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(...) Bereits vor Konstituierung der SED wurden viele Sozialdemokraten, die engagierte und kämpferische Gegner des Zusammenschlusses ihrer Partei mit der KPD waren, verfolgt. Mindestens 20.000, darunter zahlreiche in Mecklenburg-Vorpommern, wurden gemaßregelt, aus ihren Wohnungen und Arbeitsstellen gejagt, inhaftiert, verschleppt. (...) |
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Eines Zeitzeugen Anmerkungen zu einer Doktorarbeit: "Einheitszwang oder Einheitsdrang?! Der Vereinigungsprozeß von KPD und SPD zwischen 1945 und 1950 in Mecklenburg-Vorpommern" |
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von Helmut Bärwald Auch ein Abschnitt deutscher NachkriegsgeschichteWie gut, wenn gelegentlich Dissertationen oder andere wissenschaftliche Arbeiten ans Licht kommen und veröffentlicht werden. Noch besser, wenn derartige Arbeiten nicht nur die Aufmerksamkeit von Experten sondern auch das Interesse anderer potentieller Leser wecken - wecken sollten. Besonders dann, wenn die Publikation weiße Flecken im Wissen, im Erinnern, im Angebot von Informationen füllt. Das trifft auf die im Herbst vorigen Jahres erfolgreich verteidigte Doktorarbeit von Marko Michels (Warin) zu, mit dem Titel Einheitszwang oder Einheitsdrang? Der Vereinigungsprozeß von KPD und SPD zwischen 1945 und 1950 in Mecklenburg-Vorpommern. Dank tatkräftiger Unterstützung durch die in Hamburg ansässige Albert-Schulz-Stiftung (der Sozialdemokrat Albert Schulz war von 1947 bis 1949 Oberbürgermeister von Rostock) konnte diese Fallstudie als 540 Seiten umfassendes Buch veröffentlicht werden. Fürwahr, das Buch und sein Verfasser verdienen eine große Schar von Interessenten und Lesern, die überhaupt etwas, oder die mehr wissen wollen sowohl über einen wichtigen Abschnitt und Bereich deutscher Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg als auch über Entwicklungen, insbesondere über das Zustandekommen der SED, in Mecklenburg-Vorpommern. Bei der "Aufarbeitung" gesamtdeutscher Nachkriegsgeschichte sollte auf die ganze Wahrheit hingezielt, sollte nichts verdrängt oder frisiert werden. So ist es auch um der Wahrheit willen geboten, zu erkunden und darzulegen, wie es 1945 und 1946 bei der Vereinigung der SPD mit der KPD zur SED tatsächlich zugegangen ist; welche Rolle die sowjetische Besatzungsmacht, deutsche Kommunisten und SPD-Mitglieder gespielt haben. Die Albert-Schulz-Stiftung konstatiert im Vorwort zu Marko Michels Buch, daß jede Wahrheit irgendjemandem lästig ist. Doch ist das noch keine Gefahr für das Überleben der Wahrheit, denn ihren Gegnern stehen meistens auch Freunde gegenüber, die ein Interesse daran haben, daß die Wahrheit ans Tageslicht kommt und dort sichtbar verbleibt. Also: Wahrheit, die in den Archiven verstaubt, ist in ihrer Wirkung beschränkt. Marko Michels hat sich mit wissenschaftlicher Akribie, mit viel Eifer, und mit viel Einfühlungsvermögen gegenüber Geschehnissen und Personen, auf die "Spur der Wahrheit" gesetzt und eine Menge Tatsachen über das von ihm gestellte Thema zusammengetragen. Allen Hindernissen, dem sogenannten Zeitgeist und Schwierigkeiten bei der Materialauffindung zum Trotz. * Nicht ganz ein Jahr nach Kriegsende, im April 1946, schlossen sich die SPD und KPD in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) zur SED zusammen - oder wurden sie zusammengeschlossen? Wie war das denn mit diesem Geschehnis, das fast viereinhalb Jahrzehnte lang folgenschwer deutsche und europäische Geschichte beeinflußte? Dr. Kurt Schumacher, der erste Vorsitzende der SPD nach