Die konservative Informationsbasis im Internet

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pingreen.gif 1 KB Die ethische und ökologische Dimension konservativen Denkens


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Konservative in der Politik - Franz Josef Strauß und Peter Gauweiler. Wer ist Erbe des politischen Vermächtnisses von FJS? Würde Strauß heute die CSU bundesweit ausdehnen? Oder würde er in unserer Zeit die Akzeptanz einer konservativen Partei rechts von CDU/CSU fördern, wenn diese als Korrektiv und Koalitionspartner für die Union von Wert wäre?

Erfahrung, Ordnung, Stabilität, Bewahrung der Schöpfung

Konservatismus ist weniger eine Geistesrichtung, als vielmehr eine Geisteshaltung, die auf bewährte Werte setzt, irdischen Paradieserwartungen mißtraut und Innovationen bejaht, diese jedoch an der historischen Erfahrung mißt und damit die Zukunft ethisch verantwortungsbewußt gestaltet

von Rudolf Graf Czernin

Unser zu Ende gehendes Jahrhundert ist gekennzeichnet durch eine Reihe einander widersprechender politischer Konzepte, von denen jedes für sich Allgemeingültigkeit reklamiert. Wieviele Ideologien, wieviele Gedankengebäude gerieten in den letzten zwei Jahrhunderten in den Vordergrund, wieviele wollten scheinbar für "tausend Jahre" Gültigkeit besitzen? Wie rasch schwanden sie dahin, meist unter Blut und Tränen. Von der Französischen Revolution spannt sich der Bogen über selbstzerstörerischen Liberalismus sowie Sozialismus und Nationalismus bis hin zu Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus.

Unerwartet und fast ebenso total, wie der Sowjetkommunismus nach sieben Jahrzehnten in sich zusammenbrach und dazu anders als Nationalsozialismus und Faschismus nicht einmal der Katastrophen verlorener Kriege bedurfte, ebenso schnell und ebenso unrühmlich ist nach 50 Jahren die Democrazia Christiana im politischen Nichts versunken, und zwar im Herzland Italien.

Die einzige geistige Kraft und Denkweise, die sich behauptet hat, ist die konservative Idee, die fest auf den Errungenschaften und Erfahrungen unserer Vergangenheit beruht und zugleich aufbaut in der Sicherheit, nichts, was erhaltenswert ist, zu zerstören, aber alles, was neu und gesund ist, zu pflegen. Konservative Grundwerte oft verleumdet, oft mißverstanden - sichern die wahre Freiheit des Menschen sowohl gegen jede Form des Sozialismus wie auch gegen den schrankenlosen Liberalismus, der sich zunehmend als Gefahr erweist.

Keine Zukunft hat allerdings ein Konservatismus, der seinen Blick ausschließlich nach rückwärts wendet, vergangenen Zeiten nachtrauert, sich in Erinnerungen erschöpft und dessen Hauptwunsch und utopisches Ziel im Grunde genommen die Wiederherstellung alter, untergegangener Herrschafts , Ordnungs- und Gesellschaftsstrukturen ist. Man muß sich auch von der Vorstellung trennen, daß konservativ gleichbedeutend mit christlich oder katholisch ist. Das bedeutet keineswegs das Abrücken von christlichen Prinzipien und Wertvorstellungen, die ja die Grundlage unserer abendländischen Kultur sind. Ganz abgesehen davon können christliche Wertvorstellungen und Prinzipien auch für den Nichtgläubigen durchaus akzeptabel, vertretbar und verbindlich sein - aus Gründen der Vernunft oder einer natürlichen Ethik (wie es zum Beispiel bei T.S. Eliot in The Idea of a Christian Society anklingt). Konservative Politik muß allgemein annehmbar sein.

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Jerusalem - Schnittstelle der Religionen: »Macht euch die Erde untertan« war nie als Freibrief für schrankenlose Ausbeutung der Natur gedacht.

