesaufgabe den Neubau der sozialen Versicherungen, und wir brauchen auch eine Hilfe für die Kriegsbeschädigten, trotz aller Währungsschwierigkeiten brauchen wir diese Hilfe. Es ist nicht wahr, daß diese jungen Menschen die Opfer der Zeit und einer übermenschlichen Verführung geworden sind, und wenn ich heute zusammengeschossene Kriegsbeschädigte sehe, sehe ich in ihnen nicht Nazis, sondern die Opfer der Nazis."

Außerordentlich befremdet reagierte einer der führenden Repräsentanten der internationalen jüdischen sozialistischen Organisation "Der Bund", der Genfer Professor Liebmann Hersch auf ein Treffen Schumachers mit zwei Offizieren der ehemaligen Waffen-SS im Herbst 1951, in dem es vor allem um die soziale Eingliederung unbelasteter ehemaliger Waffen-SS-Soldaten ging. Am 30. Oktober 1951 schrieb Kurt Schumacher einen mehrseitigen Brief an Hersch. Darin begründete und rechtfertigte Schumacher sein Gespräch:

"Die Sozialdemokratische Partei ist ausgegangen und geht aus von jeder Ablehnung und Bekämpfung der Kollektivschuld. Das bedeutet nicht, daß sie damit individuelle Verbrechen entschuldigen oder gar zudecken wolle. Sie tritt für die strafrechtliche Verfolgung krimineller Delikte ein. Es wird für Sie von Bedeutung sein zu erfahren, daß sich die beiden Vertreter der früheren Waffen-SS ausdrücklich zu der Bestrafung dieser individuellen Verbrechen bekannt haben. Es besteht also gerade von dieser Seite gar nicht der Wunsch, an die Stelle der Kollektivschuld eine ebenso unmögliche Kollektivunschuld zu setzen.

Die Grundlage dieser Unterhaltung ist das menschliche und staatsbürgerliche Moment. Aus dem zweiten Weltkrieg sind mehr als 900.000 Angehörige der früheren Waffen-SS zurückgekehrt. Diese Waffen-SS ist weder mit der allgemeinen SS, noch mit den speziellen Organisationen der Menschenvernichtung und -verfolgung gleichzusetzen, sondern hat sich selbst als eine Art vierter Wehrmachtsteil gefühlt und ist damals auch so gewertet worden. Die Waffen-SS als Massenformation ist kriegsbedingt gewesen und nur für Kriegszwecke geschaffen worden.

Sicher sind viele der jungen Menschen Träger einer speziellen hitlerischen Ideologie gewesen, ohne aber die Verbrechen der zwölfjährigen Diktatur als solche zum Bestandteil ihrer politischen Zielsetzung zu machen, sehr oft, ohne sie zu kennen oder ohne sie ausreichend zu kennen. Hunderttausende aber sind ohne ihr Zutun für die SS als Wehrmachtsteil eingezogen oder von anderen Formationen, z.B. von der Luftwaffe, gegen ihr Wollen Zur Waffen-SS abkommandiert worden.

Die Mehrzahl dieser 900.000 Menschen ist in eine ausgesprochene Pariarolle geraten. Sie sind kollektiv haftbar für die Verbrechen des SD und der Menschenvernichtungsaktionen gemacht worden, trotzdem sie als Waffen-SS kaum nähere Berührung damit hatten als manche andere Wehrmachtsteile. Zu jedem totalitären System hat es gehört, mit allen Methoden der Verstrickung ein Ergebnis von Mitschuld aller Zu erzeugen. Im Falle der Waffen SS hat man im Bewußtsein der Welt eine totale Komplizität herbeizuführen sich ziemlich erfolgreich bemüht. Uns scheint es eine menschliche und staatsbürgerliche Notwendigkeit zu sein, diesen Ring Zu sprengen und der großen Masse der früheren Angehörigen der Waffen-SS den Weg zu Lebensaussicht und Staatsbürgertum freizumachen..."

