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MIT UMWELTFORUM |
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Den Neid überwinden und den Unternehmerberuf attraktiv machen - Nur wenn sich mehr junge Menschen zur Selbständigkeit motivieren lassen und die Möglichkeit finden, über den Markt eine solide Eigenkapitalbasis zu erwerben, werden die Wachstumszahlen der Wirtschaft wieder steigen und die Arbeitslosenzahlen sinken - Die Steuerpolitik muß Betriebsneugründungen erleichtern |
![]() Arnold J.J. Walterscheid |
Deutschland braucht mehr Unternehmer |
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von Arnold J.J. Walterscheid Unsere Zukunft kann nur dann human und sozial gesichert sein, wenn genug junge Menschen bereit sind, Unternehmer zu werden; denn die Wirtschaft ist - wie auf Arbeit und Arbeitnehmer - auch auf junge Unternehmertätigkeit angewiesen. Die Bildung einer soliden Eigenkapitalquote ist durch überhöhte Steuern fast unmöglich gemacht. Nur wenn auf Dauer erreicht wird, daß das Anlagevermögen voll oder die Bilanzsumme halb durch das Eigenkapital Deckung findet, kann ein Unternehmen am Markt bestehen und seinen sozialen Pflichten nachkommen. Allzuviele vom Ungeist des »Forderns ohne Maß« geprägte junge Menschen unserer Freizeitgesellschaft scheuen die Hürden, die es zu bewältigen gilt und entscheiden sich daher nicht für den Beruf des Unternehmers. Es ist eben auch eine Frage der ethischen Einstellung - des Willens zur selbständigen Leistung -, sich für diesen Weg zu entscheiden. Wer will schon mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten? Wer will schon seinen Jahresurlaub im eigenen Betrieb investieren? Wer will schon auf die sozialen Vorteile eines Arbeitnehmers verzichten? Wer will schon seinen Verdienst in ein Unternehmen einbringen und - wenn nötig - für den Unterhalt seiner Familie Kredit aufnehmen? Will man die Startchancen junger Unternehmer verbessern und die Bildung von Eigenkapital ermöglichen, muß die Steuerpolitik geändert werden. Darüber hinaus ist auch eine soziale Absicherung für die jungen Unternehmer erforderlich, um ihre persönliche Risikobereitschaft zu stärken. Jedes zweite Unternehmen, das gegründet, ererbt oder gekauft wird, macht wegen zu geringer Erfahrungen und falscher Entscheidungen der Verantwortlichen innerhalb von sechs Jahren Pleite. Der häufigste Grund dafür liegt in unzureichender Kostenerfassung und zu knapper Kalkulation der Nettogewinne plus Steuern, die für Nettoinvestitionen notwendig sind. Dadurch sind die erzielten Preise nicht kostendeckend. Die Gewinnverwendung in der Steuerbilanz muß klar und verständlich sein, um diese Fehler zu vermeiden. Ein Gesetz sollte dies regeln. Wie ausreichender Gewinn eine unerläßliche Voraussetzung für Eigenkapitalbildung und Wachstum ist, so ist auch das Verkaufen ein Wesenselement aktiver unternehmerischer Tätigkeit. Am Verkaufen wird die dienende Funktion des Unternehmers besonders deutlich. Die Interessen der Konsumenten sind bestimmend. Verkaufen heißt aber nicht mit Verlust verkaufen; vielmehr gilt das Gesetz: Kosten sind vor Eintreten von Verlusten zu senken und Preise vor Eintreten von Verlusten zu erhöhen. Ein verantwortungsbewußter Unternehmer soll in erster Linie nicht billiger, sondern besser als die Konkurrenz sein. Die private Lebensführung des Unternehmers unterliegt öffentlicher Aufmerksamkeit. Auch solide Lebensführung kann ein Mosaikstein des Erfolges sein - entscheidend aber ist die unternehmerische Tätigkeit. Ererbtes Produktivvermögen allein ist totes Kapital; erst unternehmerische Tätigkeit macht daraus - selbstverständlich zusammen mit der von den Arbeitnehmern geleisteten Arbeit - ein lebensfähiges Unternehmen. Ein großer Musiker beispielsweise kann zwar seine Instrumente vererben, nicht