Echter Konservatismus ist keine Angelegenheit für politische Schwärmer. Ebenso ist er auch keine Sache für Konformisten, die sich dem Zeitgeist anpassen, um nur ja auf seiner »Höhe« zu sein, ohne dabei zu ahnen, wie niedrig diese in Wirklichkeit ist. Konservatismus heißt daher Mut zum Nonkonformismus: Mut, sich entgegenzustellen. Denn heute gilt mehr denn je, was schon Kierkegaard bemerkte: »Ein Mensch, der sich mit dem Zeitgeist vermählt, wird bald Witwer sein.«

Konservatismus ist keine Heilslehre, er verkündet keine Dogmen und auch keine verheißungsvollen Weltverbesserungslehren. Er glaubt weder an die »natürliche Güte« des Menschen - jene falsche Grundlage der jakobinischen Demokratie nach Rousseau noch an die Allmacht seiner Vernunft und ihrer unbegrenzten Erkenntniskraft - jenen Grundirrtum des aufklärerischen Rationalismus, Hegelschen Idealismus und Marxschen Materialismus. Er neigt eher dazu, die Entwicklungsfähigkeit des Menschen und damit auch der Gesellschaft zu unter- statt zu überschätzen. Daher glaubt der Konservative nicht an die Realisierbarkeit eines irdischen Paradieses, weil er weiß, daß solche Versuche zum Scheitern verurteilt sind oder zu einer irdischen Hölle führen, wie die Geschichte lehrt. Er tritt folglich nicht - wie es linke Ideologen tun - mit dem anmaßenden Anspruch auf, für den Bereich des sozialen, ökonomischen und politischen Lebens mit absoluter Gewißheit immer das Richtige zu wissen und dementsprechende Gedankenmodelle zu konstruieren, um sie in einem Menschheitsbeglückungswahn der Gesellschaft überzustülpen oder aufzuzwingen. Der Konservatismus bietet für keinen dieser Bereiche ein geschlossenes Ideensystem an. Und auch kein fixes Programm in der Art eines Parteiprogramms. In alldem liegt aber gerade die Stärke und Wirklichkeitsbezogenheit des Konservatismus.

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Das Scheitern der linken Utopien gibt dieser freundlich lächelnde Chinese - Herr Liu von der Wirtschaftsreformkommission in Peking (links, neben dem EPOCHE-Herausgeber) - auf seine Weise zu: Erst in einigen Jahrhunderten, so versichert er in unbeabsichtigter Ironie, werde es »wahren Sozialismus« geben.

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich, daß der Konservatismus weniger eine Geistesrichtung, als vielmehr eine Geisteshaltung ist. Diese Geisteshaltung des Konservativen läßt sich kurz gesagt charakterisieren als ein zum Pessimismus neigender Realismus. Mit Pessimismus ist freilich nicht jene düstere, fatalistische, resignierende und alles grau in grau sehende Grundeinstellung zum Leben und zur Welt gemeint, die jede Aktivität lähmt, sondern vielmehr eine durchaus skeptische Grundhaltung allen Zeitproblemen gegenüber. Dieses gewisse Ausmaß an kritischem Skeptizismus bewahrt den Konservativen unter anderem vor Illusionen über die Reichweite gesellschaftlicher Reformen. Der Konservative hegt tiefes Mißtrauen gegen alle noch so menschenfreundlichen Weltverbesserungspläne. Er teilt auch nicht die blinde Wissenschaftsgläubigkeit der Progressisten aus allen politischen Lagern. Ebenso nicht jenen wissenschaftlichen Positivismus, der in abergläubischer Überschätzung der menschlichen Erkenntniskraft die Wissenschaft auf allen Gebieten, einschließlich dem der Moral, für allein zuständig hält. Er teilt die Einsicht des Philosophen Ludwig Wittgenstein: »Wir fühlen, daß selbst wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind.« Der Konservative weiß, daß die Wissenschaft dem Menschen weder das Glück auf Erden noch die Weisheit bringt. Neben allem Guten und für die Menschheit Nützlichen gibt sie ihr auch den Schlüssel in die Hand, das Leben auf Erden zu vernichten und unseren Planeten unbewohnbar zu machen.