dem Krieg in Westdeutschland, in der späteren Bundesrepublik Deutschland, schrieb im März 1946: "In Wahrheit spielen sich jetzt Auseinandersetzungen auf deutschem Boden ab, die für ganz Europa und die ganze Welt von Bedeutung sind. Eine scheinbar parteipolitische Auseinandersetzung zwischen SPD und KPD, die jetzt in Deutschland im Mittelpunkt des Interesses steht, ist tatsächlich ein Stück zukünftigen Schicksals Europas. Die Sozialdemokratie glaubt, daß der Kern des Problems der Kampf um die Frage ist, ob Europa demokratisch oder diktatorisch geformt werden soll." Die Vereinigung von SPD und KPD in der SBZ war weder eine Liebesheirat, noch kam sie ausschließlich auf alleinigen Druck der sowjetischen Besatzungsmacht, noch alleinig unter physischen und psychischen Zwängen, unter Gewalt und Terror von außen zustande. Zahlreiche Sozialdemokraten hatten bereits damals, in den späten vierziger Jahren, berichtet, das von Zeitzeugen bis in die Gegenwart wiederholt wird: Kräftigen psychischen und ideologischen, politischen Druck und Zwang, bis zur Verhängung von Redeverboten, hat eine Mehrheit von SPD-Funktionären, vor allem im "Zentralausschuß" der SBZ-SPD und in den Landesvorständen, ausgeübt. Viele sozialdemokratische Gegner der Vereinigung, die meisten von ihnen Opfer von Verfolgungen und Terror, beschuldigten die SPD-Führung in der SBZ des Verrats. In einer 1950 vom Parteivorstand der SPD (in der Bundesrepublik Deutschland) einer internationalen sozialistischen Konferenz in Kopenhagen vorgelegten Denkschrift "Das System des kommunistischen Terrors in der Sowjetzone" wird darauf hingewiesen, daß oppositionellen, nicht vereinigungswilligen Sozialdemokraten "durch den Mund des Renegaten Grotewohl" offen der Kampf angesagt wurde. Otto Grotewohl war vom Sommer 1945 bis April 1946 Vorsitzender der SPD in der SBZ, 1946 - 1954 einer der beiden SED-Vorsitzenden, von 1949 - 1960 Vorsitzender des Ministerrates der DDR. Nirgendwo in der SBZ gab es eine Befragung oder gar Abstimmung von SPD-Mitgliedern über die Vereinigung ihrer Partei mit der KPD. In der in der DDR erschienenen sozusagen SED-offiziellen "Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" wird diese Tatsache so beschrieben: "Versuche (wie die Urabstimmung der SPD in den drei Westsektoren Berlins im März 1946) auch in der sowjetischen Besatzungszone in ähnlicher Weise zu manövrieren, scheiterten von vornherein an der Kraft der Einheitsbewegung. Hier wagten die Einheitsfeinde nicht mehr, offen aufzutreten. Insgeheim bereiteten sie sich aber auf die illegale Arbeit in der vereinigten Partei vor." Bereits vor Konstituierung der SED wurden viele Sozialdemokraten, die engagierte und kämpferische Gegner des Zusammenschlusses ihrer Partei mit der KPD waren, verfolgt. Mindestens 20.000, darunter zahlreiche in Mecklenburg-Vorpommern, wurden gemaßregelt, aus ihren Wohnungen und Arbeitsstellen gejagt, inhaftiert, verschleppt. Die SPD in der SBZ war, was den Zusammenschluß mit der KPD zu einer sozialistischen Einheitspartei anging, gespalten. In Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg ebenso wie in Mecklenburg-Vorpommern. Da spielten bei etlichen möglicherweise ideologische Übereinstimmungen mit den Kommunisten eine Rolle, Manche wieder ließen sich von Erinnerungen an die "Einheit der Arbeiterklasse" blenden. Auf diese mag zutreffen, das der Schriftsteller Arthur Koestler 1950 schrieb: "So groß ist die Macht des Wortes über den Geist, daß derjenige, der gewohnt ist, sich als 'Mann der Linken' zu betrachten, unbewußt von einer trügerischen verbalen Identifikation zu einem