Kollektivschuld

Kurt Schumacher lehnte jede Zuweisung von Kollektivschuld an das deutsche Volk entschieden ab. Bereits in sehr frühen Schriften und Reden Schumachers bald nach Kriegsende wies er auf die außerordentlich große Bedeutung hin, die die Frage nach der Schuld des gesamten deutschen Volkes für den moralischen und politischen Aufbau in Deutschland habe. Schumacher wies auch auf das "Schuldbekenntnis" der deutschen Kommunistischen Partei hin, das er als eine Selbstverständlichkeit bezeichnete, "denn ohne die Haltung der Kommunisten wäre das Versagen des deutschen Parlamentarismus und damit die Möglichkeit für die Nazi, an die Regierung zu kommen, nicht gegeben gewesen". Selbstbewußt verlangte Schumacher in "Richtlinien für die Arbeit in der SPD", daß das Verhältnis der Deutschen zu den Siegermächten loyal, anständig und vor allem absolut ehrlich sein solle. "Aber wir dürfen bei aller Loyalität nicht ängstlich werden, sondern müssen das Recht stets für uns in Anspruch nehmen, bei jeder Gelegenheit auch gegenüber den Siegern unsere Meinung zu sagen", schrieb Schumacher und fuhr fort:

"Sicher hat die gefährliche reaktionäre These von der Schuld des gesamten deutschen Volkes am Faschismus und am Krieg ihre stärkste Erschütterung durch die Stimmen derjenigen Deutschen erfahren, die den Mut hatten, zu beamteten und nichtbeamteten Angehörigen der angelsächsischen Nationen ihre andersartigen Ansichten zu äußern... Die Sieger müssen sich von vornherein darüber klar werden, daß die Wiederholung des Kardinalfehlers von 1918, nämlich die Behandlung der neuen Männer und Kräfte als schuldige Feinde, nach 1945 nie wieder gutzumachen wäre."

In einem für eine US-Zeitschrift verfaßten, jedoch unveröffentlicht gebliebenen Aufsatz vom Sommer 1951, schrieb Schumacher, daß es nicht möglich ist, ein Volk dauernd im Zustand der Zerknirschung über die Sünden eines nicht mehr existierenden Systems zu halten. Man kann nicht von falschen Kollektivurteilen ausgehen und die Demokratie für die Sünden der Diktatur büßen lassen. Eine solche Politik sei sinnlos besonders dann, "wenn dieses Volk zu politischen Leistungen gebraucht wird, wie sie die Abwehr des Kommunismus erfordert".

In engem Zusammenhang mit der Nichtanerkennung einer Kollektivschuld des gesamten deutschen Volkes stand auch Schumachers herbe Kritik an maßlosen Reparationsforderungen gegen Deutschland. In demselben Aufsatz aus dem Jahre 1951 bemängelt er, daß durch eine falsche Demontagepolitik weiterhin die wirtschaftliche und persönliche Existenz derselben Arbeiter bedroht werde, die die Träger des Kampfes gegen den Kommunismus sind. Schumacher kritisierte, daß man noch immer weiter demontierte, als man zur gleichen Zeit schon Stimmung für einen deutschen militärischen Beitrag zu machen versuchte. In einem wenige Wochen nach Kriegsende geschriebenen "Aufruf zur Besinnung und geistigen Umkehr" bezeichnete es Schumacher angesichts der Tatsache, daß die industriellen Produktionsmittel zum großen Teil zerstört sein mögen, und zu einem weiteren Teil (durch Reparationen und Demontagen) noch vermindert werden, als eine wichtige Aufgabe der Sozialdemokratie, alle Kraft daran zu setzen, um neue industrielle Produktionsmittel zu schaffen und in Gang zu bringen, denn: "Den arbeitenden Massen in Deutschland muß die Lebensgrundlage erhalten bleiben. Sie dürfen nicht in Arbeitslosigkeit sinken, nicht sozial verelenden und politisch entmachtet werden." An anderer Stelle, ebenfalls im Sommer 1945, nannte es Schumacher eine "Frage auf Leben und Tod für das deutsche Volk", ob es genügend Maschinen behalten und neu bauen kann. Das ist eine Frage, die nur von den einzelnen Siegermächten beantwortet wird und an der jede Nation praktisch zeigt, welches Interesse sie an der Aufrichtung Deutschlands und damit Europas und des Friedens hat".