Aus dem gleichen Grunde steht der Konservatismus auch dem Fortschrittsoptimismus äußerst skeptisch gegenüber, jener Auffassung, daß Fortschritt immer und in jeder Hinsicht - nicht nur wissenschaftlich-technisch - zu einem linearen und kontinuierlichen Anwachsen des Positiven auf Kosten des Negativen führt, auch im humanen Bereich. Diese Auffassung wurde allein schon durch das grauenhafte historische Geschehen in unserem stolzen und »aufgeklärten« Jahrhundert auf das Augenfälligste widerlegt. Für den Konservativen ist wahrer Fortschritt nicht nur eine Frage zunehmenden Wissens und technischen Könnens, nicht nur eine rein intellektuelle Frage, sondern immer zugleich auch eine moralische. Denn er sieht wahren Fortschritt immer im notwendigen Zusammenhang mit sittlich-moralischem Fortschritt. Und hier klafft ein Abgrund, der die ganze Hybris des modernen Fortschrittsgötzen offenbart. Dieser Abgrund ist gekennzeichnet durch die Rückständigkeit der sittlich-moralischen Beschaffenheit des modernen Menschen im Verhältnis zum gigantischen Fortschritt seines Wissens und technischen Könnens. Kant hat dies schon vor zwei Jahrhunderten gewußt: »Wir haben die Welt vielleicht zivilisiert, aber wir haben kaum damit begonnen, sie zu moralisieren.«

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Von Platon (Bild) bis Burke und Tocqueville:
zukunftsweisendes geistiges Erbe

Von wahrem Fortschritt kann nur dann die Rede sein, wenn er im Zusammenhang mit sittlich-moralischem Fortschritt steht. Daher setzt er immer ein Fundament voraus, sozusagen einen festen Boden unter den Füßen, von dem aus fort-geschritten werden kann. Fehlt dieses feste Fundament, ist der Boden unter den Füßen labil oder gar in Auflösung begriffen, kommen wir durch Fortschritt in Wirklichkeit um keinen Schritt voran. Dieses notwendige Fundament fehlt aber dem modernen Fortschrittsgedanken sowie allen angeblich fortschrittlichen Kräften im politischen, gesellschaftlichen und auch kulturellen Leben. Heute gibt es keinen festen Boden mehr unter den Füßen, auf dem wir mit Zuversicht in die Zukunft fortschreiten können, ohne Gefahr zu laufen, daß der nächste Fortschritt der Schritt in den Abgrund ist. Die überlieferte Weltordnung ist zertrümmert und aufgelöst. Es gibt fast keine objektiv-sittlichen Werte mehr im menschlichen Leben sowie im Leben der Gesellschaft, die wir achten, die wir ehren, die absolute Gültigkeit besitzen, die feststehen, nicht in Frage gestellt oder relativiert werden und die somit ein solides Fundament bedeuten.

Werte werden einem Lebensrationalismus geopfert, der allein in der Zweckmäßigkeit und im materiellen Nutzen den eigentlichen Lebenssinn sieht. Was hier gemeint ist, drückt Gerhard Szczesny in Die Disziplinierung der Demokratie besonders treffend aus: "Das allgemeine Wertgefüge und Wertniveau der liberal demokratischen Gesellschaft ist bestimmt von der Durchsetzungskraft der elementaren menschlichen Triebe, vom Gewinn- und Machtstreben, vom Wunsch nach immer mehr Bequemlichkeit, Zerstreuung und vom Drang nach Pseudolebensintensivierung durch Sex-und-Crime-Sensationen, von der durchgehenden Unfähigkeit zu Verzichtsleistungen und zur Aneignung personaler und geistiger Werte."

Der Konservatismus hingegen hat ein Hat ein Fundament: Die überlieferte Wertordnung des Abendlandes, auf der unsere Kultur beruht und mit der sich der Konservative in tiefen Einverständnis weiß. Auf diesem Fundament stehend, bedeutet Konservatismus im politisch-gesellschaftlichen Bereich die Gegenkraft vor allem gegen jede Spielart des Sozialismus und zugleich auch die Gegenkraft gegen eine zügellosen Liberalismus. Er ist dabei sogar die einzig mögliche Gegenkraft und Alternative. Dies darf nicht als ein Gegenprogramm im Sinne eines Parteiprogramms verstanden werden. Zielführend ist vielmehr die Errichtung von geistigen und sittlichen Verteidigungsanlagen, sozusagen von Schutzwällen gegen jegliche Art von Sozialismus ebenso wie gegen einen immer grenzenloser werdenden Liberalismus, der zwangsläufig zur Auflösung der allerletzten, noch vorhandenen geistig sittlichen Werte führt. Konservatismus ist somit eine Geisteshaltung, die gegen jede Ideologie mit zentralistischen, totalitären oder kollektivistischen Tendenzen ebenso immun macht wie gegen gesellschaftsauflösende und nihilistische Tendenzen.

