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pingreen.gif 1 KB Stabilität und Gleichgewicht im Fernen Osten

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ASEAN: Ein starker Block in Asien feiert Geburtstag - Bewährte Partnerschaft von Nationen mit gemeinsamen Interessen

Otto von Habsburg, Mitglied des Europäischen Parlaments, ist internationaler Präsident der Paneuropa-Union

Es liegt genau dreißig Jahre zurück, daß einer der erfolgreichsten Zusammenschlüsse von Nationen nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, und zwar jene Gruppierung in Südostasien, die sich ASEAN nennt. Gegenüber der Weltöffentlichkeit hat sie sich vor allem als Wirtschaftsblock dargestellt, tatsächlich aber war das Hauptziel, die eigene Region gegen Angriffe von außen - das hieß vor allem der Marxisten - zu schützen.

Man konnte daher von Anfang an von einer politisch-wirtschaftlichen Gemeinschaft sprechen, deren Aufgabe damals hochaktuell war, nachdem der Kommunismus - gestützt von China - tief in den südostasiatischen Raum eingebrochen war. Das zeigten die Machtgewinne des Links-Totalitarismus in drei Staaten: Vietnam, Kambodscha und Laos. Die Lage war umso gefährlicher, als der Marxismus-Leninismus gerade in diesem Raum in seiner extremsten Form auftrat, wie das Wüten des Tyrannen Pol Pot in Kambodscha bewies. Damals stand Peking zumindest mit Waffenlieferungen hinter einigen der kommunistischen Mächte, obwohl es gewaltige Spannungen zwischen Vietnam und China gab. Auch die Sowjetunion spielte eine mehr als zweifelhafte Rolle, so daß die Regierungen Südostasiens mit Recht große Sorgen hatten.

Dazu kam der wirtschaftliche Gesichtspunkt. Die Länder dieses Raumes haben ein bedeutendes Potential, das den Neid der Aggressoren auf sich ziehen mußte. Alle Staaten waren daher lebenswichtig daran interessiert, sich durch einen Zusammenschluß möglichst viel Sicherheit zu schaffen.

Ein großer politischer Vorteil war, daß einige bedeutende Persönlichkeiten sich stark für die Sache einsetzten. Dies galt insbesondere für den Ministerpräsidenten von Singapur, Lee Kwan Yew, der wohl auf Wirtschaftserfolge, allerdings nicht auf eine militärische Macht verweisen konnte. Andererseits war Lee Kwan Yew ein Mann der Ideen und hatte daher einen Einfluß , der weit über die territorialen Grenzen seines Stadtstaates hinausging. Viel verdankte das Projekt auch Indonesien, dessen Präsident Suharto alles tat, um das gewaltige Wirtschaftspotential seines Landes zu entwickeln und ihm damit auch politisches Gewicht zu geben.

Thailand hatte sich inzwischen auch eine eigene Rolle durch die Krise im benachbarten Vietnam geschaffen. Bangkok war für die Amerikaner, solange sie in Vietnam ihre Militärmacht eingesetzt hatten, lebenswichtig. Auf den Philippinen schließlich gab es wohl zu Beginn eine innenpolitische Krise, die aber, vor allem in den letzten Jahren, durch Präsident Ramos überwunden wurde. Seine Politik erlaubte den Philippinen, eine ihrer Größe und Bedeutung entsprechende Rolle zu übernehmen.

Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Macht in Rußland und der wachsenden Einschätzung, daß China keine Aggressionspläne hege, hat sich die Natur des ASEAN-Blocks insofern geändert, als er sich vor allem dem Zusammenschluß aller Südostasiaten widmen konnte. Daß auch der Gedanke eines Gleichgewichtes gegenüber Peking eine Rolle spielt, ist offensichtlich. Deshalb kam es zur Erweiterung des ASEAN-Blocks durch den Beitritt Vietnams, das sich zwar heute noch unter kommunistischem Regime befindet - allerdings auch eine politische Linie verfolgt, die eine schrittweise Mäßigung erwarten läßt.

So gehören heute bereits sieben Staaten diesem ASEAN-Block an, der in der Außenpolitik wie in der Wirtschaft große Erfolge erzielt. Er ist eine Kraft, mit der man rechnen muß.

Es ist verständlich, daß der ASEAN Block, nachdem er Vietnam aufgenommen hat, nunmehr daran geht, auch den anderen südostasiatischen Staaten - nach dem neuerlichen Umsturz in Kambodscha, der das Land zurückwirft, in erster Linie Laos und Myanmar (Birma) - die Tore zu öffnen. Hier allerdings trifft er auf scharfe Kritik von Amerika wie von Seiten der Europäischen Union. Vor allem Myanmar ist es, dessen undemokratische Militärregierung Anstoß erregt. ASEAN wird deshalb bezichtigt, die Demokratie wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen.

