![]() |
MIT UMWELTFORUM |
|
Bis 2003 werden die Energiesteuern schrittweise kräftig erhöht - Entgegen allen Ankündigungen dürfte sich die ökologische Steuerreform als Wachstumsbremse für die Wirtschaft erweisen - Es ist ein Irrweg, den Unternehmen das Kostengeschwür der viel zu hohen Lohnzusatzkosten in Gestalt der Energierechnung wieder einpflanzen zu wollen |
Ökosteuer: Bremsklotz für die Wirtschaft und ökologisch sinnlos |
|
Epoche und Umwelt - Umweltforum Seit dem 1. April 1999 müssen die Deutschen bei jedem Tankstellenbesuch ein wenig tiefer in die Tasche greifen als zuvor. Denn mit diesem Datum trat die erste Stufe der ökologischen Steuerreform in Kraft, die die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel um 6 Pfennige pro Liter nach oben klettern ließ. Dadurch fließen mit jedem getankten Liter Super bleifrei 1,27 Mark ins Staatssäckel - für Produktion und Vertrieb des Kraftstoffes gehen derzeit noch nicht einmal 50 Pfennig drauf. Der deutsche Normalverbraucher wurde aber auch an anderer Stelle zur Kasse gebeten. So stieg der Steuersatz auf Heizöl um 4 Pfennige pro Liter. Und die neue Stromsteuer von 2 Pfennig pro Kilowattstunde war ebenfalls kein Aprilscherz. Im Jahr 1998 spülten die Steuern auf Kraftstoffe, Öl und Gas zusammen 85 Milliarden Mark in die Staatskassen. Damit waren sie nach der Lohn- und Mehrwertsteuer die drittgrößte Einnahmequelle. Als Kassenfüller erwies sich vor allem die Mineralölsteuer, deren Satz allein zwischen 1991 und 1998 mehr als 40 Prozent stieg. Sie brachte im vergangenen Jahr rund 67 Milliarden Mark ein. In jedem Haushalt schlugen die Ökosteuern bei der Energierechnung 1998 im Schnitt mit 2.300 Mark zu Buche. Daß gleichzeitig die Arbeit in Deutschland immer teurer wurde, liegt vor allein an den Beiträgen zur Sozialversicherung, die allein zwischen 1992 und 1997 je Beschäftigten im Schnitt um über 50 Prozent gestiegen sind. Die Personalzusatzkosten belasteten somit immer stärker die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Die angestrebte Verlagerung der Kostenlast auf die Energiesteuern kann dieses Problem jedoch nicht lösen. Denn damit wird vielen Unternehmen - sofern sie nicht von einer Steuerbefreiung profitieren - ein großer Teil des Kostengeschwürs, das ihnen durch die Senkung der Rentenbeiträge entnommen wird, über eine höhere Energierechnung wieder eingepflanzt. Dennoch will die Bundesregierung an dieser fragwürdigen Therapie festhalten. Das von ihr vorgelegte »Gesetz zur Fortführung der ökologischen Steuerreform« sieht bis zum Jahr 2003 eine jährliche Anhebung der Energiesteuern vor. Die Mineralölsteuer auf Kraftstoffe wird danach ab dem Jahr 2000 jährlich um 6 Pfennige je Liter angehoben. Die Stromsteuer steigt zugleich um 0,5 Pfennige je Kilowattstunde im Jahr. Das gesamte Ökosteuerpaket soll im Jahr 2003 gegenüber dem Stand von 1998 stattliche 32,5 Milliarden Mark zusätzlich einbringen. Die Folge ist: Im Jahr 2003 müssen die Deutschen auf den Verbrauch von Kraftstoffen, Heizöl, Gas und Strom rund 118 Milliarden Mark Steuern zahlen. Mit den zusätzlichen Steuereinnahmen will die Bundesregierung die Beiträge zur Rentenversicherung bis zum Jahr 2003 um einen weiteren Prozentpunkt senken. Damit lenkt sie jedoch nicht nur von der notwendigen Reform des Sozialversicherungssystems ab, sie weckt auch falsche Hoffnungen auf einen Schub auf dem Arbeitsmarkt. Denn die Öko-Steuerreform schafft per Saldo nur dann neue Jobs, wenn die zusätzlichen Steuern durch niedrigere Lohnzusatzkosten der Unternehmen überkompensiert werden. Dies ist jedoch aus mehreren Gründen zu bezweifeln:
Literaturhinweis - Gerhard Voss: Die ökologische Steuerreform, Anspruch und Praxis. IW Köln - Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Band 253, 56 Seiten, DM 14,50. FAX-Bestellung: 0221-4981445. |