In den "Politischen Richtlinien für die SPD in ihrem Verhältnis zu den anderen politischen Faktoren" vom 25. August 1945 stimmte Schumacher zu, daß Deutschland an Reparationen das leisten solle, was zu leisten möglich ist, aber: "Wir wollen keinen Selbstmord begehen. Am allerwenigsten aber kann man den deutschen Arbeitern zumuten, den Selbstmord an sich noch mit überströmender Begeisterung vorzunehmen." Schumacher stellte sodann fest: "Man kann das Unrecht heute nicht mit dem Unrecht von gestern entschuldigen. Selbst wenn man aus der Geschichte die Lehre zieht, daß Sieger weitestgehend die Fehler der Besiegten anzunehmen pflegen, darf die nazistische Raubpolitik kein Vorbild für die Politik der Vereinten Nationen sein."

Bemerkenswert sind auch Aussagen über von Deutschland geleistete Reparationen in Schumachers Grundsatzreferat auf dem Parteitag der SPD im Juni 1947 in Nürnberg. Nachdem der Redner festgestellt hatte, daß Deutschland "in Wahrheit" an Reparationen mehr geleistet habe, als ihm rechnungsmäßig an Forderungen bereits zugemutet worden ist - Schumacher verlangte, in die Berechnungen auch Patente, wissenschaftliche Forschungsergebnisse und dergleichen einzubeziehen - sagte er:

"Dazu kommt das, was man den 13 Millionen Vertriebener fortgenommen hat. Diese bequeme Plünderungsbeute kann nun wirklich nicht individuelle Beute einzelner vom Glück begünstigter Ritter der Beute sein, sondern das ist ein echtes Stück Reparationsleistung, das mit unserem Wissen und Willen nicht in den Schornstein geschrieben wird, dieses Plünderungsgut von 13 Millionen Menschen, das im Widerspruch zu vor der ganzen Welt feierlich abgegebenen Versprechungen steht. Dazu tritt der Verlust an deutschem Gebiet. Um nicht mißverstanden zu werden, meine Herren von der Weltpresse, wenn wir Sozialdemokraten von deutschem Gebiet sprechen, dann meinen wir nur immer das Gebiet der Weimarer Republik. Aber wenn man von diesem Gebiet der Weimarer Republik, wie es den Anschein hat, Teile schon als endgültig von Deutschland weggenommen betrachtet, dann soll man uns den vollen Wert dieser Gebiete auch auf die Reparationsansprüche anrechnen."

Nationales Selbstbewußtsein

An dem im Frühjahr 1995 anläßlich des 50. Jahrestages des Kriegsendes vor allem in Deutschland geführten, teilweise von erheblichen Gegensätzen, ideologischen Streitigkeiten und oft verleumderischer Polemik bestimmten Disput beteiligten sich auch Konservative mit einem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlichten Aufruf "8. Mai 1945 - Gegen das Vergessen". In diesem Aufruf wird behauptet, daß in Vergessenheit zu geraten drohe, daß der 8. Mai nicht nur das Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft bedeutete, sondern zugleich auch den Beginn von Vertreibungsterror und neuer Unterdrückung im Osten und den Beginn der Teilung unseres Landes. Dann heißt es: "Ein Geschichtsbild, das diese Wahrheiten verschweigt, verdrängt oder relativiert, kann nicht Grundlage für das Selbstverständnis einer selbstbewußten Nation sein, die wir Deutschen in der europäischen Völkerfamilie werden müssen, um vergleichbare Katastrophen künftig auszuschließen."

Die Unterzeichner des Aufrufs, darunter Mitglieder der SPD, wurden auch wegen dieser Aussage nicht nur kritisiert, gescholten, sondern verleumdet und in eine "rechtsextremistische Ecke" gestellt.