psychologisch realen Gefühl der Solidarität verleitet wird. Dieses Gefühl mag sich in kritischer, polemischer oder sogar feindseliger Form seinem Objekt, den Nachbarn von der extremen Linken, gegenüber äußern. Es bleibt noch ein Rest des nachbarlichen Gefühls, der Überzeugung, von den gleichen historischen Wurzeln abzustammen, auf der gleichen Seite der Barrikade zu stehen." Wieder andere hofften auf die Realisierung eines "demokratischen Sozialismus". Wieder andere vertrauten auf die "antifaschistische Solidarität" der kommunistischen "Klassengenossen" und auf Beteuerungen der KPD. Diese hatte in ihrem programmatischen Gründungsaufruf vom 11. Juni 1945 die "Aufrichtung eines antifaschistischen, demokratischen Regimes, einer parlamentarisch-demokratischen Republik mit allen demokratischen Rechten und Freiheiten für das Volk" versprochen. Viele SPD-Mitglieder erwarteten auch, daß die SPD in einer Einheitspartei nicht untergebuttert, sondern im Gegenteil eine gewichtige Rolle spielen werde. Viele SPD-Mitglieder glaubten wohl auch ihrem Vorsitzenden Grotewohl, der pathetisch verkündete, daß sich die SPD durch die Vereinigung mit der KPD "zu größerer und gewaltigerer Zukunft erhoben hat. Immerhin hatte die SPD in der SBZ vor dem Zusammenschluß im April 1946 700.000 Mitglieder, die KPD 100.000 weniger. Der "Taktiker" Otto Grotewohl und viele seiner Mitläufer in Leitungsgremien der Partei auf allen Ebenen machten sich überdies gefährliche Illusionen über Stalins Politik, über die Kommunisten und deren weltrevolutionäre Strategie. Nach der durch Zusammenschluß von SPD und KPD in der SBZ erfolgten Gründung der SED schlossen sich Tausende von Sozialdemokraten innerhalb und außerhalb der SED in Widerstandsgruppen zusammen. Diese Sozialdemokraten gehörten zur Avantgarde im Kampf "für die Freiheit und gegen die verschleierte, als Demokratie eigener Art getarnte Diktatur" (Prof. Carlo Schmid, SPD) und für die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands in Freiheit. Viele dieser sozialdemokratischen Widerständler nahmen Verbindung mit Sozialdemokraten, mit der SPD, und vor allem mit dem "Ostbüro" der SPD in Westdeutschland auf. Tausende von Sozialdemokraten waren gemeinsam mit Kommunisten in den Zuchthäusern und Konzentrationslagern des Dritten Reiches gewesen. Auch der SPD-Vorsitzende in Westdeutschland, Dr. Kurt Schumacher war während seiner langjährigen Haft mit vielen kommunistischen Leidensgenossen zusammen. Er wußte jedoch die aus gemeinsamen Leiden entstandene menschliche Solidarität von einer politischen Zusammenarbeit von Sozialdemokraten und Kommunisten, von einer Aktionseinheit oder Einheitsfront von Sozialdemokratie und Kommunismus scharf zu trennen. Auf die von Freunden und Gegnern immer wieder gestellte Frage, ob denn Sozialdemokraten und Kommunisten nicht eigentlich Brüder seien, antwortete Kurt Schumacher: "Auch Kain und Abel waren Brüder!" Bekanntlich hat Kain seinen Bruder Abel erschlagen. Die von den Kommunisten propagierte und durchgesetzte "Einheit der Arbeiterklasse"" wurde, vielfach bereits vor der SED-Gründung, auf makabere Weise hergestellt: In den Zuchthäusern und Konzentrationslagern in der SBZ und in der Sowjetunion, in denen sich Sozialdemokraten und Kommunisten tatsächlich "zusammenfanden". Die einen als gequälte Häftlinge. Die anderen als Bewacher und Peiniger. Namen wie Buchenwald, Bautzen, Brandenburg, Torgau, Workuta, sind eng mit der Zwangs-"Einheit" und dem Widerstandskampf Tausender dagegen verbunden.. Mindestens 5.000 Sozialdemokraten wurden vor allem Ende der vierziger Jahre von Sowjetischen