aber die Fähigkeit, Energie und Fertigkeit, die Instrumente zu nutzen. Der Beruf des Unternehmers erfordert wie die meisten Berufe ein Höchstmaß an Fleiß, wenngleich unternehmerische Begabung die Voraussetzung ist. Ein ausreichender Wissensstand über die marktwirtschaftlichen Zusammenhänge, um dem Erzübel der Ignoranz zu begegnen, und ein öffentliches Klima, das die Gemeinwohlwerte von Kapital und Gewinn sowie unternehmerische Tätigkeit angemessen einschätzt, sind notwendig, um unternehmerische Begabungen zu wecken. Eine ethische Renaissance muß die Grundwerte von Leistung, Verzicht und risikobereitem Einsatz als positive Werte zum Gemeingut machen. Nur so ist unsere Zukunft in Freiheit, wirtschaftliches Wachstum und soziale Sicherheit möglich. Nur so kann die Jugend von heute die Aufgaben und Lasten von morgen bewältigen. Das Schicksal der Sozialen Marktwirtschaft hängt nicht zuletzt von der Existenz eines ausreichenden unternehmerischen Nachwuchses ab. Doch mangelt es an diesem in der Bundesrepublik Deutschland in einem erschreckenden Maße. Zu wenige junge Menschen, Unternehmer- wie Arbeitnehmersöhne, sind willens, Unternehmer zu werden. Die Startchancen sind mit Fragezeichen versehen. Und eine unternehmerfeindliche Steuerpolitik erschwert die Gründung oder Übernahme von Betrieben. Die jahrelange Polemik gegen das private Eigentum an Produktionsmitteln, gegen die unternehmerische Handlungsfreiheit, gegen den Beruf des Unternehmers überhaupt wirkt sich in einem Teil der jungen Generation aus. Hinzu kommt, daß das Netz der sozialen Sicherungen die Bereitschaft zum unternehmerischen Risiko geschwächt hat. Urlaubsregelungen, Arbeitszeitverkürzungen, Sicherheit für das Alter sowie gegen Krankheit und Unfall, Sicherheit bei Arbeitslosigkeit - all dies ist für jemanden, der Unternehmer werden will, keine Selbstverständlichkeit. Wie aber sollen wir den technologischen, den wirtschaftlichen und den sozialen Fortschritt ermöglichen und finanzieren ohne eine ausreichende Anzahl von Unternehmerpersönlichkeiten? Ohne ihren Fleiß, ihre Risikobereitschaft, ihre Kreativität und ihren Willen zur Verantwortung ist eine dynamische Entwicklung nicht möglich. Die unternehmerische Tätigkeit muß aufgewertet werden. Ihre Bedeutung für das Gemeinwohl und die Existenz eines freiheitlichen Rechtsstaates ist deutlich zu machen. Unternehmerische Initiativen sind nicht zu behindern, sondern zu wecken und zu fördern. Jungen Menschen, die Unternehmer werden wollen, muß diese Entscheidung erleichtert werden. Besonders müssen neugegründete Unternehmen echte Chancen zum Überleben erhalten. Es ist also eine Reform der Gesinnung erforderlich, aber es sind auch institutionelle Regelungen zu treffen. An der Gesinnungsreform, an der Bildung einer positiven Meinung über die Unternehmerfunktion sollten alle Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und öffentlicher Meinung mitwirken. Die Initiative hierzu muß aber auch in einem ganz erheblichen Maße von den Unternehmern selbst ausgehen. Sie dürfen sich nicht ins Abseits stellen lassen. Sie müssen aktiv, ideenreich und selbstbewußt für unsere Soziale Marktwirtschaft und ein freies Unternehmertum eintreten. Die institutionellen Voraussetzungen, besonders was die Steuergesetzgebung betrifft, muß die Politik schaffen. Die zu hohen Steuern und zu hohen Lohnzusatzkosten werden von den Verbrauchern nicht bezahlt - auch die durch überzogene Forderungen der Gewerkschaften gestiegenen Preise sind vielfach zu hoch. Eine Senkung der Ertragsteuern ist erforderlich, denn ohne ausreichende Nettogewinne gibt es keine Neuinvestitionen und damit kein wirtschaftliches Wachstum. Ohne eine derartige Steuerreform gibt es auch keine ausreichende Eigenkapitalbildung. Ohne eine ausreichende Eigenkapitalausstattung ist die