d2.jpg 3 KB Die konservative Informationsbasis im Internet zurück zum Inhaltsverzeichnis der Nr. 140

Epoche Nr. 140

MIT UMWELTFORUM
EPOCHE UND UMWELT

Ideenmagazin und "Argumente- und Informationsmagazin für Meinungsführer und Multiplikatoren" nannte Manfred Wörner (NATO-Generalsekretär 1988-94) die EPOCHE - Ideen von heute sind Taten von morgen

140/QII/1999/23. Jahrgang

Zukunftsperspektiven einer umweltfreundlichen Bewältigung des Abfallproblems: Vermeiden, Verwerten, Verschwelen - Die Vorteile der thermischen Behandlung - Neue Chancen für den Export - Das Müllmuseum und die Verbrennungsanlagen des 21. Jahrhunderts / Das »Raumschiff Erde« braucht ein neues globales Gleichgewicht

Nadel, grün

Müll als Kulturgut - ein Nachruf / Übervölkerung und Umweltplanung

EPOCHE-UND-UMWELT-TECHNIKREPORT / Reginald Földy

In Baden-Württemberg gibt ein Müllmuseum. Seine Existenz verdankt es der seit Jahrtausenden praktizierten Methode, die Rückstände unserer Zivilisation auf Halden zu kippen und sie dadurch der Nachwelt zu erhalten. »Vergraben und vergessen« hieß das Motto. Und: Nach uns die Sintflut. Obwohl Hamburg bereits im Jahr 1896 die erste Müllverbrennungsanlage des Kontinents (in England gab es eine schon früher) in Betrieb nahm, dauerte es mehrere Jahrzehnte, bis sich weitere hinzugesellten. Doch erst nach dem Jahr 2000 wird es wirklich ernst mit der flächendeckenden thermischen Müllbehandlung.

Deponien, auf denen alles zusammengekippt wird, sind Giftküchen. In den Boden werden schädliche Sickerwässer meist unbekannter Zusammensetzung und Wirkung entlassen. Chemische Reaktionen sind die Folge, manchmal zischt und brodelt es im Boden. Im Gegensatz dazu werden bei der thermischen Müllbehandlung - der sachgerechten Verbrennung - 98 Prozent der Schadstoffe vernichtet. Auch Gifte lösen sich bei höheren Temperaturen in ungiftige Atome auf. Das Volumen des winzigen Restes kann so weit reduziert werden, daß Deponien herkömmlicher Art eines Tages völlig überflüssig sind.

Dem Vergraben und dem Vergessen will der Gesetzgeber nach der Jahrtausendwende endgültig einen Riegel vorschieben. Vermeiden und Verwerten heißen die Gebote. Ab dem Jahr 2005 dürfen dann zum Beispiel nach den gesetzlichen Vorgaben nur noch Abfälle deponiert werden, die eine erdkrustenähnliche Struktur aufweisen und auslaugsicher sind. Um diese Struktur zu erreichen, müssen Abfälle zuvor thermisch behandelt werden. Schädliche Freisetzungen ins Grundwasser und in die Atmosphäre werden damit vollständig vermieden.

Eines der dafür hervorragend geeigneten zeitgemäßen Verfahren ist die in Deutschland entwickelte Schwel-Brenn-Technik. Nach Durchlaufen einer Schwel-Brenn-Anlage bleiben von einer Tonne Restmüll gerade noch etwa zwei Promille übrig, die von der Umwelt isoliert werden müssen. Alles andere, was sich nicht ohnehin in Luft auflöst, geht in den Stoffkreislauf zurück. Die im Müll enthaltene Energie wird in Form von Strom oder Fernwärme zurückgewonnen. Die deutschen Schwel-Brenn-Anlagen werden gewiß in den kommenden Jahrzehnten, in denen immer mehr Länder in aller Welt ihre Müllprobleme lösen müssen, zum dauerhaften Exportschlager. Arbeitsplätze werden damit gesichert, Deutschlands Stellung auf den Weltmärkten weiter gestärkt.

Noch sind nicht alle technischen Probleme gelöst. Die Ingenieure wollen das ehrgeizige Ziel ereichen, auch den Rest an Abgasen so zu behandeln, daß weder Gerüche noch schädliche Partikel übrigbleiben. Sobald dies gelungen ist, wird in späteren Jahrhunderten kein Archäologe mehr aus dem Abfall Rückschlüsse auf das Leben der Menschen unserer Zeit ziehen können. Der Müll verliert damit endgültig seine zweifelhafte Bedeutung als »Kulturgut«. Dieser Anachronismus findet - fast zeitgleich mit dem zweiten Jahrtausend - sein Ende.

Übervölkerung und Umweltplanung

Das »Raumschiff Erde braucht ein neues globales Gleichgewicht

von Reginald Földy

Eine von egalitären Einebnungs-Utopisten hausgemachte Bildungspleite ließ uns in eine leistungsentfremdete »Nichtarbeitskultur« gleiten. Die einzigen, die Kopf und Beine bewegten, waren jene, die dem zugrunde gegangenen Paradies östlicher Prägung entflohen; und jene »Zwischendeck-Passagiere« des Raumschiffs Erde, die - von Hunger und Chancenlosigkeit getrieben - ihre Hoffnung in den erträumten »Oasen des Glücks« sehen.

Es ist zu erwarten, daß die zunehmenden Migrationsströme die - global gesehen - falschen Gewichtsverteilungen verstärken. Denn auf der einen Seite kommt es durch Abwanderung der Tüchtigsten aus schlecht strukturierten Ländern dort durch den sogenannten Brain-Drain - den Abfluß von Hirnkapazität - zur Vermehrung der Probleme und Entgleisungen; und auf der anderen Seite kommt es durch die Flucht armer Massen zu jenem Effekt, den man heute als »crowding« bezeichnet - einer »Übermassung« der ohnedies bereits zu dichten Milliardenpopulationen. Das muß zwangsläufig durch die zunehmende Dramatik der Unentrinnbarkeit zu aggressiven Rivalitätskämpfen führen. Bereits heute müssen 1,2 Milliarden Menschen ohne sauberes, gefahrlos trinkbares Wasser auskommen und im Lebensbereich von 2,2 Milliarden Menschen gibt es heute keine Abwasserentsorgung.

So scheint die »Sintflut der Köpfe« - die Überbevölkerung - das gewichtigste Problem zu sein: im Rahmen des »Selbstmord-Programms« der Menschheit, wie Gordon Taylor es nannte. Wir sind heute in einer Situation, in der es durchaus möglich erscheint, daß innerhalb von nur drei Jahrzehnten ein Anwachsen der Erdbevölkerung um rund drei Milliarden Menschen - mit Schwergewicht vor allem in den ärmsten Problemzonen Afrikas und Arm-Asiens - uns vor unlösbare Probleme wirtschaftlicher und ökologischer Natur stellen könnte. Bevölkerungsplanung - als wichtigster Teil der Umweltplanung - kann nur global angesetzt werden, müßte ethisch vertretbar, ressourcenbegründet, an Ökologie orientiert und humanzentriert sein.


zurück zum Inhaltsverzeichnis der Nr. 140 Politische Bildung und Information Zähler
Besucherzähler