Diese Kritik hat bestimmt einige Berechtigung. In Myanmar wurden wohl Wahlen abgehalten, aber ähnlich wie in Algerien hat die Regierung, sobald sie erkannte, daß sie diese verloren hatte, das Ergebnis für ungültig erklärt und eine totale Diktatur ausgerufen. Myanmar hat heute - auch was den wirtschaftlichen und sozialen Sektor betrifft - keine gute Regierung. Andererseits sind die ASEAN Mächte der Ansicht, daß sie mit Myanmar mehr erreichen können, wenn sie es in ihre Gemeinschaft einbinden, als wenn sie es weiter ausschließen. Es wird - wenn auch nicht öffentlich die Sorge ausgesprochen, daß das frühere Birma, das sich in jüngster Zeit stark an China angelehnt hat und von diesem auch substantielle Militärhilfe erhielt, ansonsten im südostasiatischen Raum ein Fremdelement darstellen könnte, das die Arbeit der ASEAN erschwert.

Ob seine Politik in Europa und Amerika gefällt oder nicht, der ASEAN Block - ein klassischer Staatenbund, in dem souveräne Nationen zur Partnerschaft finden wird eine immer größere wirtschaftliche, politische, aber auch kulturelle Bedeutung in der Welt gewinnen. Er ist ein Element des Gleichgewichtes im Fernen Osten und hat sich bewährt.


epo133g1.jpg 11 KB Es hat auch politische Gründe, warum China Tibet an sich bindet. Nur so hat das Reich der Mitte gemeinsame Grenzen mit Indien, Pakistan und Afghanistan.
Bild: Der Potala-Palast, traditioneller Sitz des (derzeit exilierten) Dalai Lama, in Lhasa.

ASEAN ist naturgemäß auch ein Thema in dem hervorragenden Werk von Felix Buck zum Thema Geopolitik

Die Burmesen wollen - ungeachtet ihrer Zusammenarbeit mit Peking - nicht zum chinesischen Vasallen werden und suchen deshalb Rückhalt im Bündnis mit anderen unabhängigen Ländern Südostasiens. Diese wiederum erkennen, daß China über Myanmar Zugang zum Indischen Ozean hat und daß es deshalb bestrebt sein wird, seine Beziehungen zu Rangun weiter auszubauen. Um dem geopolitisch entgegenzuwirken, befürworten die ASEAN-Länder trotz seiner politischen Schönheitsfehler - die Einbindung Myanmars.

Die ehernen Gesetze der Macht zwingen auch die Europäer zu geostrategischem Denken. Rußlands Einfluß ist seit 1989 dramatisch geschrumpft. Die NATO unter amerikanischer Führung füllt allmählich das Vakuum. Zwar wurde der ehemaligen Sowjetrepublik Estland vorerst nur die Mitgliedschaft in der EU angeboten, aber die USA haben längst im Baltikum Fuß gefaßt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die NATO über Ungarn, Tschechien und Polen hinaus weiter nach Osten ausdehnt. Felix Buck stellt die Frage, ob Amerika damit bloß das Vakuum füllen will, um einem Wiedereindringen der Russen vorzubeugen, oder ob es primär um einen weiteren Machtzuwachs für Washington geht.

Wer sich mit Geopolitik befaßt, kennt die geschichtliche Erfahrung, daß es auf Dauer nirgendwo ein Machtvakuum gibt. In dem Maße, in dem - von den Serbenaufständen im 19. Jahrhundert bis zum Balkankrieg 1912 - die Kraft des Osmanischen Reiches in Südosteuropa dahinschmolz, machten sich die Russen in diesem Raum breit.

1945 erlebten sie ihren größten Triumph, in den vergangenen acht Jahren sind sie indes wieder auf dem Rückzug. Europas Zweiteilung ist beendet - neue Konstellationen werden möglich.

Buck sieht in der NATO die "effektivste bündnisgestützte Militärorganisation, die es je gegeben hat". Doch müsse es daneben, meint der Autor, verstärkt politische Überlegungen der Europäer geben. Der heikelste Punkt ist dabei die Erörterung des künftigen Verhältnisses West- und Mitteleuropas zu Rußland. Hier wird es, schreibt Buck, auch darauf ankommen, ob die USA "auf dem Wege zu einer neuen Einkreisungspolitik gegenüber Rußland" sind. Amerikanische Aktivitäten in Mittelasien deuteten darauf hin. Andererseits könne es auch zu direkten Absprachen zwischen Washington und Moskau kommen - über die Köpfe der Europäer hinweg.

Ohne die Hintergründe und Ambitionen der Beteiligten zu kennen, sei die Gestaltung einer zukunftsgerichteten Politik von Dauer nicht möglich. Felix Buck rät den Deutschen zu einer Rückbesinnung auf das traditionelle Werte-Fundament des Abendlandes. Deutschland müsse seine künftige Rolle aus seiner Position im Zentrum Europas heraus entwickeln.

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