Militärtribunalen zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt. 400 von ihnen kamen in der Haft ums Leben. Viele tausend wegen ihres Widerstandes gegen die Gründung der SED und gegen diese Partei und deren Politik verfolgte, von Verhaftung und Verschleppung bedrohte Sozialdemokraten mußten aus Mitteldeutschland fliehen. Michels berichtet, daß in Mecklenburg-Vorpommern allein zwischen 1946 und 1951 ca. 5.000 Sozialdemokraten aus der SED ausgeschlossen, intensiv bespitzelt und inhaftiert wurden, weil sie es wagten sich zu ihrer sozialdemokratischen Gesinnung offen zu bekennen. Wenige Wochen nach dem Gründungsparteitag der SED am 21./22. April 1946 faßte der Parteitag der (westdeutschen) SPD Mitte Mai in Hannover einen Beschluß, in dem die durch den Zentralausschuß der SPD in der SBZ vollzogene Auslieferung der Partei an die Kommunistische Partei verurteilt wird. Der Parteitag sandte im selben Beschluß "allen Sozialdemokraten in der Ostzone, die entgegen ihrer Überzeugung Zwangsmitglieder der SED werden mußten, brüderliche Grüße" und ließ alle diese Sozialdemokraten wissen, daß sie die Gewißheit haben können, daß die Sozialdemokraten im Westen Deutschlands sich diesen zum Schweigen verurteilten Kämpfern verbunden fühlen. Anfang Juni 1946 gründete der Vorsitzende der SPD in Westdeutschland, Kurt Schumacher, als ein Referat beim SPD-Parteivorstand das "Ostbüro" als "Kampforgan des Parteivorstandes für die unterdrückte Sozialdemokratie in der Sowjetzone". Die von Kurt Schumacher geführte SPD und somit auch das "Ostbüro" haben lange Zeit den Widerstand vieler freiheitlich gesinnter Menschen, nicht nur Sozialdemokraten, gegen die Bolschewisierung Mitteldeutschlands und gegen die Diktatur der SED beeinflußt und unterstützt. Das "Ostbüro" hatte von Kurt Schumacher eindeutige Aufträge und verbindliche Leitsätze für deren Ausführung bekommen. Dazu gehörten vor allem: Unterstützung der vom kommunistischen Regime unterdrückten und verfolgten Landsleute in Mitteldeutschland; Bekämpfung des kommunistischen Regimes mit politischen und publizistischen Mitteln; aktive Mitwirkung am beharrlichen Kampf aller Demokraten um die Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit und Frieden. In einer der ersten Sitzungen des im August 1949 gewählten Deutschen Bundestages erklärte der Stellvertreter Kurt Schumacher im Parteivorstand und in der Führung der Bundestagesfraktion der SPD, Erich Ollenhauer: "Es gibt für die Sozialdemokraten eine unlösbare Gemeinschaft des Kampfes, das ist die Gemeinschaft mit den unterdrückten, inhaftierten und illegalen Freiheitskämpfern in der Ostzone." Entgegen allen böswilligen, auch vorsätzlich verleumderischen, oft abstrusen Behauptungen, hat sich die politisch offensive Arbeit des "Ostbüros" in keiner Zeit seiner Existenz von 1946 bis Januar 1971 gegen die Menschen in der SBZ/DDR , sondern stets gegen die politische Theorie, gegen die Ideologie und gegen die davon hergeleitete und darauf begründete Durchsetzung eines totalitären repressiven Systems und gegen die diktatorisch herrschende Führungsclique und deren Komplizen und Mittätern gerichtet. Die Position und die Funktion des "Ostbüros" waren nicht von einer deklamatorischen, sterilen und letztlich bornierten "Anti"-Haltung bestimmt. Sie gründeten sich vielmehr auf einer Maxime, die Kurt Schumacher in einer Rede vor dem Internationalen Sozialistenkongreß in Frankfurt am Main am 30. Juni 1951 so formulierte: "Die westliche Welt kann den Kommunismus nicht mit antibolschewistischen Deklamationen überwinden. Ihre Leistung muß in der Vergleichbarkeit der