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von Karl Ludwig Bayer
Während Bjarne, ein gut verdienender Samenspender in Dänemark
Kinder sozusagen neun Monate vor ihrer Geburt verkauft, wurde
in Deutschland ein Mensch 13 Jahre nach seiner Geburt zum
Handelsobjekt. Die Polizei hat den Verkauf einer dreizehnjährigen
Braut an die Familie eines siebzehnjährigen Bräutigams
gerade noch verhindern können. Um nicht in die
selbstaufgestellten Fallen zu laufen oder gar von der eigenen
Redaktion bei einer Versündigung gegen »Political-Correctness-Gebote«
ertappt zu werden , quälte sich ein Journalist der Süddeutschen
Zeitung folgende Formulierung ab: »Wie die Polizei erst jetzt
mitteilte, hatten sich die Familien, die beide einer mobilen
ethnischen Minderheit angehören, auf einen Brautpreis in Höhe
von 70.000 Mark geeinigt.«
Was, um Himmels willen, ist eine »mobile ethnische Minderheit«?
Von Johann Strauß weiß man, daß er die
temperamentgeladene Operette »Der Sinti-und-Roma-Baron«
komponiert hat. Müßte er jetzt den Titel schon wieder ändern
und seine unvergänglichen Melodien unter der Bezeichnung »Der
Mobile-ethnische-Minderheiten-Baron« auf den Musikmarkt werfen?
Der besondere Schutz, den die »mobile Ethnie« durch die
Süddeutsche Zeitung genießen sollte, verkehrt sich
ins Gegenteil. Denn die Zigeuner werden durch solche Sprachkrämpfe
linker Journalisten in ein schiefes Licht gerückt, das bloß
noch Lachkrämpfe auslöst. Ob dergleichen nicht vom
redaktionsinternen Großinquisitor als verkappte
Fremdenfeindlichkeit entlarvt wird?
»Der Bau von Luftschlössern kostet nichts, aber ihre Zerstörung
ist sehr teuer,« stellte Francois Mauriac treffend fest. Ein
neues Berufsbild zeichnet sich ab. Denn die Errichtung sprachlicher
Kartenhäuser, Luftschlösser und Sandburgen und ihre
nachfolgende Demontage, sobald sich ihre Unbrauchbarkeit erwiesen hat
kann durchaus zur tagesfüllenden Beschäftigung ausgebaut
werden. Nach der Ausbildung an der Akademie für Wortmüllrecycling
wird ein Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung
empfohlen. |