Die konservative Informationsbasis im Internet

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pingreen.gif 1 KB Den Wandel mitgestalten - Innovationen und Mut zur Zukunft

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Trends zur Jahrtausendwende - Perspektiven für das 21. Jahrhundert:

Neue Berufe, neue Technologien, neue Formen der Wirtschaft


von Horst Schmidt-Bischofshausen

Schon vor sieben Jahrhunderten wußte Dante Alighieri: »Der eine wartet, daß die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt.« Der Zupackende merkt freilich - damals wie heute - die Widerstände, die der Umsetzung von Neuerungen entgegenstehen. Vier Beispiele aus der Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte zeigen, wie Fehlbeurteilungen und falsche Prognosen groteske Züge annehmen:

  • Der Leiter des Londoner Patentamtes schlug 1908 vor, sein Amt aufzulösen, da alle wesentlichen Erfindungen seiner Meinung nach bereits gemacht wurden.

  • In einem Gutachten des Bayerischen Obermedizinalkollegiums gegen die Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth (1835) hieß es: »Die schnelle Bewegung muß sowohl bei den Reisenden als auch bei den Zuschauern unfehlbar eine Gehirnkrankheit, eine besondere Art des Delirium furiosum erzeugen.«

  • Im Jahr 1943 schätzte Thomas Watson, der Begründer von IBM, daß der Weltbedarf an Computern - die man sich damals nur als Großrechner vorstellen konnte - nicht mehr als fünf Stück betragen würde.

  • Harry Warner, Gründer des Filmunternehmens Warner Brothers, fragte 1927 bei der Einführung des Tonfilms: »Wer zum Teufel will Schauspieler reden hören?«


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Dr. Horst Schmidt-Bischofshausen, 1940 in Wien geboren, zeitweilig Professor in den USA, ist heute im Bereich Mikroelektronik und Anwendung der Mikrosystemtechnik im Vorstand der DASA tätig


Der suchende Blick in die Zukunft liegt in der menschlichen Natur begründet - in gleicher Weise wie das Bestreben, die Vergangenheit zu erforschen. An der Schwelle zum dritten Jahrtausend stehen wir in vielfältigen Veränderungsprozessen. Alte Machtblöcke haben sich aufgelöst, neue entstehen. Neue Technologien beschleunigen den wirtschaftlichen und sozialen Wandel. Tiefgreifende Veränderungen in Bevölkerungsstrukturen und Bildungsniveaus - wie der Wandel von Wertevorstellungen und Lebensstilen - wirken sich auf den Einzelnen wie auf Organisationen aus. Es erscheint immer deutlicher, daß diese Veränderungen nicht bloß wie ein Hurrikan über das Land hinwegziehen, sondern daß sie andauern und an Dynamik eher noch zunehmen werden. In sechs Trends finden sie Ausdruck:

Trend 1: Es entstehen neue Wachstumsregionen und eine neue internationale Arbeitsteilung in der Welt. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus in Europa und der Wirtschaftsdynamik der Schwellenländer ändert sich auch für uns die Lage. Innerhalb weniger Jahre sind dem freien Weltarbeitsmarkt mehrere hundert Millionen Menschen mit Niedrigstlöhnen zugewachsen - für uns zum Teil in regionaler Nachbarschaft. Das rasche überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum anderer Weltregionen zieht verstärkt Investitionskapital an, das bei uns fehlen wird.

Trend 2: War es früher noch möglich, von einer starken Inlandsbasis aus - durch Export - die Märkte weltweit zu bedienen, so bildet sich inzwischen eine globale Veränderung heraus. Der schnelle Technologietransfer zu den jeweils kostengünstigsten Produktionsstandorten sowie lokale Anpassungsentwicklungen, Zoll und Einfuhrbeschränkungen, regionale Beschäftigungs- und Investitionsanreize, neue Wettbewerber und der Zwang, in neue Märkte vorzudringen, tragen zu dieser Veränderung bei. Eine hohe Beschäftigung in einem Hartwährungsland wie Deutschland ist letztlich nur zu sichern, wenn es gelingt, zu einem international wettbewerbsfähigen »Kostenmix« zu kommen. Dies erfordert eine intelligente Kombination inländischer und ausländischer Wertschöpfungsumfänge.

