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Öko-Verbalterrorismus:
Strategie zur Verhinderung von Bauvorhaben der
Energiewirtschaft - Das Anhörungsverfahren als Exorzismus |
EPOCHE UND UMWELT - Schirmherr: Dr. Thomas Goppel
Der ehemalige Kommunist Jürgen Trittin, der seit dem 27.10.1998
gemeinsam mit seinen Kampfgefährten an den Schalthebeln der Macht
sitzt, weiß natürlich, daß laut Lenin jedes Mittel
erlaubt ist, wenn es darum geht, einen politischen Gegner aufs Kreuz
zu legen. Wahrheit ist laut Lehre des großen Meisters bloß
ein »bourgoises Vorurteil«; und Kompromisse schließt
man prinzipiell nur zum Schein, um sein Gegenüber zunächst
zu schwächen und später ganz niederzuringen.
Wenn die Lageeinschätzung ergibt, daß physische Gewalt
der eigenen Sache bloß schadet, dann verlegt man sich auf
verbalen Terror. Öko-Themen eignen sich hierfür besonders,
denn mit einer geschickten Wortkanonade läßt sich
beispielsweise ein Bauvorhaben der Energiewirtschaft so lange verzögern
und blockieren, bis der Bauherr frustriert aufgibt. Das
Zwischenresultat ist dabei zunächst ähnlich wie bei einer
Terroraktion mit Schießpulver: Alle Räder stehen still.
Doch der Endeffekt ist viel nachhaltiger. Denn beschädigte Gebäude
werden repariert oder wiedererrichtet, in die Flucht geschlagene
Investoren hingegen kommen selten zurück.
Wie es im einzelnen gemacht wird, haben bundesdeutsche Grüne in
einer schriftlichen Regieanweisung für subversive Diskussionen
festgehalten. Sie ließen auch ihre Österreichischen
Genossen an den Erkenntnissen teilhaben. Am Wiener Flughafen jedoch
blieb versehentlich eine Kopie der Verbalterror-Rezeptur auf einem
Restaurant-Tisch liegen - und gelangte von dort in die Redaktion von
EPOCHE UND UMWELT. Lesen Sie, mit welcher Trick-Liste grüne
Strategen ihren Nachwuchs zu Mundwerksburschen ausbilden:
- Halte dich niemals an die Tagesordnung, denn die hilft nur dem
Antragsteller - beispielsweise einem Energiekonzern -, sich in einem
Anhörungsverfahren vorzubereiten. Durch flinken Themenwechsel
hast du die Chance, Antragsteller und Genehmigungsbehörde
unzureichender Vorbereitung und unzureichender Kenntnisse zu
bezichtigen.
- Sprich nur über Punkte, die nicht in den schriftlichen
Einwendungen enthalten sind. Denn auf das Schriftliche sind die
Antragsteller vorbereitet. Notfalls bezweifle, daß das
Verfahren ordnungs- oder rechtsgemäß läuft.
- Zitiere ohne Bedenken. Am besten Hörensagen-Quellen oder in
Vergessenheit geratene Arbeiten, notfalls erfinde welche. Das bringt
die augenscheinliche Unwissenheit der Antragsteller an den Tag.
- Zitiert der Antragsteller aus Arbeiten, die einige Jahre alt
sind, lehne sie als »von den neuesten wissenschaftlichen
Erkenntnissen überholt« kategorisch ab.
- Stelle gezielte Fragen an einzelne Personen, deren Namen du
erfahren hast. Stelle diese Fragen möglichst umfassend und ausführlich
und fordere dazu ein klares Ja oder Nein als Antwort. Durch die
dadurch resultierende Pause bis zur Antwort kannst du beweisen, daß
der andere keine Ahnung hat.
- Stelle Fragen zu Details, die ruhig auf den ersten Blick als
nebensächlich erscheinen dürfen. Erfinde notfalls solche
Details. Weil der andere meist nicht spontan antworten kann, wird
aus deiner Mücke rasch ein Elefant.
- Behaupte als Stand der Wissenschaft und Technik, was immer du für
wünschenswert hältst. Du schuldest keine Beweise. Dafür
bleibt der Gegenbeweis immer am Antragsteller hängen.
- Halte dich nicht bei Themen auf, auf die zweimal in Folge flüssig
geantwortet wurde. Nicht die Antwort, sondern die Nicht-Antwort
bringt Stimmung in den Saal.
- Beharre auf deinem Rederecht. Niemand wird dir ernsthaft das
Wort entziehen, wenn du an das demokratische Gewissen oder ähnliches
appellierst, Wenn du ohne lange Vorrede und dann unter zehn Minuten
redest, könnte das Zweifel an deiner Ernsthaftigkeit wecken.
- Gib dich nicht mit einer Auskunft zufrieden. Weise grundsätzlich
auf die Unvollständigkeit der Antwort, die mangelnden
Kenntnisse und die Unbelehrbarkeit des Antwortenden hin, dadurch erhältst
du den Ruf eines Fachmannes von hohen Graden.