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Daß der Kommunismus an der Wirklichkeitsfremdheit seiner Ideologie scheiterte, dämmerte selbst dem letzten Präsidenten der Sowjetunion. Unser Bild zeigt Gorbatschow als CSU-Redner

Konservatives Denken formierte sich im Gegensatz zum grenzenlosen Machbarkeitsglauben der französischen Aufklärung und zu den mit universellem Anspruch proklamierten Prinzipien der Französischen Revolution. Sein wichtigster und einflußreichster Kopf war Edmund Burke (1729 1797). Es waren vor allem seine Gedanken, die in England die mächtigen Schutzwälle gegen den Rationalismus der französischen Aufklärung und gegen die Prinzipien der Revolution geschaffen haben. Denn Burke war fest entschlossen, auf der anderen Seite des Kanals den Funken der Französischen Revolution mit geistigen Mitteln - mit der Kraft der Argumente auszutreten, bevor er das Gesellschaftsgefüge in Brand stecken konnte.

Der zweite große konservative Denker, der rund zwei Generationen später ebenfalls an die Französische Revolution und ihre Ideenwelt anknüpfte, war Alexis Graf de Tocqueville (1805-1859). Kaum ein anderer Denker dürfte in den letzten Jahrzehnten eine solche Aktualität erreicht haben wie er. Ein Symptom dafür, daß konservative Ideen und Prinzipien, die schon fast vergessen waren, eine Renaissance erleben - echte konservative Ideen, ohne utopisch-nostalgische Restaurationsgedanken an irgendein Ancien regime. Die Schriften dieser beiden großen konservativen Denker stellen ja keineswegs eine monarchisch-aristokratisch klerikale Reaktion auf die Französische Revolution dar, ganz im Gegenteil. Beide waren überzeugte Gegner und Kritiker des französischen Absolutismus und Feudalismus mit all deren haarsträubenden Mißständen und Entartungserscheinungen. Burke: »Ich bin kein Freund der Aristokratie, mindestens nicht in dem Sinne, in dem man dieses Wort gewöhnlich versteht.« Und Tocqueville sagt vom französischen Adel im vorrevolutionären Frankreich, daß dieser von den Vorrechten seiner Ahnen eigentlich nur diejenigen bewahrt und noch erweitert hat, die eine Aristokratie verhaßt machen, nicht aber diejenigen, derentwegen sie anerkannt und geliebt wird: »Sie (die Aristokratie) hat das Herz des Volkes verloren, in dem ja die wirkliche Quelle der Macht liegt".

Aus den Gedanken dieser beiden Begründer eines echten Konservatismus sollten Konservative unter anderem die Lehre ziehen, daß es notwendig wäre, sich vom jakobinischen Erbe, welches unser politisches Leben gefährdet und vergiftet, zu trennen. Das bedeutet unter anderem die Loslösung vom Gedanken Rousseaus, daß alles Recht und alle Macht ausschließlich und allein im Volkswillen (Mehrheitswillen) wurzeln. Wir müssen zur Achtung des über jedem Mehrheitswillen stehenden Rechts zurückkehren und uns einig werden darüber, daß es gewisse höchste Normen, Prinzipien und Werte gibt, die nicht zur Disposition stehen und auch nicht durch Mehrheitsentscheid abgeschafft werden können. Nur so sind Demokratie und Freiheit auf Dauer vereinbar.

An erster Stelle eines konservativen Prinzipienfonds steht die Freiheit als das höchste irdische Gut. Mit Freiheit ist natürlich nicht jener abstrakte Begriff mit nebuloser Bedeutung gemeint, den sich alle politischen Parteien und auch alle revolutionären Bewegungen an die Fahne heften, auch solche, deren Ziel die Zerstörung der Freiheit ist. Ebenso ist nicht der Freiheitsbegriff eines ungezügelten Liberalismus gemeint, welcher unter Freiheit nichts anderes versteht, als das Sich-Befreien von allen Zwängen, Abhängigkeiten, Ordnungen, Bindungen und Autoritäten. Gemeint ist die individuelle Freiheit als eine Vielzahl ganz konkreter, handfester Freiheiten, von denen jede einzelne, ob die politische oder wirtschaftliche, ob die Presse, Religions oder Redefreiheit, ob die Freiheit der Arbeitsplatzwahl, des Wohnsitzes oder der Vielfalt der Information, für die demokratische Realität grundlegend ist und die es in ihrer Gesamtheit den Menschen ermöglichen, ihr Leben in Selbstentscheidung und Eigenverantwortung zu führen, zu planen und zu gestalten.