Jahrzehnte zuvor hatte sich der Sozialdemokrat Kurt Schumacher immer wieder in gleicher Weise geäußert. In seiner Rede auf dem 1. Parteitag der SPD in den westlichen Besatzungszonen im Mai 1946 beschäftigte sich Schumacher auch mit den vielen schwierigen, fast unlösbar erscheinenden deutschen Problemen. Schumacher war sich im klaren darüber, daß diese Probleme nicht allein durch die Siegermächte allein gelöst werden konnten, sondern "daß es Fragen der ganzen Welt sind, und daß wir bis zur Regelung dieser Probleme bloß die Objekte der Regelung sind". Doch Schumacher ließ es nicht mit dieser Feststellung bewenden, sondern fuhr fort:

"Aber wir wollen heute, in diesen Tagen (wohlgemerkt: im Mai 1946, H.B.) bereits daran denken, daß wir mit Subjekt sein wollen, soweit es Deutschland angeht... Man muß jedem Volke ein gewisses Minimum seiner nationalen Selbstachtung gestatten, wenn man es zu einem Volke der Zusammenarbeit und des Friedens machen will... Nach den Äußerungen der verantwortlichen Staatsmänner in und nach dem Kriege soll das deutsche Volk weder ausgerottet noch versklavt werden, aber praktisch ergeben sich besonders an der Peripherie des deutschen Raumes heute Zustände, die der Ausrottung und Versklavung heute so ähnlich sind wie ein Ei dem anderen..."

In einer packenden Rede im Jahre 1951, die vom Parteivorstand der SPD in einer Broschüre mit dem Titel "Deutschlands Forderung: Gleiches Risiko, gleiches Opfer, gleiche Chancen!" verbreitet wurde, nahm Kurt Schumacher die in der Parteitagsrede von 1946 entwickelten Gedanken zum wiederholten Male auf und formulierte sie in der bei ihm bekannten prägnanten und überzeugenden Art.

Das deutsche Volk gehört zu dem demokratischen Lebensstil des Westens, stellte Schumacher fest. "Den Mut zu diesem Bekenntnis müssen wir haben, aber wenn wir den Mut zu diesem Bekenntnis haben, dann müssen wir auch den ergänzenden Teil dieses Mutes aufweisen, um zu sagen: unsere Zugehörigkeit zum Westen bedeutet nicht die Unterwerfung unter die Wünsche einzelner westlicher Nationalstaaten." Ein starkes Europa, das moralisch, politisch und ökonomisch funktionsfähig sein soll, war nach Schumachers Vorstellungen nur auf der Grundlage der Gleichberechtigung möglich. Es ist der Wille des deutschen Volkes, meinte er, diese Gleichberechtigung von einer ganzen Welt zu fordern.

An anderer Stelle derselben Rede wurde Schumacher noch deutlicher:

"Ich möchte weiter sagen: Diese Hoffnung, daß man kampflos in eine Situation kommen könne, bei der man nolens volens von irgendwelchen auswärtigen Mächten gelenkt werden könnte, ist doch keine Hoffnung, mit der ein Volk sein gleiches Recht und seine Selbstbehauptung erkämpfen kann. Ich bin der Meinung, daß man eine Politik der Selbständigkeit machen soll, frei von jedem nationalistischen Exzeß. Aber ich bin der Meinung, daß das deutsche Volk jetzt endlich und besser und mehr als bisher ein selbstverständliches, ruhiges, ausgeglichenes, aber unerschütterliches nationales Selbstbewußtsein braucht, seinetwegen, aber auch der Völker Europas wegen."


spd_kur3.jpg 5,7 KB

Zum 20. Todestag Kurt Schumachers im Jahr 1972 ehrte die Deutsche Bundespost den Politiker mit der Ausgabe einer Sonderbriefmarke. Auch im Umlauf befindliche 2-DM-Münzen tragen ein Portrait Schumachers.


Literaturhinweise

Willy Albrecht (Hrsg.): Kurt Schumacher. Reden - Schriften - Korrespondenzen 1945-1952. Verlag J.H.W Dietz Nachf., Berlin/Bonn 1985.

Willy Albrecht: Kurt Schumacher. Ein Leben für den demokratischen Sozialismus. Verlag Neue Gesellschaft Bonn 1985.

Ulrich Buczylowski: Kurt Schumacher und die deutsche Frage. Seewald Verlag Stuttgart 1973.

Friedrich Ebert Stiftung (Hrsg.): Kurt Schumacher als deutscher und europäischer Sozialist (Materialien zur politischen Bildungsarbeit). Bonn 1988.

Lewis J. Edinger: Kurt Schumacher Persönlichkeit und politisches Verhalten 1967.

Friedrich Heine: Dr. Kurt Schumacher - Ein demokratischer Sozialist europäischer Prägung. Musterschmidt-Verlag Göttingen 1969.