Fremdverschuldung der Unternehmen zu hoch - und das bedeutet hohe Zinslasten und Instabilität. Dies führt wiederum zu einer Verminderung der Gewinne und damit zur Verringerung der Investitionen und zum Ausbleiben der Wachstumsimpulse. Ohne gewinnstarke Unternehmen gibt es kein wirtschaftliches Wachstum. Die Gruppe der Wachstumsunternehmen umfaßt mehr kleine und mittelgroße und weniger große Unternehmen. Vor allem der Mittelstand - Betriebe mit 10 bis 500 Mitarbeitern - schafft Arbeitsplätze. Das Klima der Stagnation und der Passivität ist zu brechen. Unternehmer-Sein darf nicht eine Minderung der Lebensqualität zur Folge haben. Die Entwicklungsbedingungen für das Privateigentum an Produktionsmitteln müssen sich verbessern - dann bekommen wir auch ausreichenden Unternehmernachwuchs. Dann werden junge Menschen wieder bereit sein, mit Elan, Interesse und Freude Unternehmer zu werden. In Deutschland fehlen zur Zeit Millionen Arbeitsplätze. Nur eine dynamische Wirtschaft, in der sich Selbständigkeit lohnt und in der eine Vielzahl neuer Unternehmen entsteht, kann dieses Problem lösen. Die Soziale Marktwirtschaft ist die erste Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung der Geschichte, die sich vom privaten Eigentum, von der eigenverantwortlichen unternehmerischen Handlungsfreiheit und vom Marktgeschehen her reguliert und organisiert. Diese Eigenschaften machen die Produktivität, die Dynamik und die Fortschrittsfähigkeit der westlichen Industrienationen aus. Sie ermöglichen den technologischen Fortschritt, den Wohlstand und das System der sozialen Sicherung. Es gilt, diese Errungenschaften zu verteidigen, sei es mit Blick auf einen Gewerkschaftsstaat, sei es gegenüber einem staatlichen Dirigismus durch Investitionslenkung und -kontrolle, sei es durch ein Erstarren und ominöses Ausbeuten der marktwirtschaftlichen Ordnung auf Grund einer falschen staatlichen Steuer- und Finanzgesetzgebung. Die Eigendynamik des marktwirtschaftlichen Systems ist groß, kann aber durch Dirigismus und sachfremde, ideologisch bestimmte Regelungen zerstört werden. Der Neid als emotionale Basis des Sozialismus ist Gift für die Wirtschaft. Es gilt, den Neidkomplex zu überwinden - durch Hinweise auf die echte Leistung und Last des Unternehmers. Es müssen erneut Freiheitsräume für die unternehmerische Initiative geschaffen werden; sie darf nicht, wie Karl Steinbuch zutreffend bemerkt, durch ein »wucherndes Gestrüpp von Gesetzen und Verordnungen« leistungshemmend eingeengt oder erstickt werden. Nur eine freie Unternehmerwirtschaft ist in der Lage, sich an die wechselnden Situationen des Marktes schnell anzupassen und wirtschaftlich sinnvoll zu reagieren. Es gilt aber nicht nur, die notwendigen aktuellen und strukturellen Voraussetzungen für junge Unternehmer zu schaffen, damit sie die Errungenschaften der Sozialen Marktwirtschaft zum Wohle aller weiterzutragen vermögen. Es müssen auch Grundvoraussetzungen unternehmerischer Tätigkeit gefördert und gelernt werden. Es handelt sich dabei vor allem um folgende drei: Gewinnstreben, Kosten-Nutzen-Kontrolle und Marktbeobachtung. Ohne Gewinn - und das Streben danach - ist der wirtschaftliche Erfolg, der die Voraussetzung für die Sicherheit der Arbeitsplätze, die Schaffung neuer Produkte, neuer Dienstleistungen und die Stabilität sowie Ausweitung der Unternehmen ist, unmöglich. Das Gewinnstreben muß als eine positive Gegebenheit des menschlichen Seins geweckt und gefördert werden und darf keinerlei Verteufelung erfahren. Der Gewinn ist für die Wirtschaft und damit auch für die Verbraucher so wichtig wie für die Bauern und die Ernährung des Volkes das Saatgut. Die Gewinne sind das Saatgut für die Volkswirtschaft. Dem jungen Menschen muß der Blick für die Notwendigkeit der Kostenkontrolle geöffnet