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MIT UMWELTFORUM |
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Freiheit statt Kollektivismus - Vom »guten Leben« der Menschen im Staat - Das Problem der »gerechten« Verteilung knapper Güter - Der Wettbewerb ist kein Krieg aller gegen alle - Der Staat: Despot oder Zusammenschluß freier Bürger? - Ferdinando Galiani und die geistesgeschichtlichen Wurzeln der liberal-konservativen Ordnungsidee |
Generalkonsul Werner Tabarelli |
Mehr Markt - mehr Freiheit |
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Generalkonsul Werner Tabarelli Wenn wir die EPOCHE-Gründungsphase in die Zählung einbeziehen - die Zeit der ersten Redaktionsarbeit mit Hans Habe in Ascona und mit Winfried Martini in München - sowie die speziell für Studenten geschaffene »S-Ausgabe«, die im Wahljahr 1976 in großer Zahl an deutschen Hochschulen verteilt wurde, um dort freiheitlich-konservatives Gedankengut zu verbreiten, dann fällt der 25. Jahrgang der EPOCHE mit dem Heiligen Jahr 2000 zusammen. Verbesserungen stehen auf dem Programm. Mehr als bisher wollen wir auf Bücher hinweisen, die uns wichtig erscheinen, aber in den etablierten Massenmedien nicht oder zu wenig Beachtung finden: zum Beispiel auf das von Werner Tabarelli herausgegebene Werk Ferdinando Galiani - Über das Geld. Der Band erschien 1999 - versehen mit einem Geleitwort des früheren italienischen Staatspräsidenten Francesco Cossiga - im Verlag Wirtschaft und Finanzen in Düsseldorf und umfaßt 476 Seiten. (Die in Klammern gesetzten Zahlen bezeichnen die Seiten, auf denen sich die jeweils wiedergegebenen Zitate in dem Buch finden.) Damit liegt das 1751 in Neapel erschienene Werk Della monera von Ferdinando Galiani (1728-1787) erstmals in einer deutschen Übersetzung vor. In einer Zeit, in der das liberale Ordnungsideal vielfach nur unzureichend verstanden wird, in der man der Marktwirtschaft häufig den Vorwurf macht, sie mißrate zur »totalen Marktgesellschaft«, in einer Zeit auch, in der man mit Schlagworten wie »Raubtier- oder Ellbogengesellschaft« der konservativ-liberalen Ordnung andichtet, daß der Mensch in ihr keinen humanen Eigenwert besitze, in einer solchen Zeit ist es erfrischend nachzulesen, was der damals 23-jährige Neapolitaner Ferdinando Galiani vor einem Vierteljahrtausend über freiheitlich-konservative Denkmodelle zusagen hatte. »Ziel jeder Regierung muß sein«, stellt Galiani fest (341), »das Leben der ... Bürger glücklicher und erstrebenswerter zu machen.« Es geht um die Sicherung der höchstmöglichen Lebensqualität für den einzelnen Menschen in der Gesellschaft. Beim Austausch der »Früchte ihrer Arbeit« müßten die Leistungsbereiten darauf achten, daß nicht »der Faulpelz, der seine Arbeit der Gemeinschaft vorenthält, auf Kosten der anderen schmarotzen« kann. Als Leistungsanreiz ist »die Belohnung besonderen Fleißes durch ein Mehr an Wohlstand« wichtig. Nur unter Gewalt und psychischem Zwang werden sich Menschen einer Gesellschaftsordnung unterwerfen, die diesen Ausgleich nicht zu leisten vermag. Denn sie betrügt viele Menschen um ihre Chance, »glücklich und besser leben« zu können - eine visionäre Vorahnung des Kommunismus, der zwei Jahrhunderte später Kollektivismus praktizierte. Es kann, so das realistische Menschenbild Galianis, »keinen sauberen Staat geben und kein Glück«, wenn man zuläßt, »daß jemand etwas von seinem sauer verdienten Geld ausgeben muß oder verliert, ohne dafür irgendeinen Genuß zu erhalten«. Eine konservativ-liberale Ordnung des Gemeinwesens, wie sie Galiani entwirft, achtet denhumanen Eigenwert des Menschen. Dies gilt auch für die Frage nach der geeigneten Methode, mit der die relativen Werte der jeweils ausgetauschten Güter am besten zu ermitteln wären: Diese sollten »ausschließlich auf der Basis der allgemeinen Übereinkunft am Markt bestimmt werden« (350); und zwar auf der Grundlage von Freiwilligkeit. Jeder Kauf und Verkauf ist, wie Galiani ausführt, im Prinzip ein Vertrag - und Verträge beziehen ihre »Rechtskraft aus einer freien Übereinkunft« (242, 243). »Gesetze (sind deshalb) bei Verträgen nur dazu nötig, um den erzielten Konsens durchzusetzen und Betrug und List daraus zu verbannen.« Zur Freiheit gehört die freie Vereinbarung, die »vom Konsens zweier Parteien abhängt: Kein Gesetz kann jemandem vorschreiben, was ihm gefallen soll oder was er benötigt. Und kein Gesetz sollte jemanden zum Kauf zwingen oder ihm die Freude am Besitz einer Sache vergällen. Der Parteien-Konsens, der der Vater der Preise ist, ist eine natürlich gewachsene Sache; Gesetze würden da nur Sand ins Getriebe streuen« (242). Kurz gesagt: »Das Volk trifft immer das Richtige, wenn man es in völliger Freiheit gewähren läßt« (245). Den Kritikern unserer Marktwirtschaft, denen die Freiheit vielfach kein Anliegen ist, wird das nicht gefallen. Doch Galiani begründet seine Ansicht unwiderlegbar und auch anhand von Beispielen aus seiner Heimat: »Die Preise vieler