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Nadel, grün

Offener Brief ...

... über SPIEGEL, FOCUS, WamS, JF und direkt an die
Geschäftsleitung der Hessisch/ Niedersächsischen Allgemeine
Frankfurter Straße 168
34121 Kassel

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit Schreiben vom 27.V.1997 lehnen Sie die Veröffentlichung einer Anzeige der Deutschland-Bewegung zum EU-Gipfeltreffen in Amsterdam "aus grundsätzlichen in Erwägungen" heraus ohne Wenn und Aber ab.

In dieser Anzeige - unterschrieben von einfachen Bürgern, wie von namhaften Publizisten - wird unter einem Zitat aus dem offenen Brief des englischen Romanciers Frederick Forsyth an dem "Spiegel" dazu aufgerufen, sich dem Marsch der etablierten Parteien in ein Europa der multinationalen Konzerne, Großbanken und Bürokraten zu verweigern und stattdessen für ein "in Vielfalt einiges Europa freier und selbstbestimmter Volkswirtschaften und Nationen" einzutreten.

Dieser Text enthält weder andeutungsweise noch expressis verbis gegen Recht und Sitte verstoßende Formulierungen oder Intentionen.

Trotzdem verweigern Sie die Veröffentlichung der Anzeige und schließen damit einen legitimen Teil des politischen Spektrums der Bundesrepublik Deutschland von dieser ansonsten viel benutzten Art des öffentlichen Diskurses aus. Indem Sie so - unter Mißbrauch Ihrer in der Region monopolartigen Stellung - die freie Meinungsbildung und -äußerung unterdrücken, üben Sie Zensur aus und machen sich zum Schießhund der etablierten politischen Klasse. Diese will ja unübersehbar und unter allen Umständen eine öffentliche Diskussion über ihr Europa-Modell - dem die Mehrheit der Deutschen skeptisch gegenübersteht und auf dessen Gefahren eine Vielzahl renommierter Wissenschaftler unablässig hinweisen - verhindern und stattdessen ihre ritualisierten Scheindebatten weiterführen.

Indem Sie, werte Damen und Herren, so die Pressefreifreit konterkarieren, begeben Sie sich auf das Niveau einer gleichgeschalteten Jubelpresse, die seit je der willige Begleiter jeden Totalitarismus war, den zu bekämpfen gerade die "Hessisch/ Niedersächsische Allgemeine" unablässig vorgibt.

Wir kritisieren Ihr Vorgehen in aller Schärfe und rufen Ihnen das Wort eines Ihrer Leserbriefschreiber in Erinnerung, der zu Ihrem Kommentar "Bedrohte Freiheit" anläßlich des Tages der Pressefreiheit schreibt: "Die Presse ist immer nur so so frei, wie es Journalisten, wie es Redaktion und Verlag sind'. Das ist, von der äußeren Bedrohung her gesehen, richtig, aber nicht alles. Es gibt auch die freiwillige Aufgabe der journalistischen Freiheit angesichts eines Meinungen nivellierenden Zeitgeistes." (Ekkehard Lindner, HNA vom 10.V.1997).

Mit freundlichem Gruß
gez. Friedrich Baunack
31.V.1997


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