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Epoche Nr. 140

MIT UMWELTFORUM
EPOCHE UND UMWELT

Ideenmagazin und "Argumente- und Informationsmagazin für Meinungsführer und Multiplikatoren" nannte Manfred Wörner (NATO-Generalsekretär 1988-94) die EPOCHE - Ideen von heute sind Taten von morgen

140/QII/1999/23. Jahrgang

Gesetze des Erfolges der Marktwirtschaft - Im Sozialismus führt der Lahme den Lahmen - Lehren aus dem Untergang der DDR - Wer die Probleme in den neuen Bundesländern verstehen will, muß wissen, wie die sozialistische Wirtschaft den verflossenen SED-Staat zu anhaltendem Siechtum verdammte - Freier Wettbewerb und freier Kapitalmarkt sichern Produktivität und Wohlstand für alle

Nadel, grün

Durch Freiheit und Wettbewerb mehr Leistung und Eigentum

von Bruno Molitor

Für alle sozialistischen Zentralverwaltungswirtschaften waren und sind strukturelle Schwächen kennzeichnend, die zwangsläufig zu mageren Ergebnissen führten.

Erstens: Grundlegend ist, daß im Sozialismus ein verläßlicher, übergreifenderRechenmechanismus fehlt, der - wie ein freispielendes Marktpreissystem - tatsächliche Kosten und tatsächliche Erträge erkennen läßt und entsprechend die Pläne von Produzenten und Abnehmern koordiniert. Die staatliche Preisfestsetzung stützt sich auf das Material betrieblicher Informationen, und die betriebliche Kostenrechnung wiederum kann nicht anders, als sich an den behördlichen Vorgaben zu orientieren. In der wirtschaftlichen Kalkulation führt so der Lahme den Lahmen.

Die Folgeerscheinung ist eine grandiose volkswirtschaftliche Verschwendung in allen ihren Formen - bei gleichzeitiger permanenter Mangelsituation: Produktionsfaktoren werden häufig fehleingesetzt, während rentable Produktionsmöglichkeiten ungenutzt bleiben. Der Ausweg - den sogar das von Reform-Kommunisten regierte China gefunden hat - kann in nichts anderem liegen, als zu flexiblen Preisen überzugehen, die sich auf freien Märkten nach Angebot und Nachfrage bilden. Erst dann kommen die wahren Kosten der Produktion zum Vorschein. Und erst dann richten sich die Erträge, die zu erzielen sind, nach den tatsächlichen Wünschen der Konsumenten.

Konsequenz von morgen: Sozialistische Traumtänzer in den Regierungsparteien machen Schröder das Leben schwer. Er resigniert.

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Zeichnung: zt, Horst Haitzinger

Zweitens: Doch ist ein System freispielender Preise nicht alles. Für die Rationalisierung der Produktion ist der Wettbewerb entscheidend, der die Anbieter von Gütern und Dienstleistungen um die Gunst der Abnehmer rivalisieren läßt. Aber gerade hier versagen Zentralverwaltungswirtschaften total.

Es entspringt typisch planwirtschaftlichem Kästchendenken, anzunehmen, daß es gesamtwirtschaftlich rationeller wäre, eine Produktion jeweils zu konzentrieren, statt mehrere Betriebe das gleiche Gut herstellen zu lassen. Doch nicht staatliche Administration, sondern allein der Wettbewerb ist in der Lage, die Kostenentwicklung in Schach zu halten und für Produktivitätssteigerungen zu sorgen. Gewiß, auch in den westlichen Marktwirtschaften gibt es große Industriekonzerne. Diese aber sind nicht zum Zwecke besseren staatlichen Planungszugriffes geschaffen worden, sondern in der Marktentwicklung entstanden; untereinander stehen sie in hartem Wettbewerb - und ein übriges tut die Wettbewerbsgesetzgebung, um konkurrenzschädigendes Verhalten zu verhindern.

Drittens: Es ist ein Charakteristikum aller sozialistischen Zentralverwaltungswirtschaften, daß die Arbeitsproduktivität in jammervollem Maße zurückbleibt. Zur betriebswirtschaftlichen Selbständigkeit der Unternehmen in der Marktwirtschaft gehört, daß sie eine Kosten-Erlös-Differenz erwirtschaften, die Kapital anzieht oder die Kreditwürdigkeit fundiert. Die getätigten Investitionen müssen durch Erträge amortisiert werden, ebenso hat der Betrieb für die Finanzierung von Neuinvestitionen selbst zu sorgen. Sozialistische Gleichmacherei kann dabei nicht mithalten - sie führt zum Verfall der Produktivität und erzeugt dadurch Armut. Leistung muß sich eben lohnen.

Viertens: Eine Besonderheit sozialistischer Volkswirtschaften lag darin, daß Defizite meist schlicht durch die Notenpresse finanziert wurden: Die regierungsabhängige Staatsbank hatte die jeweils benötigte Geldschöpfung vorzunehmen, mag sie auch formal als »Kreditvergabe« der Staatsbank an den Finanzminister verbucht worden sein. Die fortgesetzte Entwertung des Geldes und der entsprechenden Vermögensbestände war die unausweichliche Folge. Wenn eine Wirtschaft florieren soll, braucht sie jedoch stabiles Geld und einen funktionierenden Kapitalmarkt - sowohl was die Kapitalbildung wie auch die Kapital-Lenkung anbelangt.

Fünftens: Daß der Handel mit anderen Ländern von den Sozialisten über ein staatliches Außenhandelsmonopol abgewickelt wurde, bedeutete ein weiteres Handicap. Es dominierte die primitive Handelsform des Naturaltausches: Importe gegen Export heimischer Güter. Auch hierin lag eine der Ursachen für das handfeste Zurückbleiben der Zentralverwaltungswirtschaften im durchschnittlichen Stand an moderner Technik und Produktivität.

Dieses Erbe der kommunistischen Herrschaft in eine freiheitliche Soziale Marktwirtschaft zu transformieren, erfordert viel Zeit und Energie. Eine Durststrecke während der Anpassung war und ist unvermeidlich. Die Sünden des sozialistischen Regimes lassen sich auch mit noch so rational gezielten chirurgischen Schnitten nicht einfach von heute auf morgen ungeschehen machen. Die betroffenen Menschen brauchen Geduld. Die meisten vor einem Jahrzehnt noch sozialistisch regierten und ruinierten Länder schreiten heute auf dem Weg der Sozialen Marktwirtschaft voran, deren Ziel - in Anlehnung an einen programmatischen Buchtitel Ludwig Erhards - darin besteht, Wohlstand für alle zu schaffen.


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