Waren, auch solcher, die lebensnotwendig sind, »sind bei uns nicht geregelt«, sagt er. »Das führt aber keineswegs zu Preisschwankungen ... oder anderen Erschwernissen. Obwohl die betreffenden Waren teilweise aus dem Ausland stammen und allen möglichen Wechselfällen unterworfen sind, muß man feststellen, daß die Nachbarländer trotz unzähliger Vorschriften daran Mangel leiden, während wir trotz unserer spärlichen gesetzlichen Regelungen ausreichend mit diesen Gütern versorgt sind« (242). Zwei Jahrhunderte später wird der 1991 verstorbene Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek Galianis Argumente erneut aufnehmen und logisch weiterentwickeln. In unsere Zeit transportiert wäre allenfalls anzufügen, daß das soziale Netz in unserer Gesellschaft nur finanzierbar ist, weil und solange (einigermaßen) gerechte Preise dafür sorgen, daß alle Ressourcen (einigermaßen) gut genutzt werden. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist das knappe Gut menschliche Arbeitskraft, das heute so häufig brachliegt. Die Arbeitslosigkeit unserer Tage ist aus dieser Sicht keine Klage wert, sondern eine Anklage gegen die Politik, die den konservativ-liberalen Ordnungsrahmen zugunsten einer auf willkürliche Korrektur bedachten Preis- und Lohnpolitik verläßt. Doch die vom konservativ-liberalen Ordnungsideal versprochene höchstmögliche Lebensqualität ist natürlich nicht nur eine Frage gerechter Preise, Löhne und des materiellen Wohlstandes. Ein »gutes Leben« besteht vor allem anderen darin, durch geeignete Spielregeln sicherzustellen, daß sich die Konkurrenz der Menschen um die knappen Güter auf zivilisierte Weise abspielt und nicht in eine Welt voll Mord, Totschlag, Diebstahl, Betrug und Zwecklüge mündet. Was nottut, ist ein respektierter Regelkonsens, in dessen Rahmen sich dieser Wettbewerb der Menschen abspielt. Natürlich gibt es ein Spannungsfeld zwischen Individuum und Staat, zwischen Freiheit und Ordnung. Eine liberal-konservative Konzeption steckt den Rahmen ab, innerhalb dessen jeder Mensch sein eigenes Glück suchen kann, sowie er es versteht. Wenn das Leben indes so eng mit Freiheit zusammenhängt, könnte dann nicht doch ein Körnchen Wahrheit in dem Vorwurf stecken, daß der Liberale, der sich ja die Hebung der Lebensqualität des einzelnen Menschen auf die Fahnen schreibt, im Grunde ein zumindest latenter Gegner des Staates sein muß? Fordert nicht jeder Staat, auch der demokratische Staat, den Bürgern Pflichten ab, die sich als Beschränkung von Freiheit niederschlagen? Das wäre ein arges Mißverständnis. Die Freiheit der Bürger ist nicht zuletzt, wie Galiani richtig bemerkt, »das Werk einer guten Regierung, (386); pflichtenlose Freiheit ist Anarchie. Allerdings: Übernommene Pflichten sind für die Bürger nur dann von Wert, tragen nur insofern zum »guten Leben« bei, als das, was die Menschen vom Staat erhalten, - alles in allem - mehr wert ist, als das, was sie dafür opfern müssen, »In einer Staatsgemeinschaft wird jede Last, die irgendwem auferlegt wird, entweder von allen getragen, oder der, an den sie gehängt wurde, reißt ab und versinkt« (399). Der Staat muß sicherstellen, daß »die Fleißigen belohnt und die Nachlässigen ... mit Verlusten bestraft werden. Wäre es anders, wenn also eine Klasse von Menschen ständig Verluste erlitte, würde sie die Lust an ihrer Tätigkeit verlieren und sie aufgeben, und so würde der Fluß der gesamten Wirtschaft ins Stocken geraten« (133). An einer anderen Stelle (351) erläutert Galiani: »In den Herzen der Menschen lebt die Überzeugung, daß sie allein Herr und Richter ihrer eigenen Angelegenheiten sind. Deswegen wird jedes Gesetz mißachtet und mit Füßen getreten, das den Staatsbürger dieser Verfügungsmacht berauben will. Sofern es nicht gegen die Vernunft und die natürliche Gerechtigkeit spricht, eine derartige Vorschrift zu übertreten, bleibt sie mit Sicherheit wirkungslos, wenn es nur einigermalten einfach ist, sie zu verletzen.« Die Lebenserfahrung lehrt: »Überall dort, wo Frieden, zuträgliche soziale Verhältnisse ... und Freiheit herrschen, findet man auch Reichtum und Glück« (399). Dabei liegt die Betonung sehr deutlich auf den Grundpostulaten Gerechtigkeit und Freiheit, die für alles andere eine unerläßliche Voraussetzung sind: »Es gibt, wie mir scheint, nichts Ungeheuerlicheres, als daß wir Menschen unseres gleichen der Freiheit berauben ... Ich wünschte, ich hätte eine außergewöhnliche Redegabe, um dieser Leidenschaft, die ich für die Menschheit empfinde, entsprechenden Ausdruck geben zu können.« (214) Es ist ein Verdienst des feinsinnigen österreichischen Literaturkenners und Diplomaten Werner Tabarelli, dem deutschsprachigen Publikum das Werk dieses Denkers zugänglich gemacht zu haben. Wer auf den Schultern eines anderen steht, sieht weiter: Die Liberal-Konservativen von heute bauen auf geistiger Vorarbeit auf, die in vielen Jahrhunderten geleistet wurde. Einer der ersten in ihrer Ahnenreihe war Ferdinando Galiani. |