Friedrich Holtmeier (Hrsg.): Kurt Schumacher Der Kampf um den Staatsgedanken in der deutschen Sozialdemokratie. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart/Berlin 1973. (Kohlhammer-Urban Taschenbücher, Reihe 80. Band 839).

Kurt Klotzbach: Der Weg zur Staatspartei. Programmatik, praktische Politik und Organisation der deutschen Sozialdemokratie 1945 bis 1965. Verlag J.H.W Dietz Nachf., Berlin/Bonn 1982.

Kurt Schumacher Gesellschaft e.V. (Hrsg.): Den Delegierten und Gästen des SPD Parteitages in Leipzig (KSG-Reihe Band 2). Bonn 1990.

Landsmannschaft Westpreußen (Hrsg.): Freiheit und Frieden - Worte von Kurt Schumacher; mit einer Einführung von Annemarie Renger und einem Nachwort von Herbert Hupka 1970.

Susanne Miller und Heinrich Potthoff: Kleine Geschichte der SPD. Darstellung und Dokumentation 1848-1983. Verlag Neue Gesellschaft, Bonn 1983.

Annemarie Renger (Hrsg.): Kurt Schumacher - Bundestagsreden. Verlag AZ Studio Bonn 1972.

Waldemar Ritter: Kurt Schumacher - Eine Untersuchung seiner politischen Konzeption und seiner Gesellschafts- und Staatsaufassung, Verlag H.W. Dietz Nachf. GmbH Hannover 1964.

Heinrich G. Ritzel: Kurt Schumacher - in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH Reinbek bei Hamburg 1972.

Arno Scholz und Walter G. Oschilewski (Hrsg.): Turmwächter der Demokratie - Ein Lebensbild von Kurt Schumacher. Arani Verlags-GmbH Berlin-Grundewald. Band I: Sein Weg durch die Zeit 1954. Band II: Reden und Schriften 1953. Band III: Als er von uns ging 1954. Günther Scholz: Kurt Schumacher, Econ-Verlag Düsseldorf 1988.

Fried Wesemann: Kurt Schumacher - ein Leben für Deutschland. Herkul GmbH Verlagsanstalt Frankfurt/Main 1952.

Institutionen, die das geistige Erbe Kurt Schumachers pflegen:

Die Gesellschaft für Soziale Demokratie e.V. mit Kurt-Schumacher-Kreis und Dr.Julius-Leber-Gesellschaft wurde 1982 als Nachfolgerin der Fritz-Erler-Gesellschaft gegründet. Der GfSD gehören fast ausschließlich ehemalige Mitglieder der SPD an, unter ihnen zahlreiche ehemalige politische Hälftlinge und politische Flüchtlinge aus Mitteldeutschland. Vorsitzender der GfSD ist Helmut Bärwald, Schönbergstraße 67, 53501 Grafschaft-Esch, Tel. 02641 - 900 600, Fax 02641 -900 601. Über E-Mail ist die GfSD erreichbar: GesSozDem@aol.com. Die GfSD will ihren Teil dazu beitragen, die geistigen und politischen Vermächtnisse kämpferischer und wehrhafter Sozialdemokraten wie Dr. Julius Leber, Dr. Kurt Schumacher, Fritz Erler, Wenzel Jaksch und anderer zu pflegen. Die GfSD versucht, in Wort und Schrift sowie durch Begleitung und Unterstützung wissenschaftlicher Arbeiten, zum Beispiel durch Beratung und Information von Studierenden, zumindestens Teile dieser Vermächtnisse lebendig zu erhalten und in deren Sinne auch an der Aufarbeitung gesamtdeutscher Nachkriegsgeschichte mitzuwirken. Die GfSD kann sich bei ihrer Arbeit sowohl auf das umfangreiche Wissen und die Erinnerungen von Zeitzeugen als auch auf teilweise umfangreiche private Archive stützen.

Kurt Schumacher-Gesellschaft e.V., Vorsitzende: Annemarie Renger, Postanschrift der Gesellschaft: Postfach 120121, 53043 Bonn, Telefon: 0228/1682914


zum Inhaltsverzeichnis Politische Bildung und Information Zähler