Trend 3: Die Industrieländer befinden sich heute in einem rasanten Umbruch ihrer Beschäftigungsstrukturen. Diese intensive Veränderung von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft, vom Industrie- zum Informationszeitalter läßt sich vor dem Hintergrund des geschichtlichen Entwicklungsprozesses der Weltwirtschaft erklären. Wachstum, Sättigung, Rezession und Neuanfang vollziehen sich in Langzeitzyklen. Basisinnovationen zur Entwicklung des Computers und die in der Informationstechnik zusammengefaßten vielfältigen Folge-Innovationen bilden den globalen Motor. Wegen ihrer besonderen Technologieleistungen und Anwendungsbreite bietet die Schlüsseltechnologie Informationstechnik nicht nur eine wirtschaftliche Antriebswirkung, sondern infolge ihrer Dynamik auch ein nicht zu unterschätzendes Veränderungspotential in unserer Beschäftigungsstruktur, ja in der Gesellschaft allgemein.

Wir erleben einen weiteren Rückgang der Beschäftigung in der Landwirtschaft und in der industriellen Produktion. Wir sehen umgekehrt eine erfreulich starke Zunahme der Beschäftigung bei den Dienstleistungen. Freilich hat Europa gegenüber den USA hier noch einen großen Aufholbedarf. Mit dem Veränderungsprozeß ist zwangsläufig eine hohe Berufsmobilität verbunden, die nicht jedem leicht fällt.

Trend 4: Die Arbeit wird international und hochmobil. Veränderte Autoritäts- und Motivationsstrukturen aufgrund von Wertewandel und höherer Ausbildung von Mitarbeitern begleiten dramatische Veränderungen, zu denen auch verstärkte Integration von Frauen ins Berufsleben, mehr Flexibilität der Arbeitszeit und die internationale Mobilität zählen. Neue Technologien, vor allem künftige Informationstechniken, sowie neue Formen der Mobilität von Arbeit (Tele-Arbeitsplätze) machen es möglich, daß Wissensarbeit auch zu Hause oder an fast jedem Ort durchgeführt werden kann.

Digitale Übertragungsnetze (»Datenautobahnen«), neue Software, hochleistungsfähige Computer sowie Bild- und Videokommunikation werden die heutigen Arbeitsplätze flexibilisieren und neue Formen der Zusammenarbeit in Wirtschaft und Verwaltung über tausende Kilometer hinweg ermöglichen. Die Wirtschaft braucht mehr und mehr das Gehirn, das Denkvermögen der Arbeitnehmer, sowie Informationen, Wissen aus aller Welt, um schneller noch bessere Produkte zu entwickeln.

Die Fähigkeitsprofile unserer Berufe wandeln sich. Dies wiederum wird zu neuen Ausbildungs- und Studiengängen führen müssen, die vorrangig auf Veränderungen vorbereiten. Wissen erscheint unbegrenzt von jedem vernetzten Arbeitsplatz aus zugänglich. Für diejenigen, die früher als andere mit dem Computer und seinen Datenbanken umzugehen verstehen, ergeben sich hervorragende Chancen.

Die Arbeitswelt wird international und damit gewinnen Sprachen noch mehr an Bedeutung. Wir werden innerhalb der kommenden Jahre einen internationalen Arbeitsmarkt entwickeln, auf dem die Wissensarbeit dorthin wandert, wo sie jeweils am kostengünstigsten angeboten und professionell erledigt werden kann. Arbeit wird hochmobil sein. Über die Flexibilisierung der Beschäftigung von Menschen und der Neugestaltung der Arbeitszeit werden wir in den kommenden Jahren noch intensiver nachdenken und zu international kompatiblen Lösungen kommen müssen - wobei gerade die flexibleren, kleineren und neuen Netzwerk-orientierten Unternehmen besondere Chancen finden.