- Wehre dich gegen jeden Versuch, ein Thema abzuhaken. Denn alles
kommt von allem. Komme deshalb ohne Hemmungen immer wieder an
verschiedenen Tagen auf alles zurück.
- Nur Anfänger erscheinen pünktlich. Überlasse die
ersten dreißig Minuten getrost der Diskussion über
Formalien. Erst dann kommt dein »Fachwissen« voll zur
Geltung.
- Stelle wenigstens einen Befangenheitsantrag pro Tag gegen die
Verhandlungsleitung oder einen/mehreren ihrer Fachgutachter. Begründe
dies entweder mit offenkundiger Parteinahme, Inkompetenz oder
mangelnder Vorbereitung.
- Drücke deine Empörung gezielt und lange anhaltend aus,
wenn, wie meist zu erwarten, ein Befangenheitsantrag abgelehnt wird.
- Betrachte die vorgelegten Antragsunterlagen genauestens. Wenn
ein Komma oder Punkt fehlt oder gar ein Schreibfehler unterlaufen
ist, dann sprich von bewußter Irreführung der Bevölkerung,
mindestens aber von unverantwortbaren Schwachstellen und Mängeln.
- Sollten Politiker, insbesondere von der Gegenseite, anwesend
sein, so beschimpfe sie aufs heftigste. Wirf ihnen Ignoranz und
Unmenschlichkeit usw. vor. Wähle aber die Worte so, daß
sie dich nicht der Verleumdung oder Beleidigung bezichtigen können.
- Behaupte grundsätzlich, daß die vorgelegten
Unterlagen unzureichend, lückenhaft, unwissenschaftlich, irreführend
und nicht dem Stand der neuesten Technik entsprechend sind. Überlege
besonders, was es auf dieser Welt noch an Gutachten, Unterlagen,
Analysen, Prognosen, Untersuchungen und sonstigem gibt - was du
fordern und beantragen kannst.
- Halte dich möglichst wenig mit sachlichen Diskussionen auf,
das schadet einer geladenen und aufgeheizten Atmosphäre und die
Zuschauer wandern mangels Spannung ab.
- Sprich insbesondere immer wieder von noch unbekannten enormen
Gefahrenpotentialen, die die Wissenschaft noch erforschen muß.
Unter diesem Aspekt ist die vorgeschlagene Technik »total
veraltet« und es ist »menschenverachtend«, wenn sie
zum Einsatz kommen sollte.
- Stelle vorhandene Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und alles
Einschlägige als für diesen speziellen Fall nicht
anwendbar, veraltet, unzutreffend und »zu ungenau, zu
weitmaschig« dar.
- Halte flammende Appelle an die Politiker (die sowieso »von
der Industrie gekauft« sind), fordere bessere Gesetze - und
zwar in deinem Sinne. Und verdächtige alle Gutachter der
Gegenseite ebenfalls als »Vertreter profitsüchtiger
Konzerne«.
- Stelle Detailfragen, zweifle den Stand der Technik an und
zitiere vor allem unbekannte wissenschaftliche Arbeiten aus anderen
Teilen der Welt (z.B. »Was Sie sagen, ist doch durch eine
Studie der Universität Tokio längst widerlegt. Kennen Sie
die nicht?«)
Jetzt kennen wir sie. Wenigstens EPOCHE-Leser sind gegen solche
Tricks immun.
Scheinwissenschaftliche Wortblasen - Rüstzeug für
Verhinderungsdiskussionen
Sprechen Sie soziologesisch? Lernen Sie noch heute das »automatische
Schnellformuliersystem«:
| 0. konzentrierte |
0. Führungs- |
0. -struktur |
| 1. integrierte |
1. Organisations- |
1. -flexibilität |
| 2. permanente |
2. Identifikations- |
2. -ebene |
| 3. systematisierte |
3. Drittgenerations- |
3. -tendenz |
| 4. progressive |
4. Koalitions- |
4. -programmierung |
| 5. funktionelle |
5. Fluktuations- |
5. -konzeption |
| 6. orientierte |
6. Übergangs- |
6. -phase |
| 7. synchrone |
7. Herrschafts- |
7. -kritik |
| 8. qualifizierte |
8. Wachstums- |
8. -problematik |
| 9. ambivalente |
9. Interpretations- |
9. -kontingenz |
Handhabung: Man denke sich eine beliebige dreistellige
Zahl und suche die entsprechenden Wörter in jeder Spalte auf. Die
Nummer 929 ergibt zum Beispiel »ambivalente
Identifikationskontingenz«. Keiner wird im entferntesten wissen,
wovon Sie reden, aber entscheidend ist, daß kaum jemand es wagen
wird, dies zuzugeben. In subversiven Diskussionen sind solche
scheinwissenschaftlichen Wortblasen ein gerne genutztes Instrument zur
Verwirrung der Gegner. |