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Epoche Nr. 142

MIT UMWELTFORUM
EPOCHE UND UMWELT

Ideenmagazin und "Argumente- und Informationsmagazin für Meinungsführer und Multiplikatoren" nannte Manfred Wörner (NATO-Generalsekretär 1988-94) die EPOCHE - Ideen von heute sind Taten von morgen

142/QIV/1999/24. Jahrgang

Nadel, grün

Oskar-Psychogramme: Das Herz der Medien schlägt links

EPOCHE - DEUTSCHE EINHEIT (Cato)

»Zum Kotzen« findet die Münchener Abendzeitung das Gezerre um Oskar Lafontaine. Recht hat sie, finde ich. Freilich in ganz anderer Bedeutung. Obgleich ich nie Anhänger des »Saar-Napoleon« war (der sich nach einem Wort von Arnulf Baring auf Elba währt, aber in Wahrheit auf St. Helena ist), befällt auch mich Unwohlsein angesichts der Diskussion um das Herz, das da links schlägt. Zum Kotzen finde ich nämlich wie sich nun all jene aufspielen, die bis zu seinem überraschenden Rücktritt als publizistisches Fußvolk des Saarländers an dessen Ruhm strickten. Es waren doch gerade jene Abendzeitung, jene Süddeutsche, jene Woche, jene Zeit, jener stern und jener Spiegel, die Tag für Tag oder Woche für Woche ihren Lesern einzureden versuchten, daß Lafontaine die Lichtgestalt der deutschen Politik sei. Sie machten ihn zum Messias einer neuen besseren Welt.

Und nun? Auf einmal, da sie (zu Recht) fürchten, er habe seiner SPD geschadet, nun kommt nach dem Hosianna ein um so entschiedeneres »Kreuziget ihn«. Da nennt der stern die Regierungsbildung voriges Jahr »verantwortungslos« und sein Autor Hans Peter Schütz spricht (im ARD-Presseclub) Lafontaine jegliche Leistung ab: »Was hat Lafontaine eigentlich vorher geleistet? Er war Ministerpräsident des Saarlandes einige Jahre - das ist kein so herausragender politischer Job, er hat gut gebracht die Geschlossenheit der SPD im Bundestagswahlkampf, das war's aber auch schon im wesentlichen. Er hat einmal Journalisten gegenüber gesagt, seine Maxime sei Fressen, Saufen und sonst noch was. Er war immer sprunghaft, er hat nicht gerne gearbeitet.« Ist der stern nicht jenes Bilderblatt, dem Lafontaine seinen Aufstieg mit verdankt? Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Ähnlich die Süddeutsche. Dort liest man über Lafontaine Worte wie »Scheinheiligkeit«, »Plattitüden« und - besonders bemerkenswert: »dieses sonst mit Ichweißallesbesser übermalte Gesicht«. Titel: »Das Gesicht ist die Story«. Irritiert fragt der Leser, seit wann Lafontaine dieses Gesicht eigentlich schon hat. Erst seit seinem Rücktritt?

Der stellvertretende Chefredakteur Hans-Ulrich Jörges weiß (ebenfalls im ARD-Presseclub) plötzlich: »Den Mann halte ich für unberechenbar ... der Mann ist vollkommen unglaubwürdig geworden ... ich halte dieses Buch für das Psychogramm eines Mannes, der hin und her gerissen ist und sein ganzes Leben lang war zwischen Allmachtphantasien und Fluchtreflexen, zwischen unglaublicher Sensibilität und Empfindlichkeit, was ihn angeht, und Maßlosigkeit, was Kritik an anderen angeht.«

Eine Kostprobe besonderer Natur: »Lafontaine, die unappetitlichste Figur im Phrasengeschäft ... - ein frustriertes, unberechenbares Ein-Mann-Sprengkommando auf Destruktionstrip«, Lafontaine, der »Schwadroneur«, der nur »Halb- und Nullwahrheiten« und die »gröbsten Roßtäuschereien« verbreitet - so zieht nur vom Leder, wer sich in die Propaganda-Kompanie der besorgten Genossen einreiht. Der Spiegel war's.

Die Zeit ließ den Chef des Dietz-Verlages, den Genossen Heiner Lindner, zu Wort kommen, der im Millionenpoker um Lafontaines Linkes-Herz-Buch ausgetrickst wurde: »Im konkreten Fall bin ich unterlegen, weil ich zu meinem Verhandlungspartner Vertrauen hatte, dieser aber skrupellos, zeitweise auch unehrlich, auf jeden Fall aber geldgierig war und mich reingelegt hat.«

Vieles von dem, was die früheren Lafontaine-Jubelblätter ihrem gefallenen Engel heute vorwerfen, mag so falsch ja nicht sein. Nur: Wer so etwas vor dem Rücktritt Lafontaines zu schreiben wagte, wurde von ihnen angegriffen. Das Kriterium zur Unterscheidung von Freund und Feind ist offenbar nur noch die Frage, ob jemand dem linken Lager nützt oder schadet. Genau hier liegt das Problem der deutschen Medienlandschaft: Ein großer Teil der Journalisten degradiert sich zum Büttel einer Ideologie. Im Glauben an ihren Schlachtruf »Der Geist steht links« meinen auch noch die Geistlosesten, ihr Gesicht wahren zu können, wenn sie nur kompromißlos auf Linie bleiben.


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