werden. Unternehmer-Sein heißt nach Goetz Briefs wesentlich auch: die Kosten in Schach und Proportionen halten. In Schach halten heißt minimieren; in Proportionen halten, das heißt, sie müssen in bezug auf die Preise im rechten Verhältnis bleiben. Als drittes Moment unternehmerischen Tuns ist besonders die Marktbeobachtung hervorzuheben. Nur wer die Signale des Marktes rechtzeitig wahrnimmt, wird erfolgreich arbeiten, produzieren und verkaufen können. Marktbeobachtung kann man nicht kaufen oder erben, sie muß in der Praxis vollzogen werden. Das gilt für alle Unternehmer. Der Gesetzgeber sollte auch überlegen, wie er neben der Schaffung von jugendfreundlichen Steuergesetzen Voraussetzungen dafür schafft, daß junge Leute, die ein Unternehmen gründen oder übernehmen, nicht auf die sozialen Vorteile eines Arbeitnehmers verzichten müssen. Eine soziale Absicherung der jungen Unternehmer wird ihre persönliche Risikobereitschaft erleichtern. Schließlich sollte eine nachwuchsfreundliche Förderungspolitik ohne Subventionen durch Vergabe verbilligter Kredite und bessere Abschreibungsmöglichkeiten die Eigenkapitalbildung für junge Unternehmer erleichtern. Es geht hier also nicht um Subventionen für junge Unternehmer, sondern darum, daß ihre Startchancen für den Erwerb von Eigenkapital verbessert werden. Unsere Jugend muß wissen, daß es ohne Privateigentum keine freiheitliche Ordnung gibt. Ihr muß deutlich werden, daß ohne freie Unternehmer kein wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt zu erzielen ist. Es müssen Anreize dafür geschaffen werden, daß jeder zehnte junge Mensch sich so ausbilden läßt, daß er ein Unternehmen übernehmen oder gründen kann. Uns fehlen auch Ein-Mann-Betriebe. Nur durch die wachsende Zahl von Unternehmern und Unternehmen können wir den anspruchsvollen Lebens- und Kulturbedarf unseres Volkes sichern und die größte soziale Krankheit überwinden: die Massenarbeitslosigkeit. Zeitlose Mahnung Edmund Stoiber über das rot-grüne Arbeitsplatzverhinderungsprogramm:Zu den Auswirkungen der Neuregelung des 630-Mark-Gesetzes hieß es in einem Pressebericht: »Tausende von geringfügig Beschäftigten haben schon gekündigt ... Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger hat dem Bundeskanzleramt Namen von 8.900 Zustellern übergeben, die ihre Arbeit aufgegeben haben.« Darunter sind wohl auch die Zeitungszusteller für die Bundesminister Riester und Müller. Denn offenbar gelangt gar nicht mehr zur Kenntnis der Herren, was sie angerichtet halben. Die Ursachen der deutschen Beschäftigungskrise sind überwiegend struktureller Art und hausgemacht. Warum hat beispielsweise Großbritannien eine viel niedrigere Arbeitslosigkeit als Deutschland? Warum herrscht denn in den Niederlanden beinahe Vollbeschäftigung? Weil diese Länder ihre nationalen Hausaufgaben gemacht und die Weichen richtig gestellt haben. Der Aufwärtstrend, den wir in Deutschland noch 1998 beim Wirtschaftswachstum zu verzeichnen hatten, ist hingegen beendet. Rot-Grün hat ein Arbeitsplatzverhinderungsprogramm gestartet:
Die Neuregelung der 630-Mark-Jobs kostet Arbeitsplätze, fördert die Schwarzarbeit und treibt Unternehmen, die auf diese Kräfte angewiesen sind, in den Ruin. Die realitätsfernen Regelungen gegen die Scheinselbständigkeit ersticken viele Unternehmensgründungen bereits im Keim. Wenn zwei der insgesamt vier Kriterien zur Feststellung der Scheinselbständigkeit bereits reichen, beispielsweise
dann bezichtigt man viele Jungunternehmer der Scheinselbständigkeit und erreicht nur eines: das wirtschaftliche Aus für junge Hoffnungsträger und die Verhinderung neuer Arbeitsplätze. Unter den Bedingungen einer solchen rot-grünen Regelung wären viele Innovationen und Neugründungen unterblieben und Bill Gates wäre gar nicht erst aus seiner Garage her ausgekommen. |