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Das Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft für Soziale Demokratie e.V., Dr. phil. Winfried Döbertin, lehrt seit 1968 an der Universität Hamburg Pädagogik unter besonderer Berücksichtigung der Politischen Bildung. Bildungsnotstand ... und warum Eltern, Lehrer und Schüler gefordert sind.Das sind Titel und Thema eines Buches von Dr. Winfried Döbertin.Das Fritz Weinberg, einem jüdischen Freund des Autors gewidmete Buch, vertritt nicht die weit verbreitete Auffassung, der Bildungsnotstand sei eine Folge unzureichender Finanzmittel. Die eigentliche Ursache dieser Misere sieht Döbertin vielmehr im mangelnden Verständnis dafür, was denn Bildung überhaupt ist. Ist Bildung durch "technizistische" Veränderungen in der Schulorganisation oder in den Unterrichtsmethoden zu erreichen? Oder muss nicht zunächst einmal erneut philosophierend gefragt werden, was der Mensch, der wahrhaft humane Mensch ist, den man - im Hinblick auf Erziehung und Lernen - dann auch einen gebildeten Menschen nennen kann. Eine "autonome" Erziehungswissenschaft als Sozialwissenschaft (Soziologie) kann ihre eigene Grundlegung nicht leisten. Dazu muss sich die Pädagogik in das Gespräch mit der Philosophie und - um der biblischen Tradition willen - auch mit der Theologie begeben. Bei dem Versuch, den Menschen ganzheitlich im Hinblick auf seine "Bildung" zu verstehen, ist zunächst die Rede von der Herzensbildung, der Pflege der Gesundheit, den sprachlichen und mathematischen Kulturtechniken, der Berufsbildung (die ausdrücklich "Bildung" in der Tradition Eduard Sprangers genannt wird), der politischen Bildung (bei der es neben den Techniken des politischen Verhaltens auch um ethische Akzente der Verantwortung und um ein gesundes Bewusstsein der nationalen Identität geht), einem "wissenschaftlichen Weltbild" und von der gestalteten Freizeit, fernab von allen gesellschaftlichen Zwängen auch und gerade in der Begegnung mit den Künsten. In den Kapiteln "Philosophie der Freiheit" und "Philosophie der Existenz: die Frage nach dem Sinn des Daseins" sind die zentralen Aussagen des Autors zu finden. Danach ist gebildet im eigentlichen Sinne ein Mensch, der sich in freier, verantworteter Entscheidung aus Einsicht in seine Welt den Aufgaben seines Lebens widmet und, darauf aufbauend, Antworten auf die Frage nach dem Sinn seines Daseins, Leben und Tod umgreifend, sucht. Die öffentliche Schule kann nicht für Alle geltende unumstössliche Antworten lehren; sie muss den Respekt vor der jeweiligen personalen Antwort des Einzelnen gelten lassen. Aber die Schule kann und sollte einführen in die geschichtlich bedeutend gewordenen Antworten von Philosophen wie Sokrates, Plato, Augustin, Thomas von Aquin, Kant und Karl Jaspers; aber auch in den Materialismus eines Karl Marx, und in die Philosophie Friedrich Nietzsches. Darüber hinaus in die Antworten der jüdischen und der christlichen Religionen im Vergleich mit denen des Islam und Buddhismus. Das Buch schliesst mit etlichen konkreten Unterrichtsbeispielen wie: Frau Holle und andere Märchen; Johann Peter Hebel - der Kalendermacher; Johannes Brahms' Deutsches Requiem als religiöses Kunstwerk; Glauben in biblischer Tradition - die Auferstehungsgeschichten des Neuen Testaments historisch-kritisch und existenziell betrachtet. Eine geistes- und religionsgeschichtliche Ergänzung findet das Buch "Bildungsnotstand" in der Abhandlung "Ohne Religion kann man nicht leben". Darin wird über Leben und Lehren von Buddha, Sokrates, Mohammed, Mose und Paulus sowie über Jesus-Geschichten berichtet und schliesslich die philosophische Frage gestellt nach "Glück und Leid des Menschen - oder: die Sehnsucht nach dem unendlichen Glück". Winfried Döbertin schrieb auch gemeinsam mit Gerhard Löwenthal und Udo Bosmann ein Buch "Ich werde 18. Mein Weg in Gesellschaft und Politik". Die drei Autoren wenden sich vor allem an junge Menschen, die noch zur Schule gehen oder bereits eine Berufsausbildung absolvieren. Das Buch kann aber durchaus auch von älteren Menschen mit Gewinn gelesen werden, insbesondere als Anregung zur Diskussion in Stätten der Erwachsenenbildung oder in, nicht einseitig ideologisch ausgerichteten, politischen Organisationen. Das Buch behandelt unter anderem die Themen: Ihre Berufsausbildung; Der Umgang mit Geld: Empfehlungen zum Umgang mit Behörden; Wegweiser durch die Medienlandschaft; Soll man zur Bundeswehr gehen oder den Wehrdienst verweigern?; Welche Parteien stehen zur Wahl, und was versprechen sie uns?; So können Sie persönlich die Welt verbessern; Soll man das Deutschlandlied singen?. In dem Buch wird für ein unverletztes Nationalgefühl plädiert, das auf den in der Geschichte entwickelten Werten der deutschen Kultur, als dem, wie die Autoren meinen, besten Schutz gegen einen aggressiven Nationalismus, gründet.
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