sozialen Verhältnisse in einer Welt der Freiheit gegenüber den unsozialen Zuständen in einer Welt der Diktatur bestehen." Das Land Mecklenburg-Vorpommern war ein Teil der Sowjetischen Besatzungszone. Die SPD in diesem Land war ein Teil der Sozialdemokratischen Partei in der SBZ. Folglich treffen die hier geschilderten Geschehnisse, geschichtlichen Entwicklungen, und Probleme auch auf den "Vereinigungsprozeß von KPD und SPD" in Mecklenburg-Vorpommern zu. Das eben ist das Thema der veröffentlichten Dissertation von Marko Michels. Der Autor gibt zu Beginn seiner Arbeit einen Überblick über die Entwicklung des Parlamentarismus und der Sozialdemokratie in Mecklenburg-Vorpommern seit Anfang der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts bis 1945 und über die Reorganisation und Neukonstituierung der SPD nach Ende des Zweiten Weltkrieges . Danach werden ausführlich die Erfahrungen der SPD in der nachkriegsbedingten Zusammenarbeit mit der KPD geschildert. Die Hauptkapitel II bis IV schildern mit gebotener wissenschaftlicher Gründlichkeit "auf der Suche nach Wahrheit" die "Einheits"kampagne der KPD und SMA (Sowjetische Militäradministration) und die Unabhängigkeits- sowie Eigenständigkeitsbestrebungen der SPD; die SPD zwischen Verzögerungstaktik und Defensivhaltung; und die Realisierung der "Einheit". Bedrückend und ergreifend ist Kapitel V über Verfolgung, Aufbegehren und Widerstand der mecklenburgischen Sozialdemokraten innerhalb und außerhalb der SED gegen die kommunistisch-stalinistischen Vereinnahmungs- und Machtansprüche in Mecklenburg-Vorpommern nach der erzwungenen Parteifusion. Hier werden stellvertretend für viele Andere genannt: Willi Jesse, Albert Schulz, Heinrich Beese, Bernhard Pfaffenzeller, Karl Moritz, Aurel von Jüchen, Max Fank, Albert Kruse, Hans Marquardt. Im selben Kapitel gibt der Autor auch einen sorgfältigen Überblick über das "Ostbüro" der SPD, seine Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern und über Kontakte von Sozialdemokraten mit diesem :Büro. Zum Beispiel von Günther Feldmeth, Ernst Sodeikat, Franz Ballerstaedt, Albert Kruse, Heinrich Beese, Albert Schulz, Max Fank, Otto Kortüm, Berthold Christiansen, Willi Klapproth, Willi Visser, Hennig von Kos, Helmut Hiller. Das selbe Kapitel enthält auch eine gründliche Darstellung des Spitzelsystems der KPD-Landesleitung, des sogenannten "Kommisariates 5" (der deutschen politischen Polizei in der SBZ als Hilfsorgan sowjetischer Sicherheitsorgane), der sowjetischen Geheimpolizei und generell der Observierung, Bespitzelung, Überwachung und Verfolgung oppositioneller Sozialdemokraten. Eine wertvolle Ergänzung der vom Autor vorgelegten Fallstudie ist der umfangreiche Anhang, insbesondere durch die Veröffentlichung von ungedruckten Dokumenten (u. a. interne Berichte, Briefe, Arbeitsanweisungen, Richtlinien); von Biographien und "Porträts zu Sozialdemokraten der ersten Stunde 1945/46 in Mecklenburg-Vorpommern" (einschließlich Interviews); und einer Fotodokumentation. Als Zeitzeuge und aktiv Mitwirkender an der Arbeit des "Ostbüros" der SPD bescheinige ich Marko Michels, mit seiner Arbeit "Einheitszwang oder Einheitsdrang?! - Der Vereinigungsprozeß von KPD und SPD zwischen 1945 und 1950 in Mecklenburg-Vorpommern" nicht nur ein Geschichtsbuch zu einem besonderen Thema geschrieben zu haben. Er hat auch vielen aufrechten, prinzipientreuen, mutigen Demokraten, die gegen Gesinnungsterror, Willkür und Zwangsherrschaft, und für Freiheit und Selbstbestimmung kämpften und litten, ein schriftliches Mahnmal gesetzt. Dafür gebührt dem Autor ein besonderer Dank. |