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MIT UMWELTFORUM |
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Ökologie und Ökonomie müssen sich ideologischer Vereinnahmung entziehen - Ihre gemeinsamen Grundlagen finden sie in den meßbaren Zahlen und beobachtbaren Erfahrungen der Naturwissenschaften - Manche grünen Intellektuellen sind so stolz auf ihr abgehobenes Denken, daß sie sich vom Boden der Wirklichkeit immer weiter entfernen |
Umweltphysik und Klimaforschung |
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von Dr. Wolfgang Thüne Lange Zeit galten sie als Erzfeinde, die um den Primat in der Politik kämpften, die Ökologie und die Ökonomie. Nach der Deklaration der kulturrevolutionären »grünen Bewegung«, daß sich die Wirtschaft grundsätzlich den ökologischen Erkenntnissen unterzuordnen habe, weil nur so eine umweltfreundliche Zukunft gesichert werden könne, schienen sich beide Kontrahenten gegenseitig wie Feuer und Wasser auszuschließen. Doch inzwischen herrscht relativer Waffenstillstand, die Konfrontation wurde aufgegeben zugunsten der politischen Konsens-Forderung, Ökonomie und Ökologie miteinander zu versöhnen. Doch was trennt eigentlich die beiden Wissenschaftszweige? Beide Begriffe verbindet die griechische Vorsilbe »oikos« - das Haus. Strittig bleibt nur, ob in dem Haus die Zahl, der »nomos«, oder das Denken, der »logos«, vorherrschen soll. Gerade an diesem Punkt beginnen die Probleme, die geistigen Hürden. Der »homo sapiens sapiens« ist, besonders in Gestalt des Intellektuellen, so stolz auf sein Denken, daß er sich weit über die Wirklichkeit abhebt. Zahlen kann man ermessen, errechnen, ordnen und objektiv werten, doch wie ist es mit der Wertung der Logik als »Lehre vorn richtigen Denken und Schließen«? Hierbei gerät man sofort in ideologisch verminte Felder. Es ist der Bereich des Denkens, wo die diversen Weltanschauungen oftmals unversöhnlich aufeinanderprallen. Dies liegt an der Komplexität der Wirklichkeit und unserer Unfähigkeit, diese ganzheitlich zu erfassen. Der Mensch ist gezwungen, sich ein Abbild von der Wirklichkeit als Modellvorstellung derselben zu machen. Bei der Abstraktion von der Wirklichkeit oder ihrer Idealisierung lauert stets die Gefahr, bei der notwendigen Reduktion der Komplexität dem Reduktionismus zu verfallen. Diese ist immer dann gegeben, wenn man ein vereinfachtes Modell als Wirklichkeitsersatz verabsolutiert, kritikfrei stellt und zum weltanschaulichen Dogma erhebt. Vor dieser latenten Gefahr ist im Prinzip keine der Wissenschaften gefeit. Sie ist jedoch am größten bei den Geistes-, Gesellschafts- und Umweltwissenschaften. Die Diskrepanz zwischen Modell und Wirklichkeit offenbarte sich am deutlichsten beim dialektischen Materialismus von Karl Marx. Eine derart ideologisch fixierte Politik orientiert sich nicht an der realen, sondern nur an der eingebildeten virtuellen, der subjektiv empfundenen »guten« oder »schlechten« Wirklichkeit. Aber auch die Physik, die Lehre von der Natur, ist als »Königin der Naturwissenschaften« keineswegs ideologieresistent, wie ihr neuer Zweig, die Umweltphysik, zeigt. Dieser Zweig der Physik hat sich aus den Niederungen der Realität in die Sphären abstrakten Modelldenkens erhoben. Per »Rechenknecht« Computer werden Modelle mit Modellen verifiziert oder falsifiziert ohne jegliche Adaption an die reale, meßbare und zählbare Wirklichkeit. Dies ist insbesondere in der numerischen Klimaforschung der Fall. Ignoriert wird dabei die Mahnung des großen Naturforschers Galileo Galilei. Er erklärte, daß die Physik eine Erfahrungswissenschaft ist und daß die letzte Entscheidung über die Richtigkeit einer physikalischen Aussage wiederum nur durch die Erfahrung, das heißt durch die Naturbeobachtung oder das Experiment, geliefert werden kann. Über das »Klima« kann als rein statistische Erscheinung unendlich spekuliert werden, weil es im Gegensatz zum realen Wetter nicht unmittelbar erfahren werden kann. Noch größer als in der Physik ist die Gefahr jeglichen Erfahrungsverlustes in der Ökologie - vor allem dann, wenn das Bild eines abgeschlossenen oder abschließbaren Systems beschworen wird. Öko-Forderungen nach »Nullwachstum« zwecks Wahrung des ökologischen Gleichgewichts, das Öko-Streben nach einer Kreislaufwirtschaft beruhen auf der Idealvorstellung, unser »oikos« sei ein abgeschlossenes System. Dies ist ein fataler Denk- oder Modellfehler! Tatsache ist, daß das »Ökosystem Erde« als Ganzes »offen« ist, ja offen sein muß als Voraussetzung für das Leben auf unserem Planeten. Bei allem seinem Denken und Handeln muß sich der Mensch bewußt sein: Gleichgewicht bedeutet Bewegungslosigkeit und Stillstand. Die Zukunft orientiert sich nicht an den Visionen wirklichkeitsferner Modellvorstellungen, noch werden die Gegenwartsprobleme bewältigt, wenn der notwendige Realitätssinn für das wirklich Machbare fehlt. Die Pendelschläge menschlichen Denkens schwingen zwischen utopischen Wunschvorstellungen und dem Wahn, alles sei machbar. Ideologien können zwar Gesinnungen befriedigen, aber sie können keine konkreten Energie- oder Ernährungsprobleme lösen. Zukunftsplanung muß auf dem Boden der Tatsachen stehen. Doch viel zu häufig ist für den Menschen nicht das wichtig, was ist, sondern das was empfunden wird. Das Problem für den Menschen als natürliches Geschöpf ist das »richtige Denken« über die Natur und seine Rolle in der Natur. Hierüber hat es immer Streit gegeben und auch die Zukunft wird nicht konfliktfrei sein. Doch bei aller Relativität der Wahrheit und allem weltanschaulichen Streit ist im Bereich der Naturwissenschaften das als »richtig« einzustufen, was wir objektiv messen, wägen, reproduzieren und überprüfen können. Diesem Kriterium für Realität hat sich die Ökonomie aber auch die Ökologie zustellen, wenn es darum geht, etwas wirklich nachhaltig zu gestalten. Nur über die meßbare Zahl wie die beobachtbare Erfahrung lassen sich Ökonomie und Ökologie in Übereinstimmung bringen. |