Trend 5: Diese Entwicklung geht Hand in Hand mit neuen technologischen Innovationsschüben, die durch intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeiten aktiviert werden. Neue Technologien ziehen am Horizont herauf und werden die bisher aus klassischen Fachdisziplinen kommenden Innovationen ablösen. Unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit wird zunehmend abhängiger von der Verfügbarkeit innovativer Forschungs- und Technologieergebnisse. Technische Neuerungen kommen kaum noch aus den klassischen Einzeldisziplinen, wie beispielsweise der Mechanik und der klassischen Physik. Generell gilt, daß die Technologien des 21. Jahrhunderts nicht mehr nach herkömmlichen Gesichtspunkten aufteilbar sind. Sie werden wesentlich stärker miteinander vernetzt sein. So ergeben sich faszinierende neuartige Lösungen der zukünftigen Telekommunikation aus einer Kombination von Innovationen verschiedener Fachgebiete (beispielsweise Mikroelektronik, Optoelektronik und Software).

Trend 6: Verstärktes Umweltbewußtsein hilft, unsere Lebensgrundlagen zu sichern. Luft, Wasser und Boden werden immer mehr als existentielle Güter begriffen. Der Grundsatz »global denken, lokal handeln« setzt sich im Umweltschutz durch. Wir sind die erste Generation, die in steigendem Maße erkennt, wie begrenzt die natürlichen Ressourcen unserer Erde sind. Es gilt, wirtschaftliches Wachstum zu erreichen, ohne daß mehr Energie, Rohstoffe und Umwelt verbraucht werden. Ein Beispiel zeigt, daß dies möglich ist: Aus Pflanzen hergestellte Fasern, Farben oder Öle geben selbst im schlechtesten Fall des Recyclings - der Verbrennung - nur so viel Kohlendioxyd an die Umwelt ab, wie sie während des Pflanzenwachstums aufgenommen haben. Das natürliche Gleichgewicht bleibt gewahrt. Wir erwarten für die Zukunft einen sprunghaften Anstieg des Einsatzes solcher Rohstoffe in der industriellen Produktion.

Wissensbasierte Technologien von morgen bedürfen der fortwährenden Unterstützung durch zielgerichtete Grundlagenforschung. Vom Potential her gesehen sind die Biotechnologien besonders wichtige Zukunftstechnologien. Durch sie können eine Reihe von Menschheitsproblemen gemildert, vielleicht sogar gelöst werden: mehr nachwachsende Rohstoffe, Korrektur von Erbkrankheiten, Stärkung des Immunsystems bei der Krebsvorsorge, Linderung der Alterskrankheiten. Im Agrarbereich sind Verbesserungen der menschlichen Ernährung absehbar. Jedoch ist der Zeithorizont noch offen. Gesellschaftliche Akzeptanzfragen bei der Gentechnologie und auch Sicherheitsfragen spielen dabei naturgemäß eine große Rolle.

Selbst wenn wir heute in einer Zeit großen materiellen Wohlstands leben dürfen, so ist doch auffallend, daß in der westlichen Gesellschaft - insbesondere in Deutschland - bei starker Dynamik von Veränderungen eine negative Lebensperspektive und zivilisatorische Zweifel um sich greifen. Immer weniger Menschen scheinen an den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt zu glauben, an Forschung und Entwicklung zur Zukunftsbewältigung. Menschen koppeln sich nicht selten von neuen Wissensgebieten ab und ziehen sich in eine emotional orientierte wissensfremde Gedankenwelt zurück - in die Perspektivlosigkeit einer technikfeindlichen Verweigerungshaltung.

Das Leben lohnt Anstrengungen und existentiellen Einsatz - es ist eine Expedition mit vielen Entdeckungsmöglichkeiten. Jeder Mensch trägt in sich die Kraft, auf irgend einem Tätigkeitsfeld, das ihm entspricht, Vollkommenes zu leisten und sich zu entfalten. Nur die Neugierde, gemeinschaftliches Vertrauen und die Offenheit gegenüber zukünftigen Entwicklungen bringen uns weiter. Besitzstandsdenken dagegen hemmt uns. Schwache oder fehlende Handlungskraft bringt jede noch so gute Idee zu Fall.


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Albert Einstein erkannte, daß Kreativität oft wichtiger ist als bloßes Wissen.

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