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(...) Die vom Autor vorgelegte Zusammenstellung von Namen und Fakten ist beeindruckend und eröffnet teilweise neue, präzisere Einblicke in die Anfänge des Bolschewismus in der Sowjetunion; des Kommunismus in anderen Ländern; der bolschewistischen Macht- und Terrorapparate; der Kommunistischen Internationale (Komintern). Ein Beispiel: Das erste Exekutivkomitee der Komintern hatte mehr jüdische als nichtjüdische Mitglieder. (...) |
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Aus der Frühzeit des Bolschewismus: Aktive Mitwirkung von Juden |
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von Helmut Bärwald Wissenschaftlich ist es kein verzwacktes Problem, dieses Thema fundiert und faktenreich darzustellen: Die aktive Mitwirkung, auch die Mitschuld zahlreicher Juden an der Entwicklung des Bolschewismus und vieler von dieser Ideologie bestimmten Parteien sowohl in der Sowjetunion als auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Die Quellen sind schier unerschöpflich; das Beweismaterial ist umfangreich und erdrückend. Verkrampfungen und Konflikte entstehen bei der Vorlage einer Arbeit über das genannte Thema durch die vom sogenannten "Zeitgeist" (wer eigentlich "bestimmt" diesen?) verordnete "politische Korrektheit". Der Historiker Dr. Johannes Rogalla von Bieberstein (1940 in Leipzig geboren; als Wissenschaftlicher Bibliothekar an der Universität Bielefeld tätig) hat sich von dieser Barriere, die immer wieder auf dem Weg zu einer freien, unabhängigen Berichterstattung und Forschung aufgestellt wird, nicht irritieren lassen und legte eine ausführliche Studie über Mythos und Realität des "jüdischen Bolschewismus", über die lang anhaltende "Romanze" zahlreicher Juden mit dem Kommunismus vor. Im Vorwort des sich ebenfalls nicht "politischer Korrektheit" unterwerfenden Historikers Ernst Nolte wird die Kernaussage des Buches verdeutlicht: Der Mythos vom "jüdischen Bolschewismus" muß tatsächlich als eine "neue ideologische Realität" verstanden werden; der Mythos vom "jüdischen Bolschewismus" ist "nicht ein bloßer Wahn", sondern (besitzt) einen "rationalen, d. h. verstehbaren und überprüfbaren Kern in der Wirklichkeit". Grundsätzlich vertritt Nolte die Auffassung, "daß alle die zahlreichen Thesen, Legenden und Mythen, die in den ideologischen Auseinandersetzungen des 20. Jahrhunderts geläufig waren, im 21. Jahrhundert aus emotionalen Behauptungen bzw. aus Kampfparolen zu Objekten wissenschaftlicher, d. h. distanzierter und abwägenden Erörterung werden" müßten. Nölte ist uneingeschränkt zuzustimmen, wenn er konstatiert: Rogalla von Bieberstein hat sich ein großes Verdienst damit erworben, daß er den "Mythos vom jüdischen Bolschewismus" zum Gegenstand einer Untersuchung und des Nachdenkens machte. Von Bieberstein läßt es in seiner Studie nicht mit der Darstellung von Fakten und Nennung von Namen bewenden. Er geht viel tiefer, will die Hintergründe des Geschehens, die Motivation der handelnden Personen, zahlreicher Juden, darlegen und zu deuten versuchen, sich dem totalitären Kommunismus, dessen System und Apparaten zur Verfügung zu stellen und aktiv in ihnen mitzuwirken. Die meines Erachtens erfolgreiche Suche nach Aufklärung und Erhellung der in Details hin und wieder verschiedenartig, grundsätzlich jedoch übereinstimmenden Begründungen solchen Verhaltens ist in etlichen Kapiteln und Abschnitten einer der wiederholt aufgenommenen Gegenstände der Studie. Dabei kann der Autor zahlreiche Fakten und Zitate von Juden, von aktiv Handelnden, als Beweismittel vorweisen. Sozialismus, Kommunismus, Bolschewismus als eine Art "Messianismus" im "Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung". "Der Sozialismus als Heilslehre sowie als Arzt des Antisemitismus" lautet die Überschrift eines Kapitels der Studie. Der Chef der berüchtigten sowjetischen Spionageorganisation "Rote Kapelle", Leopold Trepper, schrieb in seiner 1978 erschienenen Autobiographie lapidar: "Ich wurde Kommunist, weil ich Jude bin." (zit. bei v. Bieberstein, S. 15). Von Bieberstein berichtet darüber (S. 104), daß der deutsche Zionist Franz Oppenheimer bereits im Januar 1906 selbstbewußt erklärte, daß wegen seiner Diskriminierung und Verfolgung "der Jude überall im russischen Freiheitskampfe an der Spitze der Sturmkolonnen" stehe. Zehn, fünfzehn Jahre später, in der Frühzeit des Kommunismus standen zahlreiche Juden in der Sowjetunion, in anderen Ländern und auf internationaler Ebene an den Spitzen bolschewistischer Machtapparate. Es gibt etliche wissenschaftliche und publizistische Arbeiten über die Faszination politischer, totalitärer Ideologien gleichsam als eine auf die Diesseitigkeit und deren politischer Veränderung gerichteten Religion. Von Bieberstein füllt mit seinen spezifischen und gründlichen Untersuchungen dieser Art Faszination des frühen Bolschewismus auf zahlreiche Juden eine große Lücke. Die vom Autor vorgelegte Zusammenstellung von Namen und Fakten ist beeindruckend und eröffnet teilweise neue, präzisere Einblicke in die Anfänge des Bolschewismus in der Sowjetunion; des Kommunismus in anderen Ländern; der bolschewistischen Macht- und Terrorapparate; der Kommunistischen Internationale (Komintern). Ein Beispiel: Das erste Exekutivkomitee der Komintern hatte mehr jüdische als nichtjüdische Mitglieder. Besondere Aufmerksamkeit widmet der Autor auch der Beantwortung der Frage, ob und inwieweit die teilweise tatkräftige Teilnahme von Juden am Aufbau des Bolschewismus eines der Motive insbesondere für die organisierten und systematischen Judenverfolgungen im Dritten Reich war. Die Fragestellung wird in einer Äußerung des deutschjüdischen Nationalökonomen Leopold Schwarzschild im Exil deutlich. Aus Anlaß des Hitler-Stalin-Paktes schrieb er: "Seit Jahren haben wir nicht zurückgehalten mit unserer Meinung, daß die Bolschewisterei der europäische Primär-Affekt ist, die Ur-Syphilis, ohne die es nie und nimmer zur Folge-Syphilis des Fascismus und Nazismus gekommen wäre." (v. Bieberstein, S. 204) Die Intention des Autors, mit seinem Buch kaum bekannte Kapitel historischer Wirklichkeit gründlich auszuleuchten, ist erfüllt. Johannes Rogalla von Bieberstein, "Jüdischer Bolschewismus" Mythos und Realität, mit einem Vorwort von Ernst Nolte, 312 Seiten, Edition Antoios Dresden 2002, 29 Euro |