Getragen soll diese Freiheit von der Würde des Menschen sein und begrenzt durch die Freiheit des Nächsten, durch das Gemeinwohl und durch Gesetze, die diese Würde achten. Denn im Mittelpunkt der überlieferten Wertordnung steht das nach einem abendländisch-humanistischen Ideal orientierte Menschenbild, demzufolge jeder Mensch in gleichem Maße Träger einer unverzichtbaren und unverlierbaren Würde ist, die durch nichts und niemanden geleugnet oder mißachtet werden darf.

Von großem Gewicht ist ferner das Subsidiaritätsprinzip - die Rechtsgrundlage der Gesellschaft und des Einzelnen in ihrem Eigensein und Eigenleben gegenüber dem Staat oder anderen übergeordneten Instanzen. Nicht minder wichtig ist das Rechtsstaatsprinzip, von dem Günther Rohrmoser in seinem Buch »Zeitzeichen« sagt: «Die einzig wirkliche politische Emanzipation, die in der Menschheitsgeschichte erreicht wurde, ist dem Freiheit gewährenden und schützenden Rechtsstaat zu verdanken.« In diesen, nicht zuletzt auch ethischen Prinzipien, findet konservatives Wertebewußtsein seinen politischen, rechtlichen, ökonomischen und sozialen Niederschlag.

Der Konservatismus bekennt sich ferner zum Prinzip Ordnung, das Burke sogar zum »Fundament aller guten Dinge« erklärt hat. Emanzipationsfanatiker erblicken darin freilich den Ausdruck getarnter Repression. Für den Konservativen steht allerdings fest, daß es wahre Freiheit nur in der Ordnung geben kann. Freiheit ohne Ordnung ist Chaos, Anarchie, Auflösung. Ordnung ohne Freiheit aber ist Sklaverei, Tyrannis, Ordnung des Zuchthauses, «totale Ordnung«, die die Menschenwürde verletzt.

Mit sinnvoller Ordnung ist das Prinzip Autorität eng verbunden. Ordnung bedarf des Schutzes durch Autorität. Ein Begriff, der heute ebenfalls in Verruf geraten ist und systematisch untergraben wird - was schon bei der absurden "antiautoritären Erziehung« der Kinder beginnt. Jeder Konservative bekennt sich jedoch vorbehaltlos zu ihr als einem geistig-moralischen und für die Gesellschaft in all ihren (Gliederungen und Strukturen - beginnend von der Familie - absolut notwendigen Wertbegriff. Der Maßstab für echte Autorität wird ausschließlich und allein an die Persönlichkeit angelegt und ist in erster Linie durch die Erfüllung von Pflichten legitimiert und nicht durch den Besitz von Rechten oder Privilegien. Dieser Grundsatz reicht vom einfachsten Familienvater bis zum Staatsoberhaupt. Wahre Autorität - Anerkennungsautorität - kann sich daher nie auf ein Amt, eine Funktion, nie auf Herkunft, Vermögen oder ererbtes Recht berufen oder stützen.

Das Bekenntnis des Konservatismus zur Autorität bezieht sich jedoch nicht nur auf Personen, sondern auch auf die Autorität der demokratisch-rechtsstaatlichen Institutionen. Denn alles politische und gesellschaftliche Handeln im großen Maßstab muß in erster Linie institutionell sein. Insbesondere die Kontrolle der Herrschenden und die Überprüfung ihrer Macht ist das Problem der Errichtung und Erhaltung von Institutionen, die so beschaffen sind und funktionieren, daß auch eine schlechte oder schwache Regierung keinen allzu großen Schaden anrichten kann. Dazu schrieb der Philosoph Sir Karl Popper in seinem Werk Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, es komme nicht darauf an, wer die Macht im Staat besitzt, sondern darauf, wie diese Macht gehandhabt wird.

Die wahre Stärke eines demokratischen Staates liegt weniger in den Personen, die ihn regieren, als vielmehr im Funktionieren seiner Institutionen. Allein diese bieten eine Gewähr für politische, soziale und rechtliche Stabilität und Kontinuität. Die Schweiz zum Beispiel ist zweifellos ein in demokratischer Tradition erfahrener, gefestigter und daher starker Staat. Aber wer kennt schon außerhalb der Schweiz die Personen, die regieren und jeweils an der Spitze stehen? Es sind die Institutionen, die den Staat tragen. »Institutionen sind wie Festungen, sie müssen wohl geplant und wohl bemannt sein«, sagt Karl Popper, woraus ihr Schutzwallcharakter für die Freiheit und die Rechte des Einzelnen und der Gesellschaft gegen staatliche Allmacht ersichtlich wird.

Einem konservativen Prinzipienfonds würde noch ein wesentliches Element fehlen, wenn er nicht auch den grundlegenden Gedanken der Weltbewahrung - der Bewahrung der Schöpfung - einbeziehen würde. Er beruht auf der Einsicht, daß die natürliche Umwelt nicht ein beliebig auszubeutendes Objekt ist, sondern ein Partner des Menschen. Ein Partner, auf den wir angewiesen sind seit eh und je, mit dem wir von Anbeginn her, seit dem ersten Auftreten des Menschen, auf vielfältigste Art und Weise verbunden, verflochten, verwurzelt, ja verwandt sind und es immer bleiben werden. Der »Bruder Baum« ist keine Neuentdeckung der Grünen, die hinter solchen Schlagworten nicht selten ganz andere Absichten verbergen. Für den Konservativen ist er immer schon ein Bruder, weil auch er eine der unzähligen Erscheinungsformen des Mysteriums Leben ist, dessen Ursprung wir mit ihm gemeinsam haben.

Der Mensch mag sich noch so sehr emanzipieren von allen Abhängigkeiten und Bindungen; in der Abhängigkeit von seiner Umwelt und in der Bindung an sie wird er jedoch immer und unlösbar verhaftet bleiben - einfach um leben zu können. Der Tod der Natur würde auch seinen Tod bedeuten. Damit erhält die Idee des Konservatismus als einer geistigen Kraft des Bewahrens einen ganz neuen Aspekt, eine neue Dimension und Aktualität.

Aus dem Bibelspruch »Macht euch die Erde untertan« leiten manche fälschlicherweise das Recht ab, die Natur nach Herzenslust ausbeuten und ausplündern zu dürfen. Dieser Satz bedeutet aber etwas ganz anderes: Macht euch die Materie (Erde) untertan, indem ihr euch über sie erhebt. Der Geist und das Denken sollen nicht im Materiellen haften und gefangen bleiben, Tun und Handeln sollen nicht nur vom Materiellen her bestimmt werden. Es ist im Grunde genommen ein Auftrag an den Menschen, dem Materialismus zu widerstehen und ihn zum Untertan zu machen.

Mit dieser Einstellung zum Menschen, zur Gesellschaft und zur Welt bezieht der moderne Konservatismus die moralische und ethische Dimension der ökologischen Problematik automatisch mit ein. Und in diesem Sinne sagte der einstige Nestor der Verhaltensforschung, Konrad Lorenz, kurz vor seinem Tod: »Alle Entscheidungen, an denen die Zukunft der Menschheit hängt, sind letztlich ethische Entscheidungen.«

Gerd-Klaus Kaltenbrunner faßt zusammen: »Neokonservatismus muß Abschied nehmen von alt-konservativen Illusionen. Jeder Versuch einer Restauration wäre vergeblich. Das wissen Neokonservative. Sie haben begriffen, daß es nicht um Rückkehr zu vergangenen Zuständen gehen kann, sondern um die Schaffung neuer, überlebensfähiger Modelle menschlichen Zusammenlebens und menschlichen Umgangs mit der Natur.«

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Der Islam gewinnt an Boden und wird aggressiver. Jürgen Liminski befaßt sich mit dieser Gefahr auch für Europa (Bild : Grabkuppel des moslemischen Mongolenkaisers Tamerlan in Samarkand, der vor sechs Jahrhunderten die